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den Wellen


Orcas in Gefangenschaft


von PaulaTvD
23.09.2012
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12 P

Sie spielen scheinbar begeistert mit ihren Trainern und faszinieren die Zuschauer mit atemberaubende Tricks.
Doch können die „Könige der Meere“ wirklich Gefallen daran finden in kleinen Becken eingesperrt zu sein und mit ihren Shows das Publikum zu unterhalten?

Die Orcas, auch bekannt als Schwertwale, sind mit einer Körperlänge von bis zu acht Metern die Größten in der Gattung der Delfine. Sie sind sehr intelligente und soziale Tiere.
1961 wurde der erste Orca für ein Delfinarium gefangen. Seitdem wurden 136 weitere Tiere aus freier Wildbahn an Delfinarien verkauft. Obwohl Orcas über 60 Jahre alt werden können, sind 123 dieser gefangenen Tiere bereits gestorben.
Derzeit leben 41 Schwertwale in Gefangenschaft, davon fast die Hälfte in SeaWorld Parks.

Sie fristen ihr leben lang in kleinen Becken, die nicht einmal eine Mindesttiefe von vier Metern haben müssen und gerade mal 16m lang sind. Diese Verhältnisse stellen für die Tiere, die in freier Wildbahn eine Strecke von bis zu 150 km am Tag zurück legen, ein großes Problem da. Durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit bilden sich ihre Muskeln zurück. Die charakteristische bis zu zwei Meter große Rückenfinne der Männchen erschlafft bei gefangenen Tieren.

 

 

 

 

 

 

      Orca in SeaWorld (Tilikum)                                      Orca in freier Wildbahn


Allerdings ist nicht nur die Beckengröße alles andere als artgerecht: In freier Wildbahn leben Schwertwale bevorzugt in kälteren Regionen. Das Wasser ist tief, dunkel und bietet so Schutz vor der Sonne. In Delfinarien fällt dieser Schutz weg. Außerdem ist das Wasser künstlich angereichert mit Salz sowie vielen Chemikalien, die zu Ausschlag und Infektionen führen können.

Die Wasserbecken sind durch Metallstangen getrennt, die die Tiere zusätzlich gefährden. Denn aus Langeweile oder Aggression beißen die Orcas auf diesen Stangen herum, dabei brechen ihre Zähne ab und der Zahnnerv wird freigelegt. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern bietet auch Bakterien ein einfachen Weg um in das Immunsystem einzudringen.

 

 

 

 

 

         ‚Bernard Auton/WDCS‘                                                 ‚Bernard Auton/WDCS‘

 Die Nahrung der Schwertwale in freier Wildbahn ist sehr vielseitig und hängt mit dem Lebensraum zusammen. Es gibt Tiere, die nur Fisch essen,wie zum Beispiel Lachs. Andere ernähren sich von Säugetieren, die größer sind als sie selbst.
In Gefangenschaft erhalten sie ausschließlich tiefgefrorene Fische. Die Orcas haben oft einen hohen Vitamin-Mangel und bekommen auch Fischarten zu fressen, die sie in freier Wildbahn nie anrühren würden.

Schwertwale sind eine der intelligentesten Tierart der Welt. Sie sind sich ihrer eigenen Existenz bewusst und wenn man ihnen einen Spiegel hinhalten würde, könnten sie sich ohne Probleme selbst identifizieren.
Orcas leben in Gruppen zusammen, sogenannte Pods. Diese Pods haben eine komplexe soziale Struktur.
Jeder Pod wird geleitet von einem oder mehreren erfahrenen Weibchen und hat seine eigene Kultur. Darunter fallen verschiedenste Jagdtechniken und ein eigener Dialekt.
Den Jungtieren wird dieses Wissen schon früh von allen Mitgliedern der Gruppe vermittelt.
Wird ein Tier aus der freien Wildbahn gefangen, reißt man es automatisch aus seinem Familienverband raus. Diese Trennung ist in den meisten Fällen traumatisierend für die Schwertwale.

 

In Delfinarien werden Orcas aus den unterschiedlichsten Regionen und Pods zusammen gehalten, so dass häufig Aggressionen zwischen den Tieren entstehen.Die meisten Tiere, die neu in ein Delfinarium gekommen sind, weisen Bissspuren oder andere Verletzungen auf.

