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UN-Klimakonferenz in Mexiko (IV): Noch 3 Tage um das Ruder herumzureißen


von JohannesB
07.12.2010
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Drei Verhandlungstage stehen bei der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún noch aus. Es werden die drei entscheidenden Tage dieser Konferenz werden. Denn nun sind die Umweltminister und zum Teil auch die Staatschefs zur Konferenz angereist und übernehmen persönlich die Verhandlungsführung.
Die Chancen, dass bei der Konferenz die dringend benötigten Fortschritte für den Klimaschutz erreicht werden, sind weiterhin ungewiss. Beobachter loben zwar die Verhandlungsführung der mexikanischen Gastgeber, sehen aber noch keine Anzeichen für einen Durchbruch.

Große Differenzen über Kyoto-Nachfolge

Zentraler Streitpunkt ist die Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll. In diesem Protokoll hatten sich alle Industrieländer bis auf die USA erstmals zur Begrenzung ihrer CO2-Emmissionen verpflichtet. Nun wird in Cancún darüber diskutiert, wie es nach 2012 weitergehen soll.
Die Schwellen- und Entwicklungsländer machen sich für eine Fortführung des Kyoto-Vertrags stark und wollen selbst kaum oder gar keine verbindlichen CO2-Obergrenzen akzeptieren. Schließlich gehe ein Großteil der menschengemachten Klimaveränderung auf die westlichen Industriestaaten zurück und nun müssten deshalb diese Länder Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen. Zugleich hätten Entwicklungs- und Schwellenländer ein Recht darauf, ihre Wirtschaft aufzubauen ohne strengen CO2-Vorgaben unterworfen zu sein.
Auf der anderen Seite pochen besonders Japan, Kanada und Russland darauf, künftig auch den aufstrebenden Entwicklungs- und Schwellenländern, allen voran China, verpflichtende CO2-Ziele vorzugeben. Die Industrienationen fürchten Wettbewerbsnachteile durch einseitige Verpflichtungen und sehen nur dann die Chance, den Klimawandel auf 2 ° Celsius zu begrenzen, wenn alle Staaten mit einbezogen würden. Schon jetzt ist China der weltweit größte Verursacher von CO2 und löste damit die USA von ihrer unrühmlichen Spitzenposition ab.
Christina Figueres, Leiterin des UN-Klimasekretariats, sprach gestern ernüchtert von „diametral gegensätzlichen“ Positionen und auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) äußerte sich in einer ersten Stellungnahme vor Ort skeptisch: „Das Risiko des Scheiterns besteht“.

Vorsichtiger Optimismus beim Waldschutz

Wahrscheinlicher als eine Einigung auf einen Kyoto-Nachfolgevertrag scheint unterdessen ein Abkommen zum Schutz der Wälder.
Grundgedanke der REDD („Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“) –Politik ist, Staaten dafür finanziell zu belohnen, dass sie ihre bislang erhaltenen Urwaldgebiete auch weiterhin nicht roden.
Der Waldschutz ist insofern für den Klimaschutz von großer Bedeutung, als dass große Baumbestände bedeutende Kohlenstoff-Mengen binden können und so verhindert wird, dass CO2 in die Atmosphäre gelangt und unser Klima weiter aufheizt.
Auch im Bereich der Walderhaltung sind zwar noch wichtige Fragen zu klären. So zum Beispiel wer wie viel zur Finanzierung des Programms beitragen muss und auch wie verhindert werden kann, dass die Zahlungen missbraucht und am Ende gar kein klimarelevanter Wald erhalten wird.
Dennoch zeigen sich Verhandlungsdelegationen und Beobachter zuversichtlich, dass zumindest auf diesem Teilgebiet ein wichtiger Schritt nach vorne getan werden kann.

Es sind also durchwachsene Aussichten auf die letzten Tage der diesjährigen UN-Klimakonferenz. Zu befürchten steht eine ähnliche Schlappe wie 2009 in Kopenhagen. Auf der anderen Seite besteht aber auch noch die Hoffnung, dass in manchen Fragen echte Fortschritte für das Klima erzielt werden können.

Wieder ein dramatisches Konferenzfinale?

Es bleibt spannend und möglicherweise stehen den Konferenzteilnehmern auch wieder turbulente und emotionale Schlusssitzungen bevor. Ähnlich wie in folgendem CNN-Video von 2007.

Damals beschuldigte erst der chinesische Vertreter den damaligen UN-Klimachef de Boer, die Verhandlungen unsachgemäß geführt zu haben. Dann kündigten die USA an, die vorgeschlagenen Formulierungen nicht mittragen zu wollen und zogen so den Unmut vieler anderer Delegationen auf sich. Höhepunkt der spektakulären Minuten war daraufhin die Aufforderung des Vertreters von Papua-Neuguinea an die USA, zu führen oder zumindest einem Abkommen nicht mehr im Weg zu stehen.

Ob es auch in Cancún große Entscheidungen oder zumindest ähnlich heftige Debatten geben wird, erfahrt ihr natürlich weiterhin hier auf wwf-jugend.de!

 

Auf dem Foto: Die 14. UN-Klimakonferenz im polnischen Posen 2008.


Quellen:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,733204,00.html
http://www.handelsblatt.com/technologie/energie-umwelt/klimakonferenz-in-cancun-umweltminister-roettgen-haelt-scheitern-fuer-moeglich;2707611
http://www.stern.de/news2/aktuell/kein-durchbruch-vor-endphase-der-un-klimakonferenz-in-sicht-1631924.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,733008,00.html
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1079030


Videoquelle: http://www.youtube.com/watch?v=C1fwrWc-g_A&playnext=1&list=PLC2E0D635550CE9C8&index=5
 

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Kommentare (7)
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08.12.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Stoffie:
Die "Macht ihr mal"-Mentalität scheitert ja seit Jahren, da hast Du Recht. Deshalb muss sich jetzt mal eine Seite bewegen und die andere mitziehen.
Klar ist es langfristig günstiger, schon jetzt auf klimafreundliches Wirtschaften zu achten, aber so nachhaltig denken halt leider noch zu wenige ... Und ja, Arschtritte wären da massenhaft nötig bei solchen Konferenzen ;) Danke für das Lob, übrigens! :)

@ Midori:
De Boer war ein super UN-Klimachef. Leider ist er mittlerweile zurückgetreten. Ihm damals solche Vorwürfe zu machen war echt ein lachhafter Versuch vom eigenen Versagen abzulenken. De Boer hat sogar bei unserer GreenFinger-Kampagne mitgemacht: http://mygreenfinger.org/site/details/9795 :D
08.12.2010
midori hat geschrieben:
Da fällt mir ein.. Der UN-Klimachef de Boer tut mir so leid! Wie gemein, dass sie ihn so piesacken. Der hat sich bestimmt voll Mühe gegeben! Und dann weint er sogar! *_____*
08.12.2010
Stoffie hat geschrieben:
alles schön immer auf andere schieben. damit kommt keiner weiter wenn jeder sagt: "macht ihr mal!" ich glaube den herren und die damen die nichts machen wollen soll man mal bitte kräftig mit dem hammer vor den kopf hauen. eventuell würden sie dann merken das ALLE menschen was machen müssen und nicht immer nur die "anderen".

ich finde die entwicklungs/schwellen länder sollten sich wenigstens begrenzt am klimaschutz beteiligen. sagen wir mal es müssten zum beispiel später alle fabriken klimafreundlich umgebaut oder vllt. sogar stillgelegt werden wäre das dann nicht viel teuerer?

zu dem video:
manchmal müssen warscheinlich erst harte worte gesprochen werden womit man andere mal in den arsch tritt, kann es sein?

@ johannes: danke für den tollen bericht :)
08.12.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Midori:
Oh ja, das muss rein in den Schädel ;) Funktioniert aber wohl nur, wenn die Industrieländer endlich mal mutig vorangehen und so beweisen, dass Klimaschutz notwendig und langfristig vorteilhaft ist.
08.12.2010
midori hat geschrieben:
@Johannes: Eben das müssen die Entwicklungs- und Schwellenländer begreifen. Das es mehr Zukunft hat, wenn man schon jetzt zu Beginn in klimafreundliche Produktion investiert. Das muss in ihren Schädel! Komme was wolle! öO
08.12.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Midori:
Das finde ich generell auch nachvollziehbar, dass sich die Entwicklungs- und Schwellenländer ihren Aufschwung nicht durch Klimaschutz kaputtmachen lassen wollen. Die Haupverantwortung liegt nun mal bei den Industrieländern, deshalb müssen die jetzt auch am meisten tun. Aber ohne die Entwicklungs- und Schwellenländer wird's nicht gehen, dafür sind sie jetzt schon zu bedeutend.
"Zu Klimapolitik ist ein Luxus": Das ist natürlich erstmal richtig, erst wenn es einem Land gut geht, dann kümmert es sich um Umweltprobleme. Nur, wenn ist Klimaschutz nun mal kein Luxus, sondern dringende Notwendigkeit, wenn man auch in Zukunft Wohlstand und Frieden haben will. Langfristig zahlen sich ja Investitionen in Klimaschutz auch ökomisch aus. Länder, die jetzt die Trends verschlafen, werden das später bereuen.
08.12.2010
midori hat geschrieben:
Es war voraussehbar, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer sich ihren Fortschritt nicht nehmen lassen würden. Und ich kann es ehrlich gesagt auch nachvollziehen. Klimapolitik ist ein Luxus. Um Klima kann man sich dann kümmern und Sorgen machen, wenn es den Menschen im Land gut geht. Keine Frage, dass Klimapolitik bei den Entwicklungs- und Schwellenländern hinten ansteht. Wenn nur die Industrieländer einsehen würden, dass die CO2 Grenze auch etwas bringt, wenn sie noch nicht von allen Ländern eingeführt wird. Einer muss eben den Anfang machen. Und dann müssen eben Wege und Lösungen gefunden werden, die die Wirtschaft dennoch am Leben erhalten. Ebenso sollten die Entwicklungs- und Schwellenländer eben versuchen, gleich von Beginn an umweltfreundlich zu produzieren. Aber solange man sich benimmt wie im Kindergarten und jeder auf sein Recht pocht, wird das nun mal nichts. Ich bin dennoch zuversichtlich! :)

@Johannes: Danke für Deine unermüdliche Berichterstattung! :)
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