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Die Pangasius-Lüge


von UnsereGeneration
10.03.2011
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40 P

Zufällig habe ich gestern (9.3.2011) gegen 21.45 Uhr in der ARD geschaltet und einen sehr interessanten Bericht in ARDexclusiv gesehen.

Der Titel war: Die Pangasius-Lüge.

Es geht dabei wie der Titel auch schon sagt um den Pangasius Fisch und die immer größer werdende Problematik mit diesem Fisch.
Interessant war auch, dass bei dieser Dokumentation (30 min. Dauer) Catherine Zucco vom WWF als Fischexpertin um Vordergrund stand.

Zuerst einmal stellt sie fest, dass in den letzten Jahren Pangasius zu einem der beliebtesten Fische der Deutschen geworden ist. Denn er ist billig und es wird gesagt, er solle die Überfischung der Meere entlasten.

Doch Catherine Zucco will selbst nachsehen, ob das alles so stimmt und korrekt läuft mit dem Fisch.
Kaum ein Tiefkühlfisch, den wir im Laden finden lässt sich bis zum Fischerkonzern zurück verfolgen. Die Nummern auf den Packungen geben oft nur den Verpackungsort, aber nie den Fangort oder die Behandlungsart der Fische an.
Eine der Firmen, die Deutschland beliefern soll NAVICO (Nam Viet Corporation) sein. Pangasius Fisch wird als Zuchtfisch gehandelt. Er wird in extra Becken gezüchtet und dies soll angeblich die Überfischung der Meere etwas zurück fahren.

Also machen sich Catherine Zucco und das Fernsehteam auf in den Vietnam um dem nach zu gehen.
In kaum einem Fischereikonzern oder einer der Fischpackkonzerne bekommen sie Einlass.
Auf eigene Faust gehen sie dem also nach und finden schließlich dank einer Art Fremdenführer doch noch Eintritt in einige Unternehmen.
Dort sehen sie Fische, bis zu 60-80 Stück auf einen Kubikmeter Wasser (Also eine Badewanne ungefähr und dann voll mit 60-80 Fischen.

Die Fische haben kaum Platz und durch ständiges gegenseitiges Berühren entstehen Wunden und Krankheiten werden schneller übertragen.
Zudem ist die Qualität des Wassers erschreckend, das oft aus dem Mekong ohne Säuberung in die Becken gezogen wird und auf dem gleichen Weg auch einfach wieder in den Fluss geleitet wird, samt Kot und sonstigem.

Damit die Fische sich also gegenseitig nicht anstecken werden zudem teilweise schon allein 50 verschieden Sorten an Antibiotikum verwendet, das einfach unters Essen gemischt wird, Teilweise wird dies viel zu viel und zu oft getan, sodass sich eine komische Lache aus Kot und Algen und sonstigem am Wasserrand anlagert und dort alles vergiftet. Unprofessionelle Betriebe schütten das Essen so ungeschickt in die Becken, dass ein Großteil des Fischfutters, gemischt mit Medikamenten, auf den Boden sinkt und dort verrottet und das Wasser kontaminiert.

Dieses Wasser wird in den Mekong geleitet, in dem sich Kinder waschen und aus dem getrunken wird.
Viele Tierarten und Menschen sind dadurch bedroht.
Noch viel schlimmer ist, dass auf den Packungen steht "Aus dem schnellfließenden Delta des Mekong Flusses gefischter Pangasius Fisch". Aber davon ist meist wenig zu sehen.
Auch die Fischfangmethoden sind brutal. Statt wie geschrieben "schnelle Verarbeitung des Fisches vor Ort" wird der Fisch erst einmal aus dem Wasser geholt.
Dann wird er lebendig in Körbe umgeladen und auf Mopeds zu einem Boot transportiert. Die untersten Fische müssen bis zu 100 Kilo Fischlast ertragen.

Dann werden sie auf dem Schiff in ein Wasserbecken umgeladen, in dem 20 Tonnen Fisch Platz finden müssen.
Erst 24 Stunden später wird der Fisch weiter verarbeitet.
DIE Fische werden angestochen "Todes-Stich" und dann ausbluten gelassen. Danach wird nur das Filet übrig gelassen. Dies wird mit Phosphatsäure, das Wasser anzieht noch etwas aufgedunsen, damit es größer wirkt und dann gefroren.
Ein Problem, das vor allem Catherine Zucco vom WWF beschäftigt ist die Tatsache, dass sie glaubt, dass die Pangasiuszucht die Wildfischerei nur noch verschlimmert.

