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Opfer des Klimawandels 11: der Beluga


von FabianN
28.01.2012
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 Ein stolzes Gewicht von 400 bis maximal 1400 Kilogramm bringen Weißwale (Delphinapterus leucas), auch Belugas genannt, auf die Waage. Diese Art der Gründelwale (Monodontidae) erreicht eine Gesamtlänge von 3 – 5,5 Metern, während die Männchen in der Regel deutlich größer und schwerer sind als die Weibchen. Sie besitzen, wie ihre Verwandten, die Narwale, keine Rückenfinne und sind in den arktischen und subarktischen  Gewässern zu Hause. Die sonst für Wale und Delfine charakteristische Finne ist nur noch rudimentär vorhanden und als flacher Saum zu erkennen. Der Körper dieser bläulich-weißen bis cremefarbenen Tiere wirkt sehr massig und kompakt und ist gerade im Schulterbereich besonders rechteckig ausladend.  Trotzdem gelten sie als gute Schwimmer, die mit gemächlichen zehn Kilometer die Stunde durch die arktischen Gewässer streifen. Die Flipper genannten Brustflossen sitzen im vorderen Teil des Körpers und besitzen eine schmale Form.  Die waagerechte Schwanzflosse ist schwach gegabelt und im Gegensatz zu anderen Walarten ist der kleine Kopf des Belugas bemerkenswert beweglich. Diesen kann er sowohl seitlich als auch vertikal bewegen. Weißwale haben kleine Augen, die weit unten seitlich am Kopf liegen.  

 Ein charakteristisches Zeichen für den Beluga ist der melonenartige Auswuchs an seinem Oberkopf. Unter der Haut besteht diese Melone fast ausschließlich aus Bindegewebe und dient der Echoortung.  Das Gebiss des Delphinapterus leucas besteht aus bis zu 40 Zähnen. Da der Weißwal in arktischen Gewässern lebt, besitzt er eine Fettschicht unterhalb der Haut, welche mit 10 bis 15 Zentimetern ausgesprochen dick ist. Diese 40 bis 50 Prozent des Gesamtgewichts ausmachende Fettschicht besteht hauptsächlich aus Tran. Jedoch kann die Dicke der Fettschicht je nach Verbreitungsgebiet und Wassertemperatur variieren. Die Fettschicht eines Jungtieres beträgt zu Anfang zwar nur ungefähr 25 Millimeter, doch nimmt die Dicke dank der gehaltvollen Muttermilch sehr schnell zu.                              Weißwale fühlen sich in der Gesellschaft anderer Artgenossen wohl, weshalb sie in Schulen von bis zu 15 Tieren leben. Es wurden auch schon Schulen mit mehreren hundert Tieren gesichtet, was man sich jedoch nicht erklären kann. Diese Schulen bestehen entweder aus Bullen oder aus Weibchen und deren Nachwuchs. Die Bullen treffen nur in der Paarungszeit auf weibliche Schulen.

Die Kommunikation der Weißwale erfolgt über Lautäußerungen: Hierbei verfügt ein jeder Beluga über ein breites Spektrum, wobei die Töne entweder zur Kommunikation oder auch zur Echoortung genutzt werden.                                                                                                            

Belugas sind ausschließlich in der nördlichen Heimsphäre vorzufinden. Vor allem im Küstenbereich oder aber auch im Nordpolarmeer, im nordwestlichen und nordöstlichen Pazifik sowie im nordwestlichen und nordöstlichen Atlantik trifft man auf diese sanften Wale. Häufig sind sie vor Russland, Kanada, Grönland, Skandinavien und Alaska zu beobachten. Beliebt und bevorzugt werden Buchten, Fjorde und Mündungen größerer Flüsse, wobei ihnen Brackwasser nichts auszumachen scheint. Die Sommermonate verbringen Belugas in gemäßigten Zonen, wo sie auch ihre Jungen zur Welt bringen. Im Winter ziehen sie in der Regel in arktische Gewässer uns sind rund um die nördliche Polkappe anzutreffen.              

Im Wesentlichen ernährt sich ein Beluga von Fischen, Krebstieren, Schnecken, Muscheln sowie von wirbellosen Tieren wie Tintenfische oder Kalmare.  Beliebte Fische sind dabei Hering (Clupeidae), Dorsch (Gadidae), Forellenfische (Salmonidae) und Plattfische (Pleuronectiformes). Die Beutetiere werden mit den Zähnen gepackt und ohne zu kauen im Ganzen verschlungen. Zum Kauen sind die Zähne nicht geeignet.  Geortet werden die Beutetiere mit Hilfe von Echolokation: Hierbei senden die Wale Klicklaute aus und sind durch die zurückgeworfenen Töne in der Lage, die Position ihrer  Beute zu bestimmen.                                                                                                                                                                 Die Geschlechtsreife der Belugas hängt vom Geschlecht ab: Während Weibchen von 4 -7 bis zu 20-25 Jahren geschlechtsreif sind, sind Bullen erst im Alter von acht bis neun Jahren zur Fortpflanzung in der Lage.  Die Paarungszeit, die je nach Verbreitungsgebiet im März oder April anfängt, ist die einzige Zeit, in der die Geschlechter aufeinandertreffen. Männchen verfolgen in dieser Zeit weibliche Schulen und signalisieren durch Lautäußerungen ihre Paarungsbereitschaft. Zu einer Paarung kommt es jedoch nur, wenn das Weibchen dazu gewillt ist. Aufgrund der sehr langen Trage- und Säugezeit kommt es nur alle zwei bis drei Jahre zu einer Geburt. Nach einer Tragezeit von rund 420 Tagen kommt es im Sommer in den Sommerquartieren zur Geburt.  Das eine Jungtier weist eine gräuliche bis dunkelgraue Färbung und ein Gewicht von 50 – 80 Kilogramm auf. Gesäugt wird das Jungtier zwischen 18 und 24 Monaten. Erst mit der Geschlechtsreife werden die jungen Wale heller, und sind spätestens mit 18 Jahren weiß. Während die durchschnittliche Lebenserwartung 25 bis 30 Jahre beträgt und Tiere in Gefangenschaft ein Alter von 30 bis 40 Jahren aufweisen, belegen neueste Studien Lebenserwartungen von 60 bis 80 Jahren.                                           Doch trotz ihren perfekten Anpassungen an ihre Umgebung, können sich die Belugas nicht gegen uns und den Klimawandel wehren…

