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Todesfallen im Schutzgebiet der Schweinswale


von FabianN
18.05.2012
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Mit einer Länge von 1,5 bis 2 Metern sind Schweinswale die kleinsten Wale in offenen Gewässern. Und in der Ostsee vom Aussterben bedroht! Aufgrund des Fischfangs sind - auch im Schutzgebiet der Schweinswale - in immer größerer Tiefe Stellnetze, in denen sich Schweinswale auf ihren bis zu sechs Minuten langen Tauchgängen häufiger verheddern und qualvoll ersticken. Immer mehr tote Schweinswale weisen Verletzungsspuren von Stellnetzen auf!


© Bernd Lammel / WWF

Auch mit ihrem Echolot haben Schweinswale keine Chance, die Fangnetze zu bemerken und so dem qualvollen Tod zu entgehen. Deswegen kämpft die einzige Walart Deutschlands in Ostsee um ihr Überleben. Den meisten Anteil der Todesursachen trägt der Fischfang, der auch in den deutschen Meeresschutzgebieten ohne Rücksicht oder Einschränkung betrieben wird.
Jochen Lamp, Meeresschutzexperte des WWF sagt zum Thema: „Fischerei ist die menschliche Aktivität, die den Artenreichtum der Meere am stärksten schädigt – trotzdem findet sie in unseren Meeresschutzgebieten ungehindert statt und fordert auch prominente Opfer wie den Schweinswal“. Über 30 Prozent der Meeresgewässer in Nord- und Ostsee hat Deutschland als Schutzgebiet ausgewiesen. Das sind mehr als 4 500 Quadratkilometer, eine Fläche, ungefähr so groß wie Bremen, Saarland, Hamburg und Berlin zusammen. Doch darf jeder Quadratmillimeter dieser Schutzgebiete befischt werden, da seit sechs Jahren keine Auflagen für die Fischerei in Schutzgebieten erlassen werden. Des Weiteren erläutert Lamp: „ Während in den Behörden Stillstand herrscht, ersticken die Schweinswale weiterhin qualvoll in Stellnetzen“.


In den elf Jahren von 1994 bis 2005 ist der Bestand der Schweinswale zwischen Kattegat und Fehmarn um drastische 60 Prozent geschrumpft! Laut WWF nimmt die Zahl der Todfunde besonders in der westlichen Ostsee zu. Sobald sich ein Schweinswal, der bis zu 90 Meter tief tauchen kann, in einem Stellnetz verheddert, hat er keine Möglichkeit mehr zu entkommen – er erstickt qualvoll!


Nun fordert der WWF, dass 50 Prozent der Meeresschutzgebiete fischerfrei bleiben müssen, damit sich das angeschlagene Ökosystem erholen kann. Auch im restlichen Schutzgebiet müssen Maßnahmen ergriffen werden: Ökologisch bedenkliche Fangtechniken müssen räumlich oder zeitlich begrenzt werden. Für die 20 Schweinswalschutzgebiete von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sieht der WWF besonderen Handlungsbedarf, da sich die Schweinswalmütter während der Jungenaufzucht von Mai bis August vor allem in der Eckernförder Bucht oder im Gebiet vor Fischland-Darß auf. Zudem sollten die Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium die schadhaften Folgen der Fischerei einschränken und dezimieren, und Maßnahmenvorschläge an die EU-Kommission reichen, um die sechs Meeresschutzgebiete der AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) zu erhalten. Außerdem müssen, so der WWF, bis Ende 2013 die Management-Maßnahmen für die Natura-2000 Gebiete festgelegt sein. So fasst Lamp zusammen: „Um den Ostseeschweinswal zu schützen, muss die Politik auf allen Ebenen dringend ihre Hausaufgaben machen“.


Weitere Probleme des Schweinswals sind andere menschliche Aktivitäten, die ihren Lebensraum verändern und so die Schweinswale gefährden. So sind beispielsweise die Schnellfähren und der damit einhergehende Lärm aufgrund des Baus von Offshore-Windkraftanlagen ebenfalls ein Problem. Außerdem geht man davon aus, dass die hohe Schadstoffkonzentration im Meerwasser die Fortpflanzungsfähigkeit und Immunität der Meeressäuger einschränkt.                                                                                                    

Besonders die Population der Schweinswale in der Ostsee ist gefährdet. Die Ostseeschweinswale unterscheiden sich genetisch von anderen Vorkommen und bilden eine eigene, kleine Population, die man auf 100-400 Tiere schätzt. So gefährdet schon der Tod von zwei bis drei Walen pro Jahr das Überleben der gesamten Population!
 

