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den Wellen


Tiefseelebewesen Teil 2


von Carina
15.02.2010
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Die Tiefsee ist der größte und extremste Lebensraum der Erde – und vielleicht auch der spannendste. Er beginnt etwa 200 Meter unter der Wasseroberfläche und endet erst in 11.034 Meter Tiefe, am Grund des Marianengrabens im Pazifik. Der Druck der Wassermassen ist dementsprechend enorm. Bis zu einer Tonne Gewicht lastet in der Tiefe auf jedem Quadratzentimeter der Lebewesen. Nur weil ihre Körper sehr wasserhaltig sind, werden sie nicht zerquetscht.


Außerdem herrscht dort unten ewige Finsternis: Ab 300 Metern Tiefe dringen nur noch schwache Lichtfetzen durchs Wasser. Tiefer als 1000 Meter ist es stockdunkel. Ohne Licht jedoch, gedeihen keine Pflanzen, keine Korallen, keine Pflanzen – und deshalb gibt es wenig zu Fressen.


Um trotzdem nicht verhungern zu müssen, haben sich die Bewohner der Tiefsee die raffiniertesten Techniken zugelegt. Das so genannte Sackmaul zum Beispiel, das quasi nur aus einem riesigen Maul und einem langen, dehnbaren Körper besteht, hängt stundenlang bewegungslos, mit weit aufgesperrtem Schlund im Wasser und verschlingt alles, was seinen Weg kreuzt. Oder der Anglerfisch, dessen Stirn eine „Angelrute“ entspringt, deren Ende leuchtend vor seinem Maul baumelt. Kleinere Fische halten das Licht für einen leuchtenden Wurm und eine leichte Beute – ein verhängnisvoller Irrtum. Der Anglerfisch ist übrigens nicht der einzige, der in der Tiefsee auf die Idee gekommen ist „Licht zu machen“. Viele andere Lebewesen nutzen diese Strategie zur Tarnung, um Partner zu finden, Beute anzulocken oder sogar um zu kommunizieren. Diese Fähigkeit heißt Biolumineszenz. Dabei erzeugen körpereigene Bakterien Licht durch chemische Prozesse.


Doch trotz all dieser Tricks wäre in der Tiefsee wohl kein Überleben möglich, hätte sich die Natur nicht ein ausgeklügeltes System ausgedacht. Nachts nämlich, steigen Scharen von Tiefseelebwesen in höhere Meeresschichten, wo sie reichlich Plankton und Algen vorfinden. Dort fressen sie sich satt und kehren noch vor Sonnenaufgang wieder in die Düsternis zurück. Auf diese Weise versorgen sie die gesamte Tiefsee mit Nahrung. Wie auf einer Leiter klettern mit ihnen die Nährstoffe von oben nach unten. Das funktioniert etwa so: Auf dem Weg nach unten könnte die vollgefutterte Qualle von einem größeren Raubfisch verschlungen werden. Der wiederum wird von einem Tiefsee-Hai gefressen. Stirbt dieser, sinkt sein Kadaver auf den Meeresgrund und versorgt dort Bakterien oder größere Bodenbewohner mit Nahrung.


Noch ist die Tiefsee allerdings kaum erforscht, weil man nur schwer dort hinuntergelangt. Nur spezielle U-Boote sind in der Lage in solch extreme Tiefen zu tauchen. Forscher schätzen, dass es in der kalten Finsternis mindestens eine Million bislang unentdeckte Arten gibt!

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Und trotzdem ist diese faszinierende Unterwasserwelt bereits bedroht. In den 70er-jahren entwickelte die Fischindustrie neue Techniken, um auch in bis zu 2000 Meter Tiefe auf Fang zu gehen. Viele Fische wie zum Beispiel der Sägebauch, der Blauhecht oder der Rotbarsch sind mittlerweile überfischt und gelten als bedroht. Gefischt wird vor allem mit riesigen Schleppnetzen, die den Meeresboden mit ihren Stahlplatten und Rollen komplett umpflügen. Dabei zerstören sie über Jahrtausende gewachsene Korallen. In manchen Regionen des Nordatlantiks sind bereits 30 bis 50 Prozent der Riffe zerstört.


Der WWF setzt sich deshalb für ein Verbot der Schleppnetz-Fischerei in der Tiefsee ein und schlägt zudem vor, entlang des Mittelatlantischen Rückens ein 620 000 Quadratkilometer großes Schutzgebiet einzurichten. Noch haben wir schließlich die Chance zu verhindern, dass der Mensch diesen einzigartigen Lebensraum zerstört!


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Kommentare (1)
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21.06.2013
Foster hat geschrieben:
guter und spannender bericht ;) aber soll das schutzgebiet am atlantischen rücken nicht im internationalen gewässer aufgebaut werden? wenn ja wer würde es dann errichten und schützen?
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