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© James Frankham / WWF
Viagem louca - verrückte Reise durch Brasilien Teil II


von regentag
05.10.2014
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 Teil 2 der Berichtreihe über meinen Brasilienaufenthalt im August diesen Jahres ;) Wer Teil 1 versäumt hat, findet den Artikel hier: http://www.wwf-jugend.de/entdecken/suedamerika/artikel/viagem-louca-verrueckte-reise-durch-brasilien;6996

Nachdem wir beinah den gesamten Tag im Bus verbracht hatten stiegen wir in Paraty aus, einer unter Denkmalschutz stehenden kleineren Stadt, die im 17. Jahrhundert von den portugiesischen Kolonisten und ihren Sklaven erbaut wurde. Kleine weiße Häuser mit bunten Fenstern und Türen, kaum Autos, stattdessen klapprige Fahrräder, alte Mopeds und – Ponys! Kaum zu glauben, dass wir uns immer noch im Bundesstaat Rio de Janeiro befanden!
Brasilien hat viele verschiedene Gesichter – schon allein durch seine Größe. Als fünftgrößtes Land der Welt ist es fast 24mal so groß wie Deutschland. Kein Wunder also, dass die meisten Brasilianer noch nie im Ausland waren. Um Urlaub zu machen, fährt oder fliegt man einfach in eine andere Gegend, immerhin gibt es von Gebirgen über Savannen bis hin zu Stränden und tropischen Wäldern für jeden Geschmack das richtige Ziel – wenn man es sich leisten kann. Fliegen ist für viele Menschen zu teuer, das Zugnetz ist aber auch kaum ausgebaut. Deshalb benutzen die Brasilianer für weitere Reisen fast immer Busse. Das dauert bei den riesigen Entfernungen dort schon einige Zeit, manchmal mehrere Tage – da merkt man erst Mal, was man an der viel beschimpften Deutschen Bahn hat ;)

Neben der malerischen Altstadt kann Paraty auch mit einer tollen Stränden entlang des Südatlantiks auftrumpfen, wie wir bei einer langen Bootsfahrt entlang der bewaldeten, hügeligen Küste bemerkten.

Ohne weiteres kann man sich diese Buchten als Drehorte von Piraten- und Abenteuerfilmen über große Entdecker vorstellen. Zwar war das Wasser relativ kalt, aber das konnte die Hartgesottenen von uns natürlich nicht davon abhalten hineinzuspringen.

Von unserem nächsten Stopp, Foz do Iguacu, trennten uns schlappe 22 Stunden Busfahrt bis in den Süden des Landes an die Grenze zu Paraguay und Argentinien. Dort im Süden war es schon merklich kälter als im warmen Norden, obwohl es in deutschen Ohren paradox klingt. Noch etwas merkwürdiges: Den Mond sieht man von Brasilien aus anders herum.
Der Stadtname setzt sich auch dem indianischen Wort für „Großes Wasser“ und dem portugiesischen „Mündung“ zusammen. Foz do Iguacu liegt nämlich nahe der berühmten Iguaco-Wasserfälle, die nicht nur eins der sieben Naturweltwunder, sondern auch UNESCO-Welterbe sind.


Wir besuchten gleich zweimal den 555 qkm umfassenden Nationalpark Iguacu, einmal in die argentinische und am nächsten Tag auf die brasilianische Seite. Auf Holz- und Metallgitterstegen ging es mitten durch tropischen Regenwald bzw. Sekundärwald, wie uns ein Guide mitteilte. Dabei machten wir auch die Bekanntschaft mit Nasenbären, die auf den ersten Blick süß aussehen mögen, es aber fausdick hinter den Ohren haben und freche Raubtiere sind. Die Erfahrung machten auch einige von uns, als die Frechdächse Essensvorräte wie Oreokekse und Schokolade klauten. Die Plastikverpackungen ließen sie allerdings zurück – ganz schön intelligent die Tiere!

An dieser Stelle ein kurzer Exkurs: Der Plastiktütenverbrauch in Brasilien ist übrigens eine Katastrophe. In Supermärkten werden Einpacker beschäftigt, die hinter den Laufbändern der Kassen stehen und jeden Artikel einzeln in separate Platiktüten verpacken! Ich habe wirklich einmal eine Frau beobachtet, die auf diese Weise sicher 15 Tüten in ihren Einkaufkorb legte, wo keine einzige nötig gewesen wäre!

Aber zurück in den Nationalpark:
Jaguare ließen sich leider keine blicken, dafür jede Menge bunter Schmetterlinge und exotischer Vögel. Das spektakuläre Highlight waren natürlich die 275 Wasserfälle, die sich über beinah drei Kilometer ausdehnen. Auf der brasilianischen Seite des Parks nahmen wir auch an einem Bootstrip zu den Fällen teil, Dusche inklusiv.

