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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Neue Ölplattformen bis 2017 tabu - aber wie lange?


von Peet
02.12.2010
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In den USA scheint eine komplette Wende vollzogen zu sein. Die Ausdehnung der Ölförderung im Golf von Mexiko sowie an der US-Atlantikküste ist vorerst bis 2017 gestoppt. Umweltschützer hatten ein eine Verlängerung des Verbotes gefordert.

Die Geschehnisse am 20.April 2010, als die „Deepwater Horizon“ explodierte und 780 Millionen Liter Rohöl ins Wasser flossen, scheinen einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.
Innenminister Ken Salazar kündigte in Washington die entsprechende Verlängerung des Ölbohrstopps in neuen Regionen für mindestens sieben Jahre an. Somit wurden die Forderungen der Umweltschützer berücksichtigt und gleichzeitig eine kleine Wende in der Energiepolitik der US-Regierung vollzogen.

Noch Ende März, also weniger als einen Monat vor der Katastrophe, hatte US-Präsident Barack Obama noch für eine Ausdehnung der Bohrungen in den Küstengewässern gestimmt.

Trotz des Verbots geht die Ölförderung in den jetzt schon betroffenen Gebieten ungehindert weiter. Die Gebiete im westlichen sowie zentralen Golf von Mexiko seinen von dem Gesetz nicht beeinflusst. Allerdings gelten nun deutlich höhere Sicherheitsstandards.

Immer wieder werden aufgrund von Lobbyismus im Bereich der Ölfirmen Aufträge ohne große Prüfung verteilt. Nach der Katastrophe handelte der Innenminister, indem er die damalige Kontrollorganisation „Mineral Management Service“ auflöste. Dieser wurde Lobbyismus vorgeworfen. Das neue Gremium soll in der neuen Agentur mit erweiterten Rechten ausgestattet werden.

Dennoch darf man das Ganze nicht als komplette Wende der US-Regierung in der Energiepolitik sehen, sondern vielmehr hinterfragen, wie lange das Verbot anhält. Schaut man auf die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse, scheint das Verbot wohl nicht lange unantastbar sein. Neben den Arbeitsplätzen die auf dem Spiel stehen, ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis der Preis pro Fass bei 130 oder 150$ steht. Ebenso stehen in zwei Jahren Wahlen in den USA an. Sollten die Republikaner die Macht wieder erlangen, stehen die Chancen für ein Fortbestehen des Gesetzes schlecht. Den Republikanern wird immer wieder eine gewisse Nähe zu Ölfirmen nacherzählt. Da scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, in welcher Amtszeit das Gesetz gekippt wird.

Schon George W. Bush unterschrieb vor seinem Amtsantritt im Eilverfahren etliche Beschlüsse, die Ölbohrungen vor der US-Küste erlaubten, einschließlich der riskanten Tiefseebohrungen.

Während in den USA ein Verbot für weitere Ölbohrungen in den Startlöchern steht, wird in anderen Teilen der Welt eine andere Schiene gefahren. In Brasilien will das halbstaatliche Mineralölunternehmen „Petrobras“ in nächster Zeit rund 3,5 Milliarden Dollar zum Bau von acht Förderplattformen investieren. Diese sollen dann zur Ausbeute vor der brasilianischen Küste die Ölvorkommen eingesetzt werden.

Das Ganze hat aber eine Kehrseite. Die geplanten Projekte vor der Küste sollen in Tiefen von bis zu 7000 Metern unter dem Meeresspiegel stattfinden. Das Unglück der „Deepwater Horizon“ geschah in 1500 Metern.

Profitgier scheint hier vor dem Umweltschutz zu gehen. Es werden anscheinend Fehler bewusst kopiert, um den eigenen Boom voran zu bringen. Brasilien befindet sich derzeit in einem rasanten Wirtschaftswachstum und lechzt nach Öl. Es will in den nächsten Jahren zu den größten Ölexporteuren gehören. Aber ist es das wert?

Quellen:
• http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,732354,00.html
• http://www.nytimes.com/2010/12/02/us/02drill.html?_r=2&hp
• http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/usa-verbot-offshore-oelbohrung
• http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,728682,00.html


Quelle-Bild:
• © National Geographic Stock / Tyrone Turner / WWF
• © U.S. Coast Guard

 

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Kommentare (1)
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02.12.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Dazu muss man ja bedenken, dass ein Verbot der weiteren Ausdehnung ja nicht bedeutet, dass auch die derzeitigen Ölförderanlagen lahm gelegt werden. Das wäre ja auch utopisch, wenn man bedenkt, wie groß die Nachfrage ist. Es ist einfach schlimm, wie viel Öl täglich in unsere Weltmeere fließt. Allein zur Säuberung eines Frachtschiffes wird einfach Meerwasser benutzt. Die Tanker ziehen teilweise richtige Ölteppiche hinter sich her. Von maroden Pipelines zu Land mal ganz zu schweigen...
Genau genommen kann es nicht so weitergehen - ein Verbot bis 2017 ist zwar immerhin positiv zu betrachten, aber sowas ist ja leider nur eine vorläufige Sache. Und ob sich daran gehalten wird, ist wieder eine andere Frage...
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