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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Plastik gegen Dürre - kann das funktionieren?


von Peet
05.09.2015
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Eine Welt ohne Plastik, das wünschen sich viele. Angesicht von gigantischen Plastikstrudeln in den Weltmeeren, von Plastik überströmten Sandstrände und einer gravierend ansteigenden Zahl von Meeresbewohnern, die aufgrund von Plastik zugrunde gehen, ist dies völlig verständlich.

- Die WWF Jugend Kampagne Stoppt den Plastikmüll hat Euch all die Probleme aber auch Lösungswege aufgezeigt. -

Umso verwunderlicher ist nun die Aktion der Regierung von Los Angeles, Kalifornien, USA. Um der seit fünf Jahren anhaltenden Dürre etwas entgegen zu wirken, ließ sie in den vergangenen Wochen über 96 Millionen Plastikbälle in die Wasserreservoire der Großstadt kippen. Richtig: 96 Millionen handgroße Plastikbälle!

Dagegen erscheint jeder persönliche Verzicht auf Plastik im Alltag lächerlich. Aber ganz so negativ sollten wir es nicht betrachten. Vielmehr geht es hier um die Bekämpfung der akuten Wasserknappheit im Süden des Bundesstaates Kalifornien.

Die vier großen Wasserreservoire sind größtenteils für die Wasserversorgung der Millionenmetropole Los Angeles zuständig. Das Problem: Jeden Tag sinkt der Wasserpegel, und das schon seit rund fünf Jahren. Der Colorado-River, der sonst immer zuverlässig Wasser lieferte, ist längst über seine Kapazitäten hinweg genutzt worden und kämpft aktuell selber ums Überleben. Ganz davon zu schweigen, dass er seit Jahrzehnten aufgrund der Übernutzung nicht mehr das Meer erreicht (mehr dazu hier).

Was hat es aber nun mit diesen schwarzen Plastikbällen auf sich? Ganz einfach: Sie reflektieren das Sonnenlicht und schützen die Reservoire so vor der Verdunstung. Die mit Trinkwasser gefüllten Bälle (damit sie nicht abheben) schützen nicht nur vor der Sonne, sondern auch vor der Kontaminierung des Wassers durch Vögel oder andere Tiere.

Angesichts der anhaltenden Dürre dieser Region erscheint die Aktion wie ein letzter Rettungsversuch und lässt die gesamte Region umdenken – wenn auch langsam. Natürlich sind es publikumswirksame Nachrichten, bei denen sich der Bürgermeister der Stadt Los Angeles, Eric Garcetti, und andere Politikprominenz gerne sehen lassen. Schließlich ist die Maßnahme wenig schmerzlich für die Wirtschaft und Bevölkerung. Doch es scheint eine Verzweiflungstat.

Die Region rund um Los Angeles und andere Teile der USA, leiden seit Jahren unter einer extremen Dürre. Jedes Jahr werden dort neue Rekordtemperaturen verzeichnet. Einige Kleinstädte haben schon seit Jahren kein fließendes Wasser mehr, weil Brunnen versiegen. Die regionale Landwirtschaft, eine der weltweit größten Produzenten von Mandeln, Pfirsichen und anderen landwirtschaftlichen Gütern, gräbt immer tiefer in den Boden, um ans kostbare Wasser zu kommen. Wasser, so wirkt es, ist mehr wert als Öl oder Gold. Der Kalifornische Goldrausch im 19. Jahrhundert, er ist zum Kalifornischen Wasserrausch geworden. Doch anders als beim Rennen ums Gold, wird beim Rennen ums Wasser nicht die allerletzte Basis der Versorgung ausgeschöpft.

Sinkt der Grundwasserpegel weiter wie bisher, wird das kostbare Gut in absehbarer Zukunft dauerhaft verschwunden sein. Selbst die ersehnten Regenschauer helfen dann nicht mehr aus, um die Schäden zu revidieren. Trotz dieser Tatsache steigen die Zahl der illegalen Brunnen täglich. Wo in einigen Teilen der USA fieberhaft nach Schiefergas gebohrt wird, so stehen die Bohrtürme hier für das Versagen der Menschen, nachhaltig mit den Ressourcen umzugehen.

Die Dürre, so bestätigen namenhafte Institute, ist ein Zeichen des Klimawandels. Kalifornien, immerhin einer der wirtschaftlich stärksten Regionen der Welt (Nr. 8 im weltweiten Vergleich), wird nicht nur um seine Landwirtschaft kämpfen müssen. Es geht um eine langfristige und nachhaltige Nutzung der Ressourcen vor Ort aber auch aus dem Umland.

Wassersparen ist da nur eine Lösung. Emissionen verhindern und indirekte Kosten der Umweltnutzung mit einberechnen, wäre ein weiterer Schritt. Immerhin, Kalifornien hat heute das hart umkämpfte Gesetz erlassen, welches keine Investitionen mehr in Kohle vorsieht. So wie die Divestment-Bewegung ein Anfang ist, so sind auch die 96 Millionen Plastikbälle lediglich der Beginn einer langen Reise in Richtung Klimaanpassung und Nachhaltigkeit.

Anmerkung: Bilder zu den 96 Millionen Plastikbällen gibt es hier. Aufgrund fehlender Copyrights, kann ich die Bilder nur auf den original Text verlinken.

Header-Bild: Peter Jelinek

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Kommentare (8)
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08.09.2015
Thorsten hat geschrieben:
Schon eine ziemlich krasse Aktion.
Sieht wirklich nach einem letzten verzweifelten Versuch der Rettung der Wasserversorgung aus. Ich hätte nie gedacht, das es einmal soweit kommt, das solche Maßnahmen ergriffen werden.
Hoffentlich hilfts wenigstens was.

Guter Bericht!
06.09.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Danke für den interessanten Bericht und dass du darin nicht nur den immensen Plastikverbrauch, sondern auch den (zumindest kurzfristigen) Nutzen für die Bevölkerung zeigst.
06.09.2015
Squirrel hat geschrieben:
Das hört sich nach einer extrem erschreckenden Zukunft für Kalifornien an. Ich meine selbst wenn die Regierung jetzt auf der Stelle alles für einen Stopp des Klimawandels tun würde (was nicht passieren wird) würde der Grundwasserpegel ja nicht wieder steigen.
06.09.2015
thinkgreen26 hat geschrieben:
Wow. Sowas habe ich nicht erwartet... Das klingt wirklich nach einer Verzweiflungstat.
Danke für den interessanten Bericht!
06.09.2015
Peet hat geschrieben:
@Anne: Klar, Vögel können weiterhin frei aus der Luft 'drauf scheißen' aber sie können kein 'Bad im Wasser' nehmen. Ebenso lassen sich andere Tiere, Waschbären etc., dadurch abhalten. Ein Klick auf den Originaltext belegt das auch noch genauer - siehe dazu dann die Aussage der jeweiligen Person.

Und Deine Bedenken zum Plastik selber, also der Kontamination des Wassers durch das Plastik selber, wird durch die jeweilige Umweltbehörde geregelt. Ähnlich wie bei uns, gelten bestimmte Richtwerte, von denen man halten kann was man will.

Das die Plastikbälle Müll verursachen, habe ich ja indirekt erwähnt.
05.09.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Ich finde es erschreckend zu sehen, was für Auswirkungen der Klimawandel bereits jetzt schon hat und dass trotzdem so wenig dagegen getan wird (außer wohl gegen die Auwirkungen wie hier mit den Plastikbällen). Außerdem denke ich, dass Cookies Bedenken auch angebracht sind. Aber danke für den interessanten Bericht!
05.09.2015
Cookie hat geschrieben:
Dass die Bälle vor Verdunstung und Tieren schützen sollen, leuchtet mir ein (Obwohl, was hindert einen Vogel, sein Geschäft auf einen Plastikball zu erledigen), aber wie man mit Plastik im Wasser wie es im Artikel heißt, vor Chemikalien schützen will, ist mir ein Rätsel. Je nachdem, aus welcher Plastikart die Bälle bestehen, tragen sie eventuell selbst Chemikalien ins Wasser. Ganz zu schweigen von Mikroplastik, das sich nicht herausfiltern lässt. Ehrlich, ich verstehe die Idee, aber ich bin mir nicht so sicher, was die Auswirkungen auf die Qualität des Trinkwassers hat. Und an den riesigen Müllberg, wenn die Bälle zu alt und porös geworden sind, und erneuert werden müssen, möchte ich gar nicht denken.

Aber auf jede Fall ein gelungener und interessanter Bericht, der ganz schön erschreckt (und damit meine ich das Ausmaß der Dürre und nicht die Menge an Plastik, die da ins Wasser gekippt wurde)!
05.09.2015
Peet hat geschrieben:
PS: Empfehlenswert - Diese Reportage zum Thema: http://reportagen.sueddeutsche.de/auf-dem-trockenen
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