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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
„Keiner weiß, was in den nächsten Monaten in Fukushima passieren wird“


von Marcel
17.10.2013
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Rund zweieinhalb Jahre nach Fukushima erreicht die Strahlenbelastung immer wieder neue Höchstwerte, und immer wieder hört man von Pannen am havarierten Atomkraftwerk. Wie sieht die Energiechefin Masako Konishi vom WWF Japan die Lage?

WWF Jugend: Wie ist die aktuelle Situation vor Ort? Gibt es weiter Grund zur Sorge?

Masako Konishi: Ich wäre gerne hoffnungsvoll, bin aber sehr besorgt. Die Taifun-Saison beginnt, das bedeutet Regen und Stürme. Kontaminiertes Wasser fließt jetzt schon in den Boden und in den Pazifik. Die Fischer in der Region wollten gerade ihre Arbeit wieder aufnehmen. Aber nach den neuesten Nachrichten über radioaktiv kontaminiertes Wasser, das aus Lecks in den Kühlwassertanks ins Meer strömt, wird das wohl auf Dauer nicht gehen. Diese Tanks stehen überall in Fukushima, es sind mehr als tausend – es gibt noch keine Lösung, was mit diesen Hundertausenden Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers passieren soll. Es gibt so viele Probleme, die noch nicht gelöst sind. Der Premierminister sagt, wir hätten alles unter Kontrolle. Aber das sagt er auch nur, weil wir den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio bekommen haben. Keiner weiß, was in den nächsten Monaten passieren wird.

Manche denken, dass uns die große Katastrophe noch bevorsteht. Wie ist deine Einschätzung?

So wie keiner ahnte, dass so eine Katastrophe wie im März 2011 passieren würde, ahnte auch keiner, was für Probleme mit dem verstrahlten Wasser für die Kühlung der geschmolzenen Brennstäbe entstehen würden. Ich kann nicht ausschließen, dass das Schlimmste noch kommt. Wir Japaner müssen auf das Beste hoffen. Eines ist für mich klar: Die Leute, die in der Nähe von Fukushima gelebt haben, werden für eine sehr, sehr lange Zeit nicht dorthin zurückkehren können.

Wie ist die Stimmung in der japanischen Bevölkerung?

Sehr misstrauisch, sowohl gegenüber der Regierung als auch gegenüber der Betreibergesellschaft Tepco. Man kann dem, was öffentlich gesagt wird, nicht trauen. Die Regierung will die Energiediskussion vorantreiben und setzt weiter auf die Atomenergie, die öffentliche Meinung ist dagegen. Ich glaube, es ist absolut unmöglich in Japan neue Atomkraftwerke wie geplant zu bauen. Wir müssen aus der Atomkraft aussteigen.

Masako Konishi ist Leiterin der Projekte Klimawandel und Energie beim WWF Japan.

Das Interview führte Oliver Samson. Fotos: Fukushima © Tepco; Masako Konishi © WWF Japan

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Kommentare (10)
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03.01.2015
theodor hat geschrieben:
wir schreiben das Jahr 2015, jeden Tag fliesen ca. 300.000 Liter radioaktives Wasser in den Pazifik, normalerweise müsste Tokyo (ca. 80 km entfernt) schon längs evakuiert werden, das ist natürlich nicht möglich (zu viele Einwohner). So erkranken immer mehr Kinder und Jugendliche an Schilddrüsenkrebs. Es geht hier einfach nur um Macht (Atomdorf) und Geld (Betreiberfirma Tepco). Zum besseren Verständnis der japanischen Verhältnisse empfehle ich Euch den Film: Die Lüge von Fukushima (auch unter http://www.solarer-wasserstoff.de unter AKTUELLES. Wir können dann gerne weiterdiskutieren.
12.01.2014
safetheanimals hat geschrieben:
ich finde es komisch, die haben doch an die beiden Bomben gesehen wie gefärlich das Zeug ist, warum bauen sie riesige Fabriken voll mit Atom "Baterrien"? ist doch klar das da früher oder später was schief geht.
Ich mein,Fehler sind verzeilich aber das die Atomkraftwerke nicht aus gestellt werden ist doch dumm ich wette 2050 sind die noch an weil kein Politiker schuld dran sein will ,woran auch immer.
18.10.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Traurig, dass die Regierung das nicht kümmert!
18.10.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Gibt es tatsächlich keine Notfallpläne, die sich mit solchen Szenarien beschäftigen??
Es kann doch nicht ein ganzer Industriezweig, samt Wissenschaft und Gegnern so blind gewesen sein, und solche Notfälle nicht eingeplant haben?!
Selbst wenn zum Zeitpunkt der Katastrophe alle geschockt waren - was ja auch verständlich ist - müssten doch mittlerweile Pläne vorliegen. Das können doch nicht alle dämliche Vollidioten sein!

Was genau wäre denn "das schlimmste"? Welches worst-case-Szenario müssen die Japaner und der Rest der Welt befürchten?
17.10.2013
Carinaa hat geschrieben:
Danke für den Bericht :)
Da denkt man, dass schlimmste sei vorüber, stattdessen steht es einem noch bevor.. :/
17.10.2013
Cookie hat geschrieben:
Danke für den interessanten, aber auch ziemlich deprimierenden Bericht! Fukushima ist so lange her, dass man es schon fast wieder vergessen hat, und dabei ist es noch lange nicht vorbei. Hunderttausende Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser - unvorstellbar! Ich hoffe, der Bevölkerung gelingt es, sich erfolgreich für den Atomausstieg einzusetzen, wobei das wahrscheinlich ähnlich schwierig ist, wie all diese Tonnen verseuchtes Wasser unterzubringen.
17.10.2013
Lisa18 hat geschrieben:
Es ist traurig zu sehen, dass der Regierung es anscheinend egal ist, was mit der Umwelt und den Menschen passiert. Sie sind nur auf den Profit aus:(
17.10.2013
Anastasia98 hat geschrieben:
Sogar wenn das schlimmste schon vorbei wäre, soetwas wird wahrscheinlich auch wieder passieren
17.10.2013
vince hat geschrieben:
Ich befürchte, dass das 2011 noch nicht das schlimmste war. Ich verstehe nicht warum die nicht daraus lernen und die Atomenergie verbieten... wenn doch selbst die Bevölkerung dagegen ist.
17.10.2013
Ronja96 hat geschrieben:
Ich finde es sehr schade, dass es nicht auszuschließen ist, dass die größte Katastophe noch kommt, aber ich denke auch, dass es der richtige Schritt wäre aus der Atomkraft auszusteigen. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Menschen vor Ort.
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