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Von schwitzenden Eisbären und sterbenden Bienen – die Jugendklimakonferenz 2015


von becci42
03.11.2015
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„Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar“, schrieb die Band Grauzone im Jahr 1980 und katapultierte sich damit auf Platz 12 der deutschen Singlecharts. Dieser Traum rückt, war er doch damals schon schwer erfüllbar, heute immer mehr in weite Ferne. Dies hängt diesmal aber nicht damit zusammen, dass man hierfür wahrscheinlich ein Animagus sein müsste, sondern mit dem Klimawandel.
Die Arktis droht durch die ansteigenden Temperaturen auf der Erde zu schmelzen und damit würde der Lebensraum der Eisbären verloren gehen. Den „Eisbären“ auf der Jugendklimakonferenz 2015 ging es deshalb nicht immer so gut.

Vom 02. bis 04. Oktober trafen sich dieses Jahr rund 200 Jugendliche am Koppelsberg in der Nähe von Plön in Schleswig-Holstein, um genau das zu verhindern. Wir verbrachten ein spannendes Wochenende mit Workshops, Vorträgen, Foren, Projekten und vor allem der Vorbereitung auf die UN-Klimakonferenz Ende dieses Jahres in Paris.

Am Freitagabend reisten wir an und wurden von den Organisator_innen von der Jugendklimainitiative der Nordkirchen „Klar zur Wende“ begrüßt. Dort lernten wir die Eisbären das erste Mal kennen und sie erzählten uns von ihren Problemen und dass es ihnen mittlerweile eigentlich viel zu warm sei. Warum das so ist, erklärte uns der Meteorologe Dirk Notz in seinem Vortrag, in dem er die Hintergründe von Klimawandel und 2° Ziel für alle sehr verständlich zusammenfasste. Da eine Delegation der Jugendklimakonferenz auch im Dezember zur UN-Klimakonferenz nach Paris fährt (ich werde übrigens auch dabei sein), hat uns Sabine Minninger mit einer spannenden Präsentation dann erzählt, was dort passieren wird und was die Ziele von Klimaschutzgruppen und Politik sind.

„Wenn der letzte Eisbär auf der Scholle steht, haben wir es vergeigt, dann war alles zur spät“ – mit diesen Worten ging es dann zum musikalischen Teil des Abends, bei dem wir mit Stefan Räther Klimasongs sangen. Die Frage, die wir uns selbst stellten - „Seid ihr alle schon klar zur Wende?!“ - war dann der Startschuss für die weiteren Aktivitäten auf der Jugendklimakonferenz, die mit einem Klima Speeddating begannen, bei dem wir uns zu verschiedenen Fragestellungen des Klimaschutzes in eine-Minute-Blöcken austauschten.

In den Samstag starteten wir mit einer Vorstellung der Klimanetzwerks und den Klimaschutz-Aktiv-Projekten. Das „klar-zur-wende.net“ Netzwerk stellt eine Plattform da, auf der Jugendliche der Nordkirche sich über Klimaschutz, Aktionen, Projekte und Veranstaltungen austauschen können. Bei den Klimaschutz-Aktiv-Projekten geht es um die Förderung von Ideen, die junge Menschen entwickeln, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. So wurde uns z.B. das „perfekte Klimadinner“, die „Klimaagenten“ oder ein klimafreundliches Kraftwerk vorgestellt. Um diese Projekte finanziell zu unterstützen, stellte die Nordkirche 2000€ bereit, die in einem Crowdfunding dann von den Teilnehmenden der Konferenz auf die Projekte aufgeteilt wurden. Jeder Teilnehmende durfte selbst entscheiden, für welche Projekte ihr_sein Anteil verwendet wird.

Danach ging es in die Klimaforen. Ich nahm am Forum „Klimaschutz – was kann ich selber tun?“ teil, bei dem wir kleine Szenen entwarfen und später vor allen Teilnehmenden präsentierten, die wirkungsvolle und eher wirkungslose Methoden darstellten, mit denen man andere Menschen überzeugen kann, sich für den Klimaschutz zu engagieren oder klimafreundlicher zu leben.

Neben inhaltlichem Input hatte die Konferenz auch eine herrliche Umgebung zu bieten.

