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den Wellen


Wo sich Himmel und Erde berühren


von Marcel
28.07.2011
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Direkt vor unserer Haustür befindet sich ein Lebensraum, für den uns viele beneiden. Drehscheibe des Vogelzugs und UNESCO-Weltnaturerbe: das Wattenmeer. Mit rund 10.000 Quadratkilometern Wattflächen, Prielen und Flachwasser, Sandbänken und Dünen sowie den Salzwiesen gehört es zu den natürlichsten Lebensräumen, die wir im Westen Europas noch haben.

Ebbe und Flut bestimmen hier den Lebensrhythmus - zweimal täglich fällt der Meeresboden trocken. Eine faszinierende Folge der Flieh- Anziehungskräfte von Erde und Mond, die die Masserwassen auf unserem Planeten hin und her schaukeln! Wo bei Ebbe der Meeresboden zutage tritt, tummeln sich zahllose Würmer, Muscheln, Schnecken und Krebse sowie in den Prielen kleine Fische. Besonders für Vögel schafft dies ein riesiges Nahrungsangebot. Das Wattenmeer steht heute fast komplett unter Schutz - und ist dabei dennoch gefährdet.

Landeplatz für Weltenbummler

Neben vielen Brutvögeln nutzen rund zehn Millionen Zugvögel, vor allem Watvögel, Gänse und Enten das Wattenmeer. Zu ihnen zählen beispielsweise der Knutt und die Ringelgans. Ihr arktisches Brutgebiet reicht von Nordsibirien bis Nordostkanada. Das Watt ist für diese Vögel der wichtigste Landeplatz auf dem bis Südafrika reichenden "Ostatlantischen Zugweg". Viele von ihnen leben dort für einen Großteil des Jahres, füllen ihre Fettdepots als "Treibstoff" für den Zug auf oder wechseln die Federn. Wie die Brandgans, von der fast der gesamte nordwesteuropäische Bestand im Sommer ins Watt zwischen Büsum und Elbe kommt. Die 200.000 Brandgänse sind dann wegen der Mauser flugunfähig und besonders empfindlich gegen jede Störung.

Auf diesem Poster siehst Du, welche Wege die Zugvögel nehmen.

Auch für Meeressäugetiere wie Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale hat das Wattenmeer große Bedeutung. Die Kegelrobbe, Deutschlands größtes Raubtier, kehrt langsam in die Nordsee zurück. Mittlerweile gibt es im Wattenmeer wieder vier Kolonien mit mehr als 2.000 Tieren, die dort von November bis Januar ihre Jungen gebären und großziehen: bei den Inseln Terschelling, Juist und Amrum sowie auf der Sandbank Düne vor Helgoland.

Rund um Schottland hingegen bewohnen Kegelrobben fast alle Küsten und zahlreiche Inseln. Unser Nordseeexperte Hans-Ulrich hat sie dort besucht und eine Reportage für uns geschrieben.

Erfolgreicher Naturschutz

Seit 1977 setzt sich der WWF gemeinsam mit vielen anderen intensiv für das Wattenmeer ein. Das hat sich gelohnt: Alle drei Anrainerstaaten - Niederlande, Deutschland und Dänemark - haben ihren Anteil am Wattenmeer unter Schutz gestellt. Im deutschen Teil haben Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg von 1985 bis 1990 drei Nationalparks gegründet. Diese wurden seitdem weiter entwickelt - zum Beispiel durch die Vergrößerung um ein Walschutzgebiet in der Nordsee, verbesserte Kernzonen, Einstellung der Jagd, blühende Salzwiesen und der Schutz der Brandgänse. Auch eine bessere Besucherinformation und die Partnerschaft mit nationalparkfreundlich arbeitenden Tourismus-Unternehmen gehören zu den Erfolgen.

Das Wattenmeer ist so einzigartig, dass es im Juni 2009 von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt wurde. Nur Gebiete von 'außergewöhnlichem universellen Wert' können diese höchstmögliche Anerkennung einer Naturlandschaft erhalten. Damit steht das Wattenmeer international auf einer Stufe mit dem Grand Canyon, der Serengeti oder den Galapagos-Inseln. Der WWF ist überzeugt, dass dieser Rückenwind dazu beiträgt, den Schutz des Wattenmeeres dauerhaft abzusichern.

Als Weltnaturerbe trotzdem bedroht?

Große Eindeichungen haben das Wattenmeer über die Jahrhunderte immer mehr bedroht. Doch auch Schadstoffe, Fischerei, militärische Nutzung, Tourismus-Bauten, Industrieanlagen und die Ausrottung von Arten wie Rochen, Stör oder Raubseeschwalbe führten zu großen Natur-Verlusten. Mit dem Schutz des Wattenmeeres gelang hier ein Stopp - doch mehr noch nicht. Denn frühere Schäden wurden nicht repariert. Und zugleich entstanden neue Bedrohungen:

* Wenn das Polareis durch den Klimawandel schmilzt, steigt auch im Wattenmeer der Meeresspiegel. Zwar werden Deiche und Dämme zum Schutz der Menschen immer mehr erhöht - doch Wattflächen und Inseln vor den Deichen drohen so auf lange Sicht durch Abbruch verloren zu gehen.

