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den Wellen


Blickpunkt Ölpest Teil 1


von Peet
04.05.2010
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Als am 22. April die Ölplattform, die rund 70 Kilometer vor der amerikanischen Küste liegt, explodierte und versank, war das Ausmaß der folgende Katastrophe nicht absehbar.
800.000 Liter, gut 700 Tonnen, sprudeln täglich aus drei verschiedene Lecks am Meeresgrund. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die ersten toten Tieren werden an Land gespült sowie erstes Öl.

Hilflosigkeit, Ratlosigkeit auf allen Seiten. Das stürmische Wetter vor der Golfküste hält indes weiter an und der riesige Ölteppich befindet sich mittlerweile rund 14 Kilometer vor der Küste. Noch immer ist keine sichere Lösung in Sicht, wie die Lecks geschlossen werden können. Nur Ansatzweise kommen waghalsige Versuche auf den Tisch. Es könnte Monate dauern das Problem zu lösen und BP-Chef Tony Hayward spricht schon vom schlimmsten Szenario das passieren konnte.

Lösungen, wie eine riesige Stahlkuppel aus Beton und Stahl, sollen in 5000 Meter Tiefe das Öl auffangen. Die 65 Tonnen schwere und vier Hausetagen riesige Kuppel, welche momentan noch in New Orleans vor Ort liegt soll heute, also Dienstag dem 04.05.2010 im Meer versunken werden und das Öl aufhalten. Ob das klappt weiß niemand. Es ist eine verzweifelte Aktion des Konzerns BP. BP's Sprecher Bill Salvin behauptet sogar:“Dies wird im Prinzip alle Probleme eliminieren, die wir mit Öl im Wasser haben“. Aber es ist nur ein Versprechen und Versprechen von Seiten der Ölindustrie werden nur allzu oft gemacht. Es hieß immer das alles sicher sei. Das dieses Szenario reine Spekulation ist und die Natur absolut sicher sei.

Dennoch kommt es immer wieder zu solch ähnlichen Ereignissen. Eine britische Statistik, die unter www.oilrigdisasters.co.uk einzusehen ist, zählt innerhalb von 60 Jahren 61 so genannte Blowouts. Die meisten von ihnen endeten in der Zerstörung der Plattform. 2007 geschah dies im südlichen Golf von Mexiko vor der Küste des mexikanischen Bundesstaates Campeche.
Ein Blowout ist ein Szenario, indem unkontrolliert Erdöl oder Erdgas aus einem Bohrloch bzw. einer Förderanlage entweicht. Aber wie kann es dazu kommen? Bei einer Bohrung wird im Regelfall im Bohrloch ein Überdruck aufrecht erhalten. Somit wird verhindert, dass Öl in die Bohrung kommt. Allerdings kann sich durch nicht vorhersehbare Unregelmäßigkeiten im Unterdruck der Druck erhöhen, was folglich dazu führt, das Öl in das Bohrloch eindringt. Wird dies nicht unter Kontrolle gebracht, kommt es zum Austreten von Öl aus dem Bohrloch – dem Blowout. Durch einen Funken oder heiße Gerätschaften kann sich das Öl entzünden und die Explosion ist nicht mehr weit entfernt.

Damit dieses Szenario ausgeschlossen werden kann, kommt ein so genannter Blowout-Preventer zum Einsatz. Dieser verhindert durch mehrere Ventile, welche Blowout-Preventer (BOP) genannt werden, im Falle eines Überdrucks des Bohrlochs, das Öl aus tritt. Die 15 Meter hohe und 200 Tonnen schwere Konstruktion versucht dies zu verhindern. Aber warum hat es diesmal nicht geklappt?

Die Deepwater Horizon war auf Erkundungen von Tiefseevorkommen spezialisiert. Sie konnte Wassertiefen von bis zu 3500 Meter überwinden und mehr als 10.000 Meter tief bohren. Die für den Transocean Konzern, welcher für BP arbeitet, eingesetzte Plattform, besaß die genannten Blowout-Preventer. Allerdings scheint es bei der Explosion und der anschließenden Senkung der Plattform zu einer starken Beschädigung des BOP gekommen zu sein. Versuche diese Maßnahme per Roboter zu aktivieren schlugen bislang fehl.

