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Das Great Barrier Reef - Inwieweit ist es gefährdet?


von Emilia
08.12.2013
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Das Great Barrier Reef erstreckt sich über eine Fläche von gut 350.000m² entlang der Ostküste Australiens und ist somit fast so groß wie Deutschland. Es ist rund 2.300 Kilometer lang und zwischen 25 und 130 Kilometer breit und besteht aus 2.900 einzelnen Riffen und 900 Inseln. Das australische Korallenriff ist der größte Korallenverbundund und einer der größten Meeresparks der Erde. Mehr als 3.000 Weichtierarten, 1.625 Fischarten, darunter 133 Hai- und Rochenarten, 600 Arten harter und weicher Korallen, 500 Wurmarten, 215 Vogelarten, mehr als 100 Quallenarten, 30 Wal-und Delfinenarten, und 6 Arten von Meeresschildkröten finden hier ihren Lebensraum. Das Great Barrier Reef hat besonders geschützte Zonen, in denen Aktivitäten wie fischen verboten sind. Teilbereiche sind für Schiffspassagen, Schnorchel- und Tauchausflüge gesperrt. Jedes Jahr besuchen das Naturwunder rund 2 Millionen Touristen. Das Great Barrier Reef gehört somit zu den wichtigsten Touristeneinnahmequellen Australiens.

 

 

 


Wer an die Folgen des Klimawandels denkt, dem Fallen schmelzende Eisberge und wachsende Wüsten ein. Aber womöglich lauert die große Gefahr, die von steigenden Temperaturen ausgeht, nicht oberhalb des Meeresspiegels, sondern knapp darunter. Einige Forscher künden das Bleichen der Korallen von der nahen Katastrophe: Sie prophezeien das Sterben des australischen Great Barrier Reefs.

 

 


Doch wie robust ist ein Korallenriff?

 


Eine Koralle ist eine Schimäre, ein Mischwesen aus Tier und winziger Alge. Doch unter Stress, in Phasen anhaltender, großer Belastung, werden die Partner einander zum Feind; das Tier stößt die Alge ab und geht dabei selbst zugrunde. Übrig bleibt ein Kalkskelett. Die Krankheit nennt sich Korallenbleiche. Korallenriffe bedecken nur 0,1 bis 0,5 Prozent der ozeanischen Böden aber beherbergen ein Drittel aller Fischarten. Vor 40 Jahren war die Hälfte des Riffs mit Korallen bedeckt. Heute sind es nur noch 25 Prozent. Das hat mehrere Gründe: zwei Grad Celsius wärmer, weniger Fische, zu viele Nährstoffe, Touristen überall. Eigentlich ist ein Ökosystem in der Lage, sich nach Störungen wieder aufzurappeln. Den ursprünglichen Zustand wird das Riff jedoch kaum zurückfedern. Die Natur braucht vor allem Zeit, die es jedoch nicht genügend mehr gibt. Am Ende könnte es jedoch knapp werden.


Forscher sammeln Proben, um den Zustand der Nesseltiere treffender beurteilen zu können. Das Wasser ist oft glasklar, sodass man 15 bis 20 Meter tief schauen kann. Meeresregionen, in denen Korallen gedeihen sind äußerst arm an Nährstoffen. Jedoch ist viel Biomasse im Meereswasser vorhanden. Woher bekommen die vielen Korallen nun die lebensnotwendigen Nährstoffe? Zooxanthellen sind Einzeller, die an den Korallen haften und Fotosynthese betreiben. Sie produzieren also unter anderem Zucker. Diesen Zucker nimmt die Koralle auf zum Überleben.

 

 


Seit der Industrialisierung ist der Kohlenstoffdioxidkonzentration von 280 ppm um 40 Prozent gestiegen – heute 440 ppm. Die Ozeane erwärmten sich in den letzten 100 Jahren um 0.7°C. Eine in 25 Grad warmen Wasser wachsende Koralle kommt bei 26° jedoch in Stress. Das liegt an den Zooxanthellen. Je wärmer die Umgebung, je höher die CO²- Konzentration der Meere, desto mehr Photosynthese wird getrieben und somit desto mehr Zucker nehmen die Korallen auf. Die Überdosis wirkt wie Gift. Die Zooxanthellen werden sofort abgeworfen. Die Koralle verhungert und wird zum Kalkskelett.

