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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Kernkraft kann auslaufen


von Marcel
01.09.2010
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Klimaschutz ist wichtig - keine Frage. Doch genau aus diesem Grund bekommt in den letzten Jahren auch die Atomkraft überraschend Aufwind. Zahlreiche Länder in Europa bauen oder planen den Bau neuer Reaktoren. Deutschland hält - wie Spanien, Österreich und Belgien - bisher am Atomausstieg fest. Die schwarz-gelbe Regierung will allerdings die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängern. Wie genau die Verlängerung der AKW-Laufzeiten aussehen könnte, darüber gibt es in der Regierung noch keine Klarheit. Immerhin nannte Kanzlerin Angela Merkel mit einer möglichen Zeitspanne von zehn bis 15 Jahren erstmals Zahlen. Währenddessen kritisiert die Opposition, die Regierung beschwöre damit einen "gesellschaftlichen Großkonflikt" herauf.

Dich interessiert bestimmt, wie der WWF dazu steht. Hilft die Kernkraft vielleicht doch dem Klimaschutz? Sollten wir nicht die Kraftwerke nutzen, wo sie doch schon da sind? Stimmt es, dass die Erneuerbaren Energien alleine die Stromversorgung in Deutschland nicht stemmen können?

Der WWF erkennt in dem Gutachten für die zukünftige deutsche Energieversorgung, das die Regierung vorgestellt hat, gar keine stichhaltigen Argumente für eine verlängerte Laufzeit der Kernkraftwerke. Die Dokumente verdeutlichen: Wenn man einen hohen Sicherheitsstandard der Anlagen als Mindeststandard voraussetzt, wird der Weiterbetrieb der Kernkraftwerke keinen spürbaren Einfluss auf das Erreichen der Klimaschutzziele haben. Auch die Effekte auf Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt sind bei hohen Nachrüstkosten für Kernkraftwerke nicht sichtbar. Bei der Entwicklung der Strompreise sind die Auswirkungen ebenfalls vernachlässigbar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dennoch die Verlängerung der Laufzeiten um zehn bis 15 Jahre als „fachlich vernünftig“ bewertet. Eberhard Brandes, Vorstand des WWF kritisiert diese Haltung: „Eine Verlängerung der Laufzeiten ist das genaue Gegenteil von vernünftig. Sie erhöht die Risiken, ohne die versprochenen ökonomischen und energiepolitischen Versprechungen einlösen zu können.“

Wenn sich die Bundesregierung vom geordneten Ausstieg aus der Kernenergie verabschiedet, spült dies zwar zusätzliche Milliardengewinne in die Kassen der vier Energiekonzerne, für die Volkswirtschaft und den Klimaschutz bringt dies jedoch überhaupt nichts. Der WWF ist davon überzeugt, dass jedes Jahr zusätzliche Laufzeit die Investitionen in Erneuerbare Energien blockiert.

Die Gutachten zeigen darüber hinaus, dass Klimaschutzmaßnahmen unabhängig von einer Laufzeitverlängerung in jedem Fall positive Wachstumsimpulse auslösen. Dies zeigt, dass für Deutschland bis 2020 ein Minderungsziel von 40 Prozent beim Treibhausgasausstoß im Rahmen eines Klimaschutzgesetzes der richtige Weg ist.

Dass ohne Kohle- und Kernenergie in Deutschland die Lichter ausgehen sollen, ist ein Mythos. Der WWF hat bereits in seinen Studien nachgewiesen, dass die Erneuerbaren Energien bis 2050 so schnell ausgebaut werden können, dass sie den Strombedarf in Deutschland zu 100 Prozent decken. Doch die großen Energieversorger und Teile der Industrie scheuen sich, mutig daran zu gehen, Deutschland zu einem modernen, klimafreundlichen Modellland zu machen. Stattdessen schüren sie im Rahmen der Debatte um das Energiekonzept der Bundesregierung mit Mythen die Angst vor Veränderung und Fortschritt. Dabei bringt uns der Mut zur Veränderung genau das, was alle wollen: Eine sichere, klimaschonende und bezahlbare Energieversorgung.

