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Glibrig und Gefährlich- Quallen und das Problem ihrer Überpopulation


von Nils93
06.10.2011
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48 P

Auf der ganzen Welt häufen sich die Berichte über das Massenhafte Auftreten von Quallen.                                                                                                                                                         Strände werden geschlossen, Fischer verlieren ihre Arbeit und ganze Ökosysteme werden massiv geschädigt oder gar zerstört. Eine zu große Population an Quallen kann zu einer Reihe von ökologischen und ökonomischen Problemen führen.
Doch wie kommt es zu diesem massenhaften Auftreten von Quallen?

Schuld an allem ist wieder einmal der Mensch.

Experten benennen drei grundsätzliche Gründe für das massenhafte Auftreten von Quallen:       Den Klimawandel, die zunehmende Überfischung der Weltmeere und die zunehmende Eutrophierung von Gewässern, also deren Anreicherung mit Pflanzennährstoffen (vor allem mit Nitrat und Phosphat). Das Einschleppen von Quallen in fremde Ökosysteme, in denen sie sich rasant vermehren und verbreiten können (Neozoon) ist ein weiterer Grund für ihr massenhaftes Auftreten in einigen Gebieten der Erde.

Quallen können als ökologische Sackgasse bezeichnet werden.                                                          Im Nahrungsnetz eines Ökosystems enden häufig die Prozesse des Fressens und Gefressenwerdens bei den Quallen. Das liegt daran, dass Quallen im gesamten Verlauf ihres Lebens und ihrer Entwicklung ein unglaublich großes Beutespektrum aufweisen, jedoch selbst nur von einigen wenigen Organismen gefressen werden. Vieler dieser Organismen sind durch massive Überfischung und Verschmutzung der Meere auch noch stark bedrohte, wie viele Meeresschildkrötenarten oder Thunfisch- und Schwertfischarten. Hinzu kommt noch, dass die zunehmende Überfischung der Weltmeere vielen Quallenarten zugute kommt, die sich überwiegend von Plankton ernähren, da durch die Überfischung ihre Nahrungskonkurrenten die Fische ausgelöscht werden. Folglich werden, die durch die Überfischung verursachten Lücken im Ökosystem von den Quallen wieder geschlossen.

Die zunehmende Eutrophierung der Weltmeere durch Düngemittel, durch Abfallprodukte der Industrie und weiteren Verschmutzungen kommen vor allem mikroskopisch kleinen Algen zugute, die die Nahrung für andere kleine planktonische Organismen darstellen, die wiederum vielen Quallen und ihren verschiedenen Entwicklungsstufen als Nahrungsquelle dienen. Die Eutrophierung erhöht also das Nahrungsangebot der Quallen.

Quallen zählen mit zu den ältesten Organismen unserer Erde. Sie sind älter als Säugetiere, Vögel und sogar älter als die Dinosaurier. Sie haben in den vergangenen Jahrmillionen eine unglaublich große Anpassungsfähigkeit bewiesen und sich dabei in ihrer Grundstruktur nur wenig verändert. Es verwundert also nicht, dass die Quallen wohl die klaren Gewinner des globalen Klimawandels sind. Während viele Fischarten durch das Absterben der Korallenriffe und weitere Konsequenzen des Klimawandels gefährdet sind, fällt es den Quallen aufgrund ihrer einfachen Struktur und allgemeinen Anspruchslosigkeit um ein vielfaches leichter sich den durch den Klimawandel verursachten neuen Bedingungen anzupassen, als beispielsweise den Fischen.

 

 

 

Hier sind einige Beispiele für Überpopulationen an Quallen in den unterschiedlichsten Gebieten unseres Planeten:

Vor der Küste Japans und der Südküste Chinas kam es in den letzten Jahren zu einem massenhaften Auftreten der so genannten Nomura- Qualle (Nemopilema nomurai).                  Fand man hier früher nur wenige Exemplare kann man sie heute schon gar nicht mehr zählen. Der Klimawandel, die dortige Überfischung der Gewässer und der Schmutz, der beispielsweise vor der Küste Chinas in die Meere geleitet wird, bilden hier den Nährboden für die gigantischen Populationen an Nomura- Quallen. Die sich ausschließlich von Plankton ernährende Qualle ist für die dortige Fischereiindustrie gleich ein doppeltes Problem. Einerseits konkurrieren die Quallen mit den Fischen um das Plankton als Nahrungsquelle, andererseits zerreißen die bis zu 200 kg schweren Quallen die Fischernetze und zerquetschen die sich bereits im Netz befindenden Fische.

 

                           (Fischer und die Nomura- Qualle (Nemopilema nomurai))

Im Mittelmeerraum hat in den letzten Jahren die Zahl der Leuchtquallen (Pelagia noctiluca) rapide zugenommen, sodass es aufgrund des massenhaften Vorkommens an Quallen zu Strandschließungen kam. Hier spielen wieder vor allem der Klimawandel und die Überfischung des Mittelmeeres die wichtigste Rolle.

