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Eine kurze Geschichte über Salz


von Franzi
12.05.2014
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78 P

Salz. Salz ist überlebenswichtig, Salz ist lecker. Eine essentielle Zutat ist das „Salz in der Suppe“ und nicht umsonst war Salz jahrhundertelang eine Kostbarkeit, die schwer zu bekommen war und nur den Reichen vorbehalten war. Salz macht oft den entscheidenden Unterschied. Auch viele Lebewesen sind auf Salz angewiesen, unzählige Meeresbewohner könnten in Süßwasser nicht überleben.
Aber Salz kann auch tödlichen sein. Im Übermaß verzehrt führt es zu Herzinfarkten und Schlaganfällen, bis zu 2,3 Millionen Menschen sterben so pro Jahr indirekt durch einen zu intensiven Salzkonsum. Und auch für die Natur kann Salz im Übermaß zu einer ungeheuren Gefahr werden, denn es verkrustet Böden und lässt Pflanzen eingehen.

Der Name dieser Gefahr lautet Salzwasserintrusion und bezeichnet den Prozess, bei dem Salzwasser in Süßwasserreservoirs eindringt und diese unnutzbar macht. Für uns Menschen und Tiere ist Süßwasser enorm wichtig, aber der größte Teil des Wassers auf unserem Planeten ist untrinkbar salzig. Nur ca. 2,5% des Wasser ist süß. Da Salz- und Süßwasser eine unterschiedliche Dichte haben, sind sie eigentlich voneinander getrennt und vermischen sich nicht, wo sie aufeinandertreffen bildet sich eine Art Barriere, die das Süßwasser und vor allem unser Grundwasser schützt. Doch wenn dieses Gleichgewicht gestört wird, vermischen sich die Flüssigkeiten und das Süßwasser ist für immer verloren. Dabei reichen bereits sieben Teelöffel Salz auf 200 Liter Wasser aus, um dieses ungenießbar zu machen! 

Im kleinen Küstenort Bhamia in Bangladesch wissen die Menschen schon lange, wie gefährlich Salz sein kann. Die meisten Brunnen in ihrer Umgebung sind bereits versalzen, sie müssen Kilometer weit laufen um an Süßwasser zu gelangen und dennoch leiden viele Menschen an Durchfall und besonders Babys erkranken schnell. Sie bekommen blaue Hände und Füße, da das Blut durch die eingelagerten Nitrate aus dem Salzwasser nicht genügend Sauerstoff transportieren kann. Wenn die Menschen dort duschen, ist ihre Haut mit einer Salzschicht bedeckt und ihre Palmen und Reispflanzen sterben immer schneller weg. Grund dafür ist, dass vor Bangladesch aufgrund des Klimawandels seit Jahren der Meeresspiegel steigt und so Salzwasser unterirdisch ins Grundwasser hineingedrückt wird. Aber auch der Mensch spielt bei der Salzwasserintrusion eine große Rolle. Indem er aus unterirdischen Reservoirs und Flüssen mehr Süßwasser entnimmt, als durch Regen und Zuflüsse nachfließen kann, stört er das Gleichgewicht zwischen Süß- und Salzwasser und beschleunigt damit die Versalzung. Ebenso versalzen durch falsche Bewässerungsmaßnahmen ganze Landstriche und werden für die Landwirtschaft unbrauchbar, so zum Beispiel in Pakistan. Umso weniger Wasser die Menschen haben, umso verzweifelter werden sie aber natürlich auch und beginnen illegale Brunnen zu graben. Da das nicht im mindesten kontrolliert werden kann entsteht so ein Teufelskreis, der die Versalzung immer mehr beschleunigt.
Bhamia ist da nur ein Beispiel von vielen. Im Gazastreifen, am Mekong und selbst in Shanghai kämpfen die Menschen mit dem selben Problem. Und auch Sylt und Baltrum sind mehr als besorgt um ihre Frischwasserreservoirs.

