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Japans Atomausstieg?


von Rhino
17.07.2011
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Welch erschreckende Ereignisse die Katastrophe im japanischen Fukushima mit sich brachte, ist wohl jedem bekannt, doch wie steht es nun mit der Zukunft Japans? Wird es einen Atomausstieg geben?

Die Situation im Land
Ein Drittel des Strombedarfs der Bevölkerung wird durch die Atomkraft gedeckt. Es gibt insgesamt 54 Reaktoren, damit ist Japan nach den USA und Frankreich der drittgrößte Konsument von Atomkraft.

Was wäre ohne?
Vor Fukushima war an einen Ausstieg gar nicht zu denken, es sollten weitere Reaktoren gebaut werden und nicht nur das, Japan sollte auch in die Plutoniumwissenschaft einsteigen. Es wäre zu einem extremen Boom der Industrie gekommen, denn die Ausweitungsplanungen der Regierung waren nicht zu bremsen…

Die Wahrheit kommt ans Licht…
Die Katastrophe hat nicht nur bewiesen, dass ein Reaktor den Naturgewalten kaum trotzen kann, sie hat auch bewiesen, was hinter den Kulissen der Kraftwerke vor sich ging. Untersuchungen zeigten, dass die Betreiberfirma Tepco (im Besitz von 17 Kernreaktoren) einen verantwortungslosen Umgang mit den Anlagen pflegte. Sicherheitsunterlagen erwiesen sich als Fälschungen und auch zu Inspektionen kam es extrem selten. Auch die anderen japanischen Betreiberfirmen fielen durch skandalöse Fehler auf. Ohne die fürchterliche Katastrophe wären diese grenzwertigen Vorgänge wohl kaum ans Licht gekommen!

Aussteig oder nicht Ausstieg?
Japans Premierminister Naoto Kan verkündete feierlich den kompletten Ausstieg, doch schon einen Tag später kam die verbale Ohrfeige: Dies war kein Entschluss, dies sollte lediglich dazu dienen, eine Diskussion auszulösen! Es handelte sich viel mehr um eine kleine Hoffnung…

Ein steiniger Weg
Das große Problem von Japan ist, dass ein Ausstieg dort mit noch viel mehr Aufwand verbunden wäre, als z. B. ein Ausstieg in Deutschland, dies hat folgende Gründe:
- es leben stolze 130 Millionen Menschen in Japan.
- Japan muss seinen gesamten Strom selbst produzieren, der Import ist nicht möglich.
- es gibt in Japan zwei Stromnetze, ein westliches und ein östliches, die beide nicht miteinander verbunden sind, man müsste praktisch beide Netze noch einmal so aufbauen, das sie auch in Krisensituationen noch eine ausreichende Versorgung durch erneuerbare Energien bekommen, da das eine dem anderen nicht helfen kann. Das macht die Sache noch erheblich kostspieliger!

Money rules
Es gibt allerdings noch ein weiteres wichtiges Problem: die Atomindustrie war auf solche Diskussionen vorbereitet und hat sich schon vor Jahren bei so manch einem Politiker "eingeschmeichelt". Viele sprechen schon von einer regelrechten Kontrolle der Politik durch die Kernkraft-Lobby. Dieses korrupte System niederzuschmettern ist extrem schwierig, denn wie so oft hat das Geld die primäre Kontrolle…

Was sagt das Volk dazu?
Es gibt keine genauen Zahlen und Statistiken, doch zunehmend wird klar, dass das japansiche Volk der Kernenergie immer kritischer gegenüber steht. Die Großdemonstrationen in Japans Metropolen wollen kein Ende nehmen…

Man steht vor zwei Wegen
Entweder pfeift die Regierung auf das Risiko und lässt die Reaktoren weiterlaufen, oder der Korruption wird ein Ende gesetzt und der teure und steinige Weg der grünen Umgestaltung wird eingeschlagen. Zweiteres ist leider sehr unwahrscheinlich, doch vielleicht gewinnt der Menschenverstand ja doch noch einmal gegen die Macht des Geldes, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

Zum Abschluss hier noch eine von mir gezeichnete Karikatur, ich weiß, die ist ziemlich billig gezeichnet, aber ist halt meine erste politische Zeichnung:

von Rhino (Maxim Podobed) 2011

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Kommentare (5)
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29.08.2012
Puma hat geschrieben:
Vllt gibt es noch Hoffnung,dass sie aussteigen.Ich hoffe es mal.Ich möchte nicht noch so eine Katastrophe wie fukushima.Vor allem die fälschungen sind eine Frechheit.Wir denken mal wieder nur ans Geld und nicht an unsrere Kunden,die auch nicht mehr zahlen können,wenn sie durch ein Unglück tot sind...Ich hoffe,jeder versteht,was ich damit sagen will.
20.07.2011
Rae hat geschrieben:
Ich hoffe wirklich, dass man endlich einmal etwas unternimmt, nach so einer Katastrophe...
Obwohl in Tschernobyl Dasselbe passiert ist, unternahm man ja nichts großartiges und nach ein paar Jahren gibt es eh schon wieder genügend andere Katastrophen, da gerät es dann wieder in den Hintergrund..
Ich hoffe wirklich, dass die Japaner, trotz ihrer zurückhaltenden Art, genügend protestieren, dass es auch bei ihnen Änderungen gibt ;) :)
18.07.2011
BioApfelKaetzchen hat geschrieben:
Danke, für den informativen Bericht. Ich denke, dass durch die Atomkatastrophe zumindest mal fürs erste der Bau neuer Atomkraftwerke verhindert oder zumindest verzögert wurde. Ich hoffe, dass Japan den richtigen Weg wählt und auch der ganze Rest der Welt. Es muss halt immer erst was passieren, ...
18.07.2011
Beasty hat geschrieben:
Die Katastrophe in Japan hatte mich sehr betroffen gemacht. Es hat aber auch viele wachgerüttelt und uns allen nochmals gezeigt, dass wir auf tickenden Bomben sitzen. Ich hoffe, dass auch die Japaner das begriffen haben und sich für den sicheren grünen Weg entscheiden, auch wenn dieser viel steiniger ist.
17.07.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Gut strukturierter Bericht! Zumindest ist es ja ein gutes Zeichen, dass innerhalb Japans überhaupt darüber diskutiert wird. Wäre die Regierung total atomlobbyabhängig, würden die Gegenbewegungen sicher bald erstickt sein. Aber ein Land das selbst so betroffen ist, muss natürlich Konsequenzen ziehen und ich drücke die Daumen, dass sie sich für den richtigen Weg entscheiden!
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