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den Wellen


The fabulous Life of: Pilotwal


von Nivis
31.08.2010
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31. August 2010, inmitten des Nordatlantiks vor den Färöer-Inseln.

Guten Tag, meine Damen und Herren. Mein Name ist Paul Octo und ich begrüße sie zur zweiten Ausgabe unseres Magazins „The fabulous Life of“.
Heute widmen wir uns einem Tier, das sich in kälteren Gewässern, wie in diesem Teil Europas, heimisch fühlt.
Dem Pilotwal.


Nun fragen sie sich sicher: „Was, aber ich dachte es geht um Haie und Delfine?“.
Das haben sie noch richtig in Erinnerung. Der Name lässt es kaum vermuten, doch der Pilotwal gehört zu der Familie der Delfine. Und diese wiederum werden unter der Ordnung Wale zusammengefasst.
Wie ich schon erwähnt habe fühlt sich diese Delfinart in kühlen, aber auch gemäßigten Gewässern wohl. In Europa ist er fast überall anzutreffen, vor allem um Island, vor der Küste Norwegens, im Norden Großbritanniens und in der Barentssee. Das offene Meer wird bevorzugt, jedoch gibt es Küstengebiete, wie die Färöer-Inseln, Orkney und die Shetland-Inseln, an denen man regelmäßig große Schulen antreffen kann.
Als Schulen bezeichnet man die Gruppen der Delfine, in denen sich durchschnittlich zwanzig Tiere zusammenfinden. Diese wird dann von einem Leittier, meist einem dominanten Männchen, angeführt.
Eine weitere faszinierende Eigenschaft dieser Tiere ist ihre Geschwindigkeit mit der sie durch das Wasser ziehen. Diese beträgt ungefähr 6 km/h, kann aber bei drohender Gefahr um das Siebenfache erhöht werden.
Das muss man sich mal vorstellen! 42 km/h!
Das ist doch bombastisch. Mal sehen, ob ich das heute mal beobachten darf.
Oh, ich höre gerade, dass unser Hubschrauber zur Landung ansetzt. Daher gehen wir nun in die Werbepause und sehen uns danach wieder. Dann hoffentlich mit unserem Ehrengast. Bleiben sie dran!“

 

 

 

„So, da sind wir nun wieder zur heutigen Ausgabe von „The fabulous Life of: Pilotwal“. Mein Kamerateam und ich sind gerade auf dem Weg zum Treffpunkt und ich glaube, dass ich schon etwas hören kann. Ja, je näher wir kommen, desto lauter werden sie.
Hören sie sich das mal an, meine Damen und Herren:

LAUSCHE!

Ah, da sehe ich schon einige Tiere. Aber…momentan mal. Sind das wirklich Delfine?
Die sind ja riesig. Ähm…hallo? Bin ich hier richtig bei der Pilotwal-Schule?!“

Leittier der Pilotwal-Schule: „Ah, sie sind bestimmt Herr Octo. Ich grüße sie. Haben sie gleich hierher gefunden?“

Paul: „Ich grüße sie ebenfalls. Ja, sie haben den Weg optimal beschrieben, vielen Dank. Ich bin allerdings etwas irritiert. Sind sie wirklich Delfine?

Leittier der Pilotwal-Schule: „Ja, sind wir. Sie sind wohl von unserer Größe irritiert?“

Paul: „Genau. Wie groß sind sie denn, herrjemine?“

Leittier der Pilotwal-Schule: „ Also ich bin 7, 60 m groß. Im Durchschnitt werden wir 5-7 Meter, wobei wir Männchen größer werden, als Weibchen. Aber diese ernorme Größe hat seine Vorteile. Dadurch haben wir keine Feinde hier. Mal verirrt sich ein Schwertwal in dieses Gebiet, aber da das meist einzelne Tiere auf dem Durchmarsch sind können wir diese leicht vertreiben. Es heißt, dass uns auch große Haie gefährlich werden könnten, aber von denen haben wir hier, in der Küstenregion, noch nie etwas gesehen. Hier sind nur kleine Haiarten angesiedelt und vor diesen haben wir keine Angst und auch nichts zu befürchten.“

Paul: „Geben sie es zu, sie haben hier eine bestimmte Nahrungsquelle, die sie so gewaltig werden lässt!?“

Leittier der Pilotwal-Schule: „Naja, wir essen nichts besonderes. Hier ein Schwarm Fische, dot einer. Aber wir haben da eine ganz besondere Delikatesse. Sozusagen die Leibspeise unserer Schule. Aber ich traue mich gar nicht zu sagen, was das ist.“

Paul: „Ach kommen sie schon. Für solche Insiderinformationen würden wir sterben! Haha.“

Leittier der Pilotwal-Schule: „Na gut, wenn sie es wissen wollen. Am liebsten essen wir Tintenfische!“

Paul:…..

