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Opfer des Klimawandels 10: der Polarfuchs


von FabianN
04.11.2011
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 Eisige Kälte! Temperaturen von -50 Grad Celsius muss man hier gewachsen sein! Um diesen Bedingungen standhalten zu können, muss man wirklich perfekt angepasst sein. Beim Polarfuchs (Vulpes lagopus oder Alopex lagopus) ist genau das der Fall! Das, auch Eisfuchs genannte Raubtier (Carnivora) gehört innerhalb der Familie der Hundeartigen (Canidae) zur Gattung der echten Füchse (Vulpes). Außerdem gelten diese Tiere als eine Art Wahrzeichen der Tundren, Schneewüsten und der eisigen Küsten und Inseln des hohen Nordens!

Diese schönen Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 50 – 70 cm, eine Rutenlänge von 28 – 40 cm, ein Stockmaß von 28 – 32 cm und ein Gewicht von 3 -7 Kilogramm. Der Körper dieser drahtigen Tiere ist kräftig und muskulös. Die Schnauze ist spitz, die Ohren sind schmal und die Rute ist buschig.   Unter den Polarfüchsen gibt es zwei verschiedene Farbschläge: den Blaufuchs und den Weißfuchs. Diese unterscheiden sich jedoch nur im Winterfell: Das Sommerfell ist bei beiden grau, graubraun bis braun. 

                                                                                                                                                                          Zudem sind auch die Unterseiten der Pfoten dicht behaart.                                                            Beim Weißfuchs ist das Winterfell in einem reinen Weiß, nur die Augen und die Nasenspitze stechen schwarz heraus. Beim Blaufuchs dagegen weist das Winterfell eine hellbraune, hellgraue, kastanienbraune, anthrazitähnliche, stahlblaue bis hin zu einer schwarzen Färbung auf.

                                                                                                                                                                           Das Interessante ist, dass beide Farbschläge in einem Wurf vorkommen können.  Winterfell und Sommerfell unterscheiden sich jedoch nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Beschaffenheit. Das Sommerfell ist gerade einmal halb so dick wie das Winterfell und weist weniger als die Hälfte an Unterwolle auf. Das dicke Winterfell dagegen besteht zu 70% aus Unterwolle! Genau diese Beschaffenheit macht es dem Eisfuchs möglich Temperaturen von bis zu -50 Grad zu überstehen. Zudem besitzen Polarfüchse einen ausgesprochenen gut entwickelten Geruchssinn.  Leider haben diese Tiere eine maximale Lebenserwartung von 10, normalerwiese nur von 4 Jahren. Den Verbreitungsraum der Eisfüchse bilden Alaska, Kanada, Grönland, Island und das nördliche Russland nördlich der Polargrenze.

                                                                                                                                                                            In diesen Staaten bewohnen sie Tundren, die meistens in Küstennähe sind. Weißfüchse leben vorzugsweise in den offenen, baumlosen Ebenen und grasbewachsenen Hügeln. Die Blaufüchse leben eher in den Küstengebieten mit Gebüschen. Polarfüchse sind sowohl tags- als auch nachtaktiv. Sie haben Reviere deren Größen dem Nahrungsangebot und der Nahrungsdichte angepasst werden. Diese Größen variieren zwischen 8 und 60 km². Die sozialen Strukturen sind auch variabel: entweder sie leben als Paar, in größeren  Gruppen ohne Jungen oder als Paas mit Jungen und Weibchen die das Rudel unterstützen.  Seinem Status als Raubtier zum Trotz, gilt der Eisfuchs als Allesfresser! Obwohl Wühlmäuse, Schneehasen, Mäuse, Vögel und deren Brut bevorzugt werden, frisst ein Polarfuchs auch Aas, Früchte und Beeren – sogar die fettreichen Ausscheidungen von Eisbären werden nicht verschmäht, sondern gefressen! Dank dem guten Geruchssinn können Polarfüchse selbst durch eine dicke Schneedecke ihre Nahrung riechen, ausgraben und letzten Endes fressen. Die Paarungszeit der Polarfüchse fällt zwischen März und April. In dieser Zeit gräbt das Weibchen (auch Fähe genannt) einen neuen Wohnkessel in einem Lehm- oder Sandhügel, welcher dann als Bau dient. Nach der Tragezeit von 49 Tagen bis zu 2 Monaten bringt das Weibchen 1-14 Junge zur Welt, in Ausnahmefällen jedoch werden auch mal 20 Junge geboren. Die Größe des Wurfes kann auch sehr wahrscheinlich von der Größe des Nahrungsangebotes abhängen. Diese kleinen Eisfüchse wiegen 50 – 150 Gramm, sind anfangs noch blind, der Kälte wegen sind sie aber schon behaart. Nach 6-8 Wochen werden sie entwöhnt. Der Vater hilft bei der Aufzucht der Jungen kräftig mit: Er bewacht den Wurf und fängt die Beute, die er dann zum Bau schleppt! Doch trotz der perfekten Anpassung an den Lebensraum und die Zusammenarbeit dieser Tiere, muss unsere Sorge um den Erhalt dieser wundervollen Tierart von Tag zu Tag wachsen…

