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Ölpest. Keine Entwarnung am Golf von Mexiko


von Marcel
22.07.2010
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Wieder warten! Ein nahender Sturm stoppt die Arbeiten am Bohrloch. Der Ölkonzern BP unterbrach daraufhin die wichtige Entlastungsbohrung zum Ursprung der Ölquelle. Mit einer neuen Abdichtung war es BP am Wochenende erstmals gelungen, den Ölfluss zumindest vorübergehend zu unterbrechen. Wir vom WWF sind jedoch weiterhin beunruhigt - nicht nur wegen des aufkommenden Sturms.

Es ist immer noch nicht sicher, ob der "Deckel" wirklich hält. Und die eigentliche Aufräumarbeit beginnt erst jetzt. Hunderttausende von Tonnen Rohöl haben die Meeresregion verseucht. Es wird mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Natur einigermaßen von diesem Unfall erholt hat, prognostiziert Hans Ulrich Rösner, Leiter des Wattenmeerprojekts beim WWF.

"Trotz der Katastrophe am Golf laufen die Planungen für neue Bohrungen auf Hochtouren", erklärt Hans Ulrich, "z.B. vor Australien, Angola, Brasilien oder vor den britischen Inseln. Gerade erst hat die irische Regierung ihren atlantischen Festlandssockel für Erkundungslizenzen freigegeben. Der Unfall hat gezeigt, dass wir einen weltweiten Haftungsfonds für die Ölbranche brauchen. Für jedes Barrel geförderten Öls müssen die Betreiber dann in einen Fonds einzahlen."

Der WWF setzt sich außerdem dafür ein, dass Meeresschutzgebiete eingerichtet und zu Tabuzonen für Offshore-Bohrungen erklärt werden. Es muss Schluss sein mit der Ölförderung in besonders sensiblen Meereszonen wie den arktischen Gewässern, beispielsweise der Barentssee vor Nordnorwegen. Auch Deutschland könne sich da nicht ausnehmen, sagt Hans Ulrich vom WWF. "Es ist unbegreiflich, wie man ausgerechnet im geschützten Wattenmeer an der Nortseeküste Öl fördern kann. Und wie Landesregierung und Bergbehörde die Arroganz aufbringen, noch während der laufenden Katastrophe in den USA die Lizenz dafür um 30 Jahre bis 2041 zu verlängern.“

Die Ölkatastrophe im Golf vom Mexiko beweist seit Monaten Tag für Tag, das Offshore-Förderungen selbst mit modernster Technik mit unkalkulierbarem Risiko verbunden sind. Da sich die einfach zugänglichen Ölfelder allmählich erschöpfen, dringt die Industrie in immer gefährlichere Gebiete vor. Um dieses Risiko zu minimieren, helfen letztlich nur ein möglichst zügiger Abschied vom Öl und die Förderung erneuerbarer Energien – so unsere Position beim WWF.

Währenddessen baut sich nun der nächste Sturm im Golf von Mexiko auf und das zerstörte Bohrloch der Deep Horizon ist nur provisorisch verschlossen. Nach den ursprünglichen Plänen von BP soll es bis Mitte August endgültig verschlossen sein. Bei der "Static Kill" genannten Aktion soll schwerer Schlamm durch die Ventile des Abdeckzylinders gepumpt werden, der seit knapp einer Woche das Loch verschließt. Die US-Regierung ist skeptisch. Es gebe Anzeichen, dass noch an weiteren Stellen Öl austrete:

Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums könne sich der Sturm bis Freitag über der Karibik zu einem Hurrikan entwickeln und nach Nordwesten in Richtung der vom Öl betroffenen Küste ziehen. Eventuell müssten deswegen auch die Säuberungsaktion auf dem Meer unterbrochen werden, sagte der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen. Damit könnten die Arbeiten um 10 bis 14 Tage zurückgeworfen werden.

Was unternimmt die Ölindustrie noch? Vier der größten Ölkonzerne kündigten an, eine Milliarde Dollar - umgerechnet also rund 780 Millionen Euro - zu investieren, um künftige Ölkatastrophen besser bekämpfen zu können. Mit dem Geld wollen die Firmen Exxon Mobil, Chevron, ConocoPhillips und Royal Dutch Shell ein System zu Auffangen von Öl aus lecken Bohrstellen schaffen. Es soll eine Technik entwickelt werden, mit der nur kurze Zeit nach einem Austritt bis zu 13.600 Tonnen Öl täglich in maximal 3.000 Metern Meerestiefe aufgefangen werden könnten.

Der WWF will, dass es zukünftig gar nicht mehr soweit kommt, dass überhaupt Öl aus Bohranlagen austreten kann. "Wir fordern deshalb ein globales Kontrollorgan für Ölbohrungen auf hoher See und einen Stopp in allen sensiblen Gebieten“, erklärt Hans Ulrich vom WWF. Bisher machen die EU oder regionale Meeresschutzabkommen der Offshore-Industrie für den Normalbetrieb zwar Umweltauflagen. Doch die Frage, wer wo bohren darf, bleibe Entscheidung der Einzelstaaten.

Wie gefährlich die Ölförderung sein kann, zeigte ein weiteres Unglück am anderen Ende der Welt. Kurz nachdem BP das Bohrloch notdürftig versiegelte, ereignete sich am 16. Juli eine Explosion an zwei Erdölpipelines in der chinesischen Hafenstadt Dalian. Inzwischen hat sich ein beachtlicher Ölteppich gebildet. Wie viel Öl genau austrat, war nicht bekannt. Das staatliche Fernsehen berichtete von einer Schätzung von 1.500 Tonnen. Die schlimmen Folgen für Natur und Wirtschaft können noch nicht abgeschätzt werden.

Man könnte das Gefühl bekommen, unser Planet wolle uns etwas sagen…


Quellen:
http://www.wwf.de/presse/details/news/keine_entwarnung_am_golf_von_mexiko/
http://www.tagesschau.de/ausland/bpsturm100.html
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Der-lteppich-im-Gelben-Meer-breitet-sich-aus/story/13048880

Fotos: © US Coast Guard

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Kommentare (4)
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02.08.2010
lolfs hat geschrieben:
Zur Erklärung: Exxon Valdez ist ein Öltanker, der im Jahre 1989 ca. 37.000 Tonnen Rohöl vor Alaska verlor.

Danke, für die Antworten.
27.07.2010
StephanL hat geschrieben:
Sorry, die Schätzungen gehen bis 700 Mio Liter bzw. 700.000 Tonnen, dh. pro Woche etwa die Menge der Exxon Valdez. Erstens habe ich bei meinem gestrigen Kommentar aus Versehen die Dezimalen falsch gerechnet, zweitens habe ich mich auf die niedrigste Schätzung bezogen, die kursiert.
26.07.2010
StephanL hat geschrieben:
Schätzungsweise bis zu 2 Mio Tonnen in 85 Tagen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass BP die seitlichen Entlastungsbohrungen nicht nur benutzt, um das beschädigte Steigrohr mit schwerem Schlamm zu füllen, sondern sich damit auch die Möglichkeit aufrecht erhält, das Macondo-Ölfeld später weiter auszubeuten. Wir fordern natürlich generell, mit solchen Tiefseebohrungen aufzuhören.
23.07.2010
lolfs hat geschrieben:
Wie viel Öl ist (bis jetzt) insgesamt ausgelaufen?
Was passiert mit der Ölquelle nach der Abdichtung? Das Öl soll bestimmt noch gefördert werden?
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