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© James Frankham / WWF
Eine tropische Tragödie


von Franzi
05.04.2013
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78 P

Jede Tragödie hat einen ähnlichen Aufbau. Immer gibt es eine Katastrophe, und ab diesem schicksalshaften Punkt verschlechtert sich die Situation dramatisch, bis zum völligen Untergang.
Zunächst gibt es noch die Möglichkeit, das Schlimmste abzuwenden, doch diese Chance wird nicht genutzt. Der Held scheitert, sein Tod ist unausweichlich.

Im vorliegenden Fall hat die Katastrophe noch nicht stattgefunden. Es gibt noch Hoffnung. Wir sind erst im Prolog der Tragödie. Aber wie die Geschichte weitergeht, ist äußerst ungewiss.

Wir befinden uns in Ecuador. Dieses südamerikanische Land ist mit einer reichen Flora und Fauna gesegnet, birgt einzigartige Naturschätze und vor allem: sehr kostbaren Regenwald.
Nun plant die Regierung mehr als 3 Millionen Hektar dieses Regenwaldes an chinesische Ölfirmen zu verschachern. Was das bedeuten würde? Nun, ganz einfach. Es wäre die Katastrophe in unserer Tragödie.

Denn Ölbohrungen in dieser hochsensiblen Region würden das Leben der Einheimischen für immer verändern, wenn nicht gar zerstören. Traditionelle Lebensweisen wären nicht mehr möglich. Die Umwelt würde verschmutzt werden und riesige Flächen an Regenwald gerodet.
Sieben indigenen Völkergruppen, die auf dem betreffenden Land leben, geben an, dass sie weder gefragt noch in den Verhandlungsprozess miteinbeziehen worden sind. Dabei geht es schließlich um ihr Land und ihre Lebensgrundlage!

Die Ausschreibung des Landes hat bereits begonnen, vorletzten Montag trafen sich Mitglieder der ecuadorianischen Regierung mit hochrangigen Vertretern chinesischer Ölfirmen in Beijing. Bereits bei vorangegangenen Treffen gab es es groß angelegte Proteste der einheimischen Bevölkerung, vergebens.
Letzten Herbst rief eine Gruppe von Vertretern der indigenen Bevölkerung in einem offenen Brief die Ölfilmen dazu auf, nicht an der Ausschreibung teilzunehmen, da systematisch die Rechte der Ureinwohner missachtet würden.

Der zuständige Minister, Andrés Donoso Fabara, erwiderte lapidar, dass die Regierung bereits sehr große Landflächen unter Schutz gestellt hätte, da die einheimische Bevölkerung gegen eine Nutzung durch Ölfirmen protestiert hatte. Laut Gesetz hätte die Regierung aber die Möglichkeit, sich jegliches Land einfach zu nehmen um damit zu machen was immer sie wollten, aber das entspräche nicht ihren Grundsätzen. Mit anderen Worten: seid doch froh, dass wir euch nicht gleich alles wegnehmen und beschwert euch nicht auch noch. Na, wenn das mal nicht einleuchtend ist...
Dass China gerade erst neue Richtlinien erlassen hat, nach denen das Land bei ausländischen Investitionen auf das Einverständnis und den Rückhalt der dort lebenden Bevölkerung achten will, scheint weder die chinesischen Ölfilmen noch Fabara weiter zu interessieren.

Die amerikanische NGO 'Amazon Watch' vermutet hingegen ganz andere Motive hinter dem Verkauf der Amazonas Gebiete: Ecuador hat hohe Schulden bei China und finanziert einen Großteil seiner Entwicklung durch die Großmacht. Um diese Beziehung nicht zu gefährde, hält es die ecuadorianische Regierung wohl für klüger, nicht zu sehr auf Umweltschutz und die Interessen der Ureinwohner zu pochen. Da muss man wohl mal Kompromisse eingehen, was...!?

