Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Wenn Artenschutz gegen Klimaschutz steht


von Carina
17.03.2012
11
1
79 P

Zuerst die guten Nachrichten: Die Stadt Aachen möchte die Windkraftnutzung ausbauen und plant deswegen die Errichtung zehn neuer Windkraftanlagen.

Die schlechten Nachrichten: Der Standpunkt dieser neuen Windkraftanlagen soll inmitten des Münsterwaldes an der südlichen Grenze Aachens liegen – auf der sogenannten „Himmelsleiter“.

Ironischer weise sind es also nicht nur Bürgerinitiativen, die gegen den Bau dieser Anlagen protestieren: Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) und der Naturschutzbund (Nabu) gehören zu den stärksten Kritikern des Projekts. Sie bemängeln vor allem, dass…

- 2,5 bis 3 ha Wald gerodet werden müssen
- Heimischer Wildbestand vertrieben wird
- Biotope und Bachläufe in Mitleidenschaft gezogen werden
- Auf der Artenschutzliste stehende Waldbewohner gefährdet werden
- Vögel und Fledermäuse in den Rotorblättern sterben könnten

Natürlich spricht aber auch einiges für die Errichtung der Windkraftanlagen. Schließlich müssen die erneuerbaren Energien gefördert werden, wenn wir von Kohle und Atomkraft loskommen wollen. Außerdem versichern die Planer der Anlagen, dass ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden: Auf einem Teil der gerodeten Fläche sollen sich nach der Bauphase neue ökologische Strukturen entwickeln können, die den Wald bereichern und dem Wild als Äsungsfläche dienen. Auf besonders schützenswerte Bereiche des Münsterwaldes (wie z.B. ältere Buchenbestände oder das Feuchtbiotop) wird bei der Planung Rücksicht genommen. Durch eine sorgfältige Standortauswahl will man Störungen der Vogelwelt so gut es geht minimieren.

Jetzt ist natürlich meine Frage: Was meint ihr dazu? Was ist wichtiger: Den Münsterwald zu erhalten oder die Nutzung der Windkraft auszubauen?

Ich werde derweil Augen und Ohren offen halten und euch informieren, sobald eine Entscheidung gefällt wird ;)

Quellen:
Aachener Zeitung
http://windpark-himmelsleiter.de/

Bild: Wikimedia Commons
 

Weiterempfehlen

Kommentare (11)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
26.04.2012
Philip89 hat geschrieben:
Ich finde, dass auf jeden Fall beide Standpunkte zu verstehen und zu vertreten sind. Es ist wichtig, dass der Wald und sein Ökosystem erhalten bleibt aber genauso wichtig ist es, dass Deutschland und einzelne Regionen in Deutschland ein Zeichen setzen, dass man Energie auch sehr gut durch erneuerbare Energien erzeugen kann und da muss ich die Region Aachen loben. Ich würde mich freuen, wenn Städte und Gemeinden so denken würden wie die Aachener.
Aber ich frag mich, ob es in und um Aachen nur diese eine Region gibt die man zur Energieerzeugung durch Windkraft nutzen kann oder ob es nicht Alternativen gibt, die ähnlich gut geeignet sind oder ob nur diese Region besonders gut ist. Auch würde es mich interessieren, wie man sich den Erhalt des Ökosystems vorstellt wenn man dort einfach Windräder hinsetzt. Will man die kahlgeschlagene Waldfläche auf brachliegende Äcker und Felder "verlagern" oder wie sehen die konkreten Pläne aus.
Ich wünsche mir dort mehr Aufklärung damit ich sagen kann, ob das nun eine sinnvolle Lösung ist oder dann eher doch nicht...
26.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
30.03.2012
Jonpackroff hat geschrieben:
@Debora Wiefersprüchlich? Keine Spur, sondern konsequent! Die Energiewende ist beschlossene Sache, aber jetzt muss sie noch umgesetzt werden. Dafür brauchen wir, neben den anderen erneuerbaren Energien, auch Windkraft-Anlagen. Desto schneller neue Windanlagen gebaut werden, umso schneller können Kohlekraftwerke, welche ja allgemein bekannt CO2 ausstoßen, abgeschaltet werden. Verzögert sich aber überall der Bau neuer Anlagen aufgrund von Protesten, werden die Kohlekraftwerke weiter laufen müssen. Dabei werden diese garantiert mehr CO2 ausstoßen als 2,5 Hektar Wald kompensieren können.
Häufig werden in diesem Zusammenhang auch Argumente wie "Warum denn in Aachen, in Hamburg ist doch viel stärkerer Wind" gebracht. Diese dienen nur dazu, das "Problem" Windanlagen möglichst weit weg zu schaffen. Es gibt keinen perfekten Standort, irgendwas ist immer. Natürlich sollte dort gebaut werden, wo wenig Probleme mit der Umwelt auftreten, aber wer sagt "Energiewende ja bitte, aber bloß keine Windräder in der Nähe meiner Stadt / bloß keine Solaranlage auf meinem Dach / kein Pumpspeicherkraftwerk bei mir in der Nähe, und dies mit Artenschutz begründet, verhält sich ignorant.

