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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Vorhang auf fürs Klima - Mit Theater die Welt retten


von Cookie
06.04.2015
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"Das Theater [ist] als Multiplikator politischer und sozialer Anliegen weltweit immer noch [wichtig]. Denn wie kein anderes Medium hat es die Möglichkeit, die Menschen im direkten Austausch zu erreichen, sie über Emotionen anzusprechen, somit zum Nachdenken anzuregen und auf ihr Verhalten zu reagieren." 

Das ist die Ansicht von Natalie Driemeyer. Die freiberufliche Dramaturgin, Autorin und Kuratorin bemüht sich darum, Wege zu finden, durch Theater auf den anthropogenen, also den menschengemachten, Klimawandel aufmerksam zu machen. 2011 arbeitete sie gemeinsam mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) daran, "EisTau" zu dramatisieren. Dieser Roman von Ilja Trojanow erzählt die Geschichte des Gletscherforschers Zeno, der erfährt, dass der Alpengletscher, dem er sein Leben gewidmet hat, nicht mehr zu retten und ist und daraufhin versucht, die Touristen auf Kreuzfahrtschiffen auf die Wunder der Antarktis und deren Vergänglichkeit hinzuweisen. Voller Wut auf die Ignoranz seiner Mitmenschen versucht Zeno zu retten, was nicht mehr zu retten scheint. Trojanows Buch gilt als Klimaroman und seit sie sich mit "EisTau" befasst hat, lässt Natalie das Thema Klima nicht mehr los.

(c) Mariamichelle www.pixabay.de

2013 hatte sie die künstlerische Leitung des Theaterfestivals ODYSEE: KLIMA in Bremerhaven inne. Während des Festivals arbeiteten Künstler und Wissenschaftler zusammen, um auf kreative Weise auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Wichtigster Bestandteil war ein Klimaparcours, in dessen Rahmen Künstler aus den Bereichen Schauspiel, Tanz, Performance und Bildende Kunst an "außergewöhnlichen Extrem-Klima-Orten", wie es im Programmheft heißt, "mit den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde und damit verbundenen Extrem-Phänomenen des Klimawandels beschäftigt[en]." Zu bewundern waren Stücke wie "Cooking Catastrophes", eine Performance, in der Klima-Katastrophen wie Waldbrände und Bohriselexplosionen nachgekocht werden, und "Cry me a river", eine Ein-Frau-Klima-Konferenz. Zudem gab es eine Kima-Zeltstadt und ein Labor für nachhaltige Entwicklung. Zum Ausgleich der unvermeidlichen CO2-Emissionen des Festivals ging 1 Euro jeder Theaterkarte an einen Klimafonds. Per Skype-Live-Schaltung berichteten Künstler aus Südamerika, Asien und Afrika über die Klimaprobleme in ihren Ländern und wie sie diese mit dem Mittel des Theaters angehen.

(c) rikkerst www.pixabay.de 

Natalie Driemeyer machte sicher aber nicht nur übers Internet ein Bild vom Klima-Theater auf der ganzen Welt, sondern brach zu einer Welt-Klima-Theater-Recherche-Reise auf, um nach Theaterschaffenden zu suchen, die den Klimawandel und seine sozialen Folgen auf die Bühne bringen. Ihre Reise führt sie in den weltgrößten Inselstaat Indonesien. Durch den ansteigenden Meeresspiegel verlieren die Inselbewohner jedes Jahr an Lebensraum. In der Hauptstadt Jakarta mussten die Menschen teilweise neue Häuser auf die Dächer ihrer versunkenen alten Häuser bauen. Die Wege zwischen den alten Dächern bestehen aus Brettern und Bambusstangen und stellen eine große Gefahr für spielende Kinder dar, die zwischen die Stäbe rutschen und im von Müll verseuchten Wasser ertrinken. Hier versucht die Theatergruppe Lab Teater Ciputat der Öffentlichkeit die Probleme der Einwohner vor Augen zu führen. Sie recherchierten in überfluteten Gebieten und entwickelten das Theaterprojekt "Sinking Cities". Dieses Projekt sollte den Inselbewohnern einen künstlerisch geschützten Rahmen bieten, um selbst von ihrer Lage zu berichten und damit auch die Politiker erreichen, die ihre Entscheidungen oft treffen, ohne über die Situation der Betroffenen Bescheid zu wissen. Lab Teater Ciputat will den wichtigen Dialog zwischen Bevölkerung und Regierung herstellen.