Passend zum Tag des Ostseeschweinswals am Sonntag, den 20. Mai, wünsche ich den Schweinswalen alles Gute, und dem WWF viel Glück, dass es gelingt, die Ostseepopulation der Schweinswale zu sichern! Auf den Ostseeschweinswaltag, und dass es diesen Tag noch sehr lange geben kann!

Text: eagle4nature (Fabian Nagel)
Bilder: © Bernd Lammel / WWF : Wikimedia Commons ; Wikipedia
Quelle: WWF Deutschland

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Kommentare (14)
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15.08.2012
grinsekatze hat geschrieben:
Die armen Schweinswale! :o
Hoffentlich ändert sich da endlich mal was! Danke für deinen Bericht!
23.05.2012
Wolfsmaedchen hat geschrieben:
Ich hoffe wirklich, dass sich das ändert mit dem Fischen im Schutzgebiet!
23.05.2012
Wolfsmaedchen hat geschrieben:
Ich hoffe wirklich, dass sich das ändert mit dem Fischen im Schutzgebiet!
22.05.2012
Veggieburger hat geschrieben:
Allein das erste Foto hat mich schon so erschrocken... wie kann man in eien Naturschutzgebiet fischen. Da muss ich Urmeli zustimmen!!!
22.05.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Auch wenn es erlaubt ist in einem Schutzgebiet zu fischen ist des trotzdem ein Widerspruch in sich! Wie soll man denn das Gebiet samt Bewohner schützen wenn es gleichzeitig erlaubt ist es (wenn auch nur "passiv") zu zerstören......?!

Der immer weiter ansteigender Hunger der Menschen nach allem möglichen ist der größte Zerstörungsfaktor auf diesem Planeten........hoffentlich sehen wir das bald ein.
21.05.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Ich hoffe echt es geschieht endlich etwas damit sie wirklich nicht aussterben! Ich finde das Fischen soll echt in Schutzgebieten verboten werden. Nicht nur das es dann keine Fischernetze usw. gibt sondern sich auch somit die Fischbestände etwas erholen! Und das nur wegen unserer großen Nachfrage an Fisch. -.-
20.05.2012
FabianN hat geschrieben:
@LSternus: Wasserjunge hat Recht. Nur weil etwas ein Schutzgebiet ist, ist dort nicht alles untersagt. Leider.... ;(
20.05.2012
Puma hat geschrieben:
Hoffen wir mal das besste!!!
20.05.2012
Wasserjunge hat geschrieben:
@LSternus: In Schutzgebieten werden bestimmte Richtlinien gestellt. Manchmal gibt es keine genauen Einschränkungen was zu dem Schutz beitragen könnte.(aber das ist nur in den seltesten Fällen so.) z.B. wenn man davon ausgeht das von einen oder mehreren bestimmten Tierarten noch "ausreichent" viele vorhanden sind, aber das Gebiet in einem wichtigen Bereich wie Leichplätze(...)miteinschließt.
;)
19.05.2012
LSternus hat geschrieben:
Wieso darf man in Schutzgebieten fischen, das ist ein Wiederspruch!
19.05.2012
midori hat geschrieben:
Wirklich sehr paradox, dass in einem Schutzgebiet solche Dinge jeden Tag ungehindert passieren dürfen. Sowas stimmt traurig und es ist umso schöner, dass der WWF sich für den Schutz der Schweinswale einsetzt! Dass sie es nicht allzu leicht haben, war mir schon bekannt. Aber das nimmt ja schreckliche Ausmaße an. Ich drücke dem Schweinswal die Daumen! :o)

ps.: Ostseeschweinswaltag ist ein ulkiges Wort :o)
18.05.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Hmmmm, Schutzgebiete aber dürfen befischt werden ?!? Irgendwie totaler Mist. Die sollten mal ihren A**** hochkriegen und das schleunigst ändern.
18.05.2012
pauliconni hat geschrieben:
Diese arme Kreatur!
So eine Grausamkeit.. gut, dass ich bei WWF bin, und helfen kann.. :(
18.05.2012
LOVEYourPet hat geschrieben:
Uuuunglaublich: in einem Schutzgebiet! :(
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