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The Age of Stupid - unsere Erde im Jahr 2055


von Franzi
25.10.2009
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78 P

Ein einsamer Mann im Jahre 2055. Die Welt ist zerstört, fast alles menschliche Leben ausgelöscht und das einzige was bleibt, sind riesige, gesammelte Datenmengen an Filmmaterial über alles, was die Menschheit je geschaffen hat. Unter anderem den Klimawandel...


Gestern war der 24.Oktober und damit "the international day of climate action". Von der Organisation 350 ins Leben gerufen gab es überall auf der Welt Aktionen um auf den von Menschen verursachten Klimawandel aufmerksam zu machen: in Sydney und Kairo trafen sich hunderte Menschen um eine große "350" zu formen, in Nairobi wurde gemeinsam Müll gesammelt und in Hong Kong fand eine große Rallye durch die Innenstadt statt. Insgesamt gab es über 5000 Aktionen von denen jeweils Fotos gemacht wurden, die in einer einzigartigen Diashow am Times Square gezeigt werden sollen. Die Zahl 350 steht dabei für 350 ppm, was die Konzentration an Kohlenstoffdioxid in unsere Atmosphäre ist, bei der der Klimawandel noch gestoppt werden kann. Momentan liegen wir bei ca. 390 ppm, also deutlich darüber…
Auch in Hamburg fanden gestern einige Aktionen statt, unter anderem wurde im Haus 73 in der Sternschanze der Film „The Age of Stupid“ gezeigt, eine fiktive Erzählung wie unsere Welt im Jahre 2055 aussehen könnte, wenn wir so weiter machen wie bisher. Im Film ist unser Planet zerstört, nur noch bewohnt von einem einzelnen Mann, der Berichte über den Klimawandel gesammelt hat um den Untergang der Menschheit ein „warnendes Beispiel“ sein zu lassen. Im Folgenden zeigt er dem Zuschauer Ausschnitte aus Dokumentationen über verschiedene Menschen: da ist einmal Fernand Pareau, ein 82 Jähriger Wanderführer aus Frankreich, der, den Tränen nahe, berichtet, wie weit die Gletscher seit seiner Kindheit abgeschmolzen sind und wie sich sein einst kleines Dorf verändert hat, seid eine riesige Autobahn direkt daneben gebaut wurde. Fassungslos erzählt er, wie auf dieser Autobahn französische Milch nach Italien transportiert wird, um dort zu Joghurt verarbeitet zu werden und anschließend wieder im Supermarkt bei ihm um die Ecke landet… Oder Piers Guy, ein britischer Entwickler für Windräder, der verzweifelt versucht erneuerbare Energien in Großbritannien verbreiteter zu machen. Er erzählt, dass wenn alle Anträge auf neue Windparks oder sonstige Quelle erneuerbarer Energien in den letzten Jahren von der britischen Regierung genehmigt worden wären, wären heute 10% aller dort produzierten Energien bereits umweltfreundlich. Oft werden seine Anträge jedoch abgelehnt: die Natur schützt zwar angeblich jeder, doch einen Windpark in der Nähe möchte dann auf einmal doch niemand mehr. Die schöne Aussicht geht da eindeutig vor…Mit viel bissigem Humor wird als nächstes Jeh Wadia vorgestellt, dessen großer Traum es ist, die überfüllten Züge in Indien durch massenweise Billigflüge zu ersetzten… Stolz berichtet er von seinen Plänen, Fliegen für jeden zugänglich zu machen und gerade kurze Strecken mit seiner eigenen Fluggesellschaft attraktiv zu gestalten. Ach ja, die Umwelt schützt er damit natürlich enorm…
Die große Bedeutung von Öl in unser aller Leben wird ebenfalls deutlich. Unsere Abhängigkeit von diesem Rohstoff ist enorm, doch statt das noch verbliebene Öl in den Aufbau erneuerbarer Energien zu stecken, die es irgendwann ersetzten könnten, verschwenden wir es weiter so gedankenlos wie bisher. An dieser Stelle des Films wird Layefa Malemi vorgestellt, eine nigerianische Frau in deren Dorf Öl gefunden wurde. Shell versprach daraufhin den Bau eines Gesundheitszentrums und die Verbesserung des Trinkwassers. Wie zu erwarten ist das „Gesundheitszentrum“ aber nun schon seit Jahren immer noch eine Ruine, das Wasser verdreckt und voller Bakterien und die Fische, die die verarmten Dorfbewohner zu fangen versuchen sind oft voller Öl…