Niemand kann seit der Katastrophe sagen, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist, welche Methode am besten funktioniert, um die wohl schlimmste Umweltkatastrophe der US-Geschichte einzudämmen. Zusammen mit der US-Küstenwache erwägt BP spektakuläre und unerprobte Optionen.
Neben Entlastungsbohrungen, ölfressenden Chemikalien, das Entzünden des Öls, ein gigantisches Stahlventil oder zuletzt die Kuppel, sind diese Versuche eher Wunschdenken als sichere Lösungen. Die allermeisten dieser Ideen würden Wochen oder Monate dauern, bis sie wirksam wären und bis dahin treten 800.000 Liter Öl täglich aus.
Bis dahin sind hunderte Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida vom Ölteppich bedroht oder schon verschmutzt.

Momentan scheint die Kuppel als größte und beste Hoffnung von allem. Es sind drei Kuppeln, die erste von ihnen wird vom texanischen Unternehmen Wild Well Control gebaut und soll am größten Leck von Schiffen versenkt werden. Die anderen beiden am abgeknickten Bohrrohr.
Die Kammern sollen sich über die Lecks setzen und diese abdecken. So soll das Öl aufgefangen werden. Dieses würde dann Öl durch einen Trichter und neue Rohre zur Wasseroberfläche transportiert werden und dort vom Bohrschiff Enterprise abgefangen werden. Innerhalb einer Woche könnte der Ölfluss um 80% verringert werden. Aber selbst 1% ist zu viel.
Ein ähnlicher Versuch wurde bereits 1979 unternommen. Als die mexikanische Ölplattform Ixtoc explodierte, setzten die Ingenieure zum ersten Mal ein solches Gerät ein. Allerdings war die Kuppel zu klein. Zudem spielte sich das ganze gerade mal in 50 Meter Tiefe ab. Zum Vergleich. Die jetzige Tiefe beträgt 1500 Meter.

Neben diesem waghalsigen Versuch werden noch Chemikalien eingesetzt. Dieser werden seit geraumer Zeit von C-130 Transportflugzeugen massenhaft über dem Meer abgeworfen und mittlerweile auch von Robotern unter Wasser verwendet. Umweltschützer befürchten allerdings, dass diese Chemikalien eher mehr Schaden als in irgendeiner Weise effizient zu sein. Die Menge an Öl werde nämlich nicht, wie sonst behauptet reduziert, sondern lediglich in seiner Form verändert, so dass es leichter mit dem Wasser vermischen kann. Dies wiederum würde dazu führen, das Algen, Fische oder sonstige Lebewesen diese Chemikalien leichter aufnehmen würden. BP's-Vizepräsident Bob Fryar glaubt allerdings bis jetzt, dass diese Methode „hoch effizient“ ist. Allerdings glauben diese Menschen ja auch, dass es sicher sei Öl aus solchen Tiefen zu bergen und das die Natur keinerlei Schaden nehmen werde.

Aber neben all diesen Versuchen die Lecks aufzuhalten muss man das bis jetzt Geschehene betrachten. Ein riesiger Ölteppich befindet sich schon an der Wasseroberfläche. Dieser Ölteppich wird durch Wind und Wetter an die genannten Küsten getragen und wird dort unabsehbare Folgen mit sich ziehen, die vermutlich jahrzehntelang die Flora und Fauna beeinflussen wird. Etliche Tiere werden verenden. Entweder am Öl selbst oder durch die Nahrungsaufnahme. Denn Fische, Algen usw. sind grundlegende Nahrungsquellen und zumeist kontaminiert.

 

Mit Hochdruck bereiten sich Biologen, Tierschützer aber auch Fischer, die Nationalgarde oder auch andere Bürger auf die größte Wildtierrettungsaktion vor, die die Welt je gesehen hat.
Meeresschildkröten, Seekühe, Delfine und Wale schwimmen in den Gewässern. Rund 34.000 Vögel leben alleine in den Sümpfen, Salzmarschen und an den Stränden von Lousinana.
Momentan liegt die größte Gefahr noch für die Tiere auf den Inseln wie Breton Island, Goiser, New Harbor oder den Chandeleur Islands. Viele von den dort lebenden Vogelarten brüten derzeit. Eine Art, die gerade erst von der roten Liste gestrichen wurde, die Braunpelikane, sind ein Beispiel für die dort lebenden Tiere. Vor allem aber die Jagt ist die Falle, in die diese Tiere oft tappen. Wird ein Tier verölt, muss schnell gehandelt werden. Denn das Federkleid agiert als eine Art Jacke, die die Tiere vor der Kälte schützt. Wenn der Vogel dann nass werde, habe er keine Möglichkeit mehr, seine Temperatur zu regulieren. Es muss also schnell gehandelt werden. Doch alleine eine Reinigung dauert rund 45 Minuten. Bevor allerdings mit der Reinigung begonnen werden kann, muss das Reinigungsverfahren erst einmal getestet werden, denn jedes Öl ist anders. Alleine um einen Pelikan zu reinigen, wird 1000 Liter Wasser benötigt und vier Mann. Nach etwa zehn Tagen kann das Tier wieder zurück in die Freiheit. Bei den Zahlen wird deutlich, das nicht alle Tiere behandelt werden können. Das große Sterben wird sich vermutlich über Monate hinweg ziehen.

