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Keystone XL - Reine Symbolpolitik?


von Peet
10.11.2015
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Keine vier Wochen, dann beginnt in Paris die 21. UN-Klimakonferenz, kurz COP21. Sie gilt als Hoffnungsträger für das weltweite Klima und soll aufzeigen, dass die Welt handlungsfähig ist. Kurz vor ihrem Start zeigen jetzt auch die USA Flagge. Nach jahrelanger Unsicherheit lehnt US-Präsident Barack Obama die umstrittene KeystoneXL-Pipeline ab. Die Pipeline hat über Jahre hinweg die Gemüter im Land gespalten. Jobs gegen Klimaschutz, Republikaner gegen Demokraten. Doch auch wenn Barack Obama nun offiziell die besagte Pipeline ablehnt: es scheint nur der Tropfen auf den heißen Stein zu sein.

KeystoneXL ad acta

Bei Justin Trudeau dürfte nun sekündlich das Telefon klingeln. Und das nicht nur, weil der taufrische Premierminister Kanadas mit einem ehemaligen Eishockey-Spieler und Ex-Astronauten die Regierung des Landes stellt, sondern weil Barack Obama nun offiziell die umstrittenste Öl-Pipeline der Welt für immer ad acta gelegt hat.

Die Pipeline, bekannt unter dem Namen KeystoneXL, sollte das Öl aus den Teersanden Albertas, im Mittleren Westen Kanadas, bis an die Golfküste Texas pumpen. TransCanada, das Unternehmen hinter dem Projekt, versprach sich davon die Anbindung des Öls an den Weltmarkt. Neben der NorthernGateway-Pipeline, die von Alberta quer durch den Westen des Landes verlaufen wird, sollte so die Welt mit Kanadas Öl versorgt werden.

Vom Öl-Importeur zur Energieunabhängigkeit

Das Projekt wurde jahrelang von der ehemaligen konservativen Regierung unter Ex-Premierminister Steven Harper vorangetrieben. Bislang aber ist die Erschließung des Öls aus den Teersanden Albertas ein reines Minusgeschäft für die beteiligten Firmen. Etliche Unternehmen wie Total, BP oder ExxonMobil hängen an dem Projekt und erhofften sich durch die Öffnung zum Weltmarkt baldige Gewinne.

Mit dem Fracking-Boom in den USA, bei dem Schiefergas unter Chemikalieneinsatz aus dem Boden gewonnen wird, kam auch der Verfall des Ölpreises. Verbraucher freuten sich aufgrund der niedrigen Energiepreise, die USA erlebten einen wirtschaftlichen Aufschwung und Kanadas Teersande ließen die beteiligten Unternehmen weiter tief in die roten Zahlen rutschen. Nicht umsonst hat Barack Obama in einem Tweet darauf hingewiesen, dass Land sei nicht auf das Öl Kanadas angewiesen.

Symbolpolitik auf dem Rücken zukünftiger Generationen

Auch wenn das Regierungskabinett rund um Justin Trudeau bereits eine progressivere Klimapolitik versprochen hat, hält auch sie die Gewinnung von Öl aus den Teersanden Albertas für unverzichtbar. Sind es doch die größten Erdölreserven der Welt und somit eine lukrative Einnahmequelle, die das Projekt versprechen.

Die Entscheidung Obamas ist somit nicht nur eine Ohrfeige für Kanada, sondern auch ein Zeichen an die Welt. Einerseits energieunabhängig zu sein und andererseits die eigene Klimapolitik (Obamas Kampagne: #ActOnClimate) fortzuführen. Und dennoch: Die ablehnende Haltung gegenüber KeystoneXL ist nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Symbolpolitik, sozusagen. Viel entscheidender als KeystoneXL ist und bleibt die Frage, inwiefern sich die USA und China in ihrer Klimapolitik bewegen.

Auf die richtige Rechnung kommt es an

Das Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Xi Jinping, vor genau einem Jahr, wird zwar weiterhin als Meilenstein in der klimapolitischen Zusammenarbeit beider Länder gesehen. Doch fraglich ist, ob die gesteckten Ziele überhaupt sinnvoll sind, um das angestrebte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

China will spätestens bis 2030 den Höhepunkt seiner Kohlenstoffdioxid-Emissionen erreichen. Bis dahin werden - wenn es so weiter geht - die Chinesen alleine so viel Kohle verbrannt haben, dass das Zwei-Grad-Ziel nicht zu halten ist. Von Reduzierung kann hier nur indirekt die Rede sein.

Die USA hingegen versprechen bis 2025 eine Reduzierung der Emissionen um 26 bis 28 Prozent – Ausgangsjahr ist hier 2005. Die EU rechnet mit dem Niveau von 1990, was den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent reduzieren wird. Die USA aber - rechnet man das aufs gleiche Basisjahr wie die EU um - nur um etwa 10 Prozent. Die Klimaziele werden sich folglich schön gerechnet.

Alle Augen blicken nach Paris

Ein neuer Bericht der UN - Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) – bestätigt, dass die Rechnung nicht aufgeht und hier auf Kosten kommender Generation taktiert wird. Der Bericht zeigt auf, dass die derzeitigen weltweiten Bemühungen beim Klimaschutz nur zur Hälfte erreicht werden können, sollten sich die Ziele nicht verschärfen. Die Folge wäre ein Temperaturanstieg von 2,7 – 3 Grad zum Ende des Jahrhunderts.

Hauptverursacher in diesem Spiel sind die USA und China - die beiden größten Emittenten der Welt – die trotz Bemühungen am wenigstens reduzieren wollen. Da bleibt es fraglich, ob Barack Obamas Entscheidung gegen die Ölpipeline aus Kanada tatsächlich einen großen Einfluss aufs Weltklima hat. Denn so oder so wird das schwarze Gold Kanadas gehoben werden, wenn sich die Welt nicht früher oder später auf ein Dekarbonisierungs-Ziel einigt. So viel ist sicher: Wenn alle weltweiten fossilen Ressourcen gehoben werden, sieht es für die Klimaziele düster aus. Die Klimakonferenz wird zeigen, wie handlungsfähig und willig die Welt wirklich ist. 

Bild: Copyright Peter Jelinek

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Kommentare (2)
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12.11.2015
TaraWon hat geschrieben:
Super Text, das weiß man ja gleich mehr :) Das Thema ist wirklich kompliziert und wirklich nicht leicht zu durchschauen. Vorallem wir als Büger sollten zeigen, dass wir Fracking nicht unterstützen wollen.
Es ist ja nicht unsere Erde, sondern ein Platz vieler verschiedener Arten von Lebewesen, Pflanzen, etc.
11.11.2015
Luke24 hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Bericht, der viele interessante Zusammenhänge nennt (z.B. verstärktes Fracking in den USA begünstigt niedrigen Ölpreis).

Was ich sehr Schade finde: Obwohl das Thema Klimakonferenz / Klimaschutz eines der wichtigsten überhaupt ist, wird es in den Nachrichten nur selten thematisiert. Es geht neben der sogenannten "Flüchtlingskrise", dem "Abgasskandal" bei VW und der potentiellen Korruption bei der FIFA mehr oder weniger unter.
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