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UN-Klimakonferenz in Mexiko (V): Hoffnungsschimmer statt Bauchlandung


von JohannesB
13.12.2010
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Noch Stunden vor Abschluss der 16. UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún sah es nach der erwarteten Enttäuschung und einem neuerlichen herben Rückschlag für den Klimaschutz aus.
In einer stundenlangen und nervenaufreibenden Schlusssitzung gelang es dann aber am Samstagmorgen (Ortszeit) doch noch, einen Kompromiss zu finden. Alle teilnehmenden Staaten mit Ausnahme von Bolivien stimmten schlussendlich dem Abschlussdokument zu.

Ein Überblick über die zentralen Beschlüsse von Cancún:

- Allgemein bekräftigt die Weltgemeinschaft das Ziel, die Klimaerwärmung auf 2° Celsius zu begrenzen. Generell bekennen sich die Staaten zur allgemeinen wissenschaftlichen Meinung, wonach die Erderwärmung „sehr wahrscheinlich“ auf die menschengemachten Treibhausgas-Emissionen zurückzuführen ist.

- Ausstoß von Treibhausgasen: Zwar wird die Aufforderung des Weltklimarats IPCC, wonach die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 25-40% verglichen mit dem Jahr 1990 gesenkt werden müssen von den Industrieländern akzeptiert. Konkrete und länderspezifische Minderungsziele sollen aber erst auf der nächstjährigen Klimakonferenz in Südafrika ausgehandelt und beschlossen werden. Einstweilen wird die Staatengemeinschaft aufgefordert, die jeweiligen Klimaschutzbemühungen zu forcieren und an die Vereinten Nationen zu melden.
Auch über eine Fortsetzung des Kyoto-Protokolls soll erst in einem Jahr entschieden werden. Dann allerdings drängt die Zeit denn die erste Kyoto-Vertragsperiode endet 2012 und ein neues Abkommen müsste erst von allen Staaten z.B. in den nationalen Parlamenten ratifiziert werden.

- Schutz der Wälder: Im Rahmen des sog. REDD-(Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) Programms werden die Entwicklungsländer dazu aufgefordert, Wälder zu erhalten und so CO2-Emissionen durch Entwaldung zu minimieren. Von den Industriestaaten sollen im Gegenzug finanzielle Hilfen zur Verfügung gestellt werden. Entgegen den recht optimistischen Einschätzungen während der Konferenz konnten hier am Ende doch keine weitreichenderen Beschlüsse getroffen werden.

- Finanzen: In Cancún wurde beschlossen, einen „Green Climate Fund“ einzurichten. Um Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren, sind ab 2020 jährliche Zahlungen von 100 Milliarden US-Dollar geplant. Die Gelder sollen von den Industrieländern für die Entwicklungsländer kommen und zunächst von der Weltbank, später dann von einem international besetzten Gremium verwaltet werden.

- Anpassung: Jedes Land wird aufgefordert, jeweils eine nationale Anpassungsstrategie für wärmere Temperaturen zu erarbeiten. Allerdings sollen die Anpassungsmaßnahmen international koordiniert werden und Entwicklungsländern werden Hilfen in Aussicht gestellt, um den Folgen des Klimawandels begegnen zu können.

War der Gipfel nun ein Erfolg und wie geht’s jetzt weiter?

Angesichts der verfahrenen Situation nach dem desaströsen Scheitern der letztjährigen Konferenz in Kopenhagen zeigen sich Politiker und Umweltverbände mehr oder weniger zufrieden mit den Ergebnissen aus Cancún.
Nach wie vor reichen die Beschlüsse noch lange nicht aus, um die Klimaerwärmung auf die anvisierten 2 oder sogar 1,5 Grad zu begrenzen und viele Fragen blieben in Cancún ausgespart oder unbeantwortet. Dennoch wird es als Hoffnungsschimmer gewertet, dass die teilnehmenden Staaten in gewissem Umfang Einigungswillen bewiesen haben und so den internationalen Klimaschutz nicht in eine noch tiefere Krise gestürzt haben.
Vom 28. November bis 9. Dezember 2011 soll im südafrikanischen Durban ein weiterer Versuch unternommen werden, einen neuen Klimavertrag zu verabschieden. Mindestziel für das kommende Jahr soll sein, rechtsverbindliche Minderungsziele für den Ausstoß von Treibhausgasen festzulegen.

Die WWF-Jugend wird den Klimaprozess natürlich weiter kritisch und aufmerksam begleiten. Dabei hoffen wir auf Eure Unterstützung, schließlich wollen wir uns auch mit eigenen Aktionen für den Klimaschutz stark machen. Wenn es also neue Entwicklungen und/oder Aktionen gibt, erfahrt ihr das hier auf wwf-jugend.de.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die meine Berichtreihe zur diesjährigen Klimakonferenz verfolgt haben. Ich hoffe, ihr habt Euch gut informiert gefühlt und freue mich immer über Kritik und Anregungen zu meiner Arbeit als WWF-Klimabotschafter!

 

Auf dem Foto: Kabinen der Simultandolmetscher auf der Klimakonferenz in Posen 2008

 

Quellen:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/cancun-klimagipfel-inhalte, http://www.tagesschau.de/ausland/cancun154.html, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734120,00.html, http://www.tagesschau.de/ausland/cancun152.html, http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_6320316,00.html, http://www.wwf.de/presse/details/news/wwf_zu_den_ergebnissen_von_cancun_es_geht_also_doch/

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Kommentare (4)
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14.12.2010
JohannesB hat geschrieben:
@Peet: Dass die USA und China diesesmal nicht die Abweichler waren liegt wohl daran, dass der gefundene Kompromiss ihnen (noch) wenig Konkretes und Verbindliches abverlangt. @midori: Ja, die Rolle von Bolivien war etwas seltsam, jetzt wollen sie sogar gegen den gefundenen Kompromiss vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag klagen ... Und beim Einfluss von Geld wäre ich etwas optimistischer. Klar ist der Schwarzmarkt und Betrug mit Klimageldern eine Gefahr, die vertraglich soweit wie möglich erschwert werden sollte. Aber ich glaube mit genug Geld lässt sich da schon was erreichen. @Stoffie, midori und Peet: Danke für das Lob, hat großen Spaß gemacht zu berichten :D
13.12.2010
Stoffie hat geschrieben:
danke für diesen tolle berichtreihe :)
endlich gab es mal ein ergebnis in cancún!
13.12.2010
midori hat geschrieben:
Endlich! Schöne Berichtreihe! :o) Und sogar ein zufriedenstellendes Ergebnis! :o) Das freut natürlich. Ich musste ein wenig schmunzeln, als ich im Radio gehört habe, dass Bolivien die Klimaziele nicht weit (!) genug gingen und sie deshalb ihre Unterstützung abgelehnt haben. Sachen gibts. Nun ja.. Fakt ist aber auch, dass ein Haufen Geld den Klimawandel nicht stoppen oder vermindern wird. Was bringt es denn, wenn die Entwicklungsländer ihre Wälder zu erhalten versuchen, aber reiche Europäer und Amerikaner ihre Edelholzterasse wollen? Dann geht der Spaß auf dem Schwarzmarkt weiter..
13.12.2010
Peet hat geschrieben:
Vielen Dank für die tolle Berichterstattung! :)

Ich bin froh, dass es doch noch zu einem Kompromiss kam, wenn man Bolivien außen vor lässt! Mich wundern die USA und China. Warum sind es nicht diese beiden, die dagegen ankämpfen? Aber ok, da können wir doch froh sein. Die nächste Konferenz wird dann zeigen, was sich ändern wird. Die Welt und die Menschen oder nur die Welt?
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