Um dem auf den Grund zu gehen, besucht sie eine Fischmehlfabrik, die Fischmehr vor allem für die Pangasiuszucht produziert.
Dort werden Fische aus freier Wildbahn angeliefert, die dem Pangasius als Futter dienen.
Das heißt: Je mehr Pangasius, desto mehr Fisch aus der Natur muss gefischt werden, um zu Pangasius-Fischmehr umgewandelt zu werden.
Dabei wird alles gefangen, was Rang und Namen hat, egal, ob vom Aussterben bedroht, selten zu sehen oder noch zu jung.

Aber es gibt Hoffnung: Es gibt einen Deutschen Bio-Pangasius-Fischfang-Betreiber, der seine Becken wirklich vom Mekong Delta aus speist und den Fisch zu 100% Bio verarbeitet. Aber es ist eben ein deutscher. Die Einheimischen kümmern sich nicht um die Rettung der Tiere, ihnen geht es um das Geld.
Die ARD hat es jedenfalls auch mit Hilfe des WWF geschafft den Vietnam soweit zu bringen, dass sie ihre Fischzucht umstellen wollen.
Daher steht der Pangasius in der WWF-Liste nun auch nicht mehr unter Rot wie gefährlich, besser nicht kaufen. Sondern es gibt eine neue Kategorie, die heißt " IN UMSTELLUNG".

Das heißt wir müssen noch warten.
Und achtet darauf, dass auch wirklich drin ist, was drauf steht. Erstens machen die Unternehmen gerne schöne Sprüche und außerdem wird auf manchen Packungen nicht darauf hingewiesen, dass der Fisch durch die Zugabe von Phosphaten mehr Wasser, als üblich enthält.

Also immer Vorsicht walten lassen.

Links:

www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,evqqm7v3h4xntcvd~cm.asp

www.programm.daserste.de/pages/programm/detail.aspx

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Kommentare (9)
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14.03.2011
Jutta hat geschrieben:
Unter folgendem Link gibts grad ne Aktion wo große Handelsketten (wie beispielsweise Aldi) aufgefordert werden, Pangasius aus dem Programm zu nehmen: http://www.regenwald.org/mailalert/683/pangasius-fischzucht-ruiniert-das-mekong-delta
11.03.2011
UnsereGeneration hat geschrieben:
@Arnulf:
Danke für den Hinweis.
Vielleicht habe ich es falsch verstanden das mit dem Wechsel von "rot" auf "in Umstellung".
Du hast Recht damit, dass der WWF das glaube ich gemacht hat, da er unter Druck stand.

Wegen dem Satz " Die EInheimischen kümmern sich (...) nur um das Geld" war eher so gemeint, dass sie gar keine Möglichkeit haben sich viele Gedanken zu machen, weil sie auf das Geld angewiesen sind.
Sie können sich nicht drum kümmern, ob das, was sie machen gut oder schlecht ist, weil viele von ihnen können ohne das Geld nicht leben.
Und das mit der Umweltbildung finde ich sehr gut. Hoffentlich wirkt es auch. Denn auch wenn die Menschen nun wissen, dass sie schlechtes für die Umwelt tun, haben sie nicht mehr Geld in der Tasche.

Unsere Generation
11.03.2011
MarcelB hat geschrieben:
Wer noch mehr über den Pangasius in Erfahrung bringen will, kann auch mal die älteren Berichte über den Fisch hier in der Community lesen:

