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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Korallen im Stress


von Maide
20.02.2010
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Wegen ihrer bunten natürlichen Farbenpracht werden Korallenriffe auch „Regenwälder der Meere“ genannt. Dabei wissen die wenigsten, dass Korallen keine Pflanzen, sondern tatsächlich Tiere sind.


Korallenpolypen, um genauer zu sein. Das sind winzig kleine Tierchen, die man nicht nur in tropischen Gebieten findet, sondern auch im Nordost-Atlantik, westlich von Norwegen und nördlich von Großbritannien. In tropischen Gebieten, wie zum Beispiel beim Great Barrier Reef in Australien, leben die Polypen im Einklang mit den Algen. Diese versorgen die Polypen mit Sauerstoff, Zucker, Proteinen und Fettsäuren, also alles, was wir Menschen auch benötigen. Ihre ‚Ausscheidungen‘, und zwar Kalk, lagern sich nach und nach um die Polypen herum ab, was wir dann als die eigentliche Koralle erkennen und kombiniert mit den bunten Farben, die die Algen ihnen verleihen, entstehen eine farbenprächtige Koralle.

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Das Wachsen der Koralle, also eigentlich seines Kalkgerüstes, kann bei manchen Arten bis zu hunderten von Jahren dauern. Wenn man noch dazu erwähnt, dass die Ausscheidungsprodukte der Korallenpolypen die Bausubstanz von Gebirgen wie den Alpen und den Anden und sogar des Himalajas waren, dann kann man sich schon fast denken, was für ein einzigartige Lebewesen diese Korallen sind.

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Korallen sind multifunktionell 'einsetzbar'; Sie sind nicht nur Lebewesen an sich, sondern bilden auch den Lebensraum vieler Fische, Schalentiere und Mollusken, die dort ihre Kindheit oder ihr gesamtes Leben verbringen, da sie zwischen den Ästen genug Schutz vor Fressfeinden und starken Meeresströmungen haben. Außerdem filtern die Korallen das Meerwasser und halten so ein chemisches Gleichgewicht. Sie dienen auch als Wellenbrecher, wodurch die Überflutung der Küste verhindert wird.

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Korallen spielen aber auch ökonomisch gesehen eine wichtige Rolle. Dort leben ein Viertel der uns bekannten Meeresfische, unter anderem auch viele von unseren Speisefischen, wie zum Beispiel dem Thunfisch, von denen viele Fischer ihr Geld verdienen. In Indonesien, wo sich das Korallendreieck befindet (eines der artenreichsten Meeresgebiete) leben hunderte Millionen Menschen vom Fischen.

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So wichtig Korallen auch sind, so empfindlich sind sie leider.
Sie reagieren sehr sensibel auf kleinste Änderungen in ihrer Umgebung. Schon der kleinste Temperaturanstieg kann für die Koralle gefährlich sein. Dadurch bekommt sie Stress, wodurch die Polypen die Algen abstoßen.


Die Folge: Die Koralle fängt an zu erbleichen, stößt ihre Algen ab und verlieren dadurch ihre Farbenpracht…und auch ihr Leben. Und mit ihr verschwinden auch all die Tiere, die die Koralle als Zuhause und Nahrung nutzen.


Dieses Phänomen des Erbleichens der Koralle nennt man auch ‚Coral Bleaching‘. In den letzten Jahrzenten wurde dieses Ereignis an verschiedenen Orten der Welt beobachtet. Sehr betroffen waren die Malediven, die 95% ihrer Korallen wegen der erhöhten Meerestemperatur verloren.

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Werden in ein paar Jahren alle Korallenriffe so aussehen?


Und auch überall sonst werden Korallen zerstört, und zwar aus folgenden Gründen:


• Raubbau an Korallenbeständen, für Korallenschmuck und anderen Korallenprodukten
• Korallenernten, die die Nachwuchsrate um ein Vielfaches übersteigen
• Die ansteigende Wassertemperatur (dessen Grund wahrscheinlich die Klimaerwärmung ist)
• Wasserverschmutzung
• Schwere Fischernetze, vor allem Grundschleppnetze, die das Kalkgerüst schwer beschädigen
• illegale Fischereimethoden, wie zum Beispiel mit Dynamit
• Überfischung
• Bebauung von Küsten
• Korallenriffe als Touristenattraktion, die durch ihren schlechten Umgang mit Korallen (zum Beispiel das Anfassen der Korallen und das Hochwirbeln von Sand mit den Tauchflossen) diese beschädigen


Weltweit sind bereits 27% aller Korallenriffe vernichtet. Wenn die Zerstörung so rasant weiterschreitet, sind in den kommenden 30 Jahren schon 60% der Riffe zerstört.