Bereits letzten Juli wurde ein großes Gebiet mit tropischem Regenwald im Süden Ecuadors per Gerichtsbeschluss unter Schutz gestellt, jegliche Ölförderungen sind dort nun verboten. Dieses Gebiet, Sarayaku genannt, ist nur per Flugzeug oder Kanu erreichbar und weist ein reiches kulturelles Erbe auf, sowie eine hohe Biodiversität. Das Gericht beschloss außerdem, dass die Regierung vor großen Eingriffen in die Natur die indigenen Gruppen fragen müsste und diese ihre Zustimmung erteilen müssten. Praktisch scheint diese Verfügung allerdings keine Wirkung zu zeigen...

'What the government's been saying as they have been offering up our territory is not true; they have not consulted us, and we're here to tell the big investors that they don't have our permission to exploit our land," sagte Narcisa Mashienta, die weibliche Vorsitzende des Volkes der Shuar.

Was weiter geschieht, ist noch unklar. Zu hoffen bleibt, dass die Tragödie noch abgewendet wird.

 

Quellen:

http://www.guardian.co.uk/world/2013/mar/26/ecuador-chinese-oil-bids-amazon

 

Bilder:

Baumfrosch © Kevin Schafer / WWF-Canon

Ölförderung / Schornsteine © James Frankham / WWF-Canon

Vogel (Plattschnabel-Motmot) © Kevin Schafer / WWF-Canon

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Kommentare (8)
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05.04.2013
Saskia74 hat geschrieben:
Ich finde es so unverschämt, was viele Menschen machen. Die Natur und die Tiere geben und so viel, und was tun diese Menschen? Dumme Sachen über die sie nicht mal nachdenken. Ich bin sowieso nicht der größte Fan der Menschheit. Menschen haben schon so viel zerstört. Zum glück gibt es noch Leute die helfen und nicht wegschauen so wie die Leute hier in der Community oder allgemein der WWF.
05.04.2013
Niiura hat geschrieben:
*widerstehen;)
05.04.2013
Niiura hat geschrieben:
Treffender Vergleich!!!

Und zu isabellas Vergleich "wie die Lunge der Erde zu Grunde geht" fllt mir ein, wie die lungenkranken Menschen mit ihren Atemgeräten immer weiterrauchen, obwohl sie wissen wie dämlich das ist. Sie können einfach nicht wiederstehen und die Sucht unterdrückt den Verstand. Liegt wohl in der Natur des Menschen. Soviel zur Intelligenz....
05.04.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Das ist wirklich schlimm! Wie kann man nur so egoistitsch sein? :(
Ich hab hier eine Petition von Amazon Watch gefunden, bleibt nur die Frage, ob das was bringt... Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt!
http://amazonwatch.org/take-action/stop-the-11th-round-oil-auction-in-ecuador
05.04.2013
Zerschmetterling hat geschrieben:
Ja, das wieder über die Köpfe der Ureinwohner entschieden werden soll, und keine Rücksicht auf die Natur genommen werden soll, ist grausam.

ABER: wie du geschrieben hast. Wir sind noch beim Prolog. Und möglicherweise stehen wir, statt am Anfang einer Tragödie, am Anfang eines Krimis mit Happy End. :)
05.04.2013
Puma hat geschrieben:
Das ist schrecklich!Ich hoffe,dass die Tragödie noch abgewendet werden kann!
05.04.2013
FabianN hat geschrieben:
Das wäre wirklich eine Tragödie :(
Hoffentlich bekommen die chinesischen Ölfirmen das Gebiet nicht...

Trotzdem vielen Dank für den informativen Bericht ;)
05.04.2013
isabella hat geschrieben:
Toller Artikel, aber schade das der Regenwald jetzt nur noch durch Gerichtsbeschlüsse gerettet werden kann.
Ich finde es schrecklich zu sehen, wie die Lunge der Erde zu Grunde geht. Ist es den Menschen denn nicht bewusst, welchen schaden, sie damit anrichten oder wie viele Tierarten und Pflanzenarten vernichtet werden nur um ein Erdöl zu bekommen.
Es ist ein sehr egoistisches Verhalten was der Mensch dort an den Tag legt. Natürlich brauchen wir Erdöl, Gas oder andere Erdschätze zum überleben, aber es muss doch eine Möglichkeit geben es auch ohne töten zu schaffen.

Wenigstens ist ein teil des Regenwaldes nun gerettet:-)
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