-> http://www.wwf-jugend.de/leben/bio-essen/pangasius---lecker-fisch;2186
11.03.2011
GreenSmarty hat geschrieben:
Habe den Bericht auch gesehen und war schockiert. Das mit der schlechten Haltung wusste man ja schon, aber der dadurch verursachte Raubbau an den Fischen im Meer. Da wird wirklich noch das letzte bisschen rausgeholt, was man sonst nie auf einen Teller bringen würde. An einer Stellungnahme durch den WWF wäre ich auch sehr interessiert, vielleicht lies es der politische Druck ja wirklich nicht anders zu, wenn man andere Projekte in Vietnam nicht gefährden wollte?!?
Und um Steffen Hensler zu zitieren: "Da nehmen sie ein Stück Küchenpapier, legen es zusammen, backen es aus und es schmeckt wie Pangasius!"
10.03.2011
Jutta hat geschrieben:
Echt gute Reportage!
Mich verwundert allerdings auch die Änderung von "rot" nach "Umstellung". Können solche Firmen so viel Druck ausüben, dass dem WWF nichts anderes mehr übrigbleibt? Das wäre schrecklich! Denn das sich die Bedingungen der Zucht ändern werden ist jawohl höchst unglaubwürdig, nachdem was in der Reportage zu sehen war. Wäre auch sehr gespannt auf eine Stellungnahme!
10.03.2011
JessiSalaazar hat geschrieben:
Vor einiger Zeit hab ich auch einen Bericht über den Pangasius gesehen, da wurde das ganze auch aus Sicht der Einheimischen gezeigt. Wie Arnulf ja schon sagte, müssen die die Fische so halten um davon leben zu können. Das sollte man bei dieser Diskussion nicht vergessen. Wenn der Fisch artgerecht und ökologisch gehalten werden soll, geht das nur wenn die Fischer auch dann gut davon leben können - möglichst besser, als unter den aktuellen Umständen, damit sie auch wirklich den besseren Weg gehen. Man muss eben an mehren Fronten gleichzeitig kämpfen, sonst wird nichts wirklich brauchbares bei raus kommen.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht verstehe das der Fisch bei uns in Deutschland so beliebt ist. Ich finde ja er schmeckt so ziemlich nach nichts. Am besten wäre es wohl nur einheimischen Fisch zu essen, aber das machen einem die Läden auch nicht gerade einfach.

Bleibt nur zu hoffen, dass in Vietnam tatsächlich was an ihren Zuchtmethoden ändern.
10.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Ich auch! Ich find d as echt unverschämt was die da machen. (Ich wollte das heut auch reinstellen!xD) Ich ess soiweso kein Fleisch und ab gestern auch keinen Pangasius mehr!(davor noch nie gegessen) Ich hoffe es machen viele Leute jetzt mit und vernichten diese Fischhölle!
10.03.2011
Cedric hat geschrieben:
Ich habe diese Dokumentation auch gesehen... heftig....
Es ist einfach nicht zu verstehen, wie ein Land(zb Deutschland) solche Ware überhaupt importiert!!! Es sollte verboten sein, so etwas kaufen zu dürfen! Aber alles soll ja möglichst günstig sein für den Konsumenten und dann muss die Natur leiden... sauerei!!! Warum gibt es nicht nur Lebensmittel die artengerecht erzeugt wurden? Jeder Mensch in Deutschland könnte sich das leisten wenn er es will!
10.03.2011
Arnulf hat geschrieben:
Hallo und Danke erstmal für den Bericht,

mich würde nun ja doch sehr interessieren, wie der WWF eigentlich zum Pangasius steht. Denn in einem Bericht der TAZ vom 8.2. wurden Recherchen des schwedischen Radiosenders Sveriges Radio zitiert, nach denen der WWF die Einschätzung des vietnamesischen Pangasius im Fischführer nur von "rot" aus "in Umstellung" geändert hat, weil der WWF unter großem Druck der vietnamesischen Regierung stand. Der WWF hat diesen Kompromiss bestätigt (Link: http://tiny.cc/taz-pangasius); von einer Umstellung der vietnamesischen Fischzucht als Grund für die Umgruppierung des Pangasius war dabei nicht die Rede. Es wäre ja schön, wenn sich da was ändern würde!

Herzlicher Gruß,
Arnulf

PS: Nach zehn Monaten in Südost-Asien stören mich Sätze wie "Die Einheimischen kümmern sich nicht um die Rettung der Tiere, ihnen geht es um das Geld." doch sehr. Die "Einheimischen" handeln oft aus wirtschaftlicher Not und haben meist gar keinen Begriff von dem, was wir "Nachhaltigkeit" nennen. In Kambodscha bemüht sich der WWF daher auch sehr um Umwelterziehung in den Gemeinden um Schutzgebiete herum und auch allgemein, sicherlich auch in Vietnam.
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