Perfekt angepasst und trotzdem auf der roten Liste unter potenziell gefährdet! Es gibt weltweit nur ungefähr 50000 bis 80000 Belugas auf der Erde. Wie kann das sein? Außer vor ihren Prädatoren, dem Großen Schwertwal (Orcinus Orca), dem Eisbären (Ursus maritimus) und so manchen Haien müssen sie sich doch vor niemandem fürchten.   Doch die Antwort liegt auf der Hand: Seit jeher gilt der Beluga als Nahrungskonkurrent des Menschen und wird deshalb schon seit langer Zeit verfolgt und getötet. Früher wurden sie zudem aus kommerziellen Gründen gejagt, man gewann aus dem Tran der Tiere nämlich Seife und Schmiermittel. Erst vor dreißig Jahren wurde die ungehemmte Jagd eingedämmt und der Beluga-Wal unter Schutz gestellt. Außer den Inuit ist es niemandem mehr erlaubt, den Beluga zu jagen. Trotzdem gehen die Bestände zurück, da die weltweite Wasserverschmutzung durch Pestizide, Öle und anderen Giftstoffen den Tieren schwer zu schaffen macht. Zudem sterben auch viele Belugas durch Zusammenstöße mit Schiffen. Da diese durch den Klimawandel viel ungestörter in den nördlichen Gewässern fahren können, erhöht sich die Zahl dieser Unfälle in der letzten Zeit. Zudem kommen durch die Erwärmung der Meere auch immer mehr Haie in die nördlicheren Gewässer, was den Bestand der Weißwale zusätzlich verringert. Um den Haien zu entgehen, müssten die Belugas weiter nach Norden flüchten, was aufgrund der wärmeren Gewässer kein Problem wäre, doch würden sie dort auf den Großen Schwertwal und den Eisbär treffen, was auch nicht wirklich besser wäre. So befinden sich die Belugas in einer Zwickmühle, aus der sie, ohne dass wir etwas unternehmen, nicht herauskommen und letzten Endes wegen unserer Schuld dem Klimawandel und unserer Unachtsamkeit erlegen würden… 

Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe: "Opfer des Klimawandels" 

Text: eagle4nature (Fabian Nagel)

Bilder: Wikipedia Commons

Quelle: Wikipedia, tierdoku, tierlexikon

 

 

 

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Kommentare (6)
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11.02.2012
Puma hat geschrieben:
Schade,dass sie gefährdet sind.Die sind doch so süß!Aber da sieht man mal wieder,dass der Mensch der Erde nicht gut tut.
10.02.2012
Wasserjunge hat geschrieben:
Außergewöhnliche Tiere... kannte ich schon, aber undfassbar was unsere Erde so herrvor gebracht hat! *__*
28.01.2012
lotte98 hat geschrieben:
toller bericht! hab in irgendeiner doku auch mal gesehn, wie ein eisbähr einen wal gefressen hat!kaum zu glauben, aber wahr
28.01.2012
FabianN hat geschrieben:
@midori: Ja, ich war auch erst mal überrascht, als ich das mit den Eisbären gelesen hab, doch es stimmt. Der Eisbär lauert dem Beluga an einer Wasserlöchern auf und wenn dieser Luft holt, schnappt der Eisbär zu oder holt mit seiner Pranke aus...
28.01.2012
gelöschter User hat geschrieben:
schöner bericht. Beim ersten Bild sieht diese Tier verdammt muskelös aus ;D
28.01.2012
midori hat geschrieben:
Belugas haben wirklich eine ausgesprochen seltsame Form. Sieht total undynamisch aus. Und ihre Beule am Kopf ist nun auch nicht so der Hingucker! ;o)

Aber sie werden tatsächlich von Eisbären gefressen? Interessant - hätte ich nicht gedacht.

Im Gegensatz zu 3200 Tigern klingen 50.000 Belugas noch recht vielversprechend. Aber wahrscheinlich gehts dann wieder schneller als man denkt. Traurig, dass wir die armen Tiere in solch ein Dilemma bringen. Kaum zu fassen, was der Klimawandel nicht alles beeinflusst.

Danke Dir für den Bericht Fabian! :o)
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