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Blickpunkt Ölpest - Ein Résümé


von Peet
07.02.2011
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Die Ölkatastrophe vom 22. April 2010 scheint schon fast vergessen. Zu mindestens, wenn man die Nachrichten in den Medien verfolgt. Denn dort hört man schon lange nichts mehr von der größten Ölpest in der US-Geschichte.

Die bis zum 16. Juli 2010 aus dem Bohrloch im Macondo-Ölfeld in den Golf von Mexiko ausgetretene Ölmenge wird auf 500.000 bis 1 Million Tonnen geschätzt. Nachdem der Ölteppich Inseln und Küstenabschnitte erreicht hatte, waren nach Angaben diverser Umweltschützer verheerende Auswirkungen für Zehntausende in der Region brütende Küstenvögel wie Braunpelikane und Rötelreiher unvermeidlich. In der Brutsaison sind viele Strandbrüter wie Seeregenpfeifer und Scherenschnäbel dem Öl schutzlos ausgeliefert.

Die entdeckten Opfer bilden nur die Spitze des Eisberges: Wissenschaftler schätzen, dass bei einer Ölkatastrophe für jeden gefundenen Seevogel 100 andere Vögel unbemerkt sterben. Durch den Versuch des kontrollierten Abbrennens des Ölteppichs kam es zu einer erheblichen Luftverschmutzung. Zudem verbleiben bei dieser Vorgehensweise Schadstoffe aus dem Öl als Rückstände im Meer und gelangen weiterhin in die Nahrungskette.

Der Aufschrei damals war groß. Wer war verantwortlich dafür und hätte es verhindert werden können? Ist die Gier so groß geworden, dass grobe Verstöße gegen Umweltauflagen gang und gäbe sind? Und was werden die Folgen für Natur und Menschen vor Ort sein?

Fragen über Fragen, die bis heute teilweise ungeklärt sind. Fakt ist aber, dass BP sein Image schon damals wieder aufpolierte. Sei es durch Werbephasen, die zeigten wie aktiv gegen die Ölpest gekämpft wird oder durch die schnelle Einrichtung eines Hilfsfonds. Doch Änderung in dem ganzen Geschäft, wurde schon nach kurzer Zeit wieder fallen gelassen. Denn Öl bedeutet Arbeitsplätze und ist unser Motor für Wirtschaft. Regelungen wurden innerhalb weniger Monate außer Kraft gesetzt - die Ölförderung läuft wieder auf Hochtouren!

BP scheint sich derzeit wieder auf Erfolgskurs zu begeben. Zwar verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von rund fünf Milliarden Dollar, doch der Schein trübt. Denn neben den Kosten für die Ölpest, zieht der Preis für Öl derzeit wieder rasant an und hat bald womöglich den Rekordwert von 2008 erreicht. Damals kostete das Barrel Öl 150 Dollar. Noch 2009 hatte BP einen reinen Gewinn von 13,96 Milliarden Dollar verbucht. Somit steht das Unternehmen gut dar und wird wohl auch im laufenden Jahr wieder kräftig Gewinne einfahren, denn Öl bleibt vorerst die Zukunft.

Die Folgen für die Umwelt werden gar nicht oder nur am Rande erwähnt. Tote Korallen, zerstörte Austerngründe und verseuchte Strände sind die Folgen der Ölpest. Folgen, die teilweise gar nicht gesehen werden. Denn Öl und Chemikalien sind so verdünnt, das sie die Tiere in den Verdauungstrakten angreifen. Ganze Generationen sterben weil sie zu schwach sind. Vom Nachwuchs einmal abgesehen. Doch die wahren Schäden, werden erst in einigen Jahren zu sehen sein.

Blickpunkt Ölpest – Ein Kommentar

Ich möchte an dieser Stelle einen Punkt setzen. Die größte von Menschenhand verursachte Umweltkatastrophe der amerikanischen Geschichte liegt hinter uns. Wirklich? Oder beginnt sie nicht gerade erst?

Wenn es nach der US-Regierung ginge, ist sie längst ausgestanden. Das größte Übel ist weg und Gefahren seien kaum noch aus zu machen. Unternehmen aus der Öl-Industrie sehen dies ähnlich. Natürlich, es geht auch um viel Geld. Geld und Arbeitsplätze. Das sind die Totschlagargumente, mit denen sich eine Katastrophe aus den Augen der Menschen wischen lässt. Es ist den Leuten in den betroffenen Bundesstaaten auch nicht zu verübeln.

Es geht nun mal um Arbeitsplätze, Geld und somit um das Leben der Menschen vor Ort. Der Lebensstandart muss eingehalten werden, sonst droht der Abstieg in die Unterschicht. Die Unterschicht, die abseits der Realität lebt und nichts mit Zukunft zu tun hat. Diese Angst treibt die Leute an. Mit dieser Angst wird Politik getrieben und nicht zuletzt die Interessen der Unternehmen durchgesetzt.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die US-Regierung Ausnahmeregelungen für die Bohrungen im Golf von Mexiko bewilligt hat. 13 Firmen wird nun wieder die Möglichkeit gegeben, weitere Bohrungen durch zu führen. Und das nur, weil die Genehmigungen schon vor der Katastrophe ausgeteilt wurden. Mit Verstand hat das wenig zu tun, vielmehr mit Not.

Denn die Wirtschaft der Südstaaten in den USA steht schlecht da und benötigt Auftrieb. Der Tourismus brach weg, Fischfang ist nicht mehr möglich und hunderte Zuliefererfirmen sind von den betroffenen Bohrstopps betroffen. Würde man der Ölbranche Einhalt gebieten, wäre das der Todesstoß! Millionen Menschen würden abwandern, doch wohin? In den ganzen USA ist es wirtschaftlich nicht sehr gut bestellt. Die Regierung ist machtlos. Naturschutz hin oder her. Arbeitsplätze müssen erhalten werden, um jeden Preis!

Dieser Preis geht auf Kosten der Natur. So ist es immer und so wird es auch bleiben, bis die letzte Ressource dieser Welt ausgeschöpft ist. Wachstum ist die Zukunft, aber ist es die Lösung? Ich sage nein! Wachstum ist das Grundübel dieser Welt. Es beschert nur einen geringen Teil der Menschen Wohlstand und er korrumpiert uns. Wir stehen in ständiger Konkurrenz, statt gemeinsam zu arbeiten und Lösungen umzusetzen. Wir entwickeln Technologien, die Schadstoffe verringern oder erst gar nicht produzieren aber wir nutzen sie nicht. Es ist immer wieder die Konkurrenz und das auch zu Recht! Denn wer will schon seinen Lebensstandart aufgeben?

Beispiel Deutschland. Als der Autobauer Opel vor dem Konkurs stand, trat die Bundeskanzlerin vor die Menge und mahnte die Arbeitsplätze an. Zu viele Arbeitsplätze liegen am Auto und Opel muss gerettet werden. Klimaschutz und das Voranschreiten regenerativen Energien mussten sich nun erst einmal hinten anstellen. Es galt Arbeitsplätze zu sichern!

Ich definiere es immer so: Umweltschutz lässt sich nur durch Wohlstand tätigen. Zu mindestens, wenn man es global betrachtet.

Oder ist es nicht verwunderlich, dass Texas aus Geldnot alle finanziellen Mittel für Projekte für die regenerativen Energien gestrichen hat?

Quellen:

http://www.zeit.de/news-nt/2010/7/16/iptc-bdt-20100716-428-25600522xml

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1174315/

http://www.daserste.de/weltspiegel/beitrag_dyn~uid,cv7s3wllud7thwio~cm.asp

http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/oelpest-im-golf-von-mexiko-aktuell/

Bilder: © Michael Gunther / WWF-Canon | National Geographic / Stock Tyrone Turner / WWF

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Kommentare (7)
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08.02.2011
Stoffie hat geschrieben:
super bericht peet!
klar ist umweltschutz luxus! (leider) aber iwann werden die menschen merken hätten wir uns diesen luxus mal früher gegönnt!
07.02.2011
Jutta hat geschrieben:
Wieviel Umweltschutz mit Wohlstand zutun hat, wird allein dadurch deutlich, in welchen Ländern am meisten Umweltschutz betrieben wird- z.B. in Deutschland! Wenn es den Menschen und einem Land wirtschaftlich gut geht, kann Geld in Naturschutzarbeit investiert werden...

Danke für den Arikel. Allzu schnell geraten solche Themen stets wieder in den Hintergrund und kaum Medien berichten mehr von den Langzeitfolgen.
07.02.2011
Peet hat geschrieben:
@midori: Ich habe direkt unter meiner Aussage das perfekte Beispiel gebracht. Texas ist, neben gewissen anderen US-Bundesstaaten, hoch verschuldet und muss sparen. Wenn ein Land oder eben eine Region stark von einer Industrie abhängt, wird es sich erst einmal darauf stürzen und alles andere außen vor lassen. Das der Umweltschutz lukrativ ist, ist eben in gewissen Sparten nur Wunschdenken. Sei es erneuerbare Energien etc.! Andere Sichtweise ist: Afrika. Ein Land das massenhaft Bodenschätze hat und somit vom Westen oder anderen wohlhabenden Ländern ausgebeutet wird. Es geht ums schnelle Geld, nicht um Nachhaltigkeit. Der Wille, die Umwelt zu bewahren, mag da sein, ist aber einfach nicht machbar, da es am Mittel fehlt: Geld und somit Wohlstand. Denn Wohlstand definiert sich in unserer Gesellschaft durch Geld. Leider!
07.02.2011
Cotillion hat geschrieben:
War ja auch nicht groß anders zu erwarten. Wer weiß denn schon wieviele Umweltkatastrophen pro Jahr passieren. Das meiste wird nichtmal die Medien erreichen und kann man es einmal doch nicht vertuschen wird Betroffenheit geheuchelt und Besserung gelobt. Unverantwortlich das ganze und doch Alltag.
07.02.2011
Lynxana hat geschrieben:
Einfach unglaublich! Ich frag mich wo diese Menschen leben wollen, wenn sie alles in ihrem wachstumsstreben zerstört haben!
Danke vür die Zusammenfassung.
07.02.2011
midori hat geschrieben:
@Peter: Ob Du Deinen Gedanken noch ein wenig ausformulieren könntest? "Umweltschutz lässt sich nur durch Wohlstand tätigen." Wie genau meinst Du das?

Ansonsten sehr guter Bericht! ;D
07.02.2011
DoroC hat geschrieben:
Gut, dass es jemand auf den Punkt bringt. Es geht der Regierung (sei es die deutsche oder die amerikanische oder welche auch immer) NUR ums Geld! Dass wir in einer gewaltigen ökologischen Krise stecken, interessiert sie gar nicht! Krass, oder?!
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