 


An manchen Stellen des Great Barrier Reefs ist das Wasser trüb. Anstelle von Korallen, findet man große braun-grüne Algen. Sie liefern den Korallentieren große Mengen Zucker, die als Schleim abgehen. Das Sterben ist wieder als Bleiche sichtbar. Weitere Faktoren für das Bleichen der korallen sind die steigende Artenvielfalt mit steigender Anzahl an Fressfeinden, Strömungen, die die Korallen lieben und die Wasserqualität, von der alle Lebewesen im Wasser abhängig sind. Zwei australische Flüsse geben den Korallen noch eine zusätzliche Belastung: der Burdekin und der Mulgrave River. Sie münden in den Ozean und strömen Sedimente nährstoffreicher, mit künstlichem Dünger behandelter Böden mit sich. Studien über Nährstoffe haben Manager der Nationalparkbehörde dazu gebracht auf die Regierung einzuwirken. Ein neues Gesetz wurde 2010 in Australien verabschiedet in dem beschrieben wird, dass halb so viel Dünger auszubringen werden sollen als in den Jahren zuvor.

 


Es gibt aber auch andere Meinungen was das Thema Bedrohung des Great Barrier Reefs betrifft. Manche Meeresforscher Australiens meinen, die von den Feldern ins Meer geschwemmten Sedimente und Nährstoffe belasten nur einen kleinen Teil des Riffs. Und das auch nur für zwei Wochen, dann trage die Strömung sie fort. Korallen werden also auf der anderen Seite auch für außerordentlich robust gehalten.

 


Wird es also unter den heutigen Klimaumständen in der Zukunft noch Korallen geben?


Man könnte einerseits meinen, Korallen könnten sich die durch natürliche Selektion an die Umstände anpassen. Evolution würde stattfinden. Allerdings werden sich die Bedingungen der Korallen in den kommenden 40 Jahren schneller verändern, als je in den rund 420.000 Jahren zuvor. Der Anpassungsprozess müsste also in einer beispiellosen Geschwindigkeit ablaufen. Und da Korallen einen ziemlich langen Lebenszyklus haben, müsste er sich innerhalb von wenigen Generationen ereignen. Die meisten Experten halten dies für ausgeschlossen.


Um das Jahr 2050 wird es zu einem Kollaps kommen. Statt einer Vielfalt von Organismen wird das Korallenriff wahrscheinlich von Algen besiedelt. Anders als an Land, beobachten Biologen derzeit kaum das Aussterben von Arten. Die Versäuerung der Meere durch den steigenden CO²-Gehalt mit ihrer steigenden Erwärmung hat aber das Potenzial, ein Massensterben unter Wasser auszulösen.

 

„Um die Riffe der Welt zu retten, müssen wir an der einen großen Schraube drehen. Unserem CO²-Gehalt.“ – Terry Hughes, Direktor des Exzellenzcenters für Riffforschung, James Cook University.

 

 

 

Bildquellen:

http://www.flowgrow.de/algen/trubes-wasser-t741.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Korallenbleiche

http://www.reefnews.eu/2010/04/algen-die-sehen-konnen/

http://www.hobbyshop-menta.de/Leben-im-Korallenriff

http://www.heise.de/foto/galerie/foto/Steinkoralle-2f24debb1650e9120cc462ac876feddd/

http://globalconnection.com.au/product/reef-and-uluru/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare (16)
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16.12.2013
Celine1 hat geschrieben:
Sehr toller Bericht, hat wirklich, wirklich Spaß gemacht ihn zu lesen! Nicht zu kurz und viele wichtige Informationen' Danke dir:) hoffe auf viele weitere Berichte von dir!
11.12.2013
Emilia hat geschrieben:
@ anitawuelker: oh nee! wirklich?! das ist unmöglich! sowas macht mich richtig wütend :(
das ist echt schade. ich habe allgemein diesen punkt in meinem Bericht vergessen, dass die australische regierung viel zu locker mit dem problem des great barrier reefs umgeht. dem staat ist das geld (was einerseits man halbwegs nachvollziehen kann) leider nun mal wichtiger als der naturschutz. das ist auch ein teil der großen "schraube" an der man drehen muss, um den korallenriff noch zu retten: die denkweise und die prioritäten der menschen
11.12.2013
Carina hat geschrieben:
Danke, jetzt ist mir alles klar geworden. :)
Liebe Grüße!
11.12.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Oh ha... Jetzt ist dein Bericht ja brandaktuell geworden.

