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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Umweltschutz über den Tod hinaus – mit der ökologischen Bestattung


von Maide
27.02.2010
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Wohin mit dem Körper nach dem Tod?


In einen Sarg? Oder lieber in eine Urne? Oder doch lieber in Form von Pulver durch Stickstoffgefrieren als Dünger für Pflanzen


In Zeiten des Lebens versucht der ökologische Mensch sein Handeln so umweltbewusst wie möglich zu halten. Wieso dann nicht auch zu Sterbenszeiten? Durch neue und moderne Möglichkeiten der Bestattungen lässt sich ein Leichnam von der Natur leichter zersetzen. Manche dieser Methoden hören sich bizarr an, aber sie sich es des Hörens wert.


Die ganz klassische Bestattung im Sarg kann zum Beispiel ökologisch aufgepeppt werden, indem man statt einem massiven Holzsargs einen aus geflochtenem Korb nimmt, oder sich einfach einen selber aus Pappe zusammenbastelt (Wie ihr euren eigenen Papp-Sarg bastelt, könnt ihr hier lesen). Der Vorteil daran: Es ist günstiger, umweltschondender, da ein Papp-Sarg keine Plastikteile oder chemischen Kleber besitzt wie beim Holzsarg, und dieser auch innerhalb von drei Monaten komplett biologisch abgebaut ist.


Falls die Beisetzung dann aber im Regen stattfindet, macht der Papp-Sarg keine gute Figur…


Alternativ zur Urne bietet das ökologische Bestattungsinstitut auch Öko-Urnen aus Bambus, Glas oder Keramik an.


Bei der Öko-Bestattung wird außerdem auf das Einbalsamieren des Leichnams verzichtet.     Wieso?

Weil das Formaldehyd, das zum Blasamieren in die Venen und Arterien des Leichnams gespritzt wird, ein krebserregender Stoff ist, der bei der Verwesung der Leiche in der Erde in unser Grundwasser gelangen kann. Statt der altmodischen Einbalsamierung kann man durch eine einfache Kühlung oder durch Behandeln mit Trockeneis denselben Effekt bekommen.


Aufgrund der Öko-Bilanz wird bei der Öko-Bestattung auch auf große Marmorsteine verzichtet, deren Herstellung und Transport viel Energie kosten. Genauso verständlich ist auch der Verzicht auf einen großen Leichenwagen und das Bevorzugen von Hybrid-Leichenwagen.

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Klassische Friedhöfe. Alles zubetoniert und voll mit schwer zersetzbarem Mamor

 

Was für andere Möglichkeiten der Bestattung gibt es?


Zwei neue Arten der Beisetzung sind im Kommen:


Die Promession und die alkalische Hydrolyse


Bei der aus Schweden stammenden Promession handelt es sich um Gefriertrocknen mithilfe von flüssigem Stickstoff, welches eine Temperatur von fast -200°C beträgt. Der Leichnam wird damit begossen und anschließend durch Vibrationen zum Pulverisieren geziert. Das dabei entstehende Menschen-Pulver kann dann auch in eine Art Urne aus Kartoffel- oder Maisstärke beisetzen. Durch diesen Mix erfolgt eine komplette Zersetzung schon innerhalb eines Jahres. Außerdem kann man das Menschen-Pulver prima als Dünger benutzen. Wenn man also eine Pflanze direkt über dem ‚Grab‘ des Verstorbenen pflanzt, stehen die Chancen gut, dass diese auch schön gedeiht.


Die in den USA bereits für Tierkadaver, aber seit 2007 auch bei tausenden von Menschen, eingesetzte alkalische Hydrolyse lässt Leichname durch Laugen zersetzen. Dafür gelangt diese in ein auf 150°C erhitzen Edelstahltank und werden dann unter sehr hohem Druck durch Hinzugabe von Laugen bis auf einige Knochenreste zersetzt. Dieser Prozess wird von vielen Wissenschaftlern als besonders Umweltfreundlich bezeichnet.

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So sehen sie besser aus. Grün und ohne unnötige Verziehrungen


Beide neuen Bestattungsarten sind nicht teurer als die altmodischen Bestattungen, ihnen fehlt es nur an Akzeptanz.