‚Bernard Auton/WDCS‘

 

 

 

Ein extremes Beispiel dafür ist Kandu. Das fast 12 Jahre alte Orca Weibchen wurde während einer Auseinandersetzung mit einem anderen Orca an der Aorta verletzt und verblutete in den darauffolgenden 45 Minuten vor den Augen der Zuschauer.

 


 

 

Oft richtet die Aggression der gefangenen Schwertwale, die keinesfalls eine natürliche Eigenschaft dieser Tiere ist, sonder bedingt durch den Stress und die äußeren Bedingungen ausgelöst wird, sich auch gegen ihre Trainer.
Es sind über 40 solcher Fälle bekannt, doch man vermutet das die Grau-Zahlen noch um einiges höher sind und die meisten Vorfälle vertuscht werden.
In der freien Wildbahn hingegen ist nicht ein solch aggressives Verhalten gegenüber Menschen bekannt.

Meistens kommen die Trainer mit gebrochenen Knochen, einigen Prellungen und dem Schrecken davon, allerdings endeten bereits vier dieser Vorfälle tödlich.
 Tilikum ein 27-jähriger Zuchtbulle von SeaWorld war in drei dieser Vorfälle verwickelt. Tilikum, der im Alter von zwei Jahren aus der freien Wildbahn gefangen wurde, tötete 1991 mit zwei anderen Orcas eine Trainer, der aus Versehen in das Becken gefallen war.
Sieben Jahre später fand man einen toten Zoobesucher, der sich über Nacht heimlich im Zoo versteckt hatte, in Tilikums Becken. Es ist unklar, ob der Orca den Mann tötete oder dieser an seinen Unterkühlungen verstarb.
Am 24. Februar 2010 zog Tilikum seine Trainerin Dawn Brancheau immer wieder ins Wasser bis diese ertrank.
Daraufhin rieten Experten Tilikum in einem abgegrenzten Meeresbecken in „Rente“ gehen zu lassen, doch SeaWorld ignorierte die Warnungen und führte den Orca nach einjähriger Isolation wieder in die Shows ein.

Alle diese Aspekte veranlassen mich zu der Frage: Mit welchen Gründen wird die Gefangenhaltung von diesen Tieren, die wohl nicht ungeeigneter für das Leben in einem kleinen „Pool“ sein könnten, gerechtfertigt?
SeaWorld unterstreicht immer wieder den Bildungsfaktor ihrer Shows und das die Orcas die Tricks aus freiem Willen und mit Freude ausführen würden.
Dagegen sagten ehemalige SeaWorld-Trainer, dass die Schwertwale vor den Shows oft nicht genug Nahrung bekämen, sodass sie gezwungen waren ihre Tricks gut zu machen um die Belohnung in Form von Fisch zu erhalten.

Wo der Bildungsfaktor dabei bleibt und ob man diese Showindustrie mit dem Kauf eines Tickets in Marineparks unterstützen will, muss man sich letztendlich selbst fragen!

Hier noch ein passendes Video:

 

 


Tilikum: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tilikum-observation-tank.JPG
Titelbild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orlando_Sea_World_Shamu_1.jpg?uselang=de
Männlicher Orca: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bull_orca_victoria.jpg
 

