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Aal - Das letzte Weihnachtsmahl


von Nivis
28.11.2011
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Der Weihnachtsbaum erstrahlt in vollem Glanze und lässt den lieblichen Duft seiner Tannen in die Luft entgleiten. Ein prächtig gedeckter Tisch, das gemeinsame Lachen der Familie und zahlreiche genussvoll angerichtete Köstlichkeiten.
„Mhhmm, das riecht aber gut. Mit was verwöhnst du uns heute denn?“
„Als Vorspeise gibt es gefüllte Jacobsmuschelpasteten, zur Hauptspeise wird geräucherter Aal mit Kürbis-Radiccio-Gemüse gereicht und als Dessert gibt es Quittensuppe mit Grießknödel.“
„Oh, lecker! Das klingt ja alles wie der Himmel auf Erden.
Aber für den Aal, für den könnte ich sterben!"

Sterben.
Ja, das ist das richtige Wort.
Wusstet ihr das schon?
Jeder Aal, der auf dem Teller landet, könnte der Letzte sein!


Vom Aussterben bedroht - so lautet die Prognose der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources.
Doch wie konnte es dazu kommen, dass solch ein robuster Fisch nun vor seinem existentiellem Aus steht?

Genau genommen geht es um den Anguilla anguilla, den europäischen Aal, der in Europa und Teilen Kleinasiens und Nordafrika beheimatet ist. Er gehört zur Gattung der Flussaale und wandert stets flussabwärts.
Im Laufe seines Lebens legt er 5000 Kilometern quer durch den Atlantik zurück und das aus gutem Grund: Nur wenn der Aal die Strapazen einer solchen Wanderung auf sich nimmt, kann das Überleben seiner Spezies gesichert werden.
Denn sie schlüpfen im Meer und müssen von dort aus 3 Jahre als kleine „Glasaale“ in Süßgewässer abwandern bis sie schließlich zur Fortpflanzung aufbrechen und ihre letzte Reise – zurück ins Meer – antreten.
Der Geburts- und Sterbeort der europäischen Aale ist die Sargassosee südlich der Bermuda-Inseln.

 

Doch die Aale sehen sich während ihrer Wanderung zahlreichen tückischen Hindernissen gegenüber, die ihnen zum Verhängnis werden können.

Hindernis 1: Der Fischfang
2008 aßen wir Deutschen rund 2400 Tonnen Aal. In Asien sind die kleinen Glasaale eine Delikatesse und aufgrund ihrer Rarität ein Luxusartikel. Ein Kilo Glasaale – und damit ca. 30.000 Stück – werden derzeit zu einem Preis von 600 – 1000 Euro gehandelt.
Aber das war nicht immer so.
Noch in den 70er Jahren wurden mehrere Milliarden Glasaale verspeist. Doch der scheinbar unerschöpfliche Nachwuchs schrumpfte bis auf wenige Prozent und die einstige Billigware wurde zur Kostbarkeit. Und mit dem Rückgang der Jungtierpopulation begann das Aussterben der gesamten Art.

Versuche, Jungaale einzufangen, aufzupäppeln und der Besatzpopulation wieder zurückzuführen zeigen noch keine Erfolge und werfen Zweifel auf. Denn es ist nicht sicher, ob diese „vorgezüchteten“ Tiere den Weg in die Sargassosee finden – denn sie wurden während ihrer ersten Wanderung eingefangen und haben einen Teil der Strecke noch nie durchquert – und ob sie – geschwächt durch Parasiten beim Aquafarming - diese lange Wanderung körperlich überhaupt leisten können.


Hindernis 2: Der technische Eingriff
Ein weiteres Problem stellt für die europäischen Aale die massive technische Veränderung der Süßgewässer dar. So zum Beispiel in der Hamburger Elbe. Diese soll trotz mehrmaliger Ausbaggerungen erneut tiefer gelegt werden. Folge dessen wäre eine weitere Verzögerung der natürlichen Strömung und die Entstehung von Sauerstofflöchern durch verrottende Pflanzen- und Tierreste.
Sauerstofflöcher wirken als eine Art Barriere, da Fische Gewässer mit einem niedrigen Sauerstoffgehalt meiden, und gerade für Wanderfische wie den Aal kann eine solche Barriere den Tod bedeuten.