PS: CO2 ist nicht giftig, nur so am Rande.
29.03.2012
Debora hat geschrieben:
Das ist absolut widersprüchlich: Erst setzt ihr euch für den Erhalt des Regenwaldes in Brasilien ein, wo 76,5 Millionen Hektar gerodet werden soll, ihr wisst, dass der Teil der Zerstörung des Regenwaldes das Weltklima mit bis zu 28 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich aufheizen würde.
Aber wenn direkt bei uns in Deutschland ein Waldgebiet von 2,5 bis 3 Hektar gerodet werden soll für Windkraftanlagen plus eine Fläche von ca. 172 Hektar für die Windenergiekonzentrationszone, dann ist das in Ordnung?
Einige von euch sitzen zwischen zwei Stühlen und andere entscheiden sich direkt für die Windkraftanlagen, um den Fortschritt der erneuerbaren Energien voran zu treiben. Aber doch nicht zu diesen Konsequenzen.
Im Vergleich zu 76,5 Millionen Hektar Regenwald sind 2,5 bis 3 Hektar natürlich gering, das sind weniger als 2% des Münsterwaldes, aber es wäre besser, wenn ein anderer Standort gefunden werden könnte.
Wenn die Bäume weg sind, die kein Co2 mehr aufnehmen können, erhöhen wir letzten Endes somit die Temperatur.
Hat die Erde nicht schon genug Kompromisse gemacht zu unserem Nutzen? Es muss beides gehen.

Es bringt überhaupt nichts gegen den Treibhauseffekt weitere Windkrafträder zu erbauen, wenn weiter unsere Temperaturen ansteigen, weil der CO2-Ausstoß nur langsam verringert werden kann, dazu roden wir Wälder noch ab, die uns eigentlich dabei helfen das CO2 zu verarbeiten?
Wir können doch nicht noch mehr vorhandene, natürliche Ressourcen der Erde wegnehmen, die den CO2-Gehalt in Maßen von selbst verarbeiten können, ohne großen menschlichen Einfluss durch Technologien. Wir sollten das Pferd nicht von hinten aufzäumen.

Bäume verarbeiten das für Menschen giftige Kohlendioxid CO2 und verarbeiten es mit Hilfe von Sonnenlicht in den unverzichtbaren Sauerstoff für den Menschen. Sie helfen, die Luft zu reinigen und zu filtern, dazu spenden sie Schatten, schützen vor intensiver UV-Strahlung und erhöhen durch Verdunstung die Luftfeuchtigkeit.
Wie lange braucht ein Baum zum Wachsen, um ausgewachsen zu sein, um danach auch genügend CO2 in Sauerstoff umwandeln zu können? Das machen nicht die Windkrafträder für uns.

Die Startort ist für mich schlecht gewählt:
Auf einer freien Fläche, wie auf einem Feld hätte der Wind viel mehr Platz mit Kraft in die Windkraftanlagen zu strömen, als durch einen Wald, wo die Bäume viel Wind abfangen können.
Die Stadt Aachen sollte noch mal darüber nachdenken, ob sie nicht eine geeignetere Fläche findet, ohne Waldrodung.
Es wäre besser, wenn mehr Felder von den Bauern abgekauft werden könnten von den Städten oder von Energie-Stromversorgern, um mit den Bauern zusätzlich einen Vertrag zur Verpachtung zu schließen, damit die Felder weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können für den Anbau von Nahrungsmittels. Oder zumindest den Bereich verkauft, die eine Windkraftanlage an Platz benötigt.

Mal abgesehen von den Auswirkungen auf das Landschaftsbild, die Windkrafträder werden ja nicht direkt an die Häuser der Anwohner errichtet. Um die erneuerbaren Energien zu fördern, sollte unser positiver Nutzen daraus im Vordergrund stehen und nicht, dass man in seiner Aussicht aus dem Fenster auf die Landschaft eine Reihe von Windkraftanlagen sieht, die weiß und schlicht gehalten sind.
Das ist dann nun mal so, es gibt genügend Menschen, die es sich nicht erlauben können auf dem Lande zu leben, sondern in Ballungszentren wohnen müssen und nur die Aussicht ins gegenüberliegende Wohnzimmer des Nachbarn haben.

Der WWF hat sich unteranderem zur Aufgabe gemacht, Wälder und die Tierarten, die dort leben zu schützen und zu erhalten. Hier nur mal ein Beispiel zum Thema ökologische FSC-Standards:
? Erhalt naturnaher Wälder,
? keine Umwandlung von Wald in Plantagen,
? Verbot gentechnisch veränderter Organismen,
? Vermeidung von Pestiziden,
? Schutz seltener und bedrohter Tiere und Pflanzen,
? eine bei der Wiederaufforstung der natürlichen Waldgesellschaft angepasste Baumartenwahl.