Zitat Greenpeace Facebook-Post: "Der neue australische Umweltminister Greg Hunt hat Kohlehafen-Besitzern die Erlaubnis erteilt, große Bereiche des Great Barrier Reefs für neue Kohleexport-Anlagen auszubaggern."

Einfach nur traurig, wie blind Geld machen kann :(
10.12.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Echt ein sehr interessanter und gelungener Bericht :)
Das mit der Überdüngung wusste ich noch gar nicht...
Wer noch mehr zum Zustand der Meere wissen möchte, kann sich auch den World Ocean Review (WOR) als PDF runterladen oder kostenlos zuschicken lassen. Ich fand den ziemlich aufschlussreich :)
10.12.2013
Emilia hat geschrieben:
@Carina: Sorry, der Satz ist vielleicht ein bisschen unklar formuliert.
Ich möchte damit sagen dass es drei Dinge gibt, die das Bleichen einer Koralle beeinflussen (damit ist sowohl Positives, als auch Negatives gemeint).

1. steigende Artenvielfalt = mehrere Fressfeinde; der Punkt ist, die Artenvielfalt nimmt durch Aussterben der Arten ab, deswegen gibt es weniger Fressfeinde für die Korallen, das ist ein Positiver Faktor
2. Strömungen; Korallen lieben es umströmt zu werden, die Strömungen nehmen aber langsam durch Austrocknen von Flüssen ab, das ist also ein negativer Faktor
3. Wasserqualität; die Wasserqualität wird durch die Verschmutzung der Flüsse, die in den Korallenriff münden immer schlechter, u.a. durch künstlichen Dünger, also ebenfalls ein negativer Faktor

ich hoffe ich habe deine Frage halbwegs beantwortet ;)
wenn nicht, schreib mir einfach :)
10.12.2013
Carina hat geschrieben:
Liebe Emilia,
ein Satz aus deinem Artikel gibt mir ein paar Rätsel auf:
"Weitere Faktoren für das Bleichen der korallen sind die steigende Artenvielfalt mit steigender Anzahl an Fressfeinden, Strömungen, die die Korallen lieben und die Wasserqualität, von der alle Lebewesen im Wasser abhängig sind."

Heißt das, es gibt mehr Fressfeinde, aber weniger Strömungen und schlechtere Wasserqualität? Und was für Gründe gäbe es dafür, dass mehr Fressfeinde da sind und die Strömungen abnehmen? Weißt du das vielleicht?
09.12.2013
RichardParker hat geschrieben:
Danke für den ausführlichen Bericht, Emilia, der ist echt klasse geschrieben!! :D
09.12.2013
Emilia hat geschrieben:
danke :) ich bin echt froh, dass ihr auch so fasziniert seit wie ich :))
09.12.2013
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Danke für diesen tollen Bericht.
Wenn man diese Artenvielfalt sieht... da MUSS man doch für die Erhaltung des Riffs kämpfen!
09.12.2013
FranziL hat geschrieben:
Ein sehr informativer Bericht, ich bin echt schlau daraus geworden, also vielen Dank dafür! Denn wie du sagtest Emilia, war mir die Tatsache bekannt, dass die Korallen wegen des wärmeren Wassers sterben, aber es ist echt interessant zu erfahren warum und wie genau das von statten geht.
09.12.2013
Emilia hat geschrieben:
@vince: Nicht jeder weiß viel über das Great Barrier Reef. Die meisten wissen nur, dass es bedroht ist und die Korallen sterben, aufgrund der Klimaerwärmung. Aber genaue Informationen mit den Hintergründen sind sehr selten bekannt.

Wenn dir aus meinem Bericht nichts mehr neu vorkommt, dann bin ich sehr froh! :)
09.12.2013
vince hat geschrieben:
Ist zwar nichts neues, aber der Bericht ist interessant.
09.12.2013
Emilia hat geschrieben:
danke lolfs :)
09.12.2013
lolfs hat geschrieben:
Super Bericht! Gut geschrieben und sehr informativ.
08.12.2013
Emilia hat geschrieben:
Entschuldigung für meinen Fehler: Es heißt DIE Kohlenstoffdioxidkonzentration.
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