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Kommentare (17)
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28.09.2012
PaulaTvD hat geschrieben:
@Viveka Ja das ist wirklich ein großes Problem dass die meisten garnicht wissen wie es den Tieren in Wirklichkeit geht...ric o´barry hat mal gesagt dass das "Lächeln" gefangener Delfine die größte Täuschung der Natur sei!
@tierherzchen Orcas sind ja auch delfine und in Taiji wurden auch schon mal Orcas für delfinarien gefangen [SeaWorld brauch die Tiere von irgendwoher weil sie in Amerika beispielsweis Orcas nicht fangen dürfen]
@Carina11 Ich würde auch nie in soetwas reingehen dass Problem die meisten wissen nicht von den schlechten bedingungen
@Jayfeather Vorallem weil Whale Watching eine super alternative ist...du siehst die Tiere in ihrem natürliche, Lebensraum und oft springen Orcas aus dem wassser oder Spyhoppen
@Puma Mich hat das Video auch schockiert...aber das ist kein Vergleich zu den Filmen A Fall of Freedom & The Cove (beide so grausam :( )
@tarawo Das stimmt..ich habe mir das auch schonmal auf den Menschen übertragen vorgestellt...Das ist einfach nur Tierquälerei :(
@Jana Ich war auch schon oft auf der Website bei Sea Sheperd...ich finde es gut dass sie sich dafür einsetzen...Wenn ich nur Taiji höre könnte ich...
@midori ich war auch mal in einem Delfinarium :( Mit 7 oder so...Danke für dein Lob :)
28.09.2012
midori hat geschrieben:
Jedesmal wenn ich etwas über dieses Thema lese oder höre, fühle ich mich ganz schlecht, weil meine Eltern vor langer Zeit mal mit mir in einem Delfinarium waren. Aber mit 10 Jahren hat man auch keinerlei Ahnung, was da eigentlich vor sich geht. Ich werde auf jeden Fall nie wieder eines besuchen und auch allen anderen davon abraten.

Danke für den Bericht. Der ist echt super geschrieben! Es ist klasse, dass es Organisationen gibt, die sich dem annehmen. Echt schrecklich, wie diese Tiere leiden müssen.
25.09.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
24.09.2012
Jana hat geschrieben:
schaut euch zum thema mal die arbeit bei sea shepherd an, die sind zurzeit vor allem in taiji unterwegs, da, wo "die bucht" gefilmt wurde. hier werden auch neue delfine für die gefangenschaft aus den delfinschulen rausgesucht. die, die man für delfinarien nicht gebrauchen kann, werden dann getötet. die japaner fangen hier aber hauptsächlich große tümmler, rissos und grindwale. für orcas sind die fangquoten wesentlich stenger.
24.09.2012
Puma hat geschrieben:
schockierender bericht und noch schokierendes video....als der eine orca gefangen genommen wurde,hat er so geschrien wie ein kleines kind.......und das becken ist ja grad mal so lang wie der orca selbst.........
24.09.2012
Jayfeather hat geschrieben:
wunderschöne bilder :) Außer die aus dem delfinarium -.- so große tiere in diesen mini becken zu halten ist tierquälerei!! die tricks sind für sie wahrscheinlich auch etw3as beschäftigung, aber wenn man sie einfach in ihrem natürlichen lebensraum lassen würde hätten sie das doch gar ciht erst nötig. man sollte lieber toruistenfahrten organisieren und mit dem eingenommenen geld schutzgebiete für orcas und andere meeresbewohner finanzieren!
24.09.2012
Carinaa hat geschrieben:
Okay, so etwas finde ich immer wieder krank. Orcas werden in der freien Wildbahn bis zu 60 Jahre alt, in Sealife's hingegen meistens nur um die 10! Die Leute sind doch krank! Ich würde nie in eine Sealife show gehen oder ähnliches!
23.09.2012
Viveka hat geschrieben:
Es ist schrecklich, dass wir Menschen den Tieren so etwas antun, nur damit wir uns vergnügen können! Viele Zuschauer sind dabei nicht mal über die Haltung der Orcas aufgeklärt und denken, es würde ihnene gut gehen!
23.09.2012
PaulaTvD hat geschrieben:
@killerwal Ja ich habe die Bucht auch schon gesehen..und war so geschockt...das ist einfach so grausam :( Ich würde auch umbedingt mal delfine in freier Wildbahn sehen!
@isa584 Ich finde auch nicht dass das besonders verwunderlich ist, man muss eigentlich glücklcih seon dass nicht noch viel mehr passiert ist :(
