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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Reichtum unter unseren Füßen – die "Grüne" Revolution: Monokulturen und Gentechnik


von Buchenblatt
24.09.2015
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"Grün" verbinden die meisten von uns wahrscheinlich zunächst einmal mit Nachhaltigkeit. Grüne Technologien bezeichnen meistens ökologisch nachhaltige Verfahren, die WWF Jacken bei Aktionen sind grün und der Greenpeace-Schriftzug ist auch immer grün. Außerdem steht die Farbe grün für Natur. Wenn man sich den Urwald vorstellt und ihn mit nur einer Farbe malen müsste. Welche Farbe würdet ihr da nehmen? Na klar – grün und nicht neonpink. So klingt auch der Begriff "Grüne Revolution" in der Landwirtschaft zunächst einmal umweltfreundlich. Doch leider bezeichnet die "Grüne Revolution" eine ganz andere Form der Landwirtschaft.

Denn seit Beginn der "Grünen Revolution" werden verstärkt Kunstdünger, Pestizide, hochertragreiches Saatgut und Maschinen benutzt. Da die angebauten Pflanzen zwar ertragreich sind, allerdings auch viele Nährstoffe und viel Wasser brauchen, müssen zusätzlich Bewässerungssysteme installiert werden.
In den 1960er Jahren fing diese Grüne Revolution an. Zuvor herrschte Hunger in Teilen Asiens, da die Bevölkerung stark wuchs, mit den traditionellen Anbaumethoden jedoch nicht mehr Ertrag erzielt werden konnte. So schien die "Grüne Revolution" zunächst die perfekte Lösung und erzielte kurzzeitig auch große Erfolge: Die Hungerprobleme konnten gelindert werden.
Doch ist sie damit direkt nachhaltig? Um das beurteilen zu können, muss man (zumindest in Erdkunde) immer drei Aspekte betrachten: Als erstes aus ökonomischer Sicht: Kann die "Grüne Revolution" langfristig wirtschaftliche Sicherheit garantieren? Als zweites aus sozialer Sicht: Sorgt die Grüne Revolution für soziale Gerechtigkeit? Und als drittes natürlich auch noch aus ökologischer Sicht: Bleibt das ökologische Gleichgewicht bestehen oder wird es durch die "Grüne Revolution" gefährdet?

Beginnen wir mit den ökonomischen Aspekten: Für eine ökonomische Nachhaltigkeit spricht, dass viel Ertrag und somit auch viel Gewinn in kurzer Zeit erzielt wird, zudem gibt es durch den Export hohe Steuereinnahmen. Ein Nachteil ist allerdings die hohe Abhängigkeit vom Weltmarkt, da bei der "Grünen Revolution" nicht mehr für den örtlichen Markt produziert wird, sondern für den Weltmarkt. Die ökonomische Stabilität ist also zunächst gegeben, langfristig aber nicht gesichert.

Sozial betrachtet gibt es hingegen eindeutig mehr Nachteile als Vorteile: Es ist zwar eine kurzfristige Versorgung der gesamten Bevölkerung durch die gesteigerten Erträge möglich, allerdings sind die Investitionskosten beispielsweise für die Bewässerungssysteme und die Maschinen sehr hoch. Somit können nur Großinvestoren und keine Kleinbauern diese Form der industriellen Landwirtschaft betreiben. Die Kleinbauern werden teilweise verdrängt und verlieren so ihre Existenzgrundlage. Ein weiterer Nachteil ist, dass bei der "Grünen Revolution" größtenteils mit Maschinen gearbeitet wird. Wenn ein normaler Betrieb auf diese intensive Landwirtschaft umgestellt wird, gehen also Arbeitsplätze verloren. Eine soziale Gerechtigkeit ist also nicht gegeben.

Ökologisch betrachtet sieht es noch schlechter aus: Durch den hohen Wasserverbrauch kann der Grundwasserspiegel absinken und durch die Monokulturen werden einige Nährstoffe nahezu komplett ausgeschöpft, sodass die Böden auslaugen. Zudem hinterlassen die Pestizide und der Dünger giftige Rückstände in Boden und Grundwasser. Die großflächige Rodung zur Anlegung der Felder ist ein starker Eingriff in die Natur und die Artenvielfalt wird besonders von heimischen Insekten und Kleintieren stark eingeschränkt. Das ökologische Gleichgewicht ist somit zerstört.

Doch was sind nun die Folgen für den Boden konkret? Die "Grüne Revolution" ist nicht nachhaltig, sondern kurzfristig angelegt. Durch den einseitigen Nährstoffbedarf der Pflanzen in den Monokulturen, laugen die Böden aus. Dieser Qualitätsverlust kann auch durch Dünger nicht wieder hergestellt werden. Die Bewässerung kann zu einer Versalzung des Bodens führen. Die Salze, die in dem Wasser enthalten sind, lagern sich somit immer mehr an der Oberfläche des Bodens ab. Er wird unfruchtbar und ist irrreversible degradiert (unumkehrbar verschlechtert).

Nachhaltigkeit ist also insgesamt ökologisch, sozial und speziell für den Boden nicht gegeben. Trotzdem wurde bis jetzt noch kaum Abstand von dieser Form der Landwirtschaft genommen. Mittlerweile gibt es sogar eine neue, gesteigerte Form der "Grünen Revolution". Dabei werden gentechnisch veränderte Pflanzen eingesetzt, die viel Ertrag bringen und wenig Pestizide verbrauchen sollen. Nach Greenpeace verbrauchen diese jedoch schon nach kurzer Zeit wegen resistenten Schädlingen und Unkraut noch mehr und giftigere Pestizide und Herbizide.

Zudem ist auch das Argument, dass durch die höheren Erträge der Hunger gelindert werden kann, nicht mehr haltbar. Denn in den Monokulturen werden größtenteils nicht die Grundnahrungsmittel für die einheimische Bevölkerung angebaut, sondern (beispielsweise in Argentinien zu 80%) Futtermittel, welche an die Fleischindustrie verkauft werden. Da Fleisch jedoch ein Luxusgut ist und die einheimische Bevölkerung und die (ehemaligen) Kleinbauern sich nur Grundnahrungsmittel und keine Luxusgüter leisten können, trägt die "Grüne Revolution", die zudem nicht die Grundursachen für Hunger bekämpft, nicht zu einer Lösung des globalen Hungerproblems bei.

Man sieht also, dass die Grüne Revolution keine nachhaltige Form der Landwirtschaft ist. Doch es geht auch anders: Deswegen wird euch Lara nächste Woche den biologischen Anbau vorstellen.

Wir haben alle Einfluss darauf, welche Form der Landwirtschaft zunimmt und welche nicht. Wenn wir möglichst wenig tierische Produkte essen, also möglichst of vegetarisch oder vegan essen und auf Fleisch und Milch verzichten, dann nehmen wir der "Grünen Revolution" in den Subtropen den Wind aus den Segeln. Wer trotzdem Fleisch essen will, sollte zumindest darauf achten, Biofleisch zu kaufen, bei dem zum Einen der Einsatz von Pestiziden & Co, sowie zum anderen der Einsatz von Gentechnik tabu ist.

Hier geht es zum letzten Artikel unserer Berichtreihe: Darin ging es unter anderem um Landgrabbing. Das betrifft auch die Monokulturen, in denen sehr intensiv nach dem Prinzip der "Grünen Revolution" Futtermittel für die Industrieländer angebaut wird.

Bilder:

Titelbild: Ronja96

sonstige Bilder: eigene Bilder

Quellen:
http://www.greenpeace.de/node/12719
http://www.iass-potsdam.de/sites/default/files/files/bodenatlas2015_deutsch.pdf
Diercke Praxis SII Arbeits- und Lernbuch
Erdkunde-Unterricht :)

 

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Kommentare (3)
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25.09.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Interessanter Bericht! :) Ich hätte echt nicht erwartet, dass sich hinter dem ökologisch klingenden Begriff "Grüne Revolution" soetwas Untethisches verbirgt! Soweit ich weiß, werden sogar auch hier in Deutschland ca. 60% der Anbauflächen für den Anbau von Futtermittel für Tiere genutzt, was ich sehr hoch finde.
25.09.2015
people hat geschrieben:
Danke für den Bericht. Spannend und interessant. Vegatarierin oder Veganerin werd ich nicht, aber ich achte und werde es auch weiterhin tun, die "Grüne Revolution" kaum zu unterstützen
25.09.2015
Corylus hat geschrieben:
Informativer Artikel, wenn auch ein wenig Erdkunde-Unterricht ;)
Das erste deiner beiden eigenen Bilder ist richtig schön - der Nebel und dazu die Farben - wo hast du das denn gemacht? Tolles Foto, weiter so.
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