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Blickpunkt Ölpest Teil 8 – Die Folgen danach


von Peet
25.11.2010
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Die Ölpest vom 22. April 2010 scheint vorüber. Sehen kann man sich zu mindestens nicht mehr und viel hört man in den Medien auch nicht. Die Menschen konzentrieren sich auf andere Geschehnisse. Die Eurokrise, Gesundheit- Bundeswehr- sowie die Energiereform sind mehr denn je im Vordergrund. Der Golf von Mexiko scheint gerettet. Der US-Präsident geht im Meer schwimmen und BP zahlt fleißig aus einem 20 Milliarden Topf Entschädigungen. So werden die Stimmen still gehalten und international sind die Rufe nach einem Boykott oder gar Umdenken längst verhallt.

Was man nun mal nicht sieht, kann man auch nicht anprangern. Viele wollen es auch gar nicht sehen. Die Welt scheint sich wieder zu normalisieren. Doch die wahre Katastrophe nimmt schon seit Wochen ihren Lauf.

Forschern der „University of Gerogia“, die die Folgen der Ölkatastrophe untersuchen, haben rund 130 Kilometer entfernt von der Unglücksursache Sedimentproben entnommen und stellten fest, dass eine dicke Ölschicht in rund 1500 Metern Tiefe tote Meerestiere bedeckt. Dies sei überall im Umkreis der Unglücksstelle vorzufinden. Ebenso sei eine Fläche von 15 mal 40 Metern untersucht worden. Die Ernüchterung kam schnell. 90% der vor zu findenden Korallen seien entweder abgestorben oder farblos. In den Jahren zuvor seien ähnliche Untersuchungen gemacht worden, die aber keine so drastische Entwicklung zeigten.

Neben der massiven Beschädigung an der Pflanzenwelt scheint auch der ohnehin schon stark durch Überfischung bedrohte Rote Thun, oder auch Blauflossen-Thunfisch genannt, durch die Katastrophe getroffen. Die Laichplätze der bedrohten Art sind teilweise im betroffenen Gebieten vorzufinden. Die europäische Raumfahrtbehörde Esa verdeutlicht durch Satellitenaufnahmen die Gebiete der bevorzugten Laichplätze. Jedes Jahr zwischen Januar und Juni sammeln sich die rund 300 Kilogramm schweren Fische im Golf von Mexiko, um sich fortzupflanzen. Ein Weibchen produziert rund 40 Millionen Eier, die dann nahe der Wasseroberfläche schwimmen. Die Larven ernähren sich unmittelbar unter der Wasseroberfläche. Es liegt somit auf der Hand, dass das Öl sowie die eingesetzten Chemikalien den Eiern und Larven stark zu gesetzt haben muss. Um 20% sei die Zahl der jungen Thunfische im betroffenen Gebiet gesunken.

Die Liste der gefährdeten Arten in Tier- und Pflanzenwelt lässt sich unaufhaltsam fort führen. Durch die Ölkatastrophe werde dieser Effekt nur noch verstärkt. Das Problem ist mittlerweile nicht mal mehr das Öl selbst. Die Arten können sich kaum erholen. Laut der zuständigen US-Behörde für Ozeanographie (NOAA) seien die Werte der untersuchten Fische und Pflanzen nicht im Besorgnis erregenden Zustand. Somit wurden 22.000 Quadratkilometer der Fischerei zurück gegeben. Ein halbes Prozent des Gebietes bleibt weiterhin gesperrt. Aber ist das sinnvoll?

Der einsame Seemann

Stephen Rey*, 34, ein schlanker Mann aus einem kleinen Vorort in New Orleans, kommt aus dem Schwärmen von den Jahren vor der Katastrophe gar nicht mehr heraus. Auf den ersten Blick scheint er sich Wochen nicht rasiert zu haben aber das, so sagt er, gehört zum Seemann dazu. Er ist ein geselliger Mensch. Lacht gerne und versucht dem Tag immer etwas positives abzugewinnen. Aber seit rund zwei Monaten scheint er gefangen zu sein.

New Orleans meint er, habe sich verändert, und das nicht durch den Hurrikan Katrina vor fünf Jahren. Das war der Punkt wo man nur dachte, schlimmer könne es nicht kommen. Es kam schlimmer.

Als am 22. April 2010 die „Deepwater Horizon“ explodierte und sank, war Stephen gerade aufs Meer hinaus gefahren, um ein wenig Fisch zu fangen. Nicht zum kommerziellen Nutzen, sondern für den Besuch heute Abend. Es war ein schwüler, ja fast schon heißer Tag. Ebenso wie heute meint er. Die Sonne schien und der Tag begann gut. Er hatte bereits genug Fisch für heute Abend. Das BBQ war gesichert nur dann kam der Anruf einer Freundin, er solle doch bitte einmal den Fernseher an machen. Keine halbe Stunde später sah er das Ausmaß vor seiner Küste live im Fernsehen. Doch da war noch von keiner Ölkatastrophe die Rede. Erst Tage später, als das Ausmaß Strukturen an nahm, wurde ihm bewusst, dass die Grundlage der meisten Menschen an der Küste zerstört war. Von der Natur ganz zu schweigen. Die hatte es schon immer schwer. Viele seiner Bekannten scheren sich nicht darum aber diese Katastrophe, so sagt er, bringt vielleicht ein Umdenken.

Ich spreche ihn auf die Regierung an, auf das Krisenmanagement nach den ersten Tagen und den Versprechungen die gemacht wurden. Er lacht aber es ist eher ein nüchternes Lachen. Die Regierung meint er, wäre doch genau so Schuld wie das Unternehmen. Die machen nur leere Versprechungen. In zwei bis drei Monaten kümmert sich niemand mehr um uns. Am meisten vermisse er das raus fahren mit dem Boot. Das könne er jetzt erstmal vergessen und Fisch fangen sowieso. Wie fühlt er sich, als junger Seemann frage ich. „Gefangen!“

*Name auf Wunsch geändert.

- Auf meiner Reise in den USA traf ich Stephen Rey in New Orleans. Er bot mir einen Schlafplatz für einige Tage an.

Quelle Bilder: © U.S. Coast Guard

Quellen: 

http://www.gulfofmexicooilcrisis.com/wildlife-impact/

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,727426,00.html

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2010-11/bp-oelpest-untersuchung

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Kommentare (4)
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28.11.2010
Morgan hat geschrieben:
toller Bericht!
Aber traurige Situation...
25.11.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Hey, das ist mal ein super Bericht!!! Deine Schreibweise ist voll profilike!
Wir haben diese Woche im BioLK auch noch über die Ölkatastrohe gesprochen. Irgendwie iste s schon komisch, dass, was auch immer passiert, es nach einer Weile einfach out ist. Brisant ist immer nur das,was heute passiert, bzw. Krach und Wellen macht...und dann kümmert man sich um anderes.
Das Beispiel von dem Seemann, den Du getroffen hast, finde ich sehr anschaulich und es macht einen irgendwie ziemlich nachdenklich...
25.11.2010
midori hat geschrieben:
Toller Artikel! ;o) Der Inhalt ist natürlich weniger schön. Aber die Situation von Stephen lässt das alles viel lebendiger und deutlicher wirken.
25.11.2010
Candle hat geschrieben:
Schrecklich, dass so etwas passieren konnte. Es fühlen sich bestimmt fast alle Fischer so wie Stephen Ray...
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