Nach dem (klimafreundlich vegan-vegetarischen) Mittagessen begann die Workshopphase. Im Workshop „Bombs 4 Bees“ lernte ich, warum Bienen so wichtig sind, warum sie heute bedroht sind und wie wir helfen können. Als Film zu dem Thema kann ich „more than honey“ empfehlen. Schließlich bauten wir selbst aus Erde und Blumensamen so genannte Saatbomben, die man im Frühjahr in die Erde setzen kann, um eine bunte Blumenpracht als Lebensraum für die Bienen zu schaffen.

Der zweiten Workshop „Naturschutz gegen Rechtsextremismus“ begann mit einem Quiz: Im Raum hingen verschiedene Zitate und wir mussten sagen, ob dies von einer rechtsextremen Gruppierung oder aber von Naturschützer_innen geäußert wurde. Die Aufgabe gestaltete sich schwieriger als erwartet: Wer hätte gedacht, dass die NPD in ihrem Parteiprogramm den Schutz der Natur fordert? Nachdem wir auf einige Schlüsselworte hingewiesen worden waren, wurde das Bild aber klarer. Wer nicht den Schutz der Umwelt, sondern den Schutz „unserer Heimat“ fordert, ist rechtsextrem und kein_e Naturschützer_in.

Danach durften wir an einer Podiumsdiskussion teilhaben, bei Bischof Magaard und Päses Dr. Tietze mit Jugenddelegierten über die Umsetzung der Jugendforderungen der letzten Jugendklimakonferenz diskutierten.

Abgerundet wurde der Abend dann durch ein Konzert der Band WIRMASCHINE aus Kiel, bei der sie beispielsweise über das „Heldensein“ sangen.

Der Sonntag begann mit einem Klima-Energizer, der uns darin bestärkte, dass wir alle „Klar zur Wende“ sind. In der letzten Workshopphase ging es für mich dann um „Klimagerechtigkeit“. Angeleitet von Imke Frerichs, Referentin bei Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, simulierten wir ein internationales Gericht, bei dem die verschiedenen Kontinente diskutierten, wie man den Klimaschutz gerecht umsetzen kann und vor allem die finanzielle Belastung durch Klimafolgen aufteilt, um Gerechtigkeit zu schaffen. Wen dieses Thema interessiert, ist herzlich eingeladen, am 21.11. am Seminartag „Demokratie und Nachhaltigkeit“ teilzunehmen, der in Rendsburg stattfindet.

Nach dieser doch recht schwierigen Diskussion kamen wir zur Abschlussgala, bei der der Theaterworkshop sich vorstellte, Musik gemacht wurde und die Delegation, die nach Paris fahren wird, vorgestellt wurden.

Am Ende ihres Songs singt Grauzone „Eisbären müssen nie weinen“. Damit das so bleibt und wir den Klimawandel auf 2° begrenzen können, haben wir am Ende der Konferenz ein Votum abgegeben, das Stellung bezieht zum Klimaschutzgesetz der Nordkirche und das an diese verschiedene Forderungen stellt.

Abschießend bleibt nur zu sagen, dass wir ein spannendes Wochenende zu einem wichtigen Thema verbracht haben, bei dem man viele Gleichgesinnte kennenlernen konnte. Wer Lust bekommen hat, mitzumachen, wer im Einzugsgebiet der Nordkirche wohnt und wem die WWF-Jugend noch nicht genug ist, kann gerne auf klar-zur-wende.net vorbeischauen und Teil unserer Community werden.

Bilder:

Titelbild und Bild 6 http://jupfa.koppelsberg.eu

Bild 1, Bild 2, Bild 5 Jakob Thoböll

Bild 3 Rebecca Morsch

Bild 4 Christian Landmann

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
05.11.2015
JohannaKaucher hat geschrieben:
Das klingt, als hättet ihr viel Spaß gehabt und auch viel gelernt. Besonders über Eisbären.
03.11.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Super Artikel. Das klingt nach einem spannenden Wochenende. Jetzt kann ich mir endlich auch mehr darunter vorstellen, schließlich hattest du beim 2°Campus ja schon ein Klar-zur-Wende-T-Shirt an :)
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