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Algen - faszinierende Alleskönner


von HannaS
05.02.2011
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 Algen sind allgegenwärtig

Jeder hat schon einmal Algen gesehen, vielleicht auch angefasst und mit Sicherheit gegessen.  Algen gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde und sind fast überall in faszinierender Vielfalt vorhanden. Schon sehr lange nutzen Menschen Algen zu verschiedenen Zwecken, doch in letzter Zeit sind sie auch für viele Forscher interessant geworden. Grund genug, sich damit auseinanderzusetzen, was Algen eigentlich sind und was sie können.

Was sind Algen?
Algen sind keine Pflanzen im eigentlichen Sinne, aber sie betreiben Photosynthese. Das bedeutet, sie können aus Licht und CO2 Sauerstoff und Biomasse herstellen.
Aufgrund der verschiedenen Färbung unterscheidet man Grünalgen, Rotalgen, Braunalgen und Blaualgen. Bei den Blaualgen handelt es sich eigentlich um Cyanobakterien, der Name ist noch ein Relikt aus früherer Zeit. Es gibt noch weitere Algen mit abenteuerlichen Namen, zum Beispiel Augenflagellaten, Dinoflagellaten oder Kieselalgen. Die meisten Arten kommen im Wasser vor, es gibt aber auch an Land lebende Algenarten. Die Artenvielfalt ist enorm: Allein die Gruppe der Grünalgen gliedert sich in etwa 11.000 Arten, Kieselalgen in 10.000 und Rotalgen immerhin in 4000 Arten. Dabei gibt es einzellige Mikroalgen, für das bloße Auge unsichtbar, und viele Meter lange Makroalgen, auch Tange genannt.

Dieses Bild vermittelt einen kleinen Eindruck von der Vielgestaltigkeit der Algen

Wo leben Algen?

An Land lebende Algen („Luftalgen“): Sind in den Tropen und Subtropen oft auf feuchten Blättern zu finden, in unseren Breiten auch auf der Schattenseite von Bäumen und Felsen. Sicher kennt ihr diesen grünlichen Belag, zu dem viele auch fälschlicherweise Moos sagen.

Algen oder Flechten sind oft auf der Wetterseite von Steinen oder Bäumen zu finden.

Auch in Waldböden und sogar im Schnee können Algen leben. Letztere sondern einen roten Farbstoff ab, der sie vor der Sonne schützt und gleichzeitig den sogenannten „Blutschnee“ erzeugt. Eine besondere Form von Algen sind die Flechten: Hier leben Algen und Pilze wie ein einziges Lebewesen zusammen (Symbiose) und bilden sogar gemeinsame Fortpflanzungsorgane aus.


Dieses Bild von JanineK zeigt Flechten, also die Symbiose von Algen und Pilzen.

Im Wasser lebende Algen: Viele Algenarten zählen zum Plankton, genauer gesagt zum Phytoplankton - das ist der pflanzliche Teil des Planktons. Damit sind sie Nahrungsgrundlage für unzählige Meerestiere. Besonders viel Phytoplankton gibt es in der Arktis und in Küstenbereichen. Allgemein gedeihen Algen gut, wenn viele Nährstoffe im Wasser sind. Bei einer sehr großen Vermehrungsrate spricht man von einer „Algenblüte“.

Phytoplankton unter dem Mikroskop

Auch die Planzen an Gewässerböden sind größtenteils Algen, oft bilden sie ganze Tangwälder. Diese Tange ähneln zwar Pflanzen, haben aber nicht den gleichen Aufbau (Spross, Zweige, Blätter) und auch nicht die gleiche Stabilität. Daher fällt Seetang ohne den Auftrieb des Wassers sofort in sich zusammen.

Ein sogenannter "Kelp forest"

Nachdem wir nun ein wenig über Algen wissen, stellt sich die Frage:

Was macht Algen so interessant für uns Menschen?