Kritik mussten diese neuen Arten der Bestattung daher auch einstecken. Vor allem Geistliche beschweren sich lautstark über die neuen Methoden, da, ihrer Meinung nach, „dieser Prozess, der es ermöglicht, Teile des menschlichen Körpers den Abfluss hinunter zu spülen, unwürdig“ sei, so Patrick McGee, Sprecher der römisch-katholischen Diözese von Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire.


Öko-Bestattungen liegen voll im Trend, aber letztendlich ist es jedem selber überlassen, wie er seine letzte Ruhe finden möchte. Trotzallem wäre es schön, nach seinem Tod der Natur wennschon etwas zurück zu geben.
 

Also, wie möchtest DU bestattet werden? Und was meint ihr zu diesen bizarren, aber umweltfreundlichen Bestattungen?

 

Quellen:

http://www.bestattungsinformation.de/index.php?id=621


http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,548662,00.html


http://www.stern.de/wissen/mensch/bestattung-oekologisch-vertraegliche-leichen-520021.html


Geo November ´09/ Januar ´10
 

Bilder:

www.sxc.hu

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Kommentare (10)
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Sortieren nach Aktualität:
01.04.2013
Baerchen hat geschrieben:
Interessantes Thema, aber ob es wirklich umweltfreundlicher ist???
Ich meine z.B. das Gefrieren braucht ja auch viel Energie!!! Aber falls es wirklich umweltfreundlicher ist, bin ich dabei!
01.03.2010
WitchWars hat geschrieben:
hört sich komisch an scheint aber sinnvoll
01.03.2010
Carina hat geschrieben:
Ein sehr interessantes Thema und ein schöner Bericht! Ich habe erst letztens ncoh von einer - wie ich finde - sehr schönen Art der Bestattung gehört. Dabei wird man an den Wurzeln eines Baumes begraben (leider weiß ich nicht mehr, ob mit einem herkömmlichen Sarg oder nicht) und statt eines Grabsteins wird bloß ein kleines Schild am Baum angebracht - natürlich ohne dass der Baum Schaden nimmt. Damit ist der Baum dann gleichzeitig für mehrere Jahrzehnte geschützt. So würde ich auch gerne begraben werden... Aber hoffentlich hab ich noch etwas Zeit bis dahin und bemühe mich lebend noch etwas darum die Natur zu schützen ;P
28.02.2010
KatevomDorf hat geschrieben:
bubby hat recht, warum erst mit dem tod damit anfangen. ich halte es für schwachsinn sich solch einer vergleichsweise komplizierten methode zu bedienen anstatt sich einfach begraben zu lassen. einfach in die erde rein und dann ist vorbei. man sieht ja schon, dass da unten viel passiert, wenn man mal drauf geachtet hat, wie groß der haufen auf einem grab ist direkt nach einer beerdigung. und dann geht doch mal zwei drei monate später gucken. die sache ist fast wieder dem erdboden gleich. und das von ganz alleine. und das nur weil die organischen substanzen zersetzt und dem natürlichen kreislauf in form von anorganischen zurückgegeben werden. toller dünger. was meint ihr, warum auf'm friedhof die blumen immer so toll wachsen.
ich persönlich würde diese "normale" variante bevorzugen. ohbwohl ich hab jetzt auch schjon davon gehört, dass man sich in bestimmten wäldern an nem slebstgewählten baum quasi anonym (ohne grabstein und diesem pi-pa-po) beerdigen lassen kann. ich meine, da erfüllt nam dann den selben zweck: man wird dünger für die pflanzen, die auf einem wachsen...
27.02.2010
LukasH hat geschrieben:
Na dann RIP
einiges ist ja ok aber
manches echt krass
setzen wir uns lieber noch leben für die Natur ein
da können wir mehr erreichen als tot
also euch allen noch ein langes Leben in den ihr noch
viel tun könnt für die Natur
27.02.2010
lou hat geschrieben:
Ich find es sehr wohl wichtig auf so etwas zu achten. Wie viele Menschen liegen wohl schon tot unter der Erde und versiechen da? Es gibt noch eine andere Methode des bestattens. Es ähnelt der Methode aus schweden. der Leichnam wird zusammen mit einem Pulver beerdigt dass die Temeratur rapide sinken lässt, irgentwie platz der Leichnam dann und zerfällt nach und nach, vllt. habe ich aber auch etwas falsch verstanden und es ist die Methode aus schweden :)?!
27.02.2010
Maide hat geschrieben:
@Taki
Die Herzschrittmacher und sonstiges wird wahrscheinlich vorher entnommen. Darüber konnte ich jetzt nichts finden.
Und zu den Stürmen: Das ist kein Gerücht! In meiner Heimatstadt ist das mal geschehen. Eine Überschwemmung hat die ganzen Gräber aufgequirlt, wodurch die Leichen an die Erdoberfläche kamen. Das roch nicht schön und gesundheitliche Probleme brachte es auch mit sich.
Und zu den Friedhofsgärtner. Warum sollen die denn arbeitslos werden? Sie können doch ganz normal weiterarbeiten. Das Menschen-Pulver wird ja nicht einfach weggeschmissen, sondern in einer Öko-Urne vergraben, so wie auch bei normalen Beerdigungen (hier mal ein Link von so einem Grab: http://keetsa.com/blog/wp-content/uploads/2007/10/grave.jpg ). Sie sind halt nur ein wenig kleiner.  
27.02.2010
Taki hat geschrieben:
Hy Maide,