Nimmt man ein Beispiel von 1989 zur Hand, das bislang als schwerste Ölkatastrophe der USA bezeichnet wurde und sich in Alaska abspielte, so kann man vermuten, wie extrem die Folgen bei der jetzige Katastrophe sein wird. Damals war der Supertanker Exxon Valdez vor Alaska auf ein Riff aufgelaufen und verlor 40.000 Tonnen Rohöl. Mindestens 250.000 Seevögel verendeten. 2800 Otter, 300 Seehunde, 250 Seeadler und 22 Schwerwale kamen ums Leben. Die Küste wurde über eine länge von 2000 Kilometer verschmutzt und trotz der Reinigungsarbeiten hat sich das Ökosystem bis heute nicht ganz erholt.

Trotz solcher Ereignisse, werden kaum Maßnahmen ergriffen. Jetzt wurden zwar die Bohrungen, die erst vor einigen Wochen genehmigt wurden, zwischenzeitlich eingestellt, aber auch nur zwischenzeitlich. Denn die Profitgier ist einfach zu groß. Der Staat selber, der das Land vor den Küste verpachtet, verdient Milliarden daran und die Unternehmen selber sowieso. Alleine BP hat im vergangenen Jahr 239 Milliarden Dollar Umsatz gemacht und einen Gewinn von 16,5 Milliarden erwirtschaftet. Wer hier im großen Stiel mit Sicherheiten spielt, muss früher oder später dafür bezahlen, oder auch nicht. Ein Vergleich zur Finanzkrise lässt sich hier durchaus ziehen. Beide Desaster gehen auf Fehler von Menschen zurück und in beiden Fehlern haben sich Konzerne bereichert auf Kosten anderer. Sei es auf Kosten der Menschen oder wie in diesem Falle auf Kosten der Natur.

Weitere Informationen werden folgen....!

Quellen:

http://www.morgenpost.de/web-wissen/article1298177/Wie-das-Oel-vor-der-US-Kueste-gestoppt-werden-soll.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692085,00.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Blowout_(Tiefbohrtechnik)

Bild: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-54441-5.html

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Kommentare (5)
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05.05.2010
Taki hat geschrieben:
Danke für den Buchtipp, werde mir mal bei Zeiten das Buch bei Bookcrossing.com kostenlos holen
05.05.2010
Peet hat geschrieben:
Jepp, aber nicht von den ersten dreihundert Seiten entmutigen lassen, die lesen sich echt schwierig, weil man nicht wirklich alles versteht was da steht ;) Später ist es umso besser ;)
05.05.2010
Peet hat geschrieben:
Du solltest mal Der Schwarm lesen ;) Da schlägt die Natur zurück ;) Lg
04.05.2010
Peet hat geschrieben:
Na ja, mann muss das distanziert betrachten. Umweltschutz schafft auf der einen Seite Arbeitsplätze aber eben nicht für alle. Zum einen sind es wirklich Existenzen die auf dem Spiel stehen und zum anderen ist es so, dass die Leute sich mehr für die Umwelt engagieren, desto besser es ihnen geht. Das ist immer so. Beste Beispiel dafür ist Deutschland. Vor der Krise war der Klimaschutz das große Thema, Tempolimit usw. wurden besprochen. Mittlerweile geht es nur noch um Arbeitsplätze, da müssen sich die Umwelt und die hungernden Menschen auf der Welt mal eben hinten anstellen.
Dennoch wird immer wieder zu wenig auf die Natur geachtet, Fische kann man eben nicht interviewen ;)
04.05.2010
Bienenkoenigin hat geschrieben:
"Fischer fürchten um ihre Existents"... darf ich ma lachen... und die Tiere??
schön, dass man auf diese Situation so gut vorbereitet ist.. und das Problem so schnell und ohne große Schäden beseitigen kann...
ich weiß nicht mehr was ich sagen soll... daumendrücken, dass die das da hinten hinbekommen...
Viele Grüße
die Bienenkönigin
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