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Meeresschnecken - Unterschätzte Überlebenskünstler


von SvenW1994
03.06.2016
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Warum ausgerechnet Meeresschnecken? Die sind doch schleimig und kriechen nur rum.
Antwort: Weil ich genau das auch mal gedacht habe und ich jetzt sehr beeindruckt bin, was diese Kerlchen alles können.

In Bonn fand heute die 10. Bonner Wissenschaftsnacht mit dem Thema Wasser Welten statt.
Dort gab es allerhand verschiedene Stände in einer großen Ausstellungshalle, mitten auf dem Münster Platz.
Ich hab mir als Tierfreund natürlich sofort den Stand für Biodiversität vorgenommen und wurde nicht enttäuscht.
Im Prinzip gab es zwei große Themen: Engelshaie, auf die ich in einem späteren Beitrag eingehen werde, und Meeresschnecken.
Was die Dame von der Universität Bonn mir da erzählt hat, ließ mich ganz schön staunen.

Lebendiges Waffenlager

Einige Arten wie zum Beispiel die Pteraeolidia ianthina (siehe oben) sind in der Lage, eine Qualle nicht nur zu verspeisen und ungeschoren davonzukommen, sondern noch viel mehr.
Natürlich feuert die Qualle ihr Gift auf die Schnecke ab, was dieser aber nur gelegen kommt. Die explodierten Nesselzellen richten keinen langfristigen Schaden an, aber viel interessanter ist, was mit den nicht explodierten passiert.
Diese gelangen in den Verdauungstrakt der Schnecke und werden in sogenannten Nesselsäcken eingelagert: Der Name ist Programm. Falls nun ein Fisch die Schnecke angreift, feuert sie einfach ihrerseits die geklauten Nesselzellen auf den Angreifer ab. Im Rahmen einer Doktorarbeit (Frau Dana Obermann an der Universität Bonn) wird gerade versucht zu verstehen, wie genau dieser Prozess abläuft.Anscheinend besitzt die Schnecke nämlich die Fähigkeit, die noch nicht explosiven Nesselzellen „selber scharf zu machen“ indem sie den ph-Wert der Zellen verändert.

Saurer ph-Wert = Aktive Nesselzellen, so die Theorie.
Ein Team der Universität Bonn hofft, in den nächsten Monaten den genauen Ablauf entschlüsselt zu haben.
Also zusammengefasst: Diese Schnecken fressen die Waffen eines anderen Tieres, bewahren sie in ihrem Körper auf und feuern sie bei Gelegenheit auf ihre eigenen Feinde ab.
Wenn das keine Überlebensstrategie ist, weiß ich auch nicht.

 

Wenn Schnecken Photosynthese betreiben

 (Phyllodesmium opalescens, völlig durchsichtig und ideales Hotel für Algen)

Anscheinend ist es eine verbreitete Strategie in der Welt der Schnecken, sich Eigenschaften oder Bestandteile von anderen Lebensformen einzuverleiben, wenn sie sich als nützlich erwiesen haben.
Einige Vertreter der Fadenschnecken (Aeolidoidea) fressen einzellige Algen und behalten sie unversehrt in ihrem Verdauungstrakt. Da die Schnecke durchsichtig ist, bekommen die Algen genügend Sonnenlicht. Und was machen Pflanzen, wenn sie Licht bekommen? Sie betreiben Photosynthese. Das Ergebnis ist dann eine leuchtend grüne Schnecke, die nichts weiter zum Überleben braucht als etwas Sonnenlicht. So können die Tiere Monate lang von dem leben, was die Algen in ihrem Innern herstellen, also Aminosäuren und Zuckersubstanzen.

Für mich waren das zwei brilliante Strategien, die mir vor allem bezogen auf Meeresschnecken komplett neu waren. Außerdem untersucht die Universität Bonn die Toxine mancher Schnecken auf ihren Nutzen für die Medizin. Dazu steht aber nichts in der Broschüre, die ich von der freundlichen Dame am Infostand bekommen habe. Demnächst werde ich aber versuchen, auch dazu etwas zu schreiben.

Wusstet Ihr, was diese Kriechtiere so können oder habt ihr sogar Ergänzungen? Ich betrachte diese unscheinbaren Zeitgenossen jetzt aus einem ganz anderen Licht.Wieder ein Beweis: Der äußere Schein trügt.

Foto:

@Eugene Lim via flickr.com/eugenelimphotography

@Sylke Rohrlach via flickr.com/87895263@N06

Quellen:
- Burghardt, I., Stemmer, K. & H. Wägele (2008): A new solar powered species of the genus Phyllodesmium Ehrenfeld, 1831 (Mollusca: Nudibranchia: Aeolidoidea) from Indonesia with analysis of its photosynthetic activity and notes on biology. - Zootaxa 596 1-18.

- Berking, S. & K. Herrmann (2005): Formation and discharge of nematocysts is controlled by a proton gradient across the cyst membrane. - Helgoland Marine Research: DOI 10.1007/s10152-005-0019-y.

- Koenigiana – Broschüre der Alexander-Koenig-Gesellschaft e.V.

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Kommentare (6)
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07.06.2016
SvenW1994 hat geschrieben:
@B0uld3r ich finde sie interessant, soziemlich jede Lebensform hat irgendetwas, das sie besonders und einzigartig macht :)
07.06.2016
B0uld3r hat geschrieben:
@SvenW1994: Korrekt! Trotzdem eklig:/
04.06.2016
SvenW1994 hat geschrieben:
https://www.youtube.com/watch?v=V6H01cUSpfQ

Du meinst so? :D
Das sieht aus als hätten die solche Flügel, richtig genial.
Aber das mit den Seegurken versteh ich nicht? Wieso sollten die ihre Organe ausstoßen? Damit die Feinde dann die Organe fressen und die Gurke entkommen kann?
03.06.2016
Orcara hat geschrieben:
Wusstet ihr dass Seegurken in schlechten Lebensverhältnissen ihre inneren Organe ausstoßen und wieder komplett neu bilden können? Das ist auch so genial! :)

Ich habe auch mal in einer Unterwasserreportage gesehen wie anmutig es aussieht wenn größe Meeresschnecken sich durch wellenartige Bewegunge beinnahe schwebend im Wasser fortbewegen. Das sieht so anmutig aus, da kann keiner mehr sagen dass alle Mollusken ekelhaft, lahm und schleimig sind :)
03.06.2016
SvenW1994 hat geschrieben:
Stell dir mal vor du frisst das Schwert, mit dem dich dein Gegner aufspießen will und spuckst es bei Gelegenheit einem anderen Gegner ins Gesicht :D
Dass sie sowas können war mir bis heute neu, echt faszinierend.
Die hatte auch welche da, sie sind aber zum Teil so klein, nur einige Milimeter groß.
Deswegen stimmt Klein aber oho im wahrsten Sinne des Wortes!
03.06.2016
RichardParker hat geschrieben:
Oh wow!

Das ist echt spannend und faszinierend, was die Natur also hervorbringt! Ganz schön gewieft, sich das Nesselgift einzuverleiben und selbst gegen Gegner zu verwenden! :D
Auch das mit der Alge und der Photosynthese...
Die Natur ist ein Wunder für sich, das es zu schützen gilt!

Vielen Dank für deinen interessanten Beitrag, ich glaube du hast mich angesteckt, mit deiner Faszination für Meeresschnecken. :) Ich würde sagen "Klein, aber OHO!!!
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