Wie ist deine Meinung? Pro oder contra Laufzeitverlängerung?

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Kommentare (13)
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03.09.2010
Marcel hat geschrieben:
@Gluehwürmchen: Ich bin vollkommen Deiner Meinung. Leider sind jedoch die politischen Strukturen meistens so dicht verwoben, dass 'einfache' Lösungen nicht möglich sind. Bei der Frage, wo Windkraftanlagen hingestellt werden, sind der Staat, die Bundesländer und die jeweiligen Kommunen bei der Entscheidungsfindung beteiligt. Dabei ist immer wieder das gleiche Phänomen zu beobachten: Die meisten wollen die Windkraft, aber niemand will sie bei sich zu Hause stehen haben. Vor diesem Hintergrund kann man argumentieren, dass es fairer ist, die Windräder überall zu verteilen, damit jeder ein bisschen Windkraft übernimmt, und keine Region mit einem gigantischen Park leben muss. Wir vom WWF setzen uns mit voller Kraft für einen möglichst großen Anteil an Windkraft im Energiemix ein, vertreten dabei aber auch die Position, dass Windräder nur dort aufgestellt werden sollen, wo sie der Natur nicht schaden (es gibt wenige, aber wichtige Zugvogel-Regionen, wo Windräder stören würden) und wo nicht einmalige Naturlandschaften deutlich eingeschränkt werden.
03.09.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Zupflastern ist hier das Stichwort...ich bin total für erneuerbare Energien, aber wenn ich sehe, wie ganze Landschaften zugestellt werden, anstatt an einer günstigen Stelle EFFIZIENT einen Windpark zu errichten, dann ist das in meinen Augen auch nicht richtig. Ich glaube da liegt das einzige Risiko...dass es wieder nur um eine neue Marktlücke geht und nicht vom Kern der Dinge aus gedacht wird. Warum ist es bloß so schwer, sich einfach zusammenzusetzen, und einen EFFIZIENTEN Plan zu entwickeln, bei dem unser Energiebedarf gedeckt wird MIT erneuerbaren Energien UND gleichzeitg die Natur ganzheitlich mit eingebunden und geschützt wird? Sollte es der Politik ALLER Länder nicht am Herzen liegen aktiv einen Beschluss zu fassen, der als Ziel hat, Mensch und Natur in Zukunft zu erhalten, in bestmöglicher Übereinstimmung? Wie kann man HEUTE leben und dabei immer noch nur Geld und Profit im Kopf haben? Klar, es bedeutet viel Veränderung. Aber es steht etwas auf dem Spiel. Etwas, was nichts weniger als unsere Existenz und die unseres Planeten ist...warum ist das nur so schwer zu begreifen????
03.09.2010
Marcel hat geschrieben:
@Carina: Es müssten nicht alle freie Flächen mit Windkraft- und Solaranlagen gepflastert werden. Der WWF hat nachgewiesen, dass es möglich ist, bis 2050 die Kohlenstoffemissionen in Deutschland um 95 Prozent zu reduzieren - und dafür würden keine Wundertechnologien gebraucht werden. Aber es darf nicht nur darum gehen, die Energieform zu verändern, sondern gleichzeitig auch Energie effizienter zu nutzen und weniger zu verbrauchen. Nur mit diesen drei Schritten werden wir große Sprünge machen können. Alle Infos dazu unter http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/Kurzfassung_Modell_Deutschland.pdf
02.09.2010
Bienenkoenigin hat geschrieben:
ach was ich auch noch sagen soll... bei dem ganzen Anti-Atomenergie sachen... dürfen wir auf keinen Fall Braunkohle vergessen, denn die ist mindestens genauso schlimm... und noch tausenma schlimmer für unser Klima!!!!