„The Age of Stupid“ ist eindeutig kein aufbauender Film. Er gibt einem ein bisschen das Gefühl, dass wir im Grunde eigentlich schon aufgeben könnten. Und doch macht er auf faszinierende Weise die Absurdität deutlich, mit der wir Menschen uns selbst auslöschen. Es wird einem klar, wie viel Dummheit hinter einem solchen Handeln stecken muss, und dass bei dem ganzen Fortschritt, den der Mensch in seiner Entwicklung gemacht hat. Natürlich ist das Szenario überspitzt und an einigen Stellen übertrieben dramatisch, doch in Anbetracht dessen, dass wir es hier auch mit einem wirklich ernsten Thema zu tun haben, ist das vielleicht gar nicht schlecht. Der ironische Ton des Erzählers, der die Widersprüche in dem Handeln vieler Menschen aufzeigt macht es dann auch wieder deutlich angenehmer sich den Film anzusehen, ohne jedoch dass die Botschaft die hinter allem steckt verloren geht: ändert etwas, sonst werden die Menschen die vermutlich einzige Rasse im Universum sein, die sich in vollem Bewusstsein selbst ausgerottet hat.


Die Aktion war auf jeden Fall ein voller Erfolg: der Raum in dem der Film gezeigt wurde war hoffnungslos überfüllt, am Ende mussten sogar Bierkästen als notdürftige Sitze herangeschafft werden und die Besucher, die partout nicht mehr hineingepasst haben, wurden auf den nächsten Abend vertröstet, an dem der Film nun noch einmal gezeigt werden soll. Die Stimmung war gut und es war super zu erleben, dass es doch noch einige Leute mehr gibt die sich um unsere Erde Gedanken machen ;)

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Kommentare (9)
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12.12.2009
MatVanGem hat geschrieben:
Lasst uns gemeinsam am 12.12. die Show der FOTOS in Hamburg im Haus73 in ein Klima-Konzert als Aktion für Kopenhagen verwandeln. Kerzen und Feuerzeuge mitbringen! Mehr auf http://avaaz.org/de/ und Twitter #KlimaKonzert. Wer macht mit? Bis morgen - Mat ;-)
30.10.2009
LisaD hat geschrieben:
ich will mir jetzt auf jeden fall den film anschauen...danke für den tip!
28.10.2009
wertz hat geschrieben:
hoffen wir ma das das nur film bleibt
25.10.2009
Marcel hat geschrieben:
Vielen Dank für deinen tollen Filmtipp, Franzi. Das passt echt gut zu der aktuellen WWF-Klimastudie, mit der wir ja zeigen, dass das Gegenteil bis 2050 möglich ist. Wer sich für den Film interessiert: Auch asiL hat zu "The Age of Stupid" eine Filmkritik geschrieben: http://www.wwf-jugend.de/index.php?id=114&article=588
25.10.2009
Bienenkoenigin hat geschrieben:
Bei uns in Paderborn war gestern auch die Aktion mit der 350...
ich hba acuh mitgemacht, war auch an nem stand aktiv...
der Film hört sich echt klasse an, muss ich mir mal anschauen...
25.10.2009
Jana hat geschrieben:
ich war gestern in münster und da waren auch welche von 350, die einen stand hatten. ich hab dann auch erstmal eine karte an unsere bundeskanzlerin abgeschickt und mich für eine mega-colllage fotografieren lassen...hab sonst vorher noch gar nichts davon gehört.
25.10.2009
Franzi hat geschrieben:
Danke Leute :) Ja, ihr solltet unbedingt alle mal auf ww.350.org gehen, ist eine super interessante Seite! Und an Janine: wie Simon schon meinte, ab 2.11 ist der film auf DVD erhältlich, ab da kann man ihn dann bestimmt auch in Videotheken ausleihen! Leider ist er wirklich sehr traurig, aber wie du schon sagst: gerade daraus kann man Kraft gewinnen um das Szenario, was dort vorgestellt wird, noch zu verhindern!
25.10.2009
straetsi hat geschrieben:
wow franzi... meine entscheidung steht jetzt fest... bei amazon kommt der film am 02. november auf dvd raus... jetzt gehe ich ihn gleich mal vorbestellen!!!

und die bilder auf 350 org sind auch echt interessant...
25.10.2009
Janine hat geschrieben:
Ach Franzi.. du hast mir richtig Lust auf den Film gemacht, auch wenn mich dein Bericht insgesamt eher traurig stimmt. Aber vielleicht will ich ihn gerade aus diesem Grunde umso mehr ansehen. Bestimmt gewinnt man aus ihm viel Kraft für neuen Tatendrang. Kann man ihn sich irgendwo ausleihen?
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