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© James Frankham / WWF
Puyo – Die Wiedergeburt des Waldes


von Peet
02.10.2015
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Die Sonne brennt mit jeder Minute mehr und mehr auf der Haut. Die Luft steht. Kein Wind. Nicht mal eine leichte Brise. Es ist schwül und der Schweiß tröpfelt vor sich hin. Der rettende Wald, er lächelt mit mich von der Ferne her an.

Ich stehe auf einer Plantage. Genauer gesagt einer Bananenplantage, im Herzen des Pyuo Regenwaldes. Westlich von uns beginnen die Berge Ecuadors. Das Herz des Landes. Östlich die scheinbar unendliche Weite des Amazonas Regenwaldes, wo Staatsgrenzen lediglich auf dem Papier bestehen.

Die Bananen hier, sie sehen anders aus als im heimischen Supermarkt. Diese hier sind grün oder rot, klein oder groß. Gelb, dass sind sie nicht. Eine Bananenvielfalt und das Paradies eines jeden Minion. An dieser Stelle, im scheinbaren Nirgendwo, wird für die Region und den Weltmarkt produziert. Kleinbauer grenzt an Kleinbauer. Plantage an Regenwald, Regenwald an Plantage. Dort wo Wege in den Wald hineinführen, finden sich kleine Behausungen mit kleinen Plantagen. Geschütze Wälder stehen im Wechselspiel zu konventioneller Plantagenbewirtschaftung. Doch das war nicht immer so.

Socio Bosque – eine Erfolgsgeschichte nimmt seinen Lauf

Der Stolz der Bäuerin María de Jorrez steht ihr ins Gesicht geschrieben, als sie uns einen Rundgang über ihr überschaubares Grundstück gibt. Die Worte sprudeln nur so vor sich hin. Es geht um Bewirtschaftungsprozesse, alltäglichen Probleme im Dorf und den wenigen Regen, der sie dieses Jahr besonders trifft.

Aber sie ist vor allem dankbar. Denn es hat sich einiges geändert. Das ‚Socio Bosque’-Programm, unterstützt von der Regierung Ecuadors und verwaltet vom WWF Ecuador, zeigt nach Jahren der Etablierung nun die ersten Erfolge.

Das Schlüsselelement in diesem Programm besteht aus der Förderung der Kleinbauern und Kommunen in Puyo und anderen, waldreichen Gebieten Ecuadors. Umweltschutz- und Wirtschaftsziele werden hier unter einen Hut gebracht und Grundbesitzer wie María de Jorrez verpflichten sich, einen Teil der Wälder pro Grundstück entweder stehen zu lassen oder wieder aufzuforsten. Im Gegenzug erhalten sie finanzielle Ausgleichszahlungen für das nachhaltige Verwalten des Waldes. Der WWF Ecuador unterstützt mit Expertise und agiert als Vermittler zwischen Grundbesitzern und Kommunen sowie Kommunen und Regierung.

Vor diesem Programm sah es düster aus für die Region. Die wenigen Einnahmequellen bestanden aus Jagd und Rodung. Die Zukunft, so schien es, lag entweder in den großen Städten oder beim Verkauf des eigenen Grundbesitzes zugunsten von Großunternehmen. María de Jorrez machen vor allem die vielen Rodungen rund um ihr Heimatdorf traurig. Ihre Vorfahren, so sagt sie, haben immer auf den Wald achtgegeben. Aber die Welt hat sich verändert und mit ihr auch der Blick für die Realität: „Auch wir benötigen Geld. Nicht viel, aber wenigstens ein bisschen. Was hatten wir für eine andere Wahl?“

Auf eine Banane mit Hahn & Huhn

Korruption, Armut, soziale Unsicherheit. Ein Problem führte zum nächsten. Es ist ein Teufelskreislauf gewesen. Die Regierung konnte die Probleme in der Region irgendwann nicht mehr ignorieren. Proteste der größtenteils indigenen Bevölkerung gegen die Rodung, Korruption und Verwahrlosung ihrer Heimat waren die Folge. Das ‚Socio Bosque’-Programm die Rettung für die Region.

Die rund zwei Hektar große Plantage von María de Jorrez ist nur ein Beispiel dafür. Die Probleme, sagt sie, sind weniger geworden, auch wenn noch nicht alles gelöst ist. Doch für die indigene Bevölkerung in der Region um Puyo ist es ein Hoffnungsschimmer. Wirtschaftliche Möglichkeiten und Naturschutzmanagement. Das scheint für viele hier eine akzeptable Lösung zu sein. Für einige die einzige.

Auf ihrem Grundstück sind neben Dessertbananen (Lat.: Musa × paradisiaca) die ebenfalls für die Region typischen Kochbananen vorzufinden. Letzteres ist ein Grundnahrungsmittel in Süd-Amerika und wird oft mit Huhn und Reis serviert. Die für den europäischen Markt typischen Dessertbananen, sind größtenteils für den Export vorgesehen.

