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den Wellen


Simuliertes Unglück


von Franzi
11.09.2012
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78 P

Es ist finstere Nacht. Die Ostsee ist ruhig, es gibt keinen hohen Wellengang. Zumindest ein Problem weniger. Doch die Gefahr geht nicht von den Wellen aus, sondern kommt schleichend. 15.000 Tonnen Rohöl ergießen sich langsam in das Binnenmeer, zwischen Helsinki und Tallinn. Um drei Uhr morgens ist hier ein Tanker mit einem anderen Schiff kollidiert.

Aber Moment mal! Habt ihr schon etwas von dieser Katastrophe gehört?
Vermutlich nicht, denn so hat sie nie stattgefunden.
Vielmehr ging es hier um das Erproben eines Ernstfalles, es ist eine Übung. „Balex Delta“ heißt das Manöver, welches auf der Ostsee vor Helsinki stattfindet.
Es ist eine der größten Ölpest-Simulationen weltweit.

Aber nochmal von vorne: Balex Delta besteht aus einer multinationalen Flotte von Spezialschiffen aus neun Nationen. „Kommandant“ des Manövers ist Kalervo Jolma, der eigentlich Chefingenieur des finnischen Umweltinstituts ist. Geprobt wird für einen Ernstfall, der zum Glück in diesen Ausmaßen noch nie in der Ostsee stattgefunden hat. Aber die Ostsee gilt als Risikogebiet, da sich der Schiffsverkehr nur auf wenige Routen konzentriert und viele Passagen flach und schmal sind.
„Die Ostsee wird mittlerweile von 20.000 Tankern pro Jahr befahren. Und die Schiffe werden von Jahr zu Jahr größer“, sagt Bernt Stedt von der schwedischen Küstenwache.
Da will man vorbereitet sein, sollte es doch zu einem Unfall kommen.

Aber einfach mal so ein paar tausend Tonnen Öl ins Meer schütten um zu üben?! Das geht natürlich nicht. Die Experten verwenden Torf und simulieren damit den Ölteppich.

Bei der heutigen Übung hat dieser eine Länge von sieben Kilometern und eine Breite von einem Kilometer.
Perfekt koordieniert steuern zwei schwere Schlepper mit kilometerlangen, luftgefüllten Schläuchen auf das "Öl“ zu und verhindern so eine Ausbreitung des Teppichs.
Weitere Spezialschiffe wuseln umher und entfernen den Torf von der Wasseroberfläche. Sie sind mit metallenen Armen am Rumpf ausgestattet, welche direkt auf der Wasseroberfläche abgesetzt werden. Rotierende Bürsten an deren Enden nehmen die Verschmutzung auf und befördern sie direkt ins Bootsinnere.
Weiter hinten wird ein ebenfalls simulierter Brand auf einem Tanker von einem Feuerwehrschiff gelöscht.


Besonders stolz ist der Feuerwehrchef der Rettungsbehörde von Helsinki, Markku Rissanen, auf den sogenannten Wal. Hierbei handelt es sich um ein neu entwickeltes Schwimmtanksystem, ein paar lange, dicke Tonnen die auf der Ostsee schwimmen. Die Schiffe müssen somit nicht mehr erst einen Hafen ansteuern wenn ihre Tanks voll mit Öl sind, sondern können es in einem Wal zwischenlagern und sofort weitermachen mit dem Absaugen.

Nachdem diese "Ölpest" erfolgreich eingedämmt wurde besteht die nächste Übung darin, dass zwei Schiffe einen langen Gummischlauch hinter sich herziehen bis ein großes U daraus wird. Wie in einem Schleppnetz wird das Öl darin gefangen genommen. Später kann es dann gezielt abgesaugt werden.
Um solche neuen Tricks nichts erst in einem Ernstfall ausprobieren zu müssen üben die Experten.
Aus Fehlern lernt man, beim nächsten Mal gibt es dann womöglich keinen Engpass bei der Ausrüstung oder den Funkgeräten mehr. Die Kommunikation wird von Mal zu Mal besser.

Neben der Übung selbst ist aber auch die ganze Organisation eine Herausforderung. Mehr als 500 Leute, 50 Schiffe, zwei Hubschrauber und viele Behörden wollen koordiniert werden. Da kann es schon mal unübersichtlich werden!
Aber besser beim Torf als beim Öl.

Die Übung ist beendet, der gesamte Torf wurde erfolgreich entfernt. Jeder weiß was er zu tun hat. Auch wenn es natürlich keiner hofft, der Ernstfall könnte jetzt kommen. Das Einzige was sich nicht planen lässt ist das Wetter. Denn die meisten Havarien passieren eben nicht bei spiegelglatter See. Und selbst die besten Spezialschiffe können nur bei Wellenhöhen bis maximal zweieinhalb Meter operieren. Bei einem handfesten Sturm könnten also selbst die Experten nichts tun außer – warten.

Was haltet ihr von dem Manöver „Balex Delta“? Ist es wichtig für so eine Katastrophe zu üben um vorbereitet zu sein? Oder haltet ihr es für sinnvoller die benötigten Ressourcen in eine Vermeidung solcher Unfälle zu stecken? Ist das überhaupt möglich?

 

Quelle: DIE ZEIT N°37, S. 39

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
10.01.2013
david.s hat geschrieben:
diese übung ist gut, denn bei einer ölkatastrophe die schon öfter eingetroffen ist sterben tausende tiere
12.09.2012
LSternus hat geschrieben:
Ein sogenanntes Restrisko gibt es ja immer, als muss alles Trainiert werden, aber ohne Verkehr und Umwelt zu belasten.
11.09.2012
gelöschter User hat geschrieben:
ich finde das auf jeden fall sehr wichtig ,den ernstfall auch mal zu üben.
so eine katastrophe könnte wie du gesagt hast jederzeit passieren, sodass man immer vorbereitet sein sollte, und was nützt es, die notwendigen techniken zu besitzen, mit ihnen aber nur "theoretisch" umgehen zu können? ich denke auch, es ist schwer solche unfälle zu vermeiden. wenn man die tanker mit der besten technik ausstattet, gint es bestimmt immer ein schiff, das nicht mit den neuesten sicherheitsvorkehrungen ausgesattet ist ...
11.09.2012
Himbeere hat geschrieben:
Nun nichts kann 100% sicher gemacht werden, weshalb das aufräumen durchaus geübt sein sollte.
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