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Der Balistar – eine seltene Inselschönheit


von Rhino
07.01.2012
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Der gewöhnliche Star ist eine Vogelart, die bei uns in Deutschland weit verbreitet ist, der schwarze Star, der in unseren Gärten sitzt und die ungewöhnlichsten Rufe von sich gibt, zählt zu den häufigsten Vögeln der Welt! Doch es gibt weltweit noch viele andere Arten von Staren, eine davon kommt nur in den Wäldern der indonesischen Insel Bali vor, und diese Art ist das genaue Gegenteil von unserem Star, denn zum einen, ist sie nicht schwarz, sondern schneeweiß und zum anderen, zählt sie nicht zu den häufigsten, sondern zu den seltensten Vögel der Welt, es ist der Balistar (Leucopsar rothschildi), ein Tropenvogel, mit besonderen Körpermerkmalen! Abgesehen von einigen schwarzen Federstreifen an den Spitzen von Flügeln und Schwanz, haben die etwa 90 Gramm schweren Vögel eine strahlend weiße Federfärbung. Um die Augen haben Balistare einen federlosen Bereich, der dunkelblau gefärbt ist, der Schnabel ist graugelb und kräftig. Ein weiteres markantes Merkmal ist die weiße Federhaube, auf dem Kopf der Vögel. Die Stare können diese Haube aufstellen, tun das aber in der Regel nur beim Balzen oder wenn sie sich bedroht fühlen! Balistare nehmen sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung zu sich, so stehen neben Früchten, Beeren, Körnern und Samen auch Ameisen, Raupen, Larven und Termiten auf ihrem Speiseplan. Die Tropenvögel sind tagaktiv und gesellig. Als es auf Bali noch genug Exemplare gab, konnte man sie häufig in Kleingruppen beobachten. In der Nacht schlafen sie gemeinsam in Baumhöhlen und auch die Brut findet in diesen Höhlen statt. Wenn in Indonesien der Oktober beginnt, beginnt für die Balistare die Brutzeit. Aus Reisig, kleinen Ästen, Pflanzenteilen und Federn werden die Nester gebaut, die in den Baumhöhlen vor Raubtieren gut geschützt sind. In diese Nester legen die Weibchen dann drei bis fünf Eier. 15 Tage lang brüten die Weibchen, während die Männchen aufmerksam und aggressiv das Gelege verteidigen. Danach schlüpfen die Jungen, die ihre ersten drei Lebenswochen im Nest bleiben und von den Eltern mit Nahrung versorgt werden. Schließlich endet im November die Brutzeit und die Jungen können das Nest verlassen. Die Eltern gehen nach der Brutzeit aber nicht einfach auseinander, im Gegenteil, Balistar-Paare bleiben ein Leben lang zusammen! Doch leider sind auch die treusten Tierarten oft nicht vor der Gefahr des Menschen sicher…

Der Balistar wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, er kam schon damals nur im Norden der Insel Bali vor. In den 1970er Jahren gab es nur noch 200 Exemplare, 2004 waren es nur noch etwa 20, sie leben alle im Nationalpark Bali Barat, der 1995 speziell zum Schutz dieser Vögel eröffnet wurde. Es gibt zwei Hauptgründe für die Bedrohung dieser Vogelart, zum einen ist es die Zerstörung der Waldgebiete für landwirtschaftliche Zwecke! Ihr einst 30.000 Hektar großer Lebensraum hat sich mittlerweile auf 4.000 Hektar verkleinert! Zum anderen ist es die illegale Bejagung. Vor allem bei reichen Asiaten sind Balistare als Käfigvögel sehr beliebt, ihr Wert auf dem Schwarzmarkt beträgt derzeit ganze 2.000 US-Dollar. Eigentlich steht der Balistar schon seit 1970 unter Artenschutz, doch die Schutzmaßnahmen waren unzureichend, weswegen es Wilderern immer wieder gelang, die Vögel einzufangen und zu verkaufen. Viele Umweltschützer fordern jetzt eine stärkere Überwachung des letzten Nationalparks, um ein gänzliches Aussterben der Vögel zu verhindern!

Doch während es in freier Wildbahn nur noch eine winzige Zahl an Exemplaren gibt, leben in Zoos tausende Balistare, in Europa besitzen mehr als 80 zoologische Einrichtungen diese Vögel, in vielen Zoos werden sie gezüchtet. Ein Auswilderungsprojekt hatte bereits Erfolg, allerdings wurden die Balistare nicht im Nationalpark Bali Barat ausgewildert, sondern in einem Schutzgebiet auf der kleinen Insel Nusa Penida, die sich südwestlich von Bali befindet. Im Jahre 2006 wurden dort insgesamt 37 Balistare aus US-amerikanischen und japanischen Zoos in die Freiheit entlassen. Es war vorerst fraglich, ob sich die Vögel dort verbreiten könnten, da es auf der Insel deutlich trockener ist, als in ihrer ursprünglichen Heimat, doch die Vögel passten sich schnell an die Bedingungen der Insel an, heute gibt es auf Nusa Penida schon ganze 100 Balistare! Doch auch die Population im Nationalpark von Bali soll schon bald durch Auswilderungen gestärkt werden, auch deutsche Zoos könnten sich an dem Projekt beteiligen, wie z. B. der Zoo Köln, der sich seit Jahren für den Erhalt der Balistar-Population einsetzt, allerdings muss man dringend beachten, das eine Auswilderung nur dann erfolgreich sein kann, wenn es gelingt, die Wilderertrupps vom Nationalpark fernzuhalten!
Hoffen wir, das man die kleinen weißen Vögel schon bald, auch jenseits von Tropenhallen und Vogelvolieren, in den wilden Wäldern von Bali sehen und hören kann!

Dies war ein Beitrag aus der Reihe „CR-Porträts“ 

Text: Rhino (Maxim Podobed)
Bilder: Wikimedia Commons
Infos: Wikipedia.de, Tierdoku.com und dradio.de
 

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Kommentare (3)
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08.01.2012
Puma hat geschrieben:
Das heißt,es gibt wieder mehr Balistare?Auch auf der Insel Bali?Na,das ist ja eine tolle Nachricht!Hoffentlich bleibt das Auswilderungsprogramm auch weiterhin so erfolgreich!!!
08.01.2012
LSternus hat geschrieben:
Hi, Rhino,
ich freu mich, dass du wieder unter uns bist ;)
Ich hatte nicht gedacht dass es so schlecht um den Balistar steht. Ich denke es ist dadurch deutlich geworden, dass wir ihm Bemühen die Zerstorung unseres Planeten aufzuhalten einige Arten nd Regionen vernachlässigt haben.
07.01.2012
FabianN hat geschrieben:
Hey Rhino,
schön mal wieder einen Bericht von dir zu lesen;)
Echt toller Bericht! Ich kannte zwar die Vogelart, wusste aber nicht, dass es so um sie steht ;(
Wir können nur hoffen, dass die Auswilderungsprojekte Erfolg haben und dass dein letzter Satz wahr wird...
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