Obwohl sie nur wenige natürliche Feinde (Prädatoren), wie zum Beispiel den Eisbären haben, steht der Polarfuchs auf der roten Liste! Wie kann das sein?! Nur wenige Todesfälle lassen sich au Eisbären zurückführen, da sie jenen glücklicherweise meist aus dem Wege gehen! Warum gehen die Bestände trotzdem immer weiter zurück? Die Antwort, die gesucht ist, liegt auf der Hand! Der Mensch und der Klimawandel tragen die Schuld am möglichen Aussterben dieser Art! Trotz ihrem Misstrauen den Eisbären gegenüber, sind Polarfüchse leider zu naiv, um die vom Menschen ausgehende Gefahr zu erkennen! Bereits im 19.Jahrhundert waren Polarfüchse sehr beliebt unter Händlern und Jägern. Im 20.Jahrhundert entwickelte sich der Polarfuchs zum Haupttauschobjektzwischen den Inuit und den Europäern, da der Pelz dieser Tiere bei jenen sehr beliebt war. Auch wenn der Handel und die Jagd auf den Eisfuchs heute verboten sind, werden diese unglücklicherweise immer noch illegal fortgesetzt. Ein sehr gutes Beispiel zu der Naivität des Polarfuchses dem Menschen gegenüber liefert auch der Zoologe Alfred Edmund Brehm in seinem empfehlenswerten Buch „Brehms Tierleben“. In diesem berichtet er, wie ein norwegischer Jäger und er einem Eisfuchs in Norwegen auf dem Doverfjeld begegnet seien. Dieser sei ihrer Spur gefolgt. Um ihn zu prüfen sollen sie Steine auf ihn geworfen haben und trotzdem verfolgte er hartnäckig ihre Fährte. Nicht einmal ein Schuss konnte ihn von seinem Weg abbringen. Hinterher habe der Jäger Brehm erzählt, dass er dieses Tier sogar mehrmals mit bloßen Händen gefangen habe und dass es sich schon oft einfach fragend vor ihn gesetzt und abgewartet habe, was er machen würde! Zudem kommt noch der Klimawandel! Leider kann man sagen, dass Eisfüchse bedauernswerterweise zur „Top Ten“  der am meisten vom Klimawandel bedrohten Tierarten! Der Klimawandel vertreibt die Beute des Eisfuchses. Auch die wichtigen, nährstoffhaltigen Ausscheidungen der Eisbären werden weniger, da auch deren Bestand unter dem Klimawandel zunehmend schrumpft! Dank dem Klimawandel kommen sich sogar noch Verwandte in die Quere! Und gegen diese kann sich der Polarfuchs nicht behaupten. Der Rotfuchs dringt nämlich in das Revier des Eisfuchses ein!! Der Klimawandel macht dem Rotfuchs auch dieses Gebiet bewohnbar und da der Rotfuchs doch größer ist, wird es immer schwerer an Beute zu kommen! Wenn es also so weitergeht , können wir nur noch zuschauen, wie diese wunderschöne und faszinierende Art zu Grunde geht… 

Dies war ein Bericht aus der Reihe "Opfer des Klimawandels"

Text. eagle4nature (Fabian Nagel)

Bilder: Wikipedia Commons

Infos: tierdoku.com, "Brehms Tierleben", Tierlexikon

 

 

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
04.11.2011
MarcelB hat geschrieben:
Ja, zum Polarfuchs kam auch erst letztens ein kleines Quiz bei der NaJu-Facebookgruppe! Sehr spannendes Thema und der Polarfuchs ist einfach mal sooo süß! =) danke für den Bericht!
04.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Schöner Bericht. Ich hoffe doch sehr, dass diese Art überlebt !!!! Es muss dringend was wegen dem Klima getan werden !!!!!!!!!!
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