Leittier der Pilotwal-Schule: „Nun entspannen sie sich. Am besten schmeckt uns immer noch der Pfeilkalmar. Bei ihnen machen wir da eine Ausnahme. Sie tun mit dem WWF etwas für den guten Zweck und das erkennen wir ihnen an. Und lassen ihnen ihr Leben.“

Paul: „V-v-vielen D-dank!“

Leittier der Pilotwal-Schule: „Ok, dann lassen sie uns doch mit dem Interview anfangen. Wir müssen nachher noch ein wenig jagen gehen.“

Paul: „Ok, eigentlich sind wir ja schon mittendrin. Lassen sie mich grad noch meine Karten sortieren. „

Leittier der Pilotwal-Schule: „Lassen sie uns etwas zur Seite schwimmen, damit wir etwas ungestörter sind.“

Paul: „Ok, dann fangen wir mal an. Wie sie mir schon berichtet haben sind sie sozusagen der ‚Anführer’ dieser Schule. Wie kamen sie zu dieser Stellung und was bedeutet das für sie?

Leittier der Pilotwal-Schule: „Ja, wie bin ich das geworden. Das war eher ein schleichender Prozess, muss ich sagen. Ich bin in dieser Schule aufgewachsen und seit ich denken kann gab es nur einen Anführer. Doch mit der Zeit wurde dieser natürlich älter, einige meiner Kollegen wurden, wie ich, reifer und stärker. Wir messen unsere Kräfte oft in Kämpfen, davor bleibt der Anführer nicht verschont. Er muss sich immer wieder erneut gegen die dominanten Männchen der Schule durchsetzen. Und eines Tages gelang es mir unseren Anführer zu besiegen. Sehen sie diese Narbe hier? Das ist die einzige, die er mir je zugeführt hat.
Aber sie hätten seinen Körper mal sehen sollen!
Und so kam es, dass ich ab diesem Zeitpunkt der unumstrittene Anführer war. Das heißt, die Tiere folgen mir, hören auf meine Befehle. Es ist die höchste Stellung, die es gibt. Und das erfüllt mich natürlich mit Stolz!

Paul: „Das ist sehr beeindruckend. Wenn ich auch die anderen Männchen aus ihrer Gruppe betrachte fällt mir auf, dass diese eindeutig vernarbter sind als sie. Dann hab ich es hier ja mit einem ganz hohen Tier zu tun!“

Leittier der Pilotwal-Schule: „Ja, da haben sie wohl Recht.“

Paul:Stimmt dann auch meine Vermutung, dass sie bei den Damen sehr hoch im Kurs stehen?

Leittier der Pilotwal-Schule: Aber hallo! Ich bin eben das stärkste Männchen hier. Also kann auch nur ich die stärksten Jungtiere zeugen. Das wissen die Weibchen und zeigen es mir. Und eins können sie mir glauben, ich lasse mir keine Gelegenheit durch die Lappen gehen. Grundsätzlich ist es so, dass nur unsere kräftigsten Männchen zum Paarungsakt zugelassen werden. Schwache Tiere werden von den Weibchen nicht akzeptiert. So ist das bei uns eben.“

Paul:Das heißt, dass sie polygam sind, also sich mit mehreren Weibchen paaren!?“

Leittier der Pilotwal-Schule: „So ist es. Nur so kann man den Fortbestand unserer Familie garantieren.“

Paul: „Verstehe. So wie ich das sehe wachsen die Jungtiere auch in der Schule auf? Es sieht so aus, als würde sich da jedes Mitglied der Gruppe kümmern?!

Leittier der Pilotwal-Schule: „Was das betrifft, da befragen sie doch lieber ein Weibchen. Das ist Frauenkram, da halte ich mich raus. Warten sie einen Moment, ich rufe jemanden her.“

Weibchen: „Ja, was gibt es denn?“

Leittier der Pilotwal-Schule: „Das hier ist Paul Octo vom WWF. Ich hab euch ja von ihm erzählt. Er würde von dir gerne etwas über die Jungtierpflege erfahren.“

Paul: „Ja, mich würde interessieren wer sich um die Jungtiere kümmert und wie sie sich in die Gruppe einfügen.