Auf dem Rückweg machten wir noch Halt in einem argentinischen Dorf, in dem gerade ein sehr authentischer Markt stattfand. Brot, Oliven, Gewürze, eingelegte Früchte, Käse, Schinken und Spirituosen wurden neben indianischem Schmuck, gewebten Taschen und aus Holz geschnitzten Flöten angeboten. Der Geruch war herrlich.

Man sieht: Lokale Spezialitäten. Und Milka-Kekse. Und Budweiser.

Da wir schon im Dreiländereck waren, machten wir gleich auch noch einen Abstecher nach Paraguay. Dort sah es gleich ganz anders aus. Unter den quer über die Straßen gespannten Stromleitungen konnte man Klamotten, Waffen, Elektroschocker und Kitsch kaufen. Uns fiel auf, dass viele Menschen ein seltsames Getränk aus zerstampften Kräutern und Eiswasser tranken. Ich probierte es und erfuhr, dass es sich dabei um Tereré handelte, das paraguayische Nationalgetränkt aus Matetee. Hinter den Ständen in den Häusern befanden sich heruntergekommene Shoppingcenter, aber auch ein paar wenige gepflegtere Läden für die Touristen.

Vor allem seit dem Bau des leistungsstärksten Wasserkraftwerks der Welt, Itaipu, boomt der Tourismus in dieser Region noch mehr. Auch unsere Gruppe fuhr zu dem riesigen Staudamm, aber dieser Ausflug hinterließ ein mulmiges Gefühl bei mir. Uns wurde ein wahrhafter Propagandafilm der Betreiberfirma gezeigt, der dieses Wunderwerk der Technik zehn Minuten lang euphorisch anpries. Zwar stimmt es, dass das Gemeinschaftsprojekt Paraguays und Brasiliens zwei Länder näher zusammenbringt, Arbeitsplätze schafft und vor allem saubere Energie erzeugt, aber Eingriffe in die Natur von solchem Ausmaß haben selbstverständlich auch negative Folgen: große Flächen subtropischen Regenwald mussten dem Staudamm weichen, noch größere Gebiete versanken in dem Stausee, darunter auch Wasserfälle, die den Iguacufällen ähnlich gewesen sind. Rund 40.000 Menschen, vor allem indianische Ureinwohner, mussten umsiedeln und 145 Arbeiter kamen bei dem Bau des Kraftwerks um.

Am letzten gemeinsamen Abend der Rundreise kamen wir noch in den Genuss einer lateinamerikanischen Tanzshow, bevor unsere Wege sich trennten und jeder zu seiner Austauschfamilie kam.

Was mich dort so erwartete, erfahrt ihr im nächsten Bericht ;)

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Kommentare (9)
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Sortieren nach Aktualität:
06.01.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
das siht alles mega cool aus! :D
11.10.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Ich kann mich den anderen nur anschließen! Danke für den wunderschönen Bericht, ich freu mich auf den nächsten! :)
08.10.2014
Morgentau hat geschrieben:
Schon wieder ein supermegatoller Bericht! :)
Die Fotos sind echt beeindruckend und ich kann midori nur zustimmen: Da kriegt man richtig Fernweh!
Ich freu mich schon auf die nächste Folge!
08.10.2014
Chillkroete hat geschrieben:
Echt spannend! Toll das du uns daran teilhaben lässt :) toller Bericht mit sehr schönen Fotos :D Dankeschön! Freu mich auf den nächsten Bericht! :)
07.10.2014
JohannesB hat geschrieben:
Das hört sich echt nach einer abwechslungsreichen und faszinierenden Reise an! Besonders die Wasserfälle stell' ich mir richtig imposant vor.
Bin gespannt auf den kommenenden Bericht, bitte wieder mit vielen Bildern ;)
06.10.2014
LaLoba hat geschrieben:
Total spannend, was du da erlebst! Ich freue mich auch schon auf den nächsten Bericht! Die Wasserfälle sehen wirklich total beeindruckend aus und das schon auf dem Foto. In echt muss das ja phänomenal gewesen sein!
06.10.2014
midori hat geschrieben:
Da bekommt man direkt Fernweh! Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Bericht!! :o)
06.10.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Wunder wunder wunderschöne Bilder und so viele tolle Informationen! Ich bin wieder ganz begeistert über deinen Brasilien-Bericht!
05.10.2014
Cookie hat geschrieben:
Wow, auf dieser Rundreise war ja wirklich einiges geboten! Gleich drei Länder und so viele faszinierende Orte und interessante Tiere! Die Nasenbären sehen ja wirklich zum Knuddeln aus, auch wenn sie kleine Schokoladendiebe sind. Wieder ein supertoller Bericht mit wunderschönen Bildern, bin schon sehr gespannt, wie es bei deiner Gastfamilie weitergeht!
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