1976 blockierten Ohrenquallen (Aurelia aurita) ein Atomkraftwerk in Westschweden. Pro Stunde mussten knapp 50 Tonnen Quallen aus dem Filter des Kühlwassersystems entfernt werden. Dies war kein Einzelfall. So musste 1999 das Atomkraftwerk in Hamaoka, Japan seine Energieproduktion um knapp 30% reduzieren, weil sich Quallen in den Meerwasserschleusen des Kühlwassersystems verfingen.

          (Die Ohrenqualle (Aurelia aurita))

Ein besonderer Fall einer Überpopulation an Quallen bildet das Massenhafte auftreten der so genannten Kronenqualle (Periphylla periphylla) in einigen Fjorden Norwegens. Einer dieser Fjorde ist der Lurefjord. Trotz seiner großen Menge an Wasser besitz der Lurefjord nur zwei relativ schmale Verbindungen zum Meer. Durch diese Verbindungen muss die sich von Plankton ernährende Tiefseequalle Periphylla gelangt sein. Ob durch ein Fischernetz oder auf anderen Wegen ist unbekannt. Fakt ist jedoch, dass sich die Kronenqualle in dem nahezu geschlossenen Ökosystems des Lurefjords rapide vermehrt hat und fast alle anderen Bewohner des Fjords verdrängt hat. Die Quallen müssten eigentlich sterben, da sie sich durch die Verdrängung der anderen Fjordbewohner einem Großteil ihrer eigenen Nahrungsgrundlage, wie zum Beispiel jungen Fischen, entledigt haben. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Ursachen für dieses Phänomen werden zurzeit noch untersucht.

                                         (Die Kronenqualle (Periphylla periphylla))

 

Schlussendlich möchte ich eins noch mal gesagt haben:
Die Quallen können am Wenigsten was für die Schäden, die sie in einigen Ökosystemen anrichten. Quallen sind nun mal eben das, was sie eben sind. Es liegt an uns Menschen eine Überpopultation an Quallen zu verhindern. Wir sind die jenigen, die die Entscheidungen über die Zukunft unseres Planeten treffen können.

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Kommentare (5)
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19.01.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Danke... :)
17.01.2012
Nils93 hat geschrieben:
Mhm... Also das mit dem alter der Quallen ist ziemlich schwierig. Das was wir als Qualle bezeichnen ist nämlich bei den meisten Quallen bloß ein Lebensstadium einer bestimmten Gruppe von Nesseltieren. Viele uns bekannte Quallen beginnen Ihr Leben nämlich als Polyp (den musst du dir wie eine Art festsitzende Qualle vorstellen, die an ihrer Spitze verschiedene nesselnde Fangtentakeln besitz). Dieser Polyp besitzt eine unglaublich Regenerationsfähigkeit. Fast jedes abgeschnittene Teil kann wieder einen ganzen Polypen bilden. In einem gewissen Lebensstadium beginnt der Polyp zu strobilisieren, d.h. er schnürrt ganz bewusst kleine Körpersegmente ab. Diese bewusst abgeschnürrten Segmente entwickeln sich dann zu unseren Quallen (in der Fachsprache Medusa genannt). Da die Quallen das selbe genetische Material aufweisen wie der Polyp und dieser sich nach der Strobilation wieder regeneriert und neue Quallen abschnüren kann, stirbt der gesamte "Komplex" der Qualle eigentlich erst, wenn alle genetisch identischen Quallen und Polypen abgestorben sind. Die Medusa (also unsere eigentliche Qualle) stirbt zumeist nach dem Vermehrungsprozess ab. Eine Ausnahme bildet dabei die Qualle "Turritopsis nutricula", die nach der Vermehrung ihre Tentakeln zurückbildet, sich festsetzt und sich wieder zu einem Polypen zurückbildet, der dann wieder neue Quallen "produzieren" kann.

In der Nordsee stellen Eutrophierung und Überfischung natürlich ebenfalls ein gewisses Problem dar. Es treten häufiger Quallen auf als früher. Dennoch liegt das massenhafte Auftreten von Quallen an bestimmten Tagen wohl eher in einem warmen Sommer und/oder aber in einer ungünstigen Windrichtung- und stärke begründet.
12.01.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Wie alt werden Quallen denn so? Das würde mich echt mal interessieren.
Und gibt es auch eine Überpopulation zum Beispiel in der Nordsee?
05.11.2011
Kaninchen hat geschrieben:
Schon ein bisschen erschreckend .. Ich persönlich finde Quallen nicht so toll , statt denen solllten lieber andere Tiere ein bisschen mehr überpopuliert sein.. Denn von den Quallen hat man eigentlich keinen Nutzen und tötet sie ja dann einfach so..
10.10.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Faszinierend, dass so "Glibber-Dinger" so alt sind und sich fast allen Umständen anpassen können. Da hat die Evolution doch mal ganze Arbeit geleistet.
Schade nur, dass unter dieser Anpassungsfähigkeit ein gesamtes Ökosystem leidet.
Die Verursachung kommentiere ich mal nicht. Da fällt einem nix mehr zu ein....
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