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Solarenergie - Ausbau stoppen statt fördern?


von Cookie
24.02.2012
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Die große Energiewende ist schon länger geplant, viel passiert ist bisher jedoch nicht. Eins ist sicher, damit bis 2022 alle Atomkraftwerke vom Netz gehen können, muss im Bereich erneuerbare Energien deutlich etwas passieren. Was die Solarstrombranche angeht, ist in den letzten Tagen auch etwas geschehen, allerdings wohl nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. 

Solarstrom wird in Deutschland recht stark gefördert. Momentan sieht es so aus, dass Anlagenbetreiber pro Kilowattstunde Sonnenstrom 24,43 Cent erhalten. Diese Förderung soll nun drastisch gekürzt werden. Es ist vorgesehen, dass die Fördersätze einmalig zwischen 20% für Hausanlagen und 30% für Solarparks gesenkt werden. Weitere monatliche Kürzungen von 0,15 Cent pro Kilowattstunde sind geplant. Auch soll nicht mehr die komplette Solarstromproduktion vergütet werden, sondern lediglich zwischen 85 und 90%. Gelten soll diese neue Regelung am besten schon ab dem 9. März, denn den Anlagenbetreibern wird eine gleichbleibende Vergütung für die ersten 20 Jahre garantiert und man will verhindern, dass sich alle im letzten Moment noch auf Solaranlagen zu alten Fördertarifen stürzen. 

Hört man von dieser Planung, stellt man sich natürlich zunächst die Frage warum um alles in der Welt sich die Regierung so etwas ausdenkt, wo doch eigentlich geplant ist, Photovoltaik deutlich auszubauen und wir, wenn es um die Energiewende geht, auch auf die Solarbranche angewiesen sind. Warum soll der Ausbau gestoppt anstatt vorangetrieben werden? 

Ganz grundlos wurden diese neuen Gesetze, die zurzeit heftig diskutiert werden, natürlich nicht entwickelt. Die Solarförderung finanzieren die Verbraucher nämlich mit, da die Kosten über den Strompreis automatisch auf sie umgelegt werden. Im Moment bedeutet das für einen Haushalt durchschnittlich etwa 70 Euro jährlich. Da aber immer mehr Photovoltaikanlagen gebaut werden, steigt auch dieser Preis stetig an, wohingegen die Herstellungskosten für die Anlagen immer weiter sinken. Der Anteil der Solarenergie an Deutschlands Ökostrommix beträgt zurzeit circa 20%, es werden jedoch über 50% der Fördergelder in diese Branche gesteckt. Gefördert werden allerdings nicht nur Unternehmer, die Anlagen aus Europa kauften, sondern auch die, die in billigere Produkte, beispielsweise aus China, investieren. Zudem treten immer mehr technische Schwierigkeiten auf, all den produzierten Solarstrom überhaupt ins Stromnet einzuspeisen. 

Generell ist man sich eigentlich einig: Die Solarförderung muss wirklich gekürzt werden, jetzt kommt allerdings das große ABER: Nicht derart drastisch! 

Sollten die neuen Gesetze zur Solarförderung tatsächlich in Kraft treten, rechnen einige mit einem kompletten Zusammenbruch der Nachfrage in der Photovoltaikbranche und somit mit einem heftigen Rückschlag, was die geplante Energiewende angeht. Umweltschützer betrachten diesen "Abschied vom Ausbau der Solarenergie" (Zitat Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland) äußerst kritisch. Die von der Kürzung der Förderbeiträge am heftigsten Betroffenen sind allerdings die Arbeiter in der Solarbranche. Man fürchtet einen Verlust von Zehntausenden von Arbeitsplätzen! Darum gehen die Solarunternehmer nun auch bundesweit auf die Straße um gegen das Vorhaben der Regierung zu demonstrieren. 

Es sollte also nach einer Alternative für die drastischen Kürzungen gesucht werden. So schlägt zum Beispiel Christoph Erdmenger, ein Abgeordneter der Grünen, vor, dem Beispiel Italiens zu folgen und nur jene Anlagen zu fördern, die zu mindestens 60% in der EU gefertigt wurden, da so die heimische Industrie gefördert würde. 

Quellen: 
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2996306
http://www.br.de/franken/inhalt/aktuelles-aus-franken/frankensolar-protestaktion100.html
http://www.dtoday.de/startseite/politik_artikel,-Regierung-praesentiert-Einigung-bei-Energiefragen-_arid,135135.html
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1329291174271&openMenu=1012902958319&calledPageId=1012902958319&listid=1018348861749
http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/solardemo107.html
http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Solarbranche-sieht-Foerderkuerzung-als-Frontalangriff-id18932181.html
http://www.wwf.de/2012/februar/schwarz-gelbes-trauerspiel-in-sachen-energieeffizienz-und-photovoltaik/
http://www.liberale.de/wcsite.php?wc_c=9390&wc_id=14923&wc_p=1

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Kommentare (8)
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28.02.2012
Cookie hat geschrieben:
@Phoenix: Danke für den Hinweis, die Aktion morgen klingt echt interessant! Schade, dass Berlin soweit weg ist... Und das alles während der Schulzeit stattfindet, aber vielleicht hat ja doch jemand frei und hat Zeit, hinzugehen? Uns anderen bleibt ja immer noch, den Appell zu unterzeichnen. :)
28.02.2012
gelöschter User hat geschrieben:
http://www.campact.de/enb/sn3/signer Wer wieder aktiv werden möchte ;)
27.02.2012
Peet hat geschrieben:
Im Endeffekt wurde mit diesem Bericht schon alles gesagt und die Diskussion ist teilweise überflüssig. ;) Aber einiges muss man auch mal erwähnen. So zum Beispiel die Begrenzung der Vergütung ausschließlich auf in Europa gefertigte Produkte. Das macht nur zu einem gewissen Grad Sinn, denn wir leben in einer globalisierten Welt, in der Angebot und Nachfrage nicht auf auf uns einzelne Länder beschränkt ist, sondern eben weltweit. Auch wenn die Produkte größtenteils im Ausland gefertigt werden, so profitieren wir dennoch davon. Denn durch den dort steigenen Wohlstand, steigt auch die Kaufkraft der dort lebenden Menschen, die sich höherwertige Ware aus unseren Ländern leisten können oder eben andere Produkte. Ein geschlossener Kreislauf entsteht somit und mal ehrlich - Protektionismus hat noch niemandem geholfen und ist letzlich eine Folge von falscher Politik in den verganenen Jahren. Die Ursachen müssen früher angegangen werden, auch wenn dies zu harten Einschnitten führen kann.
25.02.2012
Cookie hat geschrieben:
@Nivis: Den offiziellen Aktionstag haben wir wohl leider verpasst, der war am Donnerstag. Über weitere Demos in nächster Zeit konnte ich leider nichts finden, ich bin bloß auf eine Seite gestoßen, auf der man Protest-E-Cards an den Bundestag, den Bundesumweltminister und den Bundeswirtschaftsminister schicken kann: http://www.energiediskussion.solarwirtschaft.de/e-cards-versenden
25.02.2012
midori hat geschrieben:
Hey Cookie,

danke für den super Artikel! Da fühlt man sich ja bestens informiert! ;o)
Ich finde es vor allem sehr verwirrend, dass die FDP einerseits die Kosten der privaten Haushalte senken will und dafür andererseits zulässt, dass die Wirtschaft darunter leidet. Das ist sonst gar nicht ihre Art..
24.02.2012
Nivis hat geschrieben:
Hallo Cookie,

Du hast da ein sehr wichtiges und brandaktuelles Thema aufgegriffen. Dafür zunächst mal danke. Ich kann mich Clara auch nur anschließen und dich dafür loben, dass du sehr ausgeglischen und diplomatisch an diese Sachlage herangegangen bist.
Ich bin ganz deiner Meinung und finde auch, dass eine Alternative gsucht werden muss.
Weißt du, ob es da irgendwelche öffentlichen Demos gibt bzw. vielleicht auch Internetaktionen?
24.02.2012
Cookie hat geschrieben:
Danke Clara! :)
Gute Frage, würde mich auch interessieren, hab dazu allerdings nicht wirklich Informationen gefunden, weil in den meisten Texten nur die Solarstrombranche berücksichtigt wird. Auf der Seite der FDP, die die Kürzungen befürwortet, ist nur von einem "dankenswerten Versuch, den bislang unbalancierten Ökostromausbau endlich in wirtschaftlich und versorgungstechnisch vernünftigere Bahnen zu lenken" die Rede, das kann man ja allerdings so oder so verstehen.
24.02.2012
ClaraG hat geschrieben:
Hallo Anne,
vielen Dank für diesen tollen Artikel!!
Ich finde es vorallem gut dass du (soweit ich das beurteilen kann) wirklich alle Gesichtspunkte genannt hast, was ich in manchen anderen Artikeln vermisse.
Ich bin eigentlich komplett deiner Meinung, was das Resumee des Artikels angeht, bin also auch für geringe Kürzungen usw.
Weißt du zufällig ob dafür dann die anderen Sektoren des Ökostroms mehr unterstützt werden?
Würde mich mal interessieren...
Ansonsten kann ich nur sagen danke für den tollen, schön geschriebenen Bericht :-)
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