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den Wellen


Britische Gewässer nahezu leergefischt


von Wojtek
14.05.2010
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 Die Überfischung der Gewässer um England und Wales hat dramatische Ausmaße erreicht: Innerhalb von 120 Jahren sind die Bestände um 94 Prozent geschrumpft. Wissenschaftler glauben, dass es in anderen europäischen Meeren nicht besser aussieht.

London - Den Fischbeständen rund um die britischen Inseln ging es in der Endphase des 19. Jahrhunderts noch vergleichsweise gut. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde mit Segelbooten und in Hafennähe gefischt. Dann aber kam die Dampfschifffahrt auf - und markierte eine Wende. Mit Dampfmaschinen betriebene Trawler konnten weiter von der Küste entfernte Fischgründe erschließen, über längere Zeit auf offener See bleiben und aufgrund modernerer Technik in größeren Tiefen fischen.

Schon 1885 untersuchte die britische Regierung, ob es einen Zusammenhang zwischen der immer schneller expandierenden Grundschleppnetzfischerei, dem Schrumpfen von Fischbeständen und der Zerstörung mariner Lebensräume gibt. Da jedoch Statistiken aus früheren Jahren fehlten, begannen die Behörden ab diesem Zeitpunkt, Daten zu den Fangausbeuten in allen größeren Häfen in England und Wales zu sammeln.
Wissenschaftler der University of York in Heslington haben diese lange kaum beachteten Daten jetzt ausgewertet und mit aktuellen Fangstatistiken verglichen. Die Ergebnisse sind erschreckend: Von 1889 bis 2007 sei die Biomasse im Durchschnitt über alle Fischarten um 94 Prozent gesunken. Vor 120 Jahren gab es rund 17-mal mehr Fische als heute, schreiben die Wissenschaftler um Callum Roberts im Fachmagazin "Nature Communications".

Der besonders beliebte Kabeljau ist in seinem Bestand demnach um 87 Prozent zurückgegangen. Die Werte beschreiben nach Ansicht der Wissenschaftler aber nicht nur den Verlust einer einzelnen Art, sondern den eines kompletten marinen Ökosystems.

Zahlen auf ganz Europa übertragbar

Obwohl unter der Ägide der Fischereipolitik der Europäischen Union die Fischbestände stetig zurückgegangen sind, machen die Wissenschaftler nicht die Politik für den Kollaps verantwortlich. Vielmehr habe der Rückgang bereits mit der modernen Fischerei eingesetzt: Mehr als ein Jahrhundert der intensiven Grundschleppnetzfischerei hat auf dem Meeresgrund lebende Arten wie den Heilbutt, den Steinbutt, den Schellfisch und die Scholle in den britischen Gewässern fast vollständig ausgelöscht. Da viele Fischereigründe innerhalb der EU aufgeteilt werden, seien diese Daten auf die gesamte europäische Fischindustrie übertragbar.

2009 wurde von der Kommission der Gemeinsamen Fischereipolitik eine Debatte initiiert, wie die Fischerei innerhalb der EU in Zukunft geregelt werden soll. Für Studien-Co-Autor Simon Brockington von der Marine Conservation Society ist es unabdingbar, dass die Regierungen begreifen, wie weit die Veränderungen der Lebensräume im Meer mittlerweile fortgeschritten seien. Die Studie sei eine Möglichkeit, die aktuellen Initiativen zum Erhalt der Meere den neuen Erkenntnissen zu den Fischbeständen anzupassen.

Quelle: http://www.spiegel.de/

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Kommentare (6)
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15.05.2010
Wojtek hat geschrieben:
Auch wenn jetzt vielleicht einige aufschreien. Die Fischindustire soll halt die Fische aus den Aquakulturen nehmen, denn die werden gezüchtet und nur für den Verbraucher.

Natürlich ist die Qualität nicht so hoch wie bei wilden Fischen, ein Gourmet erkennt den Unterschied, aber ein 0815 Verbraucher nicht.

Daher .. Aquakultur, wenn schon Fisch gegessen wird, dann so.
15.05.2010
GreenSmarty hat geschrieben:
Gelegentlich wird ja auch im Fernseh über die Überfischung berichtet, zwar meist nur nachts auf irgendwelchen dritten Programmen, aber immerhin.
Fischer meinen dann immer: Wenn die EU die Fangquote herabsetzt, dann können wir nicht überleben. Aber wenn sie in wenigen Jahren ALLES abgefischt haben, dann können sie ihren Beruf erst recht aufgeben.
Leider ist dies ein weltweites Problem. So kommt über ein Drittel des Fisches, der in der EU verkauft wird von Chinesischen Frachtern die illegal vor Afrika fischen.
MSC und ähnliches ist die einzige Möglichkeit von Verbraucherseite aus Druck aus zu üben!
15.05.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Das betrifft ja leider nicht nur die britischen Gewässer, sondern nahezu alle Weltmeere.
15.05.2010
midori hat geschrieben:
Seitdem ich hier aktiv bin und von der nachhaltigen Fischerei gehört habe, kaufe ich nur noch solchen Fisch, der das MSC Siegel enthält. Es wäre bestimmt ein Leichtes für die Supermarktketten nur noch solchen Fisch anzubieten. Aber wie Wojtek schon sagt.. die Gier nach Geld ist unbegreiflich. Die Natur steht da leider an letzter Stelle.
14.05.2010
Nivis hat geschrieben:
Für mich ist sowas ebenfalls unbegreiflich.
Meine Theorie ist, dass bei den meisten Menschen der Egoismus so groß ist und in so vielerlei Hinsicht ihr Denken steuert und dadurch ihre Fähigkeit der Reflexion ausblendet. Deshalb liegt in meinen Augen die meiste Verantwortung auch bei den Politikern...die können in gewissen Maßen die Handlung der Menschen im Land durch Regelungen eingrenzen und in Richtungen lenken, sodass der Egoismus eingeschränkt wird bzw. nicht mehr so ausgeübt werden kann, weil natürlich (bei den meisten) die Angst vor einer Straße überwiegt.
Aber Politiker sind auch nur Menschen und leider auch egoismusgesteuert...
was ich auch ziemlich traurig finde. 
14.05.2010
Wojtek hat geschrieben:
Dabei denk ich immer an : ...Erst, wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann.

Diese Gier nach Geld ist für mich unbegreiflich.
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