(c) sorcel www.pixabay.de

Im Winter 2013 führt Natalies Reise sie mit den Philippinen auf einen weiteren Inselstaat, der ebenfalls stark vom Klimawandel betroffen ist. Durch den Temperaturanstieg der Meeresoberfläche haben die Bewohner mit immer verheerenderen Taifunen zu kämpfen, die tausende Menschen ihr Leben und das Dach über dem Kopf kosten. Häuser werden auf den Philippinen nicht für die Ewigkeit gebaut. Ein Witz unter den Einwohnern lautet: "Aus wie vielen Inseln bestehen die Philippinen? – Das ändert sich je nach Höhe des Meeresspiegels." Das Little Theatre der University of San Agustin bringt die Geschichten der Taifun-Opfer auf die Bühne. Mit einem Musical berichtet das Theater PETA (Philippine Educational Theater Association) vom Schicksal eines überfluteten Dorfes. PETA hilft den betroffenen Filipinos aber nicht nur durch ihre Produktionen, sondern veranstaltet gemeinsam mit Mitgliedern der National Commission for Culture and Arts und Psychologen Trauma-Workshops, in denen Taifun-Opfer durch Improvisations-Theater das, was sie erlebt haben schildern und gemeinsam verarbeiten können.

(c) tpsdave www.pixabay.de

Für Natalie geht es weiter nach Südamerika, wo große Gebiete des Regenwaldes dem Goldabbau und dem illegalen Kokainanbau zum Opfer fallen. Die Guerilla vertreibt Menschen aus ihren Wohnorten und das Trinkwasser ist mit den beim Goldabbau verwendeten Chemikalien verschmutzt. In Kolumbien trifft Natalie auf eine Menge Theaterschaffende, die über das verseuchte Wasser und die Folgen der Rodung des Regenwaldes aufklären. Da gibt es zum Beispiel Teatro Tierra, die Akrobatik, traditionelle Kultur und symbolstarke Sprache in ihre Auftritte einbeziehen und damit von Dorf zu Dorf ziehen. Das Colectivo Artistico Kyros reist mit seinen Produktionen über reale Fälle von Trinkwasserverschmutzung durchs ganze Land. Zudem arbeiten sie am Projekt, in dessen Rahmen Schauspielern den Pflanzen in einem botanischen Garten eine Stimme verleihen. Die Academia de Artes Guerrero lässt Jugendliche auftreten, die zur Flucht in die Hauptstadt Bogota gezwungen wurden.

(c) Julianza www.pixabay.de

Für Natalie ist das Theater ein ganz besonderes Kommunikationsmittel: "Im Theater, vielfach Teil der traditionellen Rituale, treffen sich die Betroffenen, um sich auszutauschen und offen Probleme zu verhandeln, die im direkten Dialog unaussprechlich sind." Auf ihrer Reise sieht sie die Auswirkungen des Klimawandels mit eigenen Augen, bekommt einen Einblick in die Gesellschaft und erlebt Theaterproduktionen, die online nicht zu finden sind. Gemeinsam mit den Theaterschaffenden, die sie währenddessen trifft, entwickelt sie internationale Projekte, wodurch ein Netzwerk von Klima-Theaterschaffenden, wie Natalie sie nennt, entsteht.

(c) geralt www.pixabay.de

Die WWF Jugend hat sich übrigens auch schon im Theatermachen versucht: Im Rahmen des 2°-Campus übten sich die Teilnehmer im sogenannten "Scientific Drama",  womit sich wissenschaftliche Ergebnisse kreativ, anschaulich und unterhaltsam darstellen lassen.

Quellen:
Junge Bühne Ausgabe 8, Spielzeit 2014/15
http://www.stadttheaterbremerhaven.de/fileadmin/downloads/Odyssee_Klima_Ansicht_17-5-13_kl.pdf
http://trojanow.de/eistau/
http://www.stadttheaterbremerhaven.de/archiv-201112/schauspiel-201112/eistau.html

 

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Kommentare (1)
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07.04.2015
Squirrel hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Bericht. Ich War vor kurzem in einem Theaterstück was zunächst sehr lustig und später ernst die Organisation und die Gründe einer geplanten Benefizveranstaltung für ein Schulprojekt in Afrika darstellt. Das bezieht sich zwar nicht direkt auf das Klima iSt aber sehr zu empfehlen. Es heißt: Benefiz Jeder rettet einen Afrikaner.
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