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den Wellen


Make Up für's Meer


von Peet
10.05.2013
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Ein Feuerinferno im Golf von Mexiko, umringt von etlichen Löschbooten. Das Löschwasser scheint schon vor dem Erreichen des Feuers zu verdunsten, doch das eigentliche Horrorszenario spielt sich derweil ganz woanders ab. Eine Meile unter der Wasseroberfläche versagt jegliche Sicherheitstechnik und 87 Tage lang sprudeln 210 Millionen Gallonen Rohöl ins sensible Ökosystem.

Drei Jahre ist dies nun her. Als am 20. April 2010 die Ölplattform „Deepwater Horizon“ explodierte und in Flammen stand starben nicht nur elf Arbeiter, sondern es starb auch ein ganzes Ökosystem im Golf von Mexiko und somit auch in den USA.

An Tourismus ist seit jenen Tagen nicht mehr zu denken, ebenso wenig an die Fischerei. Vorbei die Tage, an denen unbeschwert im Meer gebadet wurde. Auch Barack Obamas Schwimmeinlage, einige Monate nach der Katastrophe, lässt die Bewohner weiter misstrauisch bleiben.

Dabei sieht aus der Luft betrachtet alles sehr gut aus. Keine gigantischen Ölteppiche mehr, keine verschmutzten Vögel oder angeschwemmten Delfine und Fische. Schon kurz nach der Katastrophe sind diese Bilder aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden. Das Wunder dieser Tat findet sich in einem Wort wieder – Corexit. Hierbei handelt es sich um das „Make Up“ der Meere. Es versteckt das, was wir als unschön betrachten und macht es doch gleichzeitig kein Stück besser. Denn es löst kein Problem, sondern gibt lediglich einen Zeitaufschub, bis wieder nachgebessert werden muss. Und das muss viel. Denn Corexit erzählt eine komplett neue Geschichte in der Sache „Deepwater Horizon“ und eröffnet ein neues, unglaubliches Kapitel in der Geschichte der Firma BP.

Unmittelbar nach dem ersten Austreten des Rohöls starteten die ersten Flugzeuge mit dem Mittel Corexit an Bord, um dieses über die immer größeren Ölteppiche zu versprühen. Das Mittel heftet sich ans Oel und zerlegt es. Da durch löst sich der große Ölteppich in den Weiten des Meeres auf und wird nicht an die Küsten geschwemmt. Vor allem aber ist das Öl dann nicht mehr so gut zu erkennen und das Problem somit nicht mehr sichtbar.

Sieben Millionen Liter hat BP versprühen lassen, die die Ölpest für immer verschwinden lassen sollte. Doch das Problem ist eben bei Make Up, dass es nur verdeckt und somit auf Dauer nicht zur Lösung des Problems beiträgt. Die Spätfolgen kommen nun mehr und mehr ans Tageslicht. Denn immer mehr Fische und Vögel verenden auf unbekannte Art und Weise. Bei späteren Labortests weisen sie eine erhöhte Menge an Rohöl und sogar teilweise Corexit auf. Und was Corexit für Nebenwirkungen hat, darüber berichten immer mehr Menschen.

Eine davon ist die 32 jährige Griffin aus Louisiana, USA. Sie versuchte mit Hilfe von Corexit, das ihr von BP gegeben worden war, am Ort für die Vogelsäuberung den Boden vom Öl zu befreien. Das Mittel spritzte ihr auch das ein oder andere Mal ins Gesicht. Atemmaske oder Schutzanzug trug sie nicht. Innerhalb weniger Tage nach Beginn der Arbeit fing sie an Blut zu husten und litt an permanenten Kopfschmerzen. Dann verlor sie ihre Stimme und bekam qualvolle und bizarre Leiden in den Muskeln. Ihre Hände versagten und ihr Erinnerungsvermögen arbeitete nicht mehr. Teilweise verlor sie sogar die Kontrolle über den ganzen Körper. Sie ist eine von vielen tausend Helfern in der Region, die das gleiche Schicksal teilen. Dass diese Nebenwirkungen auch für die Tierwelt zu etlichen Beeinträchtigungen führt, darüber kann nur vermutet werden.

BP selber versicherte in einem Schreiben im Jahr 2010, dass Corexit vollkommen sicher sei und auch legal genutzt werden dürfe. Aktuell will sich das Unternehmen nicht zu den Vorwürfen äußern, da noch immer ein Verfahren gegen dieses läuft. Wann ein weiteres Urteil gegen BP gesprochen wird, kann aktuell noch nicht gesagt werden. Fest steht allerdings schon heute, dass die Ölkatastrophe vom 20. April 2010 auch drei Jahre danach aktueller denn je ist. Denn die wahre Katastrophe beginnt sich erst jetzt im ökologischen System am Golf von Mexiko widerzuspiegeln. Aus den Augen, aus dem Sinn funktioniert eben nicht mehr.

Quelle: Printausgabe der Zeit

Bild: © National Geographic Stock / Tyrone Turner / WWF

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Kommentare (7)
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21.05.2013
Peet hat geschrieben:
Sehr schön gesagt, Tania! :) Grüße nach Südamerika!
21.05.2013
TaniaTukan hat geschrieben:
@ Elisabeth2706: natürlich sollte BP zur verantwortung gezogen werden, doch dass sie uns in den "Schlamassel geritten" haben, ist nur teilweise wahr: sie reagieren nur auf die weltweite nachfrage nach Erdöl. Solange wir uns als Menschheit nicht vom Öl lösen, tragen wir alle ein stückchen mit zu diesen Katastrophen bei...
21.05.2013
Eli98 hat geschrieben:
Das ist total grausam gegenüber allen, Menschen und Tieren!
BP sollte etwas Vernünftiges dagegen tun, sie haben uns ja auch in den Schlamassel reingeritten.
11.05.2013
Zerschmetterling hat geschrieben:
Schrecklich und abscheulich.
Mehr fällt mir dazu nicht ein.
Ich versteh einfach nicht, wie die Leute von BP noch schlafen können.
11.05.2013
Lena15 hat geschrieben:
BP versucht sich mal wieder rauszureden ! Und die, die mitgeholfen haben müssen auch noch solche Nebenwirkungen aushalten!
11.05.2013
midori hat geschrieben:
Schrecklich.. wie kann man nur die Hölle auf Erden mit noch mehr Höllenfeuer bekämpfen wollen? Absolut unverantwortlich. Dieses Unternehmen ist die reinste Gefahr für uns und diesen Planeten. Weg damit! Die scheren sich doch einen Dreck, um all die Leben, die sie auf dem Gewissen haben und noch haben werden.
10.05.2013
Tarja_H hat geschrieben:
Das ist wirklich schrecklich.
Ich hatte davon schonmal gehört, aber ich wusste nicht, dass Corexit auch noch so schlimme Nebenwirkungen hat.
Danke für den wirklich guten Bericht. Ich werde auf jeden Fall mithelfen mit Leuten darüber zu sprechen, damit das nicht einfach in der Versenkung verschwindet.
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