02.09.2010
Bienenkoenigin hat geschrieben:
ich bin sowas von für einen Austieg!!! Ich war an einem Workshop, wo wir darüber diskutiert haben. Wirklich schon alleine der Abbau von Uran muss auf jeden Fall verboten sein! Ich mein darüber zu reden, dass die immer noch keinen Platz für den ganzen Atommüll haben muss ich hier ja bestimmt nicht erzählen. Atomenergie ist einfach der größte scheiß!!!! Was anderes fällt mir dazu nicht...
was auch schokierend war, wir haben jeder eins von den 17 Atomkarftwerken in die Hand bekommen, sozusagen... und da standen dann halt ganz viele dinge drauf.. wie alt die sind.. was alles da nicht sicher ist... wie viele unfälle es schon gab usw. das war echt total erschreckend!! unglaublich!!!
02.09.2010
Morgan hat geschrieben:
leider...
02.09.2010
Morgan hat geschrieben:
@Gakje:Wie Urmel88 schon erwähnt hat:"So nach dem Motto, wenn die Erde platt ist gehen wir auf nen anderen Planeten??"
Ich bin der selben Meinung.Wenn da auch zuerst nur Solarkraftwerke stehen,vielleicht sind dann auch andere Stromanbieter der Meinung,sie könnten den Mond vollbauen-aber nicht mit Solarzellen...
02.09.2010
tigerlady93 hat geschrieben:
eindeutig müssen wir auf erneuerbare energien setzen,da führt kein weg dran vorbei!!
02.09.2010
Morgan hat geschrieben:
Mondstrom? Schön und gut (mehr oder weniger),das die Menschheit schon eventuell hinkriegen kann...ich find das nicht so super,auch wenn man da perfekte Solarkraftwerke bauen kann.
02.09.2010
Taki hat geschrieben:
Atomkraft muß auslaufen, Erneuerbare Energie muß Gefördert werden
01.09.2010
Carina hat geschrieben:
Vielen Dank für diesen informativen Bericht! Ehrlich gesagt war ich mir immer sehr unsicher, ob nun die Vorteile oder die Nachteile der Atomkraft überwiegen. Ich habe auch schon von davon gehört, dass Deutschland theoretisch bis 2050 seinen komplettten Strombedarf mithilfe erneuerbarer Energien decken könnte. Allerdings hat mir auch jemand gesagt, dass dafür jede freie Fläche mit Windkraftanlagen oder Solarzellen "gepflastert" werden müsste. Du schreibst, Marcel, dass die Energieversorger mit Mythen die Angst vor Veränderung und Fortschritt schüren. Gehört diese Behauptung auch dazu?
01.09.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ganz klar gegen Atomkraft!!!!
das Risiko ist einfach viel zu groß. Und dass die "Experten" trotz ihrer Sicherheitsvorkehrungen immer wieder ihr blaues Wunder erleben ist ja in letzter Zeit sehr deutlich geworden, egal, worauf man sich nun bezieht.
Man kann sich eigentlich nur wundern, dass die Gegenargumente in der Regierung keine Resonanz finden. Aber das ist ja nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es in der Politik in erster Linie nur um Wirtschaft geht. Und die Atomlobby wird auch ihr Bestes tun, dass sie nicht aus dem Rennen kommen. CDU und FDP sind nun mal Parteien, denen es um Wirtschaft geht...um das liebe Geld. Solange dies aber das Hauptanliegen der Politik ist und solange die Konzerne selbst in diesen Kreisen die Finger im Spiel haben ( Beziehungen...), kann man ja nicht vernünftig über unsere Zukunft reden. Da wird einfach vom falschen Ausgangspunkt her gedacht.
( Also...wählt die Grünen ;-) )
01.09.2010
Morgan hat geschrieben:
bin auch gegen die Laufzeitverlängerung.
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