Marías Hühner-Kolonne, inklusive Hahn, begleitet uns mit jedem Schritt, als wir die Bananenstauden und das kleine Gewächshaus für die Züchtung von Keimlingen begutachten. Letzteres, so die Bäuerin, ist besonders wichtig. Die Stauden sind monokarp und sterben somit nach der einmaligen Blüte ab. Auf der Plantage besteht also ein ständiger Wechsel zwischen jungen und alten Stauden.

Tzama – Der Stolz des Waldes

Einen Teil ihres Grundstücks widmet María de Jorrez dem Wald. Sie züchtet mit Hilfe von Nachbarn regionale Baumarten heran, die dann zur Wiederaufforstung genutzt werden. So ist in den letzten zehn Jahren aus einer brachen Ackerfläche ein kleiner Wald entstanden, der strengen Schutzrichtlinien unterliegt. Die vielen Wiederaufforstungsprojekte in der Region ergeben in der gesamten Fläche eine große Waldfläche. Das hat einen angenehmen Nebeneffekt: Abseits der wirtschaftlichen Erfolge, kehr die Flora und Fauna zurück, die so nicht mehr oder nur teilweise existierte. Klimaschutz, Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg scheinen so gesichert zu werden.

Auch Tzama und seine Familie unterstützen das Projekt. Seine Familie besitzt eine der größten Flächen in der Region. Neben einer Bananenplantage gibt es hier vor allem Wald – sehr viel Wald. Auch ihm ist der Stolz anzusehen. Bei Hühnerbeinsuppe und Kochbanane erzählt er von seinen Erfolgen im Wiederaufforstungsprojekt. „Wir leben vom Wald. Frische Luft, Wasser, Nahrung und das regionale aber auch weltweite Klima, sind vom Wald abhängig“, so Tzama. Es geht also nicht nur um ein kleines indigenes Dorf, sondern um einen weltweiten Bewusstseinswandel. „Der Wald“, so Tzama, „sei mehr wert als alles Geld der Welt. Das müssen wir lernen zu verstehen.“

Diese Reportage ist im englischen für den WWF Ecuador geschrieben worden

Bilder und Infografiken: Peter Jelinek

Mehr Bilder aus dem Regenwald Puyos gibt es hier: peterjelinek.de

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Kommentare (11)
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Sortieren nach Aktualität:
15.10.2015
Anais hat geschrieben:
Spannende Reportage ;))
09.10.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Danke für den Bericht, es ist so schön zu hören, dass solche Projekte funktionieren! Eine tolle Reportage und schöne Bilder :-)
09.10.2015
Hummelelfe hat geschrieben:
Toller Artikel, tolle Fotos ;P
06.10.2015
FabianN hat geschrieben:
Eine sensationell geschriebene Reportage! Vielen Dank dafür, Peter:)

Zu hören, dass das Projekt so langsam Früchte zeigt, lässt doch wirklich hoffen. Von Menschen mit einer so reflektierten Einstellung wie Tzama kann man so viel lernen!
04.10.2015
Rhino hat geschrieben:
Danke für die spannenden Einblicke und die tollen Fotos! :)
04.10.2015
Sunlight hat geschrieben:
Danke für diese schöne Reportage!! Es ist so wunderbar auch mal gute Nachrichten aus dem Regenwald zu hören und vor allem zu sehen, dass es eben doch Projekte gibt, die Umwelt und Wirtschaft in Einklang bringen...
Hoffentlich wird es immer mehr solcher Projekte geben, dass der weltweite Bewusstseinswandel endlich Realität wird!
03.10.2015
Schlotterlotte9 hat geschrieben:
Sehr interessanter Bericht!:-)
03.10.2015
Wasserjunge hat geschrieben:
Beim letzten Zitat "Der Wald, sei mehr wert als alles Geld der Welt. Das müssen wir lernen zu verstehen.“, habe ich Gänsehaut bekommen.
Es stimmt und doch verdrängt es der größte Teil der Weltbevölkerung...Ich hoffe, dass bald ein umdenken kommt!
@Peet Super Bericht und vor allem, auch wenn ich ein Fan deiner Fotos bin, tolle Fotos! :)
03.10.2015
SarahU hat geschrieben:
Sehr interessanter und informativer Bericht!! Danke! :)
Ich möchte nächstes Jahr in diese Region und Freiwilligenarbeit leisten... schön, etwas positives über den Regenwald der Region Puyo zu hören :)
03.10.2015
Tierfreundin hat geschrieben:
Es ist so toll, dass dieses Projekt ins Leben gerufen wurde !
Ich hoffe, dass es ein globales Umdenken geben wird und der gesunde Menschenverstand zurückkehrt !


03.10.2015
Luke24 hat geschrieben:
Super interessant und mit den Bildern und Infoboxen ausgezeichnet aufbereitet :-) .

Es ist schön, auch mal gute Nachrichten aus der Region zu hören!
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