Das Problem ist seit langem bekannt und dennoch sind sich die Experten nicht einig was man genau dagegen tun kann. Alle zwei Jahre treffen sich die internationalen Spezialisten beim „Salt Water Intrusion Meeting“ (SWIM) und diskutieren über neue Handlungsmöglichkeiten. Doch obwohl die „Swimmer“ seit Jahren Alarm schlagen ist, noch nicht viel passiert.
Dabei ist die Salzwasserintrusion keineswegs eine Krise die sich nur weit entfernt am anderen Ende der Welt bemerkbar macht. Auch an unseren Nord- und Ostseeküsten haben wir vermehrt mit einer Versalzung zu kämpfen. Genau aus diesem Grund wird in Norddeutschland seit einiger Zeit auch intensiver geforscht, insbesondere von Wasserversorgern. Ihren Studien zufolge haben wir die Hauptursache der Knappheit bereits herausgefunden: wir verbrauchen schlicht zu viel Wasser. Dabei geht es nicht nur um den menschlichen Verbrauch, sondern auch darum, dass genügend Wasser in den Ökosystemen für Flüsse und Seen verbleibt. Die Frage aller Fragen lautet nun natürlich: wie viel Wasser dürfen wir denn verbrauchen? Dazu werden komplizierte Messungen und Bohrungen vorgenommen, aufgrund der Vielzahl an Einflussfaktoren, die teilweise unvorhersehbar sind, ist eine genaue Prognose aber mehr als schwierig. Und für aufwendigere Forschungen fehlt oft das Geld...
Dabei leben wir hier noch in geordneten Verhältnissen. Wer wie wo wieviel Wasser aus dem Boden pumpt wird hier genaustens zentral registriert. Wenn also selbst wir hier in Europa schon ratlos sind, dann kann man sich ja vorstellen, wie es in den Entwicklungsländern aussieht: dort geht es bereits lange ums nackte Überleben. 

„Gerade in ärmeren Ländern wird kaum gemessen, und wenn, werden die Ergebnisse oft nicht offiziell mitgeteilt. Wasser ist eine Frage von Leben und Tod. Politiker würden schnell Ärger bekommen, wenn sich herausstellt, dass das Wasser versalzt und niemand etwas dagegen unternimmt“, sagt Jianhua Meng vom WWF. Natürlich ist es bereits seit längerer Zeit möglich Salzwasser auch wieder zu entsalzen, aber das ist teuer und sehr energieaufwendig.
Immerhin beraten bereits jetzt deutsche Experten Staaten wie Tansania oder Saudi-Arabien zum Thema Wasserverbrauch und Versalzung und versuchen Hilfestellungen zu geben.
Und im Juni tagt das „SWIM“ wieder, dieses mal in Husum in Deutschland. Hoffen wir, dass sie ein paar Lösungen finden für unsere durstige Welt.

 

Quelle:
ZEIT Wissen N° 3, April/Mai 2014 S. 43 ff.

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Kommentare (4)
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14.05.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Immer wieder kommen neue Probleme, und meistens lassen die sich auf das Verhalten der Menschen zurückführen. Ziemlich deprimierend.
13.05.2014
Carina hat geschrieben:
Danke für den interessanten Bericht. SWIM verpasse ich ja knapp, wenn ich im September mein Praktikum beim WWF in Husum mache! ;)
13.05.2014
Leatrice hat geschrieben:
Herrje... Wirklich schlimm, das nochmal so zu lesen...
Kennt ihr dieses Märchen, in dem der König von seinen Töchtern einen Liebesbeweis verlangt, die eine ihn mit Gold und die andere ihn mit Salz beschenkt, der Vater seine Tochter verstößt und der Salzprinz alles Salz des Landes in Gold verwandelt....?
Aber zuviel Salz ist auch nicht besser...
12.05.2014
Tamina hat geschrieben:
Das habe ich gar nicht gewusst. Wirklich erschreckend, welche Auswirkungen das mit sich bringt und dass Hilfe mal wieder am Geld scheitern muss. :(
Vielen Dank für den informativen Bericht! :)
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