Weibchen: „Was glauben sie denn wer sich um die Kinder kümmert?! Natürlich wir! Die Männchen interessiert das doch nicht. Hauptsache einige ihrer Nachkommen schaffen es und werden in der Schule erwachsen und vollwertige Mitglieder. Vier ganze Jahre kümmern wir uns um unsere Babys. Das heißt 24 Stunden rund um die Uhr. Erst wenn sie selbstständig geworden sind lassen wir Weibchen uns wieder auf einen Paarungsakt ein.

Paul: „Das klingt nach harter Arbeit. Aber wenn ich mir ihre Schule so anschaue, dann sieht das sehr harmonisch aus.“

Weibchen: „Tja, würde es uns nicht geben, dann ginge das hier drunter und drüber. Ich muss dann auch mal wieder zurück. Ich sehe, dass die Kinder wieder irgendetwas im Schilde führen. Entschuldigen sie mich. Kindeeer, weehe… „

Paul: „Vielen Dank, dass sie sich die Zeit genommen haben. So, ich hätte jetzt noch eine Frage zum Schluss. Wie ist ihr Verhältnis zum Menschen?

Leittier der Pilotwal-Schule:Da sprechen sie ein sehr unangenehmes Thema an. Ich sprach ja davon, dass wir hier eigentlich keine Feinde in dieser Region haben. Aber nun haben sie mich schmerzlich daran erinnert, dass das nicht stimmt. Unser Feind ist der Mensch. Zumindest einige von ihnen. Viele unserer Kameraden sind ihnen schon zum Opfer gefallen. Benachbarten Gruppen erging es nicht anders. Vor allem wenn unsere Beute sich sehr nah an der Küste aufhält ist es für uns sehr gefährlich.

Paul:Ich sehe auch gerade in meinen Unterlagen, dass sie hier in dieser Gegend besonders bedroht sind. Denn die Bewohner der Färöern empfinden die Jagd auf Pilotwale als Tradition. Sie wird Grindadráp genannt.

Leittier der Pilotwal-Schule: Grauenvoll! Wenn ich bedenke wie viele wir früher waren, dann bekomme ich wirklich Angst, wenn ich an die Zukunft denke. Viele Schulen gibt es gar nicht mehr. Sie mussten sich auflösen und auf die anderen Gruppen verteilen. Es ist einfach traurig.

Paul: Ja, das ist es. Aber mit ihrem Interview haben sie viel für ihre Gattung getan. Und das wird man ihnen sicherlich danken. Ich bedanke mich auf jeden Fall bei ihnen für ihr Engagement und ihre Geduld. Wir sind damit am Ende unseres Interviews.“

Leittier der Pilotwal-Schule: „Ja, ich hoffe, dass ich etwas bewirken konnte. Wir bedanken uns bei ihnen und dem WWF. Einen schönen Heimflug. Machen sie es gut!“

Paul: „Auf Wiedersehen. Ja meine Damen und Herren. Ich hoffe dieser Beitrag hat ihnen gefallen und sie konnte einiges mitnehmen. Mich hat es sehr mitgenommen und ich wünsche mir, dass sich das Bewusstsein den Pilotwalen gegenüber verändern wird.
Haben sie noch einen schönen Tag und seien sie auch das nächste Mal wieder dabei, wenn wir uns an das Monstrum der Meere, den Walhai, herantrauen und es wieder heißt „The fabulous Life of“. Ich bin sehr gespannt.
Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit. Auf Wiedersehen!
 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Grindwal
http://de.wikipedia.org/wiki/Grindadr%C3%A1p
http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A4r%C3%B6er
http://www.oceanlight.com/
 

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
01.09.2010
Morgan hat geschrieben:
cool
01.09.2010
midori hat geschrieben:
Das hat mir auch ganz wunderbar gefallen! Wirklich schön gemacht! :o)
Tragischerweise liest man in der Zeitung oft, dass Pilotwale stranden. Die scheinen da ganz oben auf der Liste zu stehen... =/
01.09.2010
Bluesky hat geschrieben:
:) super paul! ein echt interessanter bericht!! freu mich schon auf die nächste folge!!
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