* Aktuell plant die RWE Dea AG eine massive Ausweitung der Ölförderung im Watt. Doch Industrieanlagen gehören nicht in Nationalparks, die für den strengen Schutz der Natur da sind. Sie ruinieren das Landschaftsbild, stören die Tierwelt und schaffen zusätzliche Risiken.

* Fischerei gehört nicht in Nationalparks. Wenigstens dort sollten sich die übernutzten Fischbestände erholen können. Doch das ist im Wattenmeer bislang noch kaum der Fall.

* Noch immer gelangen über die Flüsse zu viele Gifte und schädliche Nährstoffe ins Meer. Und durch die Schifffahrt kommen jede Menge Müll und immer wieder Ölreste dazu, durch die Tausende von Seevögeln sterben.

Das Wattenmeerprogramm des WWF:

Die WWF-Arbeit im Wattenmeer steht vor allem für die Unterstützung und Weiterentwicklung der Nationalparks und für die internationale Zusammenarbeit beim Schutz. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass unser Einsatz - trotz aller Erfolge - auch weiter dringend gebraucht wird. So argumentiert und streitet der WWF vor allem...

* gegen eine Ausweitung der Ölförderung im Watt;

* für mehr Naturverträglichkeit in der Fischerei, zum Beispiel durch die Verringerung der Jungfisch-Beifänge, die Etablierung großer fangfreier Zonen und die Verhinderung des Imports von nicht-heimischen Arten für die Muschelfischerei;

* für eine rechtzeitige Anpassung an den beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels. Ziel ist es, bei Deichbau und anderen Küstenschutz-Maßnahmen eine Änderung der Politik zu erreichen: Neben dem selbstverständlichen Schutz der Menschen vor Sturmfluten muss auch die Natur des Wattenmeeres in ihrer heutigen Qualität gesichert werden;

* für eine nachhaltige Entwicklung in der Umgebung des Wattenmeeres und die Naturverträglichkeit der wichtigsten Wirtschaftsformen dort: Tourismus, Energieerzeugung sowie Schifffahrt und Häfen.

Deine Hilfe kommt an! Wenn Du den WWF unterstützt, hilfst Du auch dem Wattenmeer. Mit nur drei Euro im Monat kannst Du dabei sein! Außerdem kannst Du Dir überlegen, ob die Nordsee nicht ein schönes Ziel für den nächsten Urlaub wäre. Wenn Du ökologischen Tourismus am Wattenmeer und die Infozentren vor Ort unterstützt, kannst Du nicht nur eine wundervolle Natur erleben, sondern auch die Rolle des Wattenmeers als schützenswerte Region stärken. ;)

Fotos: Ein Schwarm Austernfischer © Rob Webster / WWF; Sonnenuntergang über dem Wattenmeer © Hartmut Jungius / WWF-Canon; Seehunde © Rob Webster / WWF-Canon; Ölförderplattform im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer © WWF / Klaus Günther; Wattwanderung © Rob Webster

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Kommentare (9)
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29.07.2011
Bienenkoenigin hat geschrieben:
ich komm ja grad erst von der nordsee, heut morgen war ich noch da =) und es ist echt einfach nur super schön.. wirklich einmalig ;) doch als wir da so durchs watt gewatschelt sind, da kam uns die frage, ob es wirklich so total einzigartig ist.. also sprich =P gibt es nur irgendwo anders auf der welt ein watt wie an der nordsee?
28.07.2011
MarcelB hat geschrieben:
An der Nordsee werden echt richtig viele schöne Praktikas und FöJ angeboten! Eine richtig dicke Empfehlung an jeden der etwas erleben möchte!!!! Da sammelt man echt unvorstellbare Erfahrungen fürs Leben! :) ich hab noch total viele Fotos, als ich da war, vllt. hat der WWF ja daran Interesse :) die total toll und es hat noch kein anderer Interesse dran, ich kann sie dir mal schicken Marcel :)
28.07.2011
MarcelB hat geschrieben:
Auf Kursfahrt war ich auf der Schutzstation Wattenmeer, die auch da mit dem WWF kooperiert! Richtig schick die Arbeit dort...die Anlage auf dem vorletzten Foto habe ich auch gesehen. Die Ziele des WWF sind mal wieder goldrichtig, wie Lars schon sagte, hoffen wir, dass er die auch einhalten kann und wird.
Unter welchem Link finde ich denn das 2. Foto von dem Artikel in ganz ganz groß???? Ich bin hin und weg!!! Her damit :)
28.07.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
28.07.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
28.07.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
28.07.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Wow, sehr informativ! Hofentlich gelingen die Bemühungen des WWF. Es wäre toll, eine solche Naturlandschaft erhalten zu können und zu fördern.
28.07.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
28.07.2011
Lars0220 hat geschrieben:
Sehr schöner Bericht hoffentlich kann der WWF die Ziele erreichen.
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