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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Wald im Klimastress?


von TilmanFCC
04.08.2011
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Tags: Wald, Klima, Jahr

 Der Klimawandel ist für die meisten inzwischen ein wohlbekannter Begleiter des alltäglichen Lebens geworden. Doch welche Auswirkungen der anthropogene Klimawandel auf unsere Wälder hat, lohnt es sich im internationalen Jahr des Waldes ausführlich zu beleuchten.

Fakt ist: Sollte sich der Klimawandel wie erwartet entwickeln, ist der Wald im Klimastress. Denn viele heimische Baumarten können sich dem prognostizierten Temperaturanstieg nicht im gleichen Tempo anpassen. Das wiederum würde die Instabilität des Ökosystem Wald weiter verstärken.

Zuvor ein paar bekannte Klimafakten:
Das weltweite Klima hat sich verändert. Die mittlere Jahrestemperatur stieg in den letzten hundert Jahren um 0,74°C an, in Deutschland sogar um 0,9°C.
Einhergehend mit dem Temperaturanstieg wuchs der Wasserdampfanteil in der Atmosphäre, was sich auf die weltweite Verteilung der Niederschläge aber unterschiedlich auswirkte.
Die Eismassen der kontinentalen Gletscher zogen sich zurück, die der Alpen z.B. seit 1850 ca. 50%; auch das Meereseis schmolz im Jahresmittel um 8%, im Sommer sogar um 22% ab.
Der Meeresspiegel stieg im 20. Jhd um 17cm an, begleitet von einem Wassertemperaturanstieg bis in 3000m Tiefe.
Extremereignisse, wie tropische Wirbelstürme, Starkregen mit Überschwemmungen oder langanhaltende Trockenperioden zeigen einen wachsenden Trend.
Außerdem verändern sich die jahreszeitlichen Phasen der Flora und Fauna Europas und Nordamerikas (etwa Rückkehrtermin der Zugvögel, Länge der Wachstumsperiode).

Diese Fakten wirken sich natürlich nicht alle zwangsläufig direkt auf den heimischen Wald aus, doch einige Veränderungen in der Zukunft werden darauf zurückzuführen sein.

Zukünftig wird - je nach Szenario - in Europa/Deutschland folgendes erwartet:
In den nächsten 20 Jahren wird ein Temperaturanstieg von 1°C nicht mehr aufzuhalten sein, je nach Treibhausgasausstoß werden die Temperaturen weiter steigen.
Die Niederschläge werden sich unter anderem auch in Mitteleuropa umverteilen (trockenere Sommer, feuchtere Winter, schwankende Niederschlagsdauer und -Intensität).
In Deutschland wird die Temperatur zwischen 2,5°C und 3,5°C absteigen.
Es werden häufiger Sommer- und Hitzetage mit über 25°C bzw. 30°C bestehen. Dagegen nehmen Eis- und Frosttage, sowie die Schneebedeckungsdauer in den tiefen und mittleren Höhenlagen ab.
Die Sommermonate können im gesamten Bundesgebiet trockener werden, mit zum Teil 30% Niederschlagsrückgang. Das Winterhalbjahr wird dagegen in den meisten deutschen Regionen feuchter.
Entsprechend dem weltweiten Trend muss mit extreme Wetterereignisse auch in Deutschland gerechnet werden..

Welche Auswirkungen hat dies nun auf unsere Wälder? - Auf das langlebige Ökosystem Wald wird es gravierende Folgen haben!
Höhere Temperaturen lassen den Wasserverbrauch der Bäume steigen. Steht im Boden nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung, drosseln Bäume ihre Transpiration oder werfen frühzeitig Nadeln bzw. Blätter ab. Zunehmende Trockenperioden und hohe Temperaturen führen zu Einbußen beim Holz- und Höhenwachstum, zu Vitalitätsverlust bis hin zum Absterben. Wird der Bodenspeicher für Wasser von den Niederschlägen nicht mehr ausreichend gefüllt, werden in besonders warm-trockenen Regionen manche Baumarten an ihr Limit geraten. Die Bäume werden so weit geschwächt, das sie zunehmend empfindlicher gegenüber Luftschadstoffen werden.Doch nicht nur der schleichende Klimawandel setzt dem Wald zu, auch Extremereignisse können zu Waldzusammenbrüchen, Absterben von Jungpflanzen und plötzlichen Veränderungen führen. Während keine steigende Gefahr von Schadinsekten wie dem Borkenkäfer ausgeht, da sich ebenfalls deren natürliche Feinde in trocken-warmer Witterung gut entwickeln, haben neu einwandernde Schadinsekten ein hohes Gefährdungspotential für heimische Baumarten. Generell besteht die Gefahr einer Veränderung der Biodiversität

Doch wie trifft es spezielle heimische Baumarten?
Das lässt sich anhand der Klimahülle, bzw der ökologischen Potenz eine Art ablesen. Arten, die bereits jetzt schon am Rand ihrer ökologischen Amplitude im Bezug auf Bodenfeuchte und Temperatur sind, werden es in Zukunft schwerer haben. So könnte es für die Buche etwa in bereits heute trocken-warmen Regionen wie Unterfranken eng werden. Diese Region könnte für die Buche verloren gehen. Neue Lebensräume könnten aber in den höheren Lagen der Mittelgebirge oder der Alpen erobert werden. Neben Buche können aber wahrscheinlich auch Birke, Spitz- und Bergahorn, Winterlinde und Weißtanne von den Veränderungen in ihrer Gesamtbilanz gering betroffen werden, da sie Verlusste durch Flächengewinne in heute kühleren Gebieten ausgleichen können.
Profitieren könnten wämreliebende Arten wie heimische Eichenarten, Sommerlinde und Esche.
Kritisch könnte es hingegen für die Fichte werden. Heute befindet sie sich bereits in trocken-warmen Gebieten im Randbereich ihrer ökologischen Potenz. Sie wird an Konkurrenzkraft verlieren. Ebenfalls schlechte Zeiten könnten laut Klimahüllenmodell für die Waldkiefer anbrechen. In kalt-trockenen und subkontinentalen Regionen beheimatet, kann sie ohne forstliche Unterstützung von anderen Baumarten verdrängt werden. Dies wäre jedoch tragisch, da die Kiefer wie keine andere Baumart mit so wenig Wasser auskommt, sodass Trockenperioden gut überstanden werden können.

Welche Möglichkeiten bestehen aber für Waldbesitzer?
Durch intelligente Aufforstung und Waldpflege können sich auch in Deutschland die Wälder erhalten lassen. Durch rechtzeitige Gefahrenerkennung, intelligente Pflege und einen kontrollierten Umbau der Wälder, kann der deutsche Wald erhalten bleiben.
Warum der Wald erhalten bleiben sollte, ist glaube ich allen klar.

Zahlen und Informationen nach „Stiftung Wald in Not“

 

 

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
05.08.2011
Angelina hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht (:
Wikrlich interessant, aber schon traurig..
04.08.2011
Marcel hat geschrieben:
Randvoll mit Fakten! Wieder mal ein sehr lesenswerter Bericht von TilmanFCC. Danke, mit großem Ausrufezeichen!
04.08.2011
Lars0220 hat geschrieben:
Sehr Interessanter Bericht :)
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