Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Kanada hat entschieden: Öl über alles


von Peet
28.06.2014
8
0
100 P

Nun also doch! Die Northern Gateway Pipeline (NGP) wird kommen, trotz gigantischer Proteste von Seiten der Wissenschaft und der lokalen Bevölkerung. Von Alberta bis an die Westküste British Columbias soll das Öl der Teersande getragen werden. Wieder einmal siegt Geld vor Vernunft.

Der Westen Kanadas ist geprägt vom nordamerikanischen Regenwald, den tief ins Land reichenden Fjorden und unzähligen Seen und Flüssen, die sich aus den Gletschern der Rocky Mountains nähren. An der Küste British Columbias liegt der bisher von Menschen nahezu unberührte Great Bear Rainforest, welcher tausende Tier- und Pflanzenarten beherbergt und Rückzugsgebiet für den weißen Schwarzbär, Wölfe, Elche und viele weitere große sowie kleine Säugetiere ist. Der Urwald ist hier noch intakt und Jahrzehnte lang wurden Holzfirmen ferngehalten. Mit seinen über 80 Meter hohen Bäumen, sowie anderen Rohstoffen wie Kohle oder Erzen, sind hier Begierden aufgetreten, die immer wieder von den First Nations aber auch anderen lokalen Gruppen sowie Umweltschützern abgewehrt wurden. Nun aber fällt die letzte Bastion: Enbridge, zukünftiger Betreiber der Northern Gateway Pipeline, hat die Zusage von ganz oben – Steven Harper. Der liberalkonservative Premierminister Kanadas gab nun sein go für die Ölpipeline, die von Seiten Enbridges und der kanadischen Regierung gerne als die Brücke in eine glanzvolle Zukunft Kanadas gesehen wird.

Die Pipeline ist ein Hoffnungsschimmer für die heimische Ölindustrie. Die Teersande im Herzen Albertas rentieren sich bis dato kaum. Denn das Öl wird auf dem nordamerikanischen Markt angeboten, der einen deutlich niedrigeren Preis bietet als der Preis pro Barrel Öl auf dem Weltmarkt. Die 1.177 Kilometer lange Pipeline soll hier endlich Abhilfe schaffen. In Kitimat liegt dann die lang ersehnte Verbindung zum Weltmarkt. Denn dort führt die Pipeline hin. Quer durch den Westen Kanadas, wird das schmutzigste Öl der Welt transportiert und somit steht den Gewinnen der großen Firmen nichts mehr im Wege.

Im Jahr 2008 gab es zwölf Ölkonzerne, die in der Athabasca-Region 722.000 Barrel Öl am Tag förderten. Bis zum Jahr 2020 sollen es 18 Unternehmen und 2.596.000 Barrel täglich sein. Auch europäische Ölfirmen lassen sich das Geschäft nicht entgehen und investieren fleißig mit. Das Colorado Energy Institute rechnet mit jährlich etwa 350 Millionen Tonnen CO2, die Kanada zusätzlich in die Atmosphäre bläst (WWF, 2008). Das entspricht den Jahres-Emissionswerten der gesamten deutschen Energiewirtschaft. Nicht nur für das Klima und die örtliche Region ist die Förderung des Öls eine Katastrophe. Auch für die Firmen – noch. Aber insgesamt liegen in der kanadischen Tundra 1,7 Milliarden Barrel Öl, welches somit zu einem der größten erreichbaren Ölvorkommen der Welt geworden ist - nur Saudi Arabien und Venezuela haben noch mehr. Ein Topf voller Gold, im Herzen Kanadas.

Dass die Klimaziele somit nicht erreicht werden, stellt niemand mehr in Frage. 300 namentliche Wissenschaftler aus Kanada erklärten in einem Brandbrief an den Premierminister, dass der Bau der Pipeline und das Festhalten an den Teersanden Kanada und die Welt teuer zu stehen kommen wird. Schon 2011 kündigte Kanada, ebenfalls unter Steven Harper, kurzerhand seinen Austritt aus dem Kyoto-Protokoll an. Denn nachdem bekannt wurde, dass die gesetzten Klimaziele nicht annähernd erreicht werden können wurden Milliarden Dollar an Strafzahlungen fällig. Über Jahre hinweg hat sich Kanadas Umweltpolitik radikal gewandelt. Galten die USA unter Bush als der große Sünder in Sachen Umweltpolitik, so hat sich das Bild auf dem nordamerikanischen Kontinent geändert. Mittlerweile ist Kanada einer der großen Initiatoren, wenn es um Öl- oder andere Rohstoffausbeute geht, sowie die Reduzierung der Umweltpolitik in allen Bereichen.

Das go für die Pipeline ist somit ein wichtiges Signal für die Ölindustrie. Denn derzeit ist es die einzige Hoffnung, das Öl an den Weltmarkt zu binden. US Präsident Obama hadert aktuell noch mit seiner Zusage für die geplante Ölpipeline Keystone XL, die von Edmonton, Herz der Ölindustrie und der Teersande, bis an die texanische Küste verlaufen soll. Ein Projekt der Superlative, das vom schlichten Yes oder No eines Mannes abhängig ist. Experten sind sich bis jetzt nicht einig, wie der Präsident reagieren wird. Denn nicht nur Umweltschützer kritisieren die Pipeline. Aus den eigenen Reihen regt sich Widerstand gegen das Projekt. Mit der Zusage Harpers zur NGP soll hier ein Zeichen gesetzt werden: Keystone XL ist ein wichtiges Projekt, aber zur Not machen wir das eben ohne euch.

Denn die NGP ist nur der Anfang. Ist der Weg einmal bereitet und die Barriere überschritten, folgt bekanntlich mehr. Und wieder einmal zeigt sich: Geld gewinnt vor Vernunft. Kanada und der Welt wird das teuer zu stehen kommen.
 

Bilder: © WWF

Weiterempfehlen

Kommentare (8)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
05.07.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Ich fass es einfach nicht, wie man so wenig verantwortungsbewusst handeln kann!!! Da hat wohl jemand den Sinn von "im Hier und Jetzt leben" falsch verstanden, wenn ihnen die Zukunft so...egal ist... :(
01.07.2014
sarahsolaika hat geschrieben:
Sowas macht einen verdammt traurig und fassungslos, echt!
Weiß jemand, ob es eine Petition gibt, bei der Obama aufgerufen wird, dem Bau der Pipeline nicht zuzustimmen?!
30.06.2014
RabanJ hat geschrieben:
Nicht noch ein stück Natur das zu grunde geht :(
Danke für den Bericht.
29.06.2014
LSternus hat geschrieben:
Ein Armutszeugnis für Kanada.
Wir hier das Fraking legalisiert, haben wir unseres.
29.06.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Schade, dass sich so viele Menschen von Geld leiten lassen =(
29.06.2014
Alina22 hat geschrieben:
Es ist echt zum Verrücktwerden mit dem Öl! Ich wünschte die Forschung wäre schon so weit, dass das Öl nicht mehr gebraucht werden würde und die Probleme ein Ende hätten. So rennt uns wirklich die Zeit davon. Ich hoffe es gibt keine Staaten, die sich an Kanadas Haltung ein Beispiel nehmen.
29.06.2014
schnorrcle hat geschrieben:
Und so geht ein weiteres Stück Natur für Konsum und Macht zugrunde ... :(.
29.06.2014
Rhino hat geschrieben:
War leider abzusehen ...aber nichtdestotzrotz furchtbar, wenn das weltweit kein Ende nimmt sind wir bald geliefert ...
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Ausgerottet - die menschlichen Bienen in China
Ausgerottet - die menschlic...
Jeder kennt sie - die Wild- und Honigbienen. Unermüdlich schuften die Arbeiterinnen eines V... weiter lesen
Was bedeutet Trump für den Klimaschutz?
Was bedeutet Trump für den...
Kurz nachdem die UN-Klimakonferenz in Marrakesh zuende gegangen ist, hat sich nun Donald Trump... weiter lesen
Googelst du noch oder pflanzt du schon?
Googelst du noch oder pflan...
Stell dir mal vor, du surfst im Internet und tust der Natur dabei gleichzeitig auch noch etwas g... weiter lesen
Living Planet Report 2016 - Planet am Limit
Living Planet Report 2016 -...
Der neue Living Planet Report ist da! Der regelmäßig vom WWF erarbeitete Report ist... weiter lesen
Nach der Feier beginnt die Arbeit
Nach der Feier beginnt die ...
Paris - viele von uns denken bei diesem Wort nicht mehr nur an den Eiffelturm und Notre Dame, s... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil