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Blickpunkt Ölpest Teil 3


von Peet
11.05.2010
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Vorerst gibt es keine Entwarnung im Kampf gegen die Ölpest. Die rund 100 Tonnen schwere und 13 Meter hohe Stahlkuppel, die das Leck abdecken und aus der anschließend das Öl an die Oberfläche gelangen sollte, um es dort aufzufangen, ist gescheitert.

Vereistes Methanhydrat bildete sich laut BP an den Stahlwänden im Inneren der Kuppel und verhindere das Abpumpen des Öls. So ganz unbekannt ist dieses Geschehen allerdings nicht. Bei Offshore-Bohrungen scheint dies des öfteren vor zu kommen. Offshore-Bohrungen werden durch geführt, um in tiefen Gewässern und dort neue Ölfelder zu erschließen. Das es in tiefen Gewässern, wie hier im Katastrophengebiet am Golf von Mexiko mit diesen Tiefen zu rechnen war, wurde von den Technikern vor Ort voraus gesehen. Das Methan, welches sich aus dem Öl löst und mit Salzwasser in Kontakt gerät, wird von Wassermolekülen umschlungen und schließlich zu einem immer größeren Eisblock.
Damit dies nicht geschehen sollte, wurde die Kuppel beheizt, doch die Hydrate sammelten sich schneller als erwartet und somit verstopfte die Kuppel schließlich.

BP Amerika Chef McKay äußerte sich so: „Die ist, als würde man in 5000 Fuß Tiefe eine Operation am offenen Herzen vollziehen, in der Finsternis und mit robotergesteuerten Mini-U-Booten.“

Nur ist es momentan Fakt, das die Natur mit jedem weiteren verlorenen Tag immer weiter gefährdet wird und das Ausmaß der Katastrophe kaum ein zu schätzen ist. Denn die Ideen gehen langsam aus. Eine schnelle Lösung scheint seit dem gescheiterten Versuch am vergangenen Sonntag vorerst zu platzen. Somit sprudeln täglich weiter rund 800.000 Liter Öl ungehemmt ins Meer. Mittlerweile werden ganze Teile des Ölteppichs verbrannt oder mit der Chemikalie namens Corexit zersetzt. Doch eine dauerhafte Lösung ist das nicht. Denn Gift mit Gift zu bekämpfen führt in der Regel zu keiner Lösung.

altWie also soll mit dem Ölteppich vor den Küsten umgegangen werden? Soll alles verbrannt oder vergiftet werden? Der Meeresbiologe Richard Charter sieht in dem Gift, welches schon unmittelbar am Leck selber eingesetzt werden soll, um dort das Öl zu zersetzten, eine viel größere Gefahr als in dem Öl selbst. Es ist ein mehr ein Experiment als eine Lösung dieses Gift einzusetzen. Lediglich soll dies die Küsten vor dem Öl schützen aber wie sieht es für die Tiefsee aus? Die Gefahr das Fische, Krabben, Korallen usw. mit der giftigen Substanz in Kontakt gerieten. Was genau die Folgen wären, kann niemand genau sagen. Es gibt einfach zu wenig Informationen über die Wirkung des Mittels.

Der Umweltforscher Terry Hazen spricht sogar von einer gänzlich neuen ökologischen Katastrophe, denn das Mittel sei schlimmer als das Öl an sich. Man sollte den Ölteppich in Ruhe lassen und wenn möglich von der Küste fern halten. Dieser würde dann natürlich abgebaut.

Was genau diese Gifte anrichten ist wie gesagt kaum bekannt. Alle durch geführten Experimente wurden lediglich im Labor getätigt und zeigen nicht die Realität. Großbritannien verbietet sogar seit rund zehn Jahren den Einsatz dieses Mittels. Der Hersteller selber bezieht sich selbstverständlich auf geprüfte Testverfahren, die an der Louisiana State University und der University of Miami durch geführt wurden. Diese zeigen wohl deutlich, das beispielsweise ölverseuchte Mangroven gerettet werden könnten.

Die US-Umweltbehörde EPA genehmigte sogar die Verwendung des Giftes Corexit. Mittlerweile sind laut Angaben von BP circa eine Million Liter dieses Giftes zur Bekämpfung der Ölteppiche eingesetzt worden. Eine Million Liter Gift, bei denen allerdings niemand die genaue Wirkung auf die Natur einschätzen kann geschweige denn die Folgen in ferner Zukunft.
Derweil sprudelt das Öl immer weiter ins Meer. Eine Lösung könnte wohl oder übel noch Monate dauern, wenn die Stahlkuppel nicht ihre Wirkung bezwecken sollte. Eine Entlastungsbohrung scheint momentan am effizientesten. Sollte diese Bohrung in der Nähe des Lecks durchgeführt werden, würde das momentane Leck entlastet werden und die Möglichkeit bestünde, mit Hilfe von Beton oder ähnlichem das offene Bohrloch zu verschließen. Dieses Szenario würde rund drei Monate in Anspruch nehmen. Bis dahin werden weitere riskante Optionen ins Spiel gebracht.

Die Anbringung eines neuen Blowout-Preventer zur Schließung des Lecks wäre eine Lösung. Eine anderer wäre den Blowout-Preventer um zu bauen, um dort schweren Bohrschlamm hinein zu pumpen.

Allerdings sind diese Szenarien sehr risikoreich. Sollte einer der Versuche schief gehen, könnte rund zwölf Mal so viel Öl austreten wie bisher.

Welche Lösung sich am Ende auch durch setzt, die Katastrophe lässt sich nicht mehr verhindern. Nur wie groß sie noch wird.

Quelle: http://www.rwe.com/web/cms/de/155056/mittelplate/home/bohrkonzept/offshore-bohrungen/

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,693824,00.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,693566,00.html

 

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Kommentare (8)
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25.05.2010
Janine hat geschrieben:
.... leider war das ZDF falsch informiert und die Chemikalien werden weiterhin ins Wasser gekippt..
@ Urmel: Ja, das hat mich auch aufgeregt, und außerdem die Tatsache, dass sie ein nicht kompatibles Ventil eingebaut hatten, und zwar weil sie sparen wollten. Das hat aber dann dazu geführt, dass die Schutzmaßnahmen und -vorrichtungen nicht funktioniert haben.
22.05.2010
Janine hat geschrieben:
Neue Meldung: BP darf die Chemikalie nicht mehr einsetzen. Die US Umweltbehörde befürchtet langfristige Umweltschäden.
17.05.2010
Janine hat geschrieben:
Ja, das habe ich heute morgen auch in den Nachrichten gehört. Der Sauerstoffgehalt war wegen des Öls sowieso schon gesunken. Durch die Chemikalien verringert er sich weiter..
17.05.2010
Stefan1990 hat geschrieben:
Eben habe ich in der Zeitung "DIE WELT" gelesen, dass US-Wissenschaftler nun eine Erklärung dafür gefunden haben, warum der Ölteppich an der Wasseroberfläche im Vergleich zu den Ölmassen "so dünn" ist. Der Grund dafür liegt ebenfalls in der Verwendung der Chemikalien, die eigentlich das Öl in kleine Partikel zersetzen sollten, denn nun treibt eine riesige Ölschwade in den Tiefen des Meeres. Diese Ölschwade ist unvorstellbare 16 km lang, 6 km breit und ca 100 Meter hoch und sinkt trotz der Chemikalien nicht zu Boden und steigt anscheinend ausgerechnet wegen der Chemikalien auch nicht an die Oberfläche auf. Der Sauerstoffgehalt in der Nähe der Ölschwade liegt laut Berichten bereits rund 30 Prozent unter den Normalwerten und wird so für die Meerestiere zu einer enormen Gefahr. Das "Wundermittel" gegen die Ölpest scheint also bereits jetzt mehr zu schaden als zu nützen...Naja, so verdienen wenigstens noch ein paar Chemiekonzerne mit an der Ölkatastrophe und die wollen ja schließlich auch leben, bzw. ihren Reibach auf Kosten der Natur machen.
17.05.2010
Janine hat geschrieben:
Ich habe gerade eine Mail an BP geschrieben. Wahrscheinlich werden sie sie ignorieren, aber einfach nur zusehen ist noch viel schlimmer. Ich bin aber sehr freundlich gewesen, sonst bringt das Ganze noch viel weniger.Ich habe ihnen meine Bendenken zum Einsatz von Corexit und mögliche Folgen für das Ökosystem mitgeteilt. Wir können ja ne E-Mail Flut starten. Hier die offizielle deutsche Öladresse:
horizonsupport@oegllc.com
Gruß,
Janine
16.05.2010
Peet hat geschrieben:
Die Sicherheitsvorkehrungen gibt es, doch sind sie nicht Pflicht! So lange kein Gesetz die Unternehmen verpflichtet bessere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, wird sich dieses Unternehmen auch nicht damit beschäftigen. Warum auch, kümmert ja niemanden! Geld sparen nennt man das auch ;)
15.05.2010
Daenchen hat geschrieben:
Ich verstehe vorallem nicht, wie es sein kann, dass man nicht auf sowas vorbereitet war. Ich mein es gibt doch heutzutage die modernsten Sicherheitseinrichtungen. Man muss doch von solchen Unfällen ausgehen wenn man solche Bohrinseln baut.
14.05.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Urmel88: Nein, da ist doch jetzt längst nichts mehr zu retten...ein Teufelskreis, der immer nur noch schlimmer zu werden scheint. Bisher ist ja noch niemandem eine gescheite Lösung eingefallen und abgesehen davon, dass nur noch mehr Schaden angerichtet wird, fließt das Öl Sekunde für Sekunde weiter...immer nur noch mehr schwarzer, schmieriger Tod :-(
Ich begreife nur nicht, wie die Leute mit Mitteln experimentieren können, wenn sie gar nicht genau wissen, was die Folgen sein können. Aber das ist ja in der Menschheitsgeschichte immer wieder vorgekommen - und deshalb sieht es auf Erden ja auch so arm aus. :-(
Kann man nur beten, dass die Menschheit sich irgendwann ändern wird...
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