Hindernis 3: Die Bebauung
Als wäre dies nicht schon genug, müssen wandernde Aale zahhlose reelle Hindernisse überqueren. Turbinen und Rechen der Wasserkraftwerke bedrohen das Leben der Aale.
Je nach Turbinentyp beträgt die Sterberate 20 – 40%. Nicht selten müssen die Tiere ganze Serien von Kraftwerken passieren – oft endet die Reise in einem vernichtenden Gemetzel.


Die Bedrohung für den europäischen Aal wächst, doch noch ist keine Strategie gefunden sein Aussterben zu stoppen. Selbst nach einem sofortiger Fang- und Verkaufstopp für ihn würde es bis zu 100 Jahre dauern, um seinen Bestand zu sichern und zu stabilisieren.

Dennoch muss JETZT der Anfang gemacht werden und daher fordern der WWF und andere Umweltschutzorganisationen einen sofortigen Fang-, Verkauf- und Verzehrstopp.

„Jeder Aal auf dem Teller gefährdet das Überleben der gesamten Art. Dabei ist es gleichgültig ob die Tiere in kommerzieller oder Sportfischerei gefangen werden. Es darf keine Ausnahmen mehr geben, wenn wir diesen Fisch nicht ausrotten wollen“ sagt Cathrine Zucco, WWF-Fischereiexpertin.

 

Das Schicksal des Aals teilen auch massenhaft weitere Fische. Auch auf Thunfisch, Dorade, Makrelen und Scholle solltet ihr in Zukunft verzichten. Welche Fische auf der Abschussliste stehen verrät euch der WWF Fischratgeber.

Das Schicksal des Aals und unzähligen weiteren Meeresbewohnern liegt in unserer Hand.
Also, lasst die Finger vom Aal und weiteren bedrohten Fischarten und achtet beim Fischkauf auf das vom WWF unterstützte MSC-Siegel!

 

Für eine artenreiche Zukunft!

 

 

Quelle:
http://www.zeit.de/2011/46/N-Aal/seite-2
http://www.wwf.de/presse/details/news/aal_vor_dem_aussterben/
http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/fischerei-und-fischzucht/jeder-kann-handeln/das-koennen-sie-tun/aalretter-aktion/
http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/zwischenbilanz-unternehmenskooperationen/
http://www.wwf.de/kooperationen/edeka/edeka-nimmt-aale-aus-dem-angebot/warum-es-dem-aal-schlecht-geht/
http://www.wwf.de/presse/details/news/aal_vor_dem_aussterben/
 


 

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
21.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Danke für den Bericht, dachte auch immer dem Aal würde es noch richtig gut gehn und er wäre nicht gefährdet :X
30.11.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Woaah, 2400 Tonnen! Ich hab noch nie Aal gegessen ( und auch kein Bedürfnis dazu). Echt schade, dass es so weit gekommen ist :(
29.11.2011
midori hat geschrieben:
@Urmeli

Ich finde, es klingt köstlich :D

Ne mal ehrlich. Krasse Sache! Hatte bisher überhaupt keinen Schimmer, dass es dem Aal so an den Kragen geht. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Aal gegessen und habe auch nicht das Gefühl, dass das in unserer Gegend so beliebt wäre. Aber umso schlimmer, dass es der Art so schlecht geht. Hoffen wir das beste! Aber am wichtigsten ist natürlich, dass etwas getan wird!

Danke für den wichtigen Artikel!
29.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Bäh, das Weihnachtsessen wäre mal so gar nix für mich *schüttel*

Es muss doch ein total schlechtes Gefühl sein, wenn man weiß, dass jeder Bissen einer Art der Ausrottung näher bringt......
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