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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Vom Aschenputtel zur Prinzessin?


von Franzi
11.09.2013
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Es klingt fantastisch, es klingt absurd, es klingt als könnte es alle unsere Probleme auf einen Schlag lösen. Allein die Vorstellung ist utopisch. Und doch ist es Realität.

Die Rede ist von einer neuen Technologie, welche dem all so verhassten Klimakiller Kohlendioxid einen neuen Nutzen abringen kann. Konkret wird dabei CO2 in Plastik oder in Treibstoff umgewandelt. Was für ein Gedanke! Noch immer pustet die Menschheit unglaubliche 35,6 Milliarden Tonnen an CO2 pro Jahr in die Luft und es wird jedes Jahr mehr. Die Möglichkeit, diese enormen Mengen an Gas stattdessen zu nutzen, sie produktiv einzusetzen statt in die Atmosphäre zu entlassen, klingt da sehr verlockend. “Kohlendioxid könnte Erdöl als Rohstoff ersetzen“, sagt Martina Peters, Chemikerin beim Chemiekonzern Bayer. Als Vorbild dient dabei nichts anderes als die Natur selbst, denn schließlich wandeln Pflanzen das für unser Klima so schädliche Gas jeden Tag hunderttausendfach um und nutzen es für die Photosynthese. Aus einer halben Tonne CO2 kann BASF bereits heute schon eine Tonne Plastik herstellen. Andere Unternehmen nutzen das Gas bereits für die Produktion von Kunstdünger, Nagellack und Treibstoff für Autos. In der EU kam bereits vor 2 Jahren eine Gruppe von Experten zu dem Ergebnis, dass sich schon jetzt ein Zehntel des weltweit ausgestoßenen Kohlendioxids verwenden ließe. Das klingt zwar erstmal nach noch nicht so viel, kann aber ausgeweitet werden.

Doch natürlich - wie sollte es auch anders sein - hat die Sache einen Haken. Denn das CO2 ist keineswegs so begeistert von seiner Umwandlung wie wir. „Kohlendioxid ist energiearm und träge“, sagt Walter Leitner, Chemiker von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Nur mit Hilfe von großer Mengen Energie oder wenn man dem Gas einen reaktionsfreudigen Partner zur Seite stellt, ist es bereit zu reagieren. Ganz klar, dass das die Klimabilanz wieder deutlich verschlechtert. Damit sich die Sache überhaupt noch lohnt und nicht am Ende mehr CO2 entsteht als gebunden wird, braucht das Kohlendioxid einen sogenannten Katalysator. Nach jahrelanger Forschung kam der Chemiekonzern Bayer schließlich auf einen Stoff, der das CO2 aktiviert und es so mit anderen Substanzen zusammen zu Plastik, genauer gesagt Polyurethan, werden lässt. Auf herkömmliche Weise wird dieses Plastik, woraus Dämmmatten und Matratzenschaumstoff entstehen, aus Erdöl gewonnen. Seit Februar 2011 besteht das Polyurethan von Bayer nun schon zu einem Fünftel aus Kohlendioxid. So können die Betreiber von Kohlekraftwerken zu Lieferanten für die Chemieindustrie werden.

RWE hingegen testet ein Verfahren, bei welchen unter Hinzugabe von Wasserstoff das Kohlendioxid zu synthetischem Erdgas wird, welches Häuser beheizen und Autos antreiben kann. Besonders raffiniert an dieser Methode: der benötigte Wasserstoff wird aus der überschüssigen Energie aus Solar- und Windkraftanlagen erzeugt. So dient die Erzeugung des Erdgases auch der Speicherung von überschüssiger, erneuerbarer Energie.

Aber kann diese Methode uns auch wirklich retten? Könnte sie den Klimawandel stoppen und unsere Industrie vor milliardenschweren Umrüstungen bewahren?
Nun, das wohl nicht. Felix Christian Matthes, welcher beim Öko-Institut in Berlin arbeitet, ist skeptisch. Schließlich wird das aus dem CO2 erzeugte Erdgas am Ende auch wieder verbrannt, ebenso wie das Plastik am Ende seiner Lebenszeit. Somit wird das Kohlendioxid genaugenommen eigentlich nur „zwischengespeichert“. Zwar wird das eigentlich benötigte Erdöl eingespart, die nötige Energie einer Umwandlung produziert aber, zumindest noch, auch wieder viel CO2 und ist aufwendig.
Somit lässt sich sagen, dass das CO2-Recyling ohne Frage eine sinnvolle Technologie ist, welche weiterverfolgt werden sollte. Aber dass sie nun alle unsere Probleme löst ist übertrieben. Sie kann einen kleinen Beitrag leisten, auf dem Weg hin zu einer sauberen und nachhaltigen Industrie und Produktion. Denn das sollte auf jeden Fall weiter unser Ziel sein.