23.09.2012
killerwal hat geschrieben:
ihr müsst mal den film "die bucht" anschauen. da wird beschrieben wie die delfine für denlfinarien gefangen werden. ich wollte schon immer mal zu den azoren um delfine in freier wildbahn zu sehen. dann sieht man sie in ihrem element.
23.09.2012
PaulaTvD hat geschrieben:
@GreenMell Danke...ja so etwas wird wirklich oft vertuscht gerade SeaWorld ist da ganz große klasse drin (für mehr infos guckt dir auf Youtube einfach mal den Film "a Fall from Freedom" an)
@LSternus Ja das ist wirklcih Tierquälerei und ich finde es generell nicht gerechtfertigt ob jetzt bei Orcas oder bei Tümmlern (beides genauso grausam)
also ich habe viel geforscht und keine Übergriffe/Angriffe gefunden...ich streite hier jetzt nicht ab dass Orcas nicht gefährlich sind immer hin sind sie Raubtiere, aber sie würden in freier Wildbahn einen Menschen nie böswillig angreifen...sie lassen es sogar zu das Menschen mit ihnen im offenen meer schwimmen...
23.09.2012
LSternus hat geschrieben:
Orcas sin d zu groß für Becken. Bei Tümmlern kann man die Haltung so gestalten, dass sie nicht zur Qual werden, durch Becken die in Kombination zu außreichender Beschäftigung.
Schertwale hingegen sind schlicht zu groß und ich finde auch zu gefährlich.
Ich bin grundsätzlich dagegen Tiere nur zur Show zu halten, das ist praktisch Sklaverei.
@PaulaTvD: Der Artikel ist gut, aber es hat schon un(bewusst) provozierte Angriffe von Orcas, auf z.B. Segelboote gegeben.
23.09.2012
PaulaTvD hat geschrieben:
@Kathrin Vielen vielen Dank für dein großes Lob...Orcas sind meine Lieblingstiere und mir ist dieses Thema total wichtig!
23.09.2012
PaulaTvD hat geschrieben:
@ConfusedEntchen es ist wirklich grausam, doch ein erster schritt ist auf jeden Fall schonmal solch ein Marinepark auf keinen Fall zu besuchen oder in irgendeiner anderen Weise zu unterstützen, andere Leute darauf aufmerksam zu machen unter welchen Bedingungen die Tiere dort leben müssen und zu guter letzt kann man Organisationen oder Projekte unterstützen, die gegen die Gefangenhaltung vorgehen (beispielsweise die WDCS)....Du siehst man kann eigentlich schon etwas tun :)
@Rhino Danke für dein Lob...Ja das ist auf keinen Fall nur ein amerikanisches Problem...Leider ist die Nachzucht nicht besonders erfolgreich, da die Mütter oft schon in einem sehr frühen Alter aus der Freien Wildbahn gefanegn wurden und so nicht die entsprechenden Kenntnisse von der aufzucht ihrer Jungen haben...und dann wird wieder nachschub aus der Wildnis gebraucht :((( Echt grausam
23.09.2012
Kathrin hat geschrieben:
Ein sehr (schöner bericht)!!!
Das video ist vor allen dingen echt super und sehr bewegend.Ich war noch nie in einem delphinarium oder ähnlichem weil ich es schon immer scheiße fand und es auch immer noch finde.
Es idt grausam so was zu sehen dass sie alle getrennt werden nur damit wir sie sehen können.
Aber echt gut ab,der bericht wird bestimmt etwas bewegen :)
23.09.2012
Rhino hat geschrieben:
Sehr guter Bericht!

Orcas sind definitiv nicht für die Beckenhaltung geeignet!
Ihre Ansprüche kann kein Pool der Welt erfüllen. Leider ist die Orca-Haltung nicht nur in den USA ein Problem, auch bei uns in Europa, im so genannten Loro Parque auf der spanischen Insel Teneriffa werden Schwertwale gehalten, insgesamt 7 Tiere, in winzigen Becken, in denen man kaum tauchen kann.
Zwischenfälle gab es auch schon reichlich, einmal haben die Orcas sogar in Rage eine Beckenwand demoliert.
Dennoch werden sie täglich in ach so fröhlichen Shows der Lächerlichkeit preisgegeben und unter Schnulz- und Partymusik als nette Schmusetiere präsentiert (und zynischerweise können die Orcas, wenn sie in die Luft springen, den weiten Atlantischen Ozean sehen)
Leider gelingt dem Park auch die Zucht von Orcas, weswegen diese Tierquälerei vermutlich auch in absehbarer Zeit kein Ende nehmen wird ...
23.09.2012
Katze239 hat geschrieben:
Grausam sowas und das schlimmste ist, dass man nichts dagegen machen kann :(
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