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© James Frankham / WWF
Phytotelmata - Die wahrscheinlich kleinsten Gewässer der Welt


von Carina
20.05.2015
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Es ist warm und feucht in Brasiliens Regenwäldern. Gerade eben ist ein sintflutartiger Regenschauer niedergegangen, es tropft noch von den Blättern. Papageienrufe schallen durch die Luft – und im dichten Gebüsch springt etwas Rotes, Kleines von rechts nach links, lässt Äste wippen und sendet noch mehr Tropfen platschend zu Boden. Es ist ein Erdbeerfröschchen, auf der Suche nach einem Laichgewässer. Und es ist fündig geworden: In dem Trichter einer Bromelie hat sich von dem vielen Regen etwas Wasser gesammelt. Hier hinein legt das Froschweibchen ein einzelnes Ei.

Erdbeerfröschchen. (c) Wikimedia Commons

Das Entstehen kleiner Wasserpfützen auf Pflanzen ist keine Seltenheit. Sie werden Phytotelmata oder auch Phytotelmen genannt. Viele dieser Kleinstgewässer trocknen schnell wieder aus, andere sind jedoch langlebiger. In Mitteleuropa findet man Phytotelmata vor allem in Astlöchern, wo sie über zehn Jahre lang bestehen können. Phytotelmata in Trichtern von Bromelien – wie das unseres Froschweibchens – bestehen meist so lange, wie die Pflanze lebt.

Wassersammlung in einem Bromelientrichter. (c) Wikimedia Commons

Es scheint unglaublich, doch es wurden bereits mehrere hundert Arten beschrieben, die Phytotelmata als Lebensraum nutzen. Dabei ist das Leben dort nicht immer einfach: Man muss mit großen Temperaturschwankungen zurechtkommen, mit Nährstoff- und häufig auch Sauerstoffarmut. Außerdem muss man die Phythotelmen erreichen können und in der Lage sein, sie zu verlassen und neue zu besiedeln, um die Art zu erhalten. Zu den Überlebenskünstlern, die all diese Bedingungen erfüllen, zählen vor allem Pilze, Bakterien, Milben, Algen, Kleinkrebse und flugfähige Insekten. Und natürlich – Frösche. Achtundzwanzig Froscharten wurden bisher festgestellt, die Phytotelmata als Laichgewässer verwenden. Darunter zum Beispiel der Pfeilgiftfrosch und das Erbeerfröschchen.

Bromelie. (c) Jitka Erbenová

Unser Erdbeerfröschchenweibchen wird das Ei, das sie gelegt hat, gewissenhaft bewachen, zur Kaulquappe und schließlich zum Frosch heranwachsen sehen. Das ist eine absolute Besonderheit – normalerweise legen Amphibien ihre Eier ab und überlassen sie vollkommen sich selbst. Die Phytotelmata-bewohnenden Frösche hingegen betreiben aktive Brutpflege. Meist legen sie sogar noch weitere Eier in das Gewässer ihrer Kaulquappe, die nur dazu dienen, sie zu ernähren. Die Kaulquappe wird von ihren Eltern auch zu einem neuen Phytotelma transportiert, sollte dies nötig sein. Wenn der kleine Frosch dann alt genug ist, kann er selbst auf Partner- und Laichgewässersuche gehen. Dazu muss er in seinem ganzen Leben nicht ein einziges Mal die Baumkronen verlassen. Die Phytotelmata machen es möglich.

Quellen:

Infotafel des Grugaparks in Essen.

http://online-media.uni-marburg.de/biologie/nutzpflanzen/felix_greuner/bromelien_004.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Phytotelma

Titelbild: (c) Mast Irham/WWF

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Kommentare (5)
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20.05.2015
Lisa18 hat geschrieben:
Vielen Dank für den interessanten Bericht! Ich habe letztens eine Doku unteranderem über diese faszinierenden Tiere gesehen und dort war ein Froschmännchen, dass sich um die Kaulquappen gekümmert hat. Es musste immer, wenn die Kleinen Hunger hatten ein Weibchen suchen, damit diese, wie du ja auch beschrieben hast, ein Ei als Nahrung in die Phytotelmata legten. Eine, wie ich finde, ziemlich stressige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass das Männchen nicht nur ein Phytotelmata-Gelege zu versorgen hat.
20.05.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Ein sehr schöner Artikel, die Erdbeerfrösche sehen total toll aus!
20.05.2015
RichardParker hat geschrieben:
Super interessant, vielen Dank! :)) Von dem Erdbeerfröschchen habe ich auch schon gehört, ein sehr drolliger Name, finde ich :))
20.05.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Sehr interessanter Bericht, danke! :) Die Erdbeerfröschchen sind ja richtig sozial! :)
20.05.2015
Marcel hat geschrieben:
Absolut faszinierend. Danke für diesen schönen Bericht. Bin Frosch-Fan und habe hier wieder Neues erfahren.
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