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© James Frankham / WWF
Proteste gegen Straßenbau im Amazonasgebiet


von LenaSofie
23.10.2011
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Bolivien. Proteste gegen geplanten Straßenbau durch das Amazonasgebiet. Ureinwohner kämpfen für ihren Lebensraum.

Wer in den letzten Tagen die Nachrichten verfolgt hat, wird sich an viele Bilder aufgebrachter Menschenmengen erinnern, die auf die Straße gingen, um ihrem Ärger Luft zu machen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. In Griechenland zieht es die Massen auf die Straße, um gegen den Sparkurs ihrer Regierung anzugehen, weltweit gruppieren sich Menschen, die gegen die Macht der Banken demonstrieren und in Bolivien schallen die Protestrufe der im bedrohten Amazonasgebiet lebenden Indianer durch die Gassen.

Diese Protestrufe gelten der Regierung, die engstirnig, den Blick fest auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes geheftet, einen Straßenbau unterstützt, der viele Ureinwohner im Amazonasgebiet ihren Lebensraum kosten würde und der ein weiteres Zeichen dafür ist, dass wirtschaftliches Wohlergehen für Viele über den Zielen des Naturschutzes steht.
 

Geplant ist eine neue Handelsstraße, die brasilianische Häfen mit Pazifikhäfen Chiles und Peru verbinden soll, und die sich ihren Weg durch ein artenreiches Naturschutzgebiet bahnen wird.
Die sozialistische Regierung argumentiert, die 306 Kilometer lange Straße von San Ignacio de Moxos nach Villa Tunari sei wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Die Ureinwohner befürchten jedoch eine verstärkte Rodung der Urwälder und sehen die Gefahren darin, nicht nur für sie selbst, sondern für die ganze Welt. Durch die Brandrodung großer Gebiete, werden unzählige Tonnen an Kohlendioxid freigesetzt und CO2 kann nicht mehr gebunden werden.
 

Natürlich lässt sich argumentieren, dass diese eine Straße wohl kaum Auswirkungen auf das Weltklima haben wird. Aber sie ist ein bedeutender Teil eines großen Ganzen, das seit Jahren halb versteckt in den Tiefen der Urwäldern vor sich geht.
Viele Staaten im Amazonasgebiet befinden sich wirtschaftlich auf einem aufsteigenden Ast. Um diese Entwicklung zu beschleunigen sind umfangreiche Infrastrukturänderungen geplant. Neuen Verbindungsstraßen zu anderen Ländern zwischen Pazifik und Atlantik sollen mehrere Millionen Hektar Regenwald zum Opfer fallen. Viele Straßen müssen asphaltiert werden, atmender Boden wird versiegelt. Wenn es versäumt wird, ausreichende Schutzmaßnahmen zu treffen, werden bis 2050 etwa 1,7 Millionen Quadratkilometer (¼ des gesamten Amazonasgebietes) entwaldet sein. Die Leistung der „grünen Klimaanlage des Planeten“ würden also stark reduziert werden, die Luft wird dicker.

Der WWF hat festgestellt „Wenn der Amazonaswald komplett abgeholzt wird, würden 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt, die sich in der Luft mit Sauerstoff verbinden. Das entspricht der Menge an Treibhausgasemissionen der gesamten Welt in 15 Jahren“.

Wir brauchen unsere „grüne Klimaanlage“. Wie die Ureinwohner richtig erkannt haben, kann jedes weitere Projekt, bei dem Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden, entscheidend sein für die Zukunft der Menschen.
Wie brenzlig unsere Situation ist, zeigt die Reaktion der bolivianischen Regierung auf die Proteste. Mit Tränengas und Schlagstöcken wurde gegen die protestierenden Ureinwohner vorgegangen, unter denen sich auch viele Kinder befanden. Die Regierung, geblendet von den Verheißungen des wirtschaftlichen Aufschwungs, möchte aus dem eigenen Volk keine Proteste hören. In einem Land wie Bolivien, wo Armut immernoch große Teile der Bevölkerung beherrscht, scheint es verständlich, dass lieber zwei Augen zugedrückt werden, wenn es um ökologische Probleme geht, und die Rodung von Wald in Kauf genommen wird, wenn dadurch neue Anbauflächen entstehen. Wir befinden uns jedoch an einem Scheidepunkt, an dem zu entscheiden ist, was mehr zählt. Die Wirtschaft, die die modernen Werte der Menschheit bestimmt, oder die Rückkehr zu den alten Werten.
Die Ureinwohner im Amazonasgebiet, die diese alten Werte noch kennen, die im Einklang mit der Natur leben können, haben ihre Entscheidung getroffen. Die Regierung wird dieses Projekt nur durchsetzen, „wenn sie die Ureinwohner tötet, die hier leben.“

 

 

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Kommentare (7)
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26.10.2011
LenaSofie hat geschrieben:
Hey Peet, vielen dank fuer den Link! Das macht doch mut !
25.10.2011
Peet hat geschrieben:
24.10.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Die Petition ist unterschrieben und der Link weitergeleitet :)
24.10.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Wann werden die Wirtschaft und Politik endlich verstehen, dass man Geld weder atmen noch essen kann?!
Der "kurze" finanzielle Gewinn steht in keinem Verhältnis zu den langfristigen verherenden Folgen unter denen das Weltklima und damit wir alle leiden werden.

Es ist für mich vollkommen unverständlich, wie eine Regierung die eigene Bevölkerung - die sie ja eigentlich schützen sollte - so brutal behandeln kann! Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass wir in einem Land leben, dass die Meinungsfreiheit und das Recht auf Demonstrationen garantiert.
24.10.2011
Peet hat geschrieben:
Da können wir wohl nur hoffen...Und hier noch eine Petition gegen das Ganze: http://www.avaaz.org/de/bolivia_stop_the_crackdown/?slideshow
23.10.2011
Marcel hat geschrieben:
Danke für diesen super Bericht! Es ist schon verrückt, dass in den Nachrichten fast nur diejenigen gezeigt werden, die wegen der Wirtschaftskrise demonstrieren. Dass wir jedoch die Natur auf unserem Planeten weiter zerstören und dabei auch ökonomisch ein immenser Schaden entsteht, bedenken die wenigsten. Die Naturkreisläufe werden nie in die Wirtschaftskreisläufe einbezogen - das ist ein Fehler so ähnlich, als würde man einen Tisch bauen wollen, ohne dabei an das Holz zu denken.
23.10.2011
Stoffie hat geschrieben:
Krass das so brutal gegen die Ureinwohner vorgegangen wird! Ich hoffe das die Straße Nicht gebaut wird... Sonst verlieren wir noch mehr unserer grünen Lunge!
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