 

Quelle: DIE ZEIT WISSEN Nr. 5 S. 92 ff.

Bildquelle: © Douglas Robertson / WWF

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Kommentare (12)
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14.01.2014
safetheanimals hat geschrieben:
das co2 zu benutzen ,und dabei noch mehr co2 zu produzieren ist sinnlos. andererseits: wenn es Erdöl wirklich ersetzen kann dann ist das sehr gut um den Rest Erdöl den wir noch haben in ruhe zu lassen
12.01.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
12.01.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
16.09.2013
Morgentau hat geschrieben:
Ich finde auch, dass diese Umwandlung von CO2 nur eine Zwischenlösung ist. Natürlich ist es sehr gut und dringend nötig, zu forschen, aber wir sollten jetzt, am Anfang der Energiewende, nicht ganz zurückgehen. wie Jonas_Kittel schon sagt: Irgendwann sind wir sonst darauf angewiesen.
13.09.2013
Animalfriend hat geschrieben:
Interessanter Bericht, ich denke auch, dass sich da noch weiter forschen lässt ;)
12.09.2013
Jonas_Kittel hat geschrieben:
Hallo Franzi,

Was du hier anbringst ist großteils richtig. CO2 ist ein riesen Problem und sollte angegangen werden. Und das CO2 raus zu filtern ist sicher auch kein schlechter Weg. Aber wir auch unten schon angeführt wird wäre es Sinnvoller, gar nicht erst CO2 zu erzeugen. Denn wenn die Menschheit jetzt auf das CO2 als "Rohstoff" setzt, haben wir letztendlich das Problem, dass wir die Braunkohlekraftwerke, die ja zum großen Teil am CO2 Ausstoß beteiligt sind irgendwann gar nicht mehr abschalten können, weil wir auf das CO2 angewiesen sind. Und dann muss das CO2 künstlich durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe hergestellt werden. Das wäre sicherlich der Falsche Weg. Und abgesehen von den Zukunftsproblemen ist es immer noch sehr schwer, CO2 aus der Abluft heraus zu filtern. Du sprichst einen Wirkungsgrad von gerade einmal 10% an. Diese 10% stehen in meinen Augen nicht in einem Kosten/Nutzen- Verhältnis und ich gehe einmal davon aus, dass die Industrie auch so denkt. Sonst wären ja solche Anlagen schon viel mehr in Betrieb.

Die Methanisierung, die du ansprichst ist in meinen Augen auch ein guter Weg heraus aus unserem Energieproblem, aber nur, wenn SOWOHL das H2 als auch das CO2 klimaneutral hergestellt werden, was momentan bereits möglich ist!
Was bringt es uns, Wasserstoffautos zu fahren, wenn 95% des derzeit erhältlichen Wasserstoffs aus Methan gewonnen wird? Man denkt, man täte etwas gutes für die Umwelt, tut es aber nicht. Regenerativ hergestelltes Methan hätte eben auch den Vorteil, dass es gut zu speichern wäre, dass man in Stoßzeiten die Spitzenströme auffangen könnte und auch gleichzeitig regenerativ heizen könnte. (durch dezentrale Blockheizkraftwerke im Keller)

Ich denke, ein Umdenken in der Politik wäre von Nöten. Man muss möglichst bald eine Lösung für unser Energieproblem finden. Und da sollte es nicht an den Kosten scheitern, denn diese sind im Vergleich zu den Kosten für die Atomendlagerung verschwindend gering.
11.09.2013
Nick97 hat geschrieben:
mittelfristig ein lösungsansatz langfristig sollte ddeutschland jedoch auf 100% erneuerbare setzen, sodass diese enormen mengen gar nicht erst entstehen
11.09.2013
Eli98 hat geschrieben:
Klingt auf jeden Fall spannend. Vielleicht wird ja noch etwas gefunden, wenn weitergeforscht wird, sodass diese Entdeckung der Umwelt mehr hilft. Die Bäume kriegen das mit der Umwandlung ja auch hin.
11.09.2013
Jayfeather hat geschrieben:
das klingt echt interessant.
Man sollte nur nciht auf den Gedanken kommen, dass Plastik dann aufeinmal besser ist,wenn es aus CO2 "gebaut" ist
11.09.2013
SarahU hat geschrieben:
Ich finde den Artikel auch sehr interessant!!!
Vielen Dank! ;)
11.09.2013
Sandsturm hat geschrieben:
Ein sehr informativer Artikel. Danke!
11.09.2013
LSternus hat geschrieben:
Interessant, ich hatte auch schon mal davon gehört.
Eine Firma in Südamerika verwendet bereits ihr CO2.
http://www.youtube.com/watch?v=jx4qpgr5yYQ
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