Es ist das Ziel laut FSC-zertifizierte Forstwirtschaft: Bis 2020 soll auch die FSC-zertifizierte Forstwirtschaft dazu beitragen, dass es weltweit netto keine Entwaldung mehr gibt (vgl.: http://www.wwf.de/themen-projekte/wwf-erfolge/erfolge-fsc/).

Also ist doch der Weg klar.
19.03.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
19.03.2012
Himbeere hat geschrieben:
Einen Tod muss man sterben.
19.03.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Ich kann den anderen nur zustimmen.
Sofern kein besserer Alternativstandort gegeben ist und die Ausgleichsmaßnahmen wie Waldaufforstung etc tatsächlich durchgeführt werden, müssen auch Naturschutzverbände mal zurücktreten.

Die Tiere, insbseondere die Vögel etc, werden sich recht schnell an die neue Anlage gewöhnen. Das einige Tiere sterben werden, ist zwar sehr sehr schade, aber muss wahscheinlich leider hingenommen werden.

Wir können wirklich nicht fordern, dass wir auf erneuerbare Energien umsteigen, diesen Industriezweig ausbauen, aber dafür keine neue Anlagen bauen?
Wenn wir so denken und handeln, können wir es auch gleich sein lassen.
18.03.2012
LSternus hat geschrieben:
Keine ganz einfache Situation! Ich stimme für die Windkraftanlagen und zwar, weil

1. wir die Umstellung auf erneuerbare Energien viel zu lange aufgeschoben haben, bzw es immer noch tun und diese Energien weiter ausbauen müssen,

2. der Wald an anderer Stelle wieder aufforstbar ist

und 3. durch die Waldrodung eine Wiesenlandschaft entsteht, auf der seltene Pflanzen - und Insektenarten eine neue Chance bekommen.
17.03.2012
Peet hat geschrieben:
Stimme den Vorrednern hier zu - in gewissen Teilen.
17.03.2012
MJ1499 hat geschrieben:
Man kann sich ja immer ein gutes Beispiel vor Augen halten: 1 ha ist ungefähr so viel wie 1 Fußballfeld. Dass die Waldrodungen nicht optimal sind, und man da über besser Lösungen oder Ausgleiche nachdenken sollte ist meiner Meinung nach nicht die Frage, das sollte eine Bedingung sein. Ansonsten sind die anderen Punkte aber doch relativ verzichtbar...wenn der Wald an anderer Stelle wieder aufgeforstet wird, hätten alle Tiere ein neues zuhause. Bachläufe kann man auch umlegen, wenn man wirklich will. Wenn man nicht will, sind Bäche aber auch (in Maßen) verzichtbar, genauso wie Biotope. Und die paar Vögel und fledermäuse, die so blöd sind und in den Rotorblättern sterben, die sollte man hinnehmen.

Meine Meinung also: Bauen, aber auf jeden Fall an anderer Stelle die Verluste ausgleichen, evtl. auch durch künstleiches Erschaffen der Biotope und Bachläufe, sowie der Heimat des Wildes! Sollte es einen anderen Standort geben, der gleiche Vorraússetzungen, aber weniger Verluste hat, sollte der natürlich bevorzugt werden. Gibt es denn so einen Alternativstandort??
17.03.2012
Jonpackroff hat geschrieben:
So heftig es auch klingt: Man kann nicht alles berücksichtigen!
Es kann nicht sein, dass die Bevölkerung (und insbesondere Naturschutzverbände) einerseits mehr erneuerbare Energien forden und andererseits immer, wenn es konkret wird, dagegen protestieren.
Andererseits müssen natürlich Standorte bevorzugt werden, in denen keine Probleme mit Lebensräumen, Wäldern, usw. auftreten. Wenn es zu diesem Standort also eine gute Alternative gibt, ist der Protest durchaus berechtigt.
Da ich nicht in Aachen wohne kann ich zu diesem konkreten Beispiel nicht sagen, ob dies der Fall ist oder nicht.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
#ClimateDiploDay – dein Beitrag zur Klimadiplomatie
#ClimateDiploDay – dein B...
Die Einigung auf einen neuen weltweiten Klimavertrag in Paris im Dezember 2015 war ein historis... weiter lesen
Living Planet Report 2016 - Planet am Limit
Living Planet Report 2016 -...
Der neue Living Planet Report ist da! Der regelmäßig vom WWF erarbeitete Report ist... weiter lesen
Klima gerecht schützen - Wir holen die Klimaverhandlungen in Marrakesch nach Berlin!
Klima gerecht schützen - W...
Die COP 22 findet dieses Jahr im marokkanischem Marrakesch statt. Vom 7. Bis 18. November Da... weiter lesen
Ausgerottet - die menschlichen Bienen in China
Ausgerottet - die menschlic...
Jeder kennt sie - die Wild- und Honigbienen. Unermüdlich schuften die Arbeiterinnen eines V... weiter lesen
Unterschreibt die DIVESTMENT Petition für Erneuerbare Invesitionen!
Unterschreibt die DIVESTMEN...
Spätestens nach dem Pariser Klimaabkommen ist klar: Wir müssen die Nutzung fossiler E... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil