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UN-Klimakonferenz in Mexiko (III): Junge Aktionen gegen alte Ideenlosigkeit


von JohannesB
03.12.2010
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Die Rolle der Jugend auf der Klimakonferenz

Je länger die UN-Klimakonferenz in Cancún läuft, desto entscheidender werden die Gesprächsrunden und Sitzungen. Und etwas überspitzt formuliert: desto älter werden die Leute, die in die Mikrofone sprechen. Nun ist es zwar nicht so, dass die Beschlüsse von einem Altersheim-Stammtisch mit greisen und gebrechlichen Rentnern getroffen werden. Aber gerade bei einem Thema mit langfristigen Auswirkungen wie dem Klimawandel kann das Alter der Entscheidungsträger doch Fragen aufwerfen. Schließlich werden die meisten Delegierten die fatalen Folgen, die sie möglicherweise mit ihrem Nichtstun heraufbeschwören, wahrscheinlich gar nicht mehr erleben.

Damit auch die Interessen der jungen Weltbevölkerung und künftiger Generationen Gehör finden, reisen Jahr für Jahr auch viele junge Aktivisten zu den Klimakonferenzen. Zwar kommt in das riesige Konferenzzentrum nur herein, wer eine Akkreditierung besitzt und sich einem Sicherheitscheck wie am Flughafen unterzieht, aber dank einiger Nichtregierungsorganisationen wird es auch manch jungen Menschen ermöglicht, als „Observing Delegate“ an der UN-Klimakonferenz teilzunehmen.

Mittlerweile sind die jungen Konferenzbeobachter zu einer festen Größe bei den Klimagipfeln geworden. Engagiert tauschen sie sich in bunt zusammengesetzten Arbeitsgruppen über nationale Klimaschutz-Aktionen aus, setzen sich mit den aktuellen Konferenz-Ergebnissen auseinander oder debattieren darüber, wie man die Aufmerksamkeit der Politiker auf die Interessen der Jugend lenken könnte.

Wer sich nun allerdings vorstellt, dass die jungen Leute nur zum Gipfel fahren, um mal eben 2 spaßige Wochen zu erleben, hat ein falsches Bild. Klar, auch der Spaß kommt in so einem aufregenden Umfeld mit vielen spannenden Leuten nicht zu kurz. Aber wer mitreden und verstehen will, muss sich zunächst ein wenig in die Materie einarbeiten. Man besucht also beispielsweise wissenschaftliche Vorträge, die im Rahmen der Konferenz vielfach angeboten werden oder man versucht, sich einen Weg durch den Abkürzungswirrwarr zu bahnen. Von CMP über GHGS bis hin zu UNFCCC gibt es Dutzende Abkürzungen, die einem Klima(-konferenz)-Laien wenig sagen. Das offizielle Programm und die Sitzungen sind aber gespickt mit den zum Teil schwer aussprechlichen Kunstwörtern. Anbei ein nicht ganz ernst gemeintes Video aus Cancún:

Junge Aktivisten der „UK Youth Climate Coalition“ (UKYCC) führen hier mit einem Schuss Ironie in einer knappen Minute vor, welch absurde Züge die Abkürzungsflut annehmen kann. Mancher Konferenzteilnehmer verkürzt in der Hektik des Gipfels auch schnell mal seinen alltäglichen Sprachgebrauch auf unverständliche Kurzbegriffe oder überspielt Müdigkeit und Stress mit schauspielerischen Einlagen …
Am Video bemerkt ihr zugleich noch etwas: da es sich bei einem UN-Klimagipfel um eine internationale Veranstaltung handelt, sind Englisch-Kenntnisse von großem Vorteil. Die meisten Veranstaltungen und Diskussionen laufen auf Englisch ab, zugleich wird in den großen Sälen auch in Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und Arabisch übersetzt.

Es gibt aber eine Sprache, die jeder versteht: mit eindringlichen Aktionen versuchen auch in Mexiko wieder viele junge Menschen, den Politikern klar zu machen, dass die Zeit drängt und künftige Generationen schnelle und mutige Entscheidungen brauchen.

Aktuell: Japan irritiert und Wetterdaten sprechen deutliche Sprache

Nach diesen Hintergrundinformationen gibt es natürlich auch wieder Aktuelles zur 16. Klimakonferenz. Leider sind es heute keine erfreulichen Neuigkeiten.

Zum einen ließ die Japanische Delegation verlauten, sie halte es für „sinnlos“, ein neues Klimaabkommen ohne die größten Treibhausgas-Erzeuger USA und China zu schließen. Zwar kommt diesen beiden Staaten in der Tat eine gewichtige Rolle beim internationalen Klimaschutz zu (siehe dazu mein letzter Artikel: http://www.wwf-jugend.de/entdecken/klima/artikel/un-klimakonferenz-in-mexiko-ii-bewegen-sich-usa-und-china-endlich-aufeinander-zu;2001), dennoch dürfen sich andere große Industrienationen wie Japan nicht mit dem Verweis auf die beiden „Mega-Bösen“ dem Klimaschutz verweigern. Erstaunt und verärgert wurde Japans Äußerung dementsprechend weltweit von Politik und Umweltverbänden kritisiert.

Die zweite Meldung des Tages zeigt wieder einmal, wie drängend der Klimaschutz angepackt werden muss. Nach Daten der World Meteorological Organization (WMO) wird das Jahr 2010 weltweit mit einiger Wahrscheinlichkeit eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Messdaten seien auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen, so WMO-Chef Michel Jarraud. Auch mit dem Hinweis, dass das nun bald endende Jahrzehnt das wärmste aller Zeiten sei, mahnte der Experte zu aktivem Klimaschutz.


Angesichts dieser besorgniserregenden Wetterdaten wäre ein Fortschritt in Mexiko natürlich umso dringlicher. Wenn sich also etwas tut, erfahrt ihr das hier auf wwf-jugend.de!

 

Quellen: http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE6B203Y20101203, http://diepresse.com/home/panorama/klimawandel/615329/Bewegung-beim-Klimagipfel-in-Cancn

Videoquelle: http://www.youtube.com/watch?v=9jtzbMY4UTw

Auf dem Bild: Eine internationale Gruppe junger Konferenzteilnehmer zieht auf der 14. UN-Klimakonferenz in Posen die Blicke auf ihr Anliegen.

Wer am Wochenende viel Zeit hat, findet unter http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,664307,00.html eine Übersicht der gängigen Abkürzungen auf den Klimakonferenzen.

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Kommentare (8)
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05.12.2010
Peet hat geschrieben:
@midori und Johannes: Oh Gott, was wird aus mir? ;)
04.12.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Finde ich sehr gut, dass sich junge Menschen so einsetzten. Aber dass mit Japan...nun gut, wundern tut`s mich nicht. Aber es ist doch immer sehr ärgerlich.
04.12.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Lunamond: Du hast Recht. "Wird" ist da vielleicht nicht die beste Formulierung. Vielleicht stattdessen "2010 ist auf dem bestem Wege als eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte einzugehen." Und danke ;)


@ Midori: Ein so früher und massiver Wintereinbruch mit dieser Kälte, wie wir ihn in den letzten Tagen erlebt haben, ist natürlich ungewöhnlich. Und auch dass es in Israel seit Wochen staubtrocken ist und es an der Adria heftig regnet sind Extremwetterereignisse. Nun kann man zwar nicht solche einzelnen außergewöhnlichen Wettergeschehen direkt auf die Erderwärmung zurückführen, generell ist es aber wissenschaftlicher Konsens, dass sich mit fortschreitendem Klimawandel solche Extremwetterereignisse mehr und mehr häufen werden. Diese Zunahme lässt sich auch jetzt schon beobachten. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Versicherungen von Mehrkosten in Milliardenhöhe ausgehen, wenn der Klimawandel voran schreitet.
04.12.2010
midori hat geschrieben:
@Peet: Johannes hat recht! xD

@Johannes: Ich habe mich gestern gefragt, ob es wohl auch eine Folge des Klimawandels ist, dass wir und Polen derzeit unter Schnee begraben sind, während es in Israel brennt und Kroatien überflutet ist. Das ist schon alles sehr extrem oder?
04.12.2010
Lunamond hat geschrieben:
kurze frage, wieso "wird" 2010 eines der wärmsten jahre seit menschen gedenken!?
istn doch schon vorbei!? ;D

anbei riesen kompliment! sehr toller bericht.
03.12.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Midori: Dankeschön! Es war schon einigermaßen überraschend, dass sich Japan so klar gegen ein Abkommen ohne USA und China positioniert. Vielleicht ist es ehrlich, hilfreich ist es aber sicher nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Und es ist eben keine Linie, an der sich andere Staaten ein Vorbild nehmen sollten.

@ Peet: Ebenfalls Danke! Du klingst schon nach 3. Tagen sehr nach Marcel ;)
03.12.2010
Peet hat geschrieben:
Top! Weiter so und vielen Dank für die Berichterstattung! ;)
03.12.2010
midori hat geschrieben:
Schöner Bericht und sehr unterhaltsames Video! Es wundert mich nicht, dass Japan solche Schlussfolgerungen zieht. Dann liegt die Schuld wenigstens nicht bei ihnen. Aber ich schätze, das würde auch jedes andere Land so machen.. Traurig.
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