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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Wie die Natur menschliche Klimasünden ausgleicht


von GreenpointX
12.11.2009
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Kohlendioxid ist hauptverantwortlich für den Klimawandel - doch fast 60 Prozent aller Emissionen gelangen gar nicht in die Atmosphäre. Neue Forschungsergebnisse zeigen, wie viel CO2 Meere, Wälder und Böden bisher aufgenommen haben. Aber auch diese Schutzspeicher könnten versagen.


CSS will Gas unterirdisch lagern
Als ein Instrument gegen die schlimmsten Folgen des Klimawandels nennen Wissenschaftler immer wieder die sogenannte CCS-Technologie: Dabei wird CO2 direkt bei der Entstehung aufgefangen, zum Beispiel in Kohlekraftwerken. Dann wird das Gas unterirdisch gespeichert, zum Beispiel in leeren Erdgaslagern oder porösen Gesteinsschichten. Für Tausende von Jahren tief im Boden weggesperrt, soll das Kohlendioxid die Atmosphäre verschonen.
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Natur bindet bereits Treibhausgase
Bei der Diskussion über diese raffiniert klingende Technologie gerät manchmal in Vergessenheit, dass die Natur selbst diese Aufgabe virtuos beherrscht: Pflanzen, Böden und Ozeane nehmen als sogenannte Senken große Mengen des Treibhausgases auf. "Beinahe 60 Prozent unserer Emissionen werden in den Ozeanen oder an Land gespeichert", sagt Susan Trumbore vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena im Gespräch mit Spiegel Online.


Bleiben CO2-Senken bestehen?
Es galt bisher als sicher, dass die Funktion der CO2-Senken irgendwann nachlassen wird, unter anderem weil wärmeres Ozeanwasser weniger Treibhausgas aufnimmt. Dazu kommen zum Beispiel Emissionen aus tauenden Böden des arktischen Permafrostes. Mehrere Berechnungen für den Zeitraum zwischen 1996 und 2006 deuteten bisher darauf hin, dass sich die Effizienz der Senken global bereits abschwächt. Doch eine nun veröffentlichte Analyse legt nahe, dass die Ökosysteme möglicherweise doch mehr CO2 aufnehmen können und die Natur menschliche Klimasünden besser toleriert als gedacht.


Prozentualer Anteil über Jahre konstant
Der aus Deutschland stammende Forscher Wolfgang Knorr von der University of Bristol berichtet im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" von seinen Kalkulationen. Demnach bleibt der Anteil vom Menschen verursachter CO2-Emissionen, der in die Atmosphäre gelangt, mehr oder weniger konstant. Seit nunmehr 150 Jahren liegt er laut Knorrs Berechnungen bei rund 40 Prozent - und dass, obwohl der absolute CO2-Ausstoß in dieser Zeit dramatisch gestiegen ist.


Mechanismus verhindert stärkere Erwärmung
Je mehr Kohlendioxid die Menschen produzierten, desto mehr wurde vom System Erde unschädlich gemacht. "Es ist erstaunlich, dass ein so komplexes System so etwas einfaches macht", sagt Knorr im Gespräch mit Spiegel Online. Ein praktischer Mechanismus, denn ohne ihn wäre die Erderwärmung weitaus stärker bemerkbar. "Ozean und Atmosphäre helfen uns dabei, dass der Klimawandel nicht noch stärker ausfällt", sagt Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Gespräch mit Spiegel Online. Er lobt die neue Analyse, weil sie einen größeren Betrachtungszeitraum als frühere Arbeiten habe und methodisch verbessert sei.


Daten bis 1850 analysiert
Knorr hatte Messungen von atmosphärischem Kohlendioxid von Stationen auf Hawaii und in der Antarktis mit Daten zusammengefügt, die bei der Analyse zweier Eisbohrkerne aus der Antarktis gewonnen worden waren. Gegen diese Zahlen stellte er die angenommenen CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Treibstoffe, aus der Zementherstellung und aus der Abholzung tropischer Wälder - und beobachtete dabei seit Beginn seines Betrachtungszeitraums im Jahr 1850 ein konstantes Verhältnis.


Emissionsschätzungen möglicherweise zu hoch
Dennoch: Knorr zweifelt nicht daran, dass die absolute Menge an CO2 in der Atmosphäre im Betrachtungszeitraum massiv gestiegen ist. Trotzdem sind seine Ergebnisse überraschend und dürften auch die Diskussionen bei den internationalen Klimagesprächen beeinflussen. "Es gibt verschiedene Hinweise dafür, dass die Emissionsschätzungen bei der Abholzung von Urwäldern zu hoch liegen", erklärt der Forscher. Die Welt wisse aber noch immer nicht genau, wie viel Wald eigentlich abgeholzt werde und wie viel CO2 das freisetze, sagt auch der PIK-Wissenschaftler Lucht.


Waldschutz fürs Klima irrelevant?
Doch gerade Entwicklungsländer setzen darauf, dass der Schutz von Wald als Klimaschutzmaßnahme angerechnet wird. Sie bauen darauf, dass sie dafür von den Industrieländern großzügig entschädigt werden - mit Geld aus dem Verkauf von Verschmutzungsrechten. Doch die reichen Staaten könnten sich weigern zu zahlen, wenn der Klimabeitrag der Abholzung nicht seriös zu beziffern ist. "Die Kohlenstoffspeicherung ist der geringste Wert eines Urwaldes", mahnt Knorr und verweist unter anderem auf den Schutz der Biodiversität. Wälder müssten trotzdem geschützt werden, auch wenn ihr Wert für die Kohlenstoffbilanz möglicherweise geringer sei als bisher angenommen.


Dramatik des Klimawandels bleibt
Für den Wissenschaftler ist auch klar, dass seine Erkenntnisse an der Dramatik des Klimawandels nichts ändern: "Bisher ist nichts passiert. Das heißt nicht, dass in Zukunft nichts passiert", warnt Knorr. Auch die Jenaer Forscherin Trumbore bilanziert: "Unsere CO2-Werte steigen schneller als jemals zuvor, weil wir immer mehr fossile Brennstoffe nutzen." Für den PIK-Forscher Lucht ändert die neue Studie Knorrs am Ausblick deswegen kaum etwas: "Perspektivisch werden wir sehen, dass die CO2-Senken ihre Funktion immer schlechter erfüllen. Spätestens ab dem Jahr 2040 dürfte man das in den Daten klar erkennen - aber dann ist der Zeitpunkt zum Gegensteuern bereits verpasst worden."

> http://nachrichten.t-online.de/
 

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
19.11.2009
Maide hat geschrieben:
Irgendwie süß, wie die Natur versucht, sich zu regenerieren...
14.11.2009
Fine hat geschrieben:
kann ich franzi nur zustimmen...
wirklich interessant...!
=)
13.11.2009
Franzi hat geschrieben:
Wow, interessanter Artikel! Danke =)
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