Was ist eigentlich mit Herzschrittmachern und Prothesen und Epitesen. Ich glaube kaum das der Moderne Titan Oder Chirogenstahl 18/10 sich unter den Bedingungen auflösen. Naja mein Schädel wird wohl auch noch erhalten bleiben. Naja das ein Sturm eine Leiche aausden Grab saugt halte ich für ein Gerücht. Denkmal wieviel Tonnen Sand auf dem Sarg lasten. Wenn keine Beerdigungen mahr auf dem Friedhof stadtfinden dann wird er für eine Sehr Lange Zeit zum Park umgewandelt. So entsteht ein Stück Natur zurück. Die Idee mit dem Pulver finde ich gut. Was ich recht pracktisch finde Das Menschenpulver in eine Sanduhr zu tun. Somit kann der Tot noch was Sinnvolles Arbeiten. Viel Friedhofsgärtner werden Arbeitislos, denn sie haben Ja keine Leuter mehr unter sich, äh liegen ja ehr nur rum.
27.02.2010
Maide hat geschrieben:
@ Taki
Das Problem bei klassischen Beerdigungen ist, dass der Körper auf natürlicher Weise sehr langsam verwest. Einige Körperteile, wie das Scheinbein, verwesen fast überhaupt nicht. Bei eventuellen Katastrophen, wie Stürmen, kann es außerdem passieren, dass die Toten aus ihren Gräbern geschleudert werden, wo sie dann gefährliche Krankheiten verbeiten können. Wenn sie alle pulverisiert sind, ist das überhaupt kein Problem.

Außerdem:
Ich wollte es eigentlich im Artikel erwähnen, fand es aber nicht wichtig. Ich sags jetzt einfach mal hier. Viele ältere Menschen besitzen Zahnfüllungen aus Quecksilber oder deren Reste, die man nicht so einfach entfernen kann. Wenn diese Menschen normal beerdigt werden und verwesen, dann sinkt das gefährliche Quecksilber durch die Erde in unser (Trink-)Wasser ab.
Darüber hinaus ist der Platzmangel auch eine Frage. Friedhöfe werden immer wieder total überfüllt und es müsse neue Friedhöfe entstehen, wodurch wieder Bäume, die im Weg stehen, abgeholzt werden.
27.02.2010
Taki hat geschrieben:
Finde ich schon cool. Naja auch wenn es Makaber Kling, was mache ich nur wenn ich Scheintot bin. Im Sarg kann ich bei der Aufbahrung immer noch den Deckel öffnen. Wobei ich meine ich bin kein Weidergänger. Klassisch bererdigt verwest ja auch mein Körper. Bei und in der Stadt werden Bererdigungen in Grabkammern vorgenommen. 3 Leichen werden dabei über ein ander beerdigt. Wegen den Deckel muß man nicht immer ein Grab ausheben. Ist doch eine Konfortabele Alternative. Naja nach einem Warmen Sommerregen rieht es halt etwas süßlich moderig. Wenn ich natürlich verwese gebe ich doch auch der Natur meine Düngenden Stoffe ab. Meine Angehörigen haben auch immer einen Ort wo man mich besuchen kann um die Trauer zu beweltigen.
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