Das Verschwinden der Korallenriffe ist in vielerlei Hinsicht, um es milde auszudrücken, ‚nicht gut‘:


• Ähnlich wie beim Regenwald sind die meisten Korallenriffe noch nicht genau untersucht worden. Man verhofft sich dort einen Wirkstoff gegen Krankheiten wie Krebs oder Aids zu finden. Ohne Korallen wird dann nichts daraus.
• Durch das Verschwinden der vielen Fischarten kann im Korallendreieck in Indonesien die Nahrungsversorgung vieler Millionen Menschen nicht mehr gewährleistet sein. Darüber hinaus verlieren die Fischer ihre Erwerbstätigkeit. Mit Aussichten auf eine bessere Zukunft werden sie dann zu Klimaflüchtlingen, die in andere Gegenden auswandern.
• Weniger Korallen bedeuten mehr Überflutungen, die dann folglich auch die restlichen Korallenriffe zerstören und küstennahe Städte nicht mehr bewohnbar machen. Durch die Fluten werden auch Meerestiere an die Küste gespült und vertrocknen dann dort.
• Das Meerwasser hat ohne Korallen kein richtiges chemisches Gleichgewicht mehr. Das Wasser würde sich immer mehr verschmutzen und für Meereslebewesen, auch solchen, die nicht in Küstennähe leben, wäre es nicht mehr möglich, im Wasser zu leben.


Dies sind nur einige der Folgen, die eintreten, wenn die Riffe allmählich verschwinden. Aus diesen Folgen lassen sich noch mehr, auch für die Menschheit, wichtige und bedrohliche Folgen schließen.


Die Lösung für einen großen Teil dieses Problem sollte beim Klimagipfel in Kopenhagen aufgezeigt werden; Die Rückgänge der Treibhausgasemissionen


Da die Suche auf eine Lösung jedoch weitgehend fehlgeschlagen ist, und die Klimapolitik hier auch zu schlafen scheint, sorgen sich viele Umweltorganisationen, unter anderem auch der WWF, für den Erhalt der Korallenriffe, und zwar mit diesen Maßnahmen:


• Neue Meeresschutzgebiete mit einem umfassenden Schutz der Korallen
• Bekämpfung von Fischereimethoden, die die Korallen in jeglicher Hinsicht beschädigen und Förderung von umweltschonenden Fischfangmethoden
• Allgemeines Engagement gegen die Klimaerwärmung


Mit dieser Hilfe hoffen wir, dass wir auch in Zukunft noch die leuchtend pittoresken Korallen bewundern können.

Denn ohne sie wäre die Welt nur halb so ‚koral‘…

 

 

Quellen:


http://www.wwf.ch/de/derwwf/themen/biodiversitaet/arten2/artenschutz/korallenriffe.cfm
http://www.wwf.de/spenden-helfen/fuer-projekte-spenden/kaltwasserkorallen/
http://tauchen.nullzeit.at/Content.Node/sealife/unterwasserwelt/gefahren/4047.php
http://klima-media.de/2009/05/14/korallenparadies-in-der-klimafalle-wwf-report-befuerchtet-artensterben-und-millionen-klimafluechtlinge-in-suedostasien/


Bildverzeichnis:


http://www.sxc.hu/
 

http://africanenvironmentalfilms.squarespace.com/storage/blog-images/kuruwitu/2.Destroyed-coral-head.png

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Kommentare (1)
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20.02.2010
Linda hat geschrieben:
Faszinierend! Es fällt mir ziemlich schwer, mir vorzustellen, dass das nicht nur Pflanzen sondern wirklich Tiere sind . Und gerade deshalb wird bestimmt auch oft so rücksichtslos mit ihnen umgegangen.
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