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"Wir müssen die Blockade überwinden"


von Marcel
10.06.2010
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Es wird wieder über das Leben der Wale verhandelt. Vor der 62. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Marokko sprachen wir mit WWF-Walexperte Volker Homes. Kann es eine Lösung geben beim Streit zwischen den Befürwortern und Gegnern des Walfangs?

WWF Jugend: Seit fast 25 Jahren ist es verboten, große Wale zu jagen. Wenige Länder nutzen aber ein juristisches Schlupfloch und töten Großwale aus angeblich wissenschaftlichen Gründen - oder sie haben ganz offen Einspruch gegen das Verbot eingelegt. Nun will die internationale Walfangkommission IWC einen Kompromiss zwischen Walfang- und Walschutzstaaten erreichen. Bedeutet ein Kompromiss wirklich Fortschritte für den Walschutz?

altVolker: Zunächst muss man sagen: Wir stecken seit Jahren in einer Sackgasse. Wir haben ein Moratorium und trotzdem werden jedes Jahr bis zu 2.000 Wale gejagt. Das kann so nicht weiter gehen. Deshalb begrüßen wir es grundsätzlich, dass die 88 IWC-Staaten das erkannt haben.

Zwölf von ihnen wurden beauftragt, ein Kompromisspapier zu erarbeiten. Das liegt nun rechtzeitig zur IWC-Konferenz 2010 vor. Zufrieden damit sind allerdings weder die Walschützer noch die Walfangbefürworter.

WWF Jugend: Was sind aus Sicht des WWF die Vorteile dieses Kompromissvorschlages und wo ist die Sache faul?

Volker: Von Vorteil ist zunächst, dass es überhaupt ein erstes Papier gibt, das eine Vision formuliert, was die IWC künftig einmal sein sollte - nämlich eine Organisation für modernen Walschutz. Das heißt vor allem, sich endlich auch mit anderen Gefahren für Wale zu befassen.

WWF Jugend: Zum Beispiel mit Beifang …

Volker: Genau. Oder mit Schiffszusammenstößen in bestimmten Regionen. Das ist zum Beispiel für Blauwale in Chile ein Problem. Oder mit dem Klimawandel, mit dem sich die IWC so gut wie noch gar nicht befasst hat. Es soll auch endlich das bereits länger geplante Schutzgebiet für Wale im Südatlantik verwirklicht werden.

altWWF Jugend: Würden dann auch die Kleinwale besser erfasst werden?

Volker: Ja, mit Sicherheit. Wenn es gelänge, mit einer ganz begrenzten Walfangquote die Walfangstaaten zufrieden zustellen, dann böte das aus unserer Sicht die große Chance, in einer modernen Konvention die Kleinwalarten ganz genauso zu behandeln wie die Großwalarten.

WWF Jugend: Aber im Gegenzug würde die Jagd auf Großwale begrenzt erlaubt werden?

Volker: Zunächst ist eine zehnjährige Übergangszeit vorgeschlagen, die man dann nutzen müsste, um die IWC zu reformieren. Man würde in dieser Zeit eine Walfangquote für bestimmte Arten festschreiben, die dann das Ausufern der Jagd, was zurzeit stattfindet, eindämmen würde. Alle Quoten müssten aber wissenschaftlich genau begründet werden.

WWF Jugend: Würde der Kompromiss auch den Fang bedrohter Walarten einschließen?

Volker: Den würde der WWF auf jeden Fall ablehnen. Wir wollen, dass es keinen Fang von zum Beispiel Finn- und Seiwalen oder anderer bedrohter Walarten geben wird.

WWF Jugend: Auch der Fang von Walen in Schutzgebieten müsste weiterhin verboten bleiben?

Volker: Richtig. Ein Schutzgebiet dient, wie der Name sagt, dem Schutz der Wale. Hierin den Fang von Tieren zu erlauben, wäre grober Unfug.

altWWF Jugend: Damit der Kompromiss keine 'Verschlimmbesserung' wird, hat der WWF mit anderen Umweltverbänden ein Papier mit fundamentalen Forderungen veröffentlicht, die jeder Kompromissvorschlag enthalten müsste.

Volker: Ja, folgende Punkte müssten auf jeden Fall verwirklicht werden, damit wir den Kompromissvorschlag mittragen könnten:

- Beendigung des Walfangs im Schutzgebiet Südozean,
- keine Jagd auf bedrohte Walarten,
- wissenschaftliche Grundlagen für alle Fangquoten,
- kein internationaler Handel mit Walfleisch und
- es darf künftig keine Ausnahme mehr für so genannte wissenschaftliche Fänge geben.

All diese Punkte müssen alle IWC-Länder ausnahmslos unterzeichnen. Diese Forderungen haben die Umweltverbände an alle IWC-Staaten übermittelt. Wir haben auch gemeinsam einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben.

WWF Jugend: Warum wollen Länder heute noch große Wale jagen? Wirtschaftliche Gründe können es ja nicht sein.

altVolker: Nein, deshalb will ja auch Island mit Walfleisch künftig Handel treiben, damit es sich vielleicht doch noch wirtschaftlich lohnen könnte. Nach wie vor sind es, vermutlich selbst bei Japan, wo es den größten Markt für Walfleisch gibt, vorrangig landeseigene kulturelle Gründe, Wale zu jagen.

WWF Jugend: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kompromisspapier in Marokko tatsächlich zur Abstimmung gelangt?

Volker: Das Papier dient als Einstieg in die Grundsatzdiskussion mit dem Ziel, die IWC zu erneuern und die jahrelangen Blockade zwischen Walfangbefürwortern und Walfanggegnern endlich zu überwinden. Nun kommt es ganz stark auf die Mandate der einzelnen IWC-Staaten an, welche ihnen die Politiker von zu Hause mitgeben - deshalb ja auch unser Brief an Frau Merkel. Wahrscheinlich wird es dazu auch einen parlamentarischen Beschluss geben. Das wäre ein starkes Mandat für die deutsche Delegation. Ob man allerdings bei der IWC bereits dieses Jahr einen Kompromiss erreichen wird, scheint mir derzeit fraglich.

 

Bilder: Buckelwal bei Kolumbien © Diego M. Garces / WWF-Canon; Volker Homes ist biologe und leitet beim WWF Deutschland den Bereich Artenschutz und TRAFFIC. Er kümmert sich darum, wichtige Arten zu schützen und den internationalen Handel mit bedrohten Tieren und Pflanzen naturschonend zu gestalten. © Andreas Eistert / WWF; zwei Nordkaper © Brian J. Skerry / National Geographic Stock / WWF; Walbeobachtung vor Canada © Damian Lidgard / WWF-Canada; Walfleisch auf Tokios Fischmarkt. © Michel Gunther / WWF-Canon.

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Kommentare (2)
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16.06.2010
wildcat hat geschrieben:
Menschen die Wale abschlachten oder essen müssen doch irgendwelche Probleme haben! Ich meine wie kann man ohne schlechtes Gewissen ein so unbeschreiblich tolles Tier umbringen???
10.06.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
ich finde es gut, dass das gemacht wird. Wenn ich im Fernsehen Wale sehe, kriege ich immer eine Gänsehaut...es sind einfach so wunderschöne Tiere! Es muss eines Tages ganz aufhören, dass sie gejagt werden.
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