Algen als Lebensmittel
Vor allem in der asiatischen Küche haben Algen eine lange Tradition als Lebensmittel. Sie werden gekocht, gebraten, eingelegt, als Tee, Gewürz, Salat oder Snack verwendet. Die bekanntesten Arten heißen Kombu, Wakame oder Nori - letztere wird auch für Sushi verwendet. Algen enthalten kaum Kalorien, aber viele Mineralien und Nährstoffe, allen voran Iod.

Die typischen Sushi-Algen


Weltweit werden jedes Jahr zwischen acht und neun Millionen Tonnen Algen aus Zuchten geerntet. Nicht alles wird für Lebensmittel verwendet, denn Algen werden auch für Tierfutter, Dünger oder Kosmetika gebraucht. In Europa werden Algen eher selten als wirkliches Lebensmittel verzehrt - oder habt ihr schon einmal Seetang gegessen?
Für die hiesige Lebensmittelindustrie sind sie trotzdem wichtig. Zusatzstoffe wie Agar (das ähnlich wie Gelantine wirkt), Alginate oder Carrageen (ein Emulgator) werden für zahlreiche Produkte benötigt. Achtet einmal darauf, ob ihr diese Begriffe auf der Zutatenliste eines Lebensmittels findet. Die Blaualge „Spirulina“ wird zudem als vitamin- und mineralstoffreiches Nahrungsergänzungsmittel (in Tablettenform) angeboten, die Wirkung ist jedoch zweifelhaft. Außerdem können Algen wichtige Stoffe wie Omega-3-Fettsäuren, Farbstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe erzeugen.

Eine Maschine für die Algenernte

Algenernte per Hand

Algen in der Medizin
In der Medizin werden Algen ebenfalls eingesetzt. Das schon eben erwähnte Agar wird nicht nur als Geliermittel, sondern auch als Nährboden für Bakterienkulturen eingesetzt - somit ist es wichtig für die Forschung. Außerdem kann Alginat als Wundabdeckung verwendet werden und Cellulose, das aus Algen gewonnen werden kann, wird für die Tablettenherstellung benötigt. Seit ein paar Jahren laufen außerdem Versuche, aus transgenen Algen Impfstoffe und Antikörper zu gewinnen.

Algen für die Energieerzeugung und alsTreibstoff
Die meisten Menschen machen sich gar nicht bewusst, dass wir einen großen Teil unserer heutigen Energieversorgung unter anderem den Algen zu verdanken haben. Denn Erdöl, das wir heute fördern, entstand vor vielen Jahren aus abgestorbenen Pflanzen - im Meer vor allem aus Algen.
Hat man heute die alternativen Energien im Blick, sind Algen ein vielversprechender Ansatz. Seit Jahren wird eifrig daran geforscht, wie man sie zur Energiegewinnung einsetzen kann. Mineralölkonzerne wie Shell und BP sowie große Energieversorger wetteifern bereits um solche Zukunftstechnologien, Bill Gates zum Beispiel investierte Millionen in ein Start-Up Unternehmen für Kraftstoff aus Algen.

Algen rücken mehr und mehr ins Blickfeld von Forschern

Im Vergleich zu normalen Planzen haben Algen viele Vorteile: Sie brauchen nicht viel Platz und Licht zum Wachsen, sind sehr anspruchslos und gleichzeitig produktiv. Bis zu 25% der Sonnenenergie können Algen in Biomasse umsetzen - Landpflanzen nutzen höchstens 1%. Fleißige, unkomplizierte und billige Arbeiter also, die bei Biomassekraftwerken, aber auch zur Produktion von Biodiesel eingesetzt werden könnten. Die Konkurrenz zum Lebensmittelanbau wäre geringer und die Ausbeute effektiver. Da kann man nur hoffen, dass die Forscher schnell produktionsreife Verfahren entwickeln.

Algen gegen den Klimawandel?
Wie schon erwähnt, nehmen Algen CO2 auf und produzieren Sauerstoff. Ein nicht unwichtiger Teil des Sauerstoffs in der Atmosphäre stammt von den kleinen Helferchen aus dem Meer. Angesichts des Klimawandels und der Notwendigkeit, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu senken, ist der Gedanke nicht ganz abwegig, dabei Algen einzusetzen.
Deutsche Forscher führten dazu Anfang 2009 ein gewagtes Experiment durch: Sie düngten einen Bereich im Südatlantik mit Eisen, um so ein starkes Algenwachstum zu verursachen. Ihre These: Algen bauen CO2 in ihre Biomasse ein, sterben später ab und sinken in die Tiefe. Dort verbleibt das von ihnen gespeicherte CO2 für einige Jahrhunderte. Wenn dieser Prozess bei sehr vielen Algen abläuft, müsste ein nennenswerter Effekt zu verzeichnen sein.


Viele Umweltschützer kritisierten den Plan der Forscher - es gäbe unkalkulierbare Folgen für die Umwelt, zum Beispiel Sauerstoffmangel oder eine Verschiebung des Ökosystems. Außerdem könne es sein, dass viele Algen das CO2 nicht mit in die Tiefe nehmen, sondern gefressen oder direkt an der Oberfläche zersetzt werden. Damit wäre nichts gewonnen. Tatsächlich zeigte sich nach sechs Wochen, dass zwar eine Algenblüte entstanden war, diese aber keine positiven Effekte auf das CO2 in der Atmosphäre hatte. Kleine, gefräßige Krebse hatten die meisten Algen schnell verputzt, die Krebse waren wiederum gefressen worden. Somit hatte sich herausgestellt, dass (zumindest in dieser Form) künstlich erzeugte Algenblüten nicht gegen den Klimawandel helfen können.

Algen als Gefahr 
Dieser Artikel soll nicht enden, ohne auch etwas über die Gefahren von Algen zu erwähnen. Sie haben nicht nur viele Vorzüge, sie können durchaus auch zur Gefahr werden - und zwar, wenn sie überhand nehmen. Unter bestimmten Bedingungen vermehren sich Algen sehr schnell und sehr stark, dass nennt man Algenblüte. Wüstenstaub, der ins Meer weht, oder schmelzendes Eis setzen Nähstoffe frei, sodass Algen plötzlich sehr gute Lebensbedingungen vorfinden und sich sehr schnell vermehren. Teilweise gibt es dann so viele Algen, dass sie vom Weltraum aus zu sehen sind, zum Beispiel auf Satellitenbildern - als rot-braune oder grüne Teppiche im Meer. Für Fische und das gesamte Ökosystem ist diese schlagartige Vermehrung ein großes Problem. Oft kommt es zum Fischsterben, weil der Sauerstoff durch die vielen Algen-Konsumenten und durch das Absinken der Algen zu knapp wird. Außerdem produzieren manche Algen bzw. Cyanobakterien giftige Stoffe. Gesperrte Strände mit Badeverbot sind deshalb bei Algenblüten keine Seltenheit.

Auf einem Satellitenbild der NASA erkennt man deutlich die Algenblüte

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
09.02.2011
midori hat geschrieben:
Super Artikel! Ich bin quasi sprachlos! :D
09.02.2011
Julia018 hat geschrieben:
@ Gluehwuermchen: Wie schon richtig gesagt wurde: Moose bilden Blätter aus,Algen nicht,dann haben Moose einen anderen Generationswechsel (ist gerade ein wenig zu lang das zu erklären,hab ich alles gerade in meinem Studium in Botanik ^^) und Moose besitzen einen Embryo und dann gibt es noch so spezifische Dinge,wie,dass Moose Antheridien und Archegonien besitzen und noch einige andere Merkmale,die aber wie gesagt,eigentlich nicht zum Allgemeinwissen gehören,lernt man eben im Studium ^^.
Lg
08.02.2011
WolfsRain hat geschrieben:
echt interesssanter artikel!!
08.02.2011
SaySakura hat geschrieben:
echt interessanter Artikel, ich komme übrigens auch oft mit Algen in Kontakt, beim Sushi essen nämlich, was in Europa auch immer populärer wird, wo wieder das nächste Problem auftaucht, Überfischung.
05.02.2011
Natury hat geschrieben:
war echt interessant. ich hab auch oft Algen im Aquarium
05.02.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Interessant! Ich würde jetzt aber doch gerne wissen, wie ich